Bis zu 50 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs, der in der Schweiz im Zusammenhang mit Serverräumen und Rechenzentren verbraucht wird, liesse sich aktuell einsparen. Wir zeigen Ihnen auf, welche Energiespar-Massnahmen zu einer Effizienzsteigerung beitragen.

Derzeit werden rund 3 Prozent des gesamten inländischen Stromverbrauchs in der Schweiz für Serverräume und Rechenzentren aufgewendet. Die Tendenz ist steigend, da der Markt dieser für die digitale Wirtschaft bedeutenden Infrastruktur in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Etwa die Hälfte des aufgewendeten Strombedarfs könnte laut einer Studie eingespart werden. Dies hat den Schweizerischen Verband der Telekommunikation asut mit Unterstützung von EnergieSchweiz und weiteren Partnern wie den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) dazu veranlasst, die Kampagne "Weniger Strom, mehr Effizienz in Serverräumen und Rechenzentren" zu lancieren. Die Kampagne zeigt konkrete Massnahmen auf, die zur Effizienzsteigerung beitragen.

Anforderungen an Serverräume oder Rechenzentren

Die Anforderungen an Serverräume oder Rechenzentren sind hoch, zumal darin Unternehmensapplikationen laufen und sich darauf unternehmenskritische Daten befinden, die jederzeit verfügbar sein müssen. Zu den wichtigsten Anforderungen zählen - um nur einige zu nennen - der Schutz vor unbefugtem Zugang sowie äusseren Schäden durch Hitze oder Wasser, die gleichmässige und redundante Stromversorgung (auch im Fall eines Stromausfalls), eine konstante Kühlung der Anlage sowie die regelmässige Wartung, um Ausfälle und Datenverluste zu vermeiden.

Hoher betrieblicher Aufwand

Der Betrieb eines Serverraums oder eines Rechenzentrums ist eine komplexe Aufgabe. Aufgrund der konstanten Zunahme des Datenvolumens und der Entwicklung neuer Technologien muss mit ständigem Ausbau und Nachrüstungen gerechnet werden. Dementsprechend ist der Aufwand für Unternehmen, eine eigene Server-Infrastruktur zu betreiben, gross.

Eine Auslagerung der Server-Infrastruktur an externe Spezialisten kann für ein Unternehmen Sinn machen, wenn es davon ausgeht, dass die benötigte Rechenleistung stetig anwächst oder saisonal bedingt variiert. Bei einer Cloud-Lösung muss in diesem Fall nur so viel Rechenleistung oder Speicherplatz bezogen werden, wie gerade nötig ist. Unternehmen bezahlen dabei nur die wirklich verwendeten Leistungen. Gleichzeitig ist die Infrastruktur durch den professionellen Betrieb des Anbieters stets auf dem neuesten Stand der Technik und somit in der Regel energieeffizient.

Die eigene Infrastruktur optimieren

Laut einer Studie von Amstein+Walthert (2014) im Auftrag des Bundesamts für Energie machen Serverräume und Rechenzentren rund 3 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in der Schweiz aus. Das infrastrukturseitige Einsparpotenzial (unterbrechungsfreie Stromversorgung, Kühlung etc.) liegt in der Schweiz bei rund 280 GWh, was 17 Prozent des heutigen Gesamtstromverbrauchs von Serverräumen und Rechenzentren entspricht. Unter Einbezug der IT-seitigen Effizienzpotenziale (z.B. neue Speichertechnologien oder Virtualisierung) kann gemäss einer weiteren Studie von Amstein+Walthert (2015) gar ein Effizienzpotenzial von 50% erreicht werden.

Betrieb und Zusammenspiel von Geräten verbessern

Auch Effizienzsteigerungs-Massnahmen an den verschiedensten Geräten, die in Serverräumen oder Rechenzentren zum Einsatz kommen (Speichertechnologien, Rechenserver, Netzwerkgeräte, Firewalls, Stromversorgungsapparate, Klimageräte, Alarmanlagen, Sicherheitsanlagen) haben einen grossen Einfluss auf die Energieeffizienz. Neben Stromeinsparungen profitieren Unternehmen dabei meist auch noch von Platz- und Kosteneinsparungen.

Investition zahlt sich aus

Die Umsetzung von Energieeffizienz-Massnahmen ist zwar mit Investitionen verbunden. Diese zahlen sich für Sie als Unternehmen aber durch einen kostengünstigeren Betrieb längerfristig klar aus. Zudem gibt es Initiativen des Bundes und der EVUs, welche Sie bei der Umsetzung solcher Massnahmen unterstützen und Know-how sowie Fördergelder zur Verfügung stellen. Nachhaltigkeits- und Umweltzertifikate ermöglichen es Ihnen, sich als verantwortungsvolles Unternehmen zu positionieren. Zudem gewinnt Ihr Betrieb durch moderne Technologien auch als Arbeitgeber an Attraktivität.

Konkrete Massnahmen

Die möglichen Massnahmen für mehr Energieeffizienz im Serverraum oder Rechenzentrum sind vielfältig und lassen sich grundsätzlich in 8 Kategorien unterteilen:

  1. Visualisierung: Visualisieren Sie Ihre Server und lasten Sie diese gut aus. Damit können Sie laut einer Studie bis zu 96 Prozent Energieersparnis erreichen. Im Weiteren sparen Sie dadurch Platz und Lizenzkosten.
  2. Raumklima: Für moderne Server ist eine Zulufttemperatur von bis zu 27° C ausreichend (ASHRAE Standard). Kühlen Sie also nicht auf tiefere Temperaturen runter, wenn dies nicht nötig ist. Kalt-/Warmgang-Einhausungen, effiziente Lüfter oder die Nutzung von Abwärme ermöglichen weitere Energie-Einsparungen.
  3. Datensicherung: Verwenden Sie für das Speichern von hochverfügbaren Daten anstatt herkömmliche Festplatten effizientere mittlerweile auch erschwingliche Solid State Drives (SSD). Damit lassen sich Stromeinsparungen von bis zu 90 Prozent erreichen. Für weniger schnell verfügbare Backupsysteme empfehlen sich Bandsysteme. Im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten erreichen Bandsysteme Stromeinsparungen von bis zu 94 Prozent.
  4. Stromversorgung verbessern: Ohne eine verlässliche Stromversorgung ist ein Serverbetrieb kaum möglich. Geräte für eine unterbruchsfreie Stromversorgung (USV) werden häufig für die maximale Last konzipiert. Werden USV mittels modularer Geräte dem tatsächlichen Betrieb angepasst, können unnötige USV abgeschalten werden. Damit vermindert sich auch der Bedarf nach redundanten Netzteilen und es können, je nach Situation, sogar weitere Geräte wie Blindleistungs-Kompensations-Anlagen ausser Betrieb genommen werden.
  5. Richtig vernetzen: Computer, Peripheriegeräte und Server sind in einem lokalen Netzwerk über Switches miteinander verbunden. Wenn einzelne Ports eines Switches ungenutzt sind, verbrauchen diese unnötig Energie ohne dass ein Datenverkehr stattfindet. Nutzen Sie daher intelligente Switches, welche ungenutzte Ports temporär in den Ruhezustand versetzen.
  6. Outsourcing: Eine professionelle Infrastruktur, die sich auf dem neusten Stand der Technik befindet, ist in der Regel auch energieeffizient. Daher kann es sich lohnen, die eigenen Server/Racks ins Rechenzentrum des Spezialisten zu stellen oder direkt Leistungen/Services aus der Infrastruktur des Anbieters zu beziehen - Cloud Services.
  7. Messen und Auswerten: Messen Sie Ihren Energieverbrauch und analysieren Sie, dank welchen Massnahmen Sie tatsächlich Strom einsparen konnten. Mit Daten und Kennzahlen lassen sich Effizienzmassnahmen besser planen und umsetzen.
  8. Management und Prozesse optimieren: Eine gute Strategie, die richtige Hardware sowie richtig aufgegleiste Prozesse, Kommunikation und Schulungen bilden eine wichtige Basis für ein erfolgreiches, effizientes Unternehmen.

Wollen Sie wissen, wie energieeffizient der Serverraum oder das Rechenzentrum Ihres Unternehmens ist? Dann beantworten Sie die Fragen im Energie-Check und vergleichen Sie Ihre Resultate im Anschluss mit den Werten von anderen Unternehmen.

Oft machen schon kleine Veränderungen einen grossen Unterschied und bringen zudem weitere Vorteile, die Ihr Unternehmen erfolgreicher machen.

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