Wer hohe Flexibilität im Unternehmen geniesst, kann auch den persönlichen Wert für das Unternehmen steigern. Coworking-Spaces und Home-Office liegen daher im Trend und begünstigen zudem eine positive Energie- und CO2-Bilanz.

Durch die zunehmende Technologisierung steigen auch die Möglichkeiten zur Gestaltung moderner Arbeitsformen. Vor allem computerlastige Tätigkeiten lassen sich damit auch an dezentralen Arbeitsplätzen durchführen und um Tele- oder Videokonferenzen sinnvoll erweitern. Home-Office und Coworking Spaces entwickeln sich daher zu ernstzunehmenden Alternativen.

„Wir erreichen mit Coworking-Spaces mehrere Ziele gleichzeitig, z.B. die Reduktion des Energieverbrauchs, der CO2-Emissionen und ebenso des Bedarfs nach teuren Infrastrukturbauten, die nur während 10 Prozent des Tages benötigt werden.“

Aktuelles Mobilitätsproblem in Zürich

Zukunftsweisende Mobilitätsprojekte

Unter Mitwirkung von EnergieSchweiz setzt sich die Genossenschaft VillageOffice für ökologisch und ökonomisch optimiertes Arbeiten ein. Neben den Beschäftigten und Unternehmen profitiert auch die Umwelt von der höheren Flexibilität. Hermann Scherrer, Leiter Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität KOMO vom Bundesamt von Energie, befürwortet dieses Bestreben: „Wir von EnergieSchweiz fördern zukunftsweisende Mobilitätsprojekte und dazu gehört VillageOffice. Mit einem schweizweiten Netzwerk von Coworking-Spaces schafft die VillageOffice Genossenschaft ein Angebot für Unternehmen und Privatpersonen, das zwischen Home-Office und Arbeitsplatz steht und zur Verkürzung der Arbeitswege sowie zur Reduktion der Verkehrsspitzen beitragen soll.“ So bietet etwa das kürzlich fertiggestellte VillageOffice Uferbau in Solothurn 36 flexible oder feste Arbeitsplätze und drei Sitzungszimmer, die unter anderem von Freiberuflern oder Angestellten durch diverse Mietmodelle genutzt werden können. In St. Gallen, Windisch, Basel und Winterthur finden sich beispielsweise weitere Standorte des Coworking-Netzwerkes. Die Vorteile liegen laut Scherrer auf der Hand: „Dies vermindert das Verkehrsaufkommen und Staurisiko, die lokale Gemeinschaft wird gestärkt und das Mobilitätsverhalten nachhaltig verändert. Wir erreichen so mehrere Ziele gleichzeitig, z.B. die Reduktion des Energieverbrauchs, der CO2-Emissionen und ebenso des Bedarfs nach teuren Infrastrukturbauten, die nur während 10 Prozent des Tages benötigt werden."

Effinger Coworking SpaceBild: Effinger Kaffeebar & Coworking Space in Bern. Quelle: Fotos by Roland Juker www.rolandjuker.ch

Wunsch nach mehr oder weniger Arbeit zu Hause in Abhängigkeit der Distanz des Arbeitsortes vom Wohnort

Umfrage Vernetzte Schweiz

Entlastung der Verkehrsinfrastruktur

Im Studienbericht „Vernetzte Schweiz“ thematisiert die Forschungsstelle sotomo auch mögliche Entlastungen für die Verkehrsinfrastruktur dank Digitalisierung. Rund 44 Prozent der befragten Berufstätigen mit einem Arbeitsweg länger als 50 km würden demnach gerne häufiger zuhause arbeiten. Mit steigender Belastung der Verkehrsinfrastruktur nimmt auch das Interesse an Heimarbeit zu. Die digitale Vernetzung soll deshalb auch zur Verkehrsentlastung beitragen. David Brühlmeier von VillageOffice verweist diesbezüglich auf eine für das KOMO durchgeführte Berechnung: „Bis 2030 könnten Berufstätige innerhalb von 15 Minuten mit Velo oder öffentlichen Verkehrsmitteln im nächsten VillageOffice sein. Dafür benötigt es rund 1‘000 Standorte in der Schweiz. Wir gehen davon aus, dass bis dahin rund die Hälfte aller Mitarbeiter solche Third Places regelmässig nutzen wird. Damit können wir über 4 Mia. Pendelkilometer pro Jahr einsparen und den damit verbundenen CO2-Austoss um über 500'000 Tonnen pro Jahr reduzieren.“

Fact

40 % der gesamten CO2-Emissionen der Schweiz stammten 2014 aus dem Verkehr, davon wurden 66 % von Personenwagen verursacht. (Quelle: BFE – Gesamtenergiestatistik; BAFU – Treibhausgasinventar, BFS 2016)

Bestandsaufnahme in Selbstdeklaration

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) entwickelte deshalb 2014 das FlexWork-Phasenmodell. Es informiert im Zuge einer Selbsteinschätzung über den Grad der Arbeitsflexibilität in einem Unternehmen. In Abhängigkeit der verschiedenen Dimensionen „Mensch, Raum, Technologie“ kann es auch zur Weiterentwicklung der Unternehmensstrukturen dienen. Das Phasenmodell war zudem Grundlage für die 2016 von der FHNW und Work-Smart-Initiative durchgeführte FlexSurvey-Studie. Diese ergab unter anderem, dass bereits rund 1,12 Mio. Menschen von derzeit rund 4,65 Mio. Beschäftigten in der Schweiz flexibel arbeiten. Zudem wünschen sich rund 30 Prozent aller Erwerbstätigen, häufiger flexibel oder mobil arbeiten zu können.

Traditionelle Arbeitsformen bevorzugt

Einige Unternehmen setzen hingegen auf eingepflegte Arbeitsformen. So verabschiedete sich IBM zu Beginn des Jahres in Amerika teilweise von einer flexiblen Arbeitsform. Statt der Beschäftigung am Wohnort mussten Mitarbeitende der Marketingabteilung an sechs festen Standorten des Landes zusammenkommen, was mit vereinzelten Umzügen der Betroffenen verbunden war. IBM verspricht sich einen höheren kreativen Output aus den Teambesprechungen. Diese Massnahme überraschte trotzdem, denn bereits in den 80er-Jahren ermöglichte das Unternehmen die Beschäftigung von zuhause und erlangte damit eine Vorreiterrolle bei örtlich flexiblen Arbeitsformen.

Coworking Experience

Die Coworking Experience von VillageOffice ist ein Jahresprogramm für Unternehmen, um Erfahrung im kollaborativen Arbeiten zu sammeln. Eine ausgewählte Mitarbeiter-Gruppe kann dabei ein Jahr lang den Arbeitsort zwischen Home-Office, angestammtem Büroplatz und VillageOffice frei bestimmen. Bestehende Coworking-Spaces und individuelle Entscheidungsgrundlagen fliessen in die Erarbeitung eines langfristen Konzeptes. Durch die Erhebung von Kennzahlen können die Auswirkungen auf Unternehmenskultur und Kosten nach dem Versuchsjahr analysiert werden. Das Pilotjahr läuft vom 28. August 2017 bis 24. August 2018, Anmeldungen sind bis zum Beginn möglich.

Einfluss online berechnen

Der Online-Rechner mobicheck gibt Auskunft darüber, wie stark sich der unternehmensbezogene Verkehr auf die CO2- und Energie-Bilanz eines Unternehmens auswirkt. Berücksichtigt werden dabei Geschäfts-, Pendler-, Kunden- und Güterverkehr.

Rechtliche Kriterien für Home-Office

Die Work-Smart-Initiative gibt Auskunft darüber, welche rechtlichen Punkte beim Home-Office zu beachten sind.

We Act Challange

Eine Möglichkeit, um Work Smart Prinzipien auf einfache Weise in die Unternehmenskultur zu integrieren bietet die schweizweite „We Act Challenge“, welche dieses Jahr vom 4. - 24. September zum Thema Ressourcen stattfindet. Beim dreiwöchigen Teamwettbewerb werden auf spielerische Weise das Bewusstsein für ressourcenschonende Verhaltensweisen und flexible Arbeitsformen bei Mitarbeitern gefördert.

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