Elektroautos in Firmen – so wird der Weg frei

Die Elektromobilität spielt eine wichtige Rolle bei der Wende hin zu einem nachhaltigeren Strassenverkehr. Gerade Firmenflotten könnten dieser Entwicklung Schub verleihen. Doch der Anteil elektrisch betriebener Autos und Lieferwagen bei den Geschäftsfahrzeugen ist noch relativ gering. Eine Studie der Universität St. Gallen hat die Gründe dafür untersucht.

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Zwei Personen verladen ein Solarpanel in ein E-Auto mit Firmenbeschriftung

Die Elektromobilität spielt eine wichtige Rolle beim Wandel hin zu einem nachhaltigeren Strassenverkehr. Gerade Firmenflotten könnten der Verkehrswende entscheidenden Schub verleihen, sagt der Ökonom Pascal Vuichard von der Universität St. Gallen.

Firmenfahrzeuge: grosser Anteil am Verkehr

Geschäftsautos machten einen grossen Teil der neu registrierten Personenwagen aus – in Deutschland zum Beispiel seien es fast zwei Drittel, schreibt der wissenschaftliche Mitarbeiter in einer aktuellen Studie der Fachzeitschrift Energy Research & Social Science. Zudem legten Firmenfahrzeuge jedes Jahr deutlich mehr Kilometer zurück als Privatautos, was dazu führt, dass sie relativ früh auf den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.

Vorurteile gegen E-Autos in Unternehmen?

Was aber bewegt die Flottenverantwortlichen in einem Unternehmen dazu, in Elektromobilität zu investieren – und was hält sie davon ab? Nicht nur konkrete und greifbare Hindernisse wie die bis anhin geringe Dichte der Ladeinfrastruktur oder die höheren Investitionen im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen dürften einen Einfluss darauf haben, dass der Anteil von elektrisch betriebenen Firmenfahrzeugen im Strassenverkehr immer noch relativ tief ist, vermutete der Autor vorab. Einfluss hätten wohl auch weiche Faktoren beziehungsweise Hürden wie etwa der geringe Wissensstand rund um die Elektromobilität, wenig Vertrauen in die Technologie oder das (unbegründete) Gefühl, dass ein elektrisch betriebenes Fahrzeug komplizierter in der Handhabung sei als ein herkömmliches.

E-Fahrzeug auf Probe im Rahmen einer Studie

Eine Antwort suchte Vuichard nicht nur mit einer Onlinebefragung der 30 Flottenverantwortlichen, die sich zu einer Teilnahme an der Studie bereiterklärt hatten – sondern auch, indem er Car-Pool-User in einem Feldexperiment elektrisch betriebene Firmenfahrzeuge ausprobieren liess. Die dazugehörige Kampagne «Wirtschaft unter Strom» war von der Universität gemeinsam mit der Stadt St. Gallen ins Leben gerufen worden und ermöglichte den Teilnehmenden, eine Woche lang gratis und unverbindlich einen elektrisch betriebenen Personen- oder Lieferwagen im Unternehmen Probe zu fahren. Die Teilnehmenden arbeiteten in Firmen mit einer durchschnittlichen Flottengrösse von etwa 50 Fahrzeugen – was nahe am schweizerischen Mittel ist. Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Tag und Fahrzeug lag bei 55 Kilometern.

Ausprobieren fördert Wissen und Begeisterung

Wie die Befragung ergab, spricht für die Anschaffung von Elektroautos aus Sicht der Flottenverantwortlichen vor allem zweierlei: der positive Einfluss auf die Umwelt, aber auch auf das Firmenimage.

Zu den Hindernissen zählen hingegen wie erwartet die limitierte Ladeinfrastruktur, die im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen höheren Anfangskosten sowie die eingeschränkte Produktpalette, die nicht alle Bedürfnisse des Unternehmens abdecken kann. Die Befragten nennen aber auch, ebenfalls wie erwartet, sogenannte weiche Hürden: zu wenig Wissen über Elektromobilität etwa, oder die geringe Nachfrage von Seiten der Angestellten.

Die konkreten Probefahrten scheinen sich gerade auf die Wissenshürde positiv auszuwirken. So vermögen die Versuchspersonen nach der Woche mehr über Auswahl, Preise oder Handhabung zu sagen. Aber nicht nur das: Sie sind auch deutlich begeisterter von der Elektromobilität als vor der praktischen Erfahrung. Wer sich besser informiert fühlt, äussert zudem auch eher Kaufabsichten.

Firmenfahrzeuge auf Parkdeck
Heute sind noch viele Firmenfahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotoren unterwegs. (Foto: Michael Fousert/Unsplash)

Akzeptanz für E-Autos in Unternehmen erhöhen

Aus der Studie lassen sich Empfehlungen für Handlungsträger für drei Ebenen ableiten: Unternehmen, Verbände und Autohändler.

Auf allen Ebenen Verantwortliche für mehr Elektromobilität einbeziehen.

Faktoren wie Wissen oder Technologievertrauen stärker und früher berücksichtigen

Verantwortungsträger auf nationaler Ebene täten gut daran, in Kampagnen zur Förderung der Akzeptanz von Elektromobilität auch weiche Hürden wie Wissen oder Vertrauen in die Technologie mehr und vor allem früher zu berücksichtigen, rät Vuichard. Heutige Förderinstrumente für Firmenflotten würden diese zwar miteinbeziehen, allerdings häufig erst relativ spät im Prozess. Ein umfassender Ansatz, der sowohl die Akzeptanz der Gesellschaft als auch klassische Hürden wie Ladeinfrastruktur oder Investitionskosten im Blick hat, ist laut Vuichard vielversprechend.

Der Fokus auf Geschäftsautos hätte nicht nur zur Folge, dass mehr Menschen Erfahrungen mit Elektroautos machen könnten, sondern dass diese grundsätzlich in der Öffentlichkeit sichtbarer wären, was weiter zur Akzeptanz beitragen könnte.

Gewerbeverbände tragen zur Glaubwürdigkeit bei

Auf lokaler Ebene könnten Gemeindeverwaltungen Kampagnen wie «Wirtschaft unter Strom» in ihr Mobilitätskonzept integrieren. Ein solches Instrument sei insbesondere dort interessant, wo sich lokale Massnahmen zur Erreichung der Mobilitätsziele bisher hauptsächlich an private Verkehrsteilnehmer richteten, sagt Vuichard. Lancieren könnten eine solche Kampagne natürlich auch mehrere Gemeinden gemeinsam – und zum Beispiel in Zusammenarbeit mit ansässigen Autohändlern oder auch mit regionalen Gewerbeverbänden und Handelskammern. Gerade der Einbezug letzterer dürfte zur Reichweite und Glaubwürdigkeit der Kampagne beitragen.

Autohändler: mehr Probefahrten für Unentschlossene

Bei der Entscheidung zum Kauf eines Elektroautos nehmen Autohändler eine Schlüsselrolle ein. Deren Angebot an Unternehmen, solche Fahrzeuge mehrere Tage zur Probe fahren zu können, dürfte, neben finanziellen Anreizen, den Verkauf von elektrisch betriebenen Firmenfahrzeugen ankurbeln. Denn das Probefahren trägt häufig nicht nur zum Wissensstand potentieller Käuferinnen und Käufer bei, sondern verstärkt auch deren Kaufabsichten.


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