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Grossfirmen senken ihren Energieverbrauch

Die Wirtschaft brummt, braucht aber viel Energie. Mit Auflagen und sehr viel Support werden Unternehmen zu mehr Energieeffizienz animiert. Innerhalb von zwölf Jahren konnten so fast 6 Mrd. Kilowattstunden eingespart werden.

Othmar HummOthmar Humm2 min

Die Perlen Papier AG verbraucht jährlich 630 Mio. kWh Elektrizität, wie ihr CEO Peter Schildknecht in einem Bulletin der UBS berichtet: «Kostet die Kilowattstunde einen Rappen mehr, steigen die Energiekosten im Papiergeschäft um 6,3 Mio. Fr. pro Jahr». Der Verbrauch der Papierfabrik entspricht etwa 1 % des gesamten schweizerischen Stromverbrauches. Repräsentativ für Energie-Grossverbraucher ist Perlen keineswegs. Denn ab einem Verbrauch von 0,5 Mio. kWh Strom respektive 5 Mio. kWh Wärme zählt ein Unternehmen in vielen Kantonen zum Kreis der Grossverbraucher. Um die Wärme-Limite zu erreichen, muss der Betrieb allerdings Prozesswärme benötigen. Denn die Energiebezugsfläche müsste mehr als 50'000 m2 umfassen, was allenfalls bei grossen Filialunternehmen wie Migros oder Coop zutrifft. In hochtechnisierten Betrieben wie Banken ist die Schwelle zum Strom-Grossverbraucher schon mit 100 bis 200 Mitarbeitenden erreicht.

Nicht überall ein Thema

In vielen Unternehmen würde das Thema Energie marginalisiert, heisst es von Energieberatern, wie das in einem Haushalt auch passiert. Zu Reden geben die Krankenkassenbeiträge, im Betrieb die Personalkosten. Doch zunehmend fände eine Sensibilisierung statt, weil Betriebe im Grossverbraucher-Modell mit der Rückerstattung der CO2-Abgabe rechnen können, sofern einige Kriterien erfüllt sind. Im Kanton Zürich stehen Energie-Grossverbrauchern drei verschiedene Modelle offen: Die Kantonale Zielvereinbarung, die Universalzielvereinbarung des Bundes und die Energieverbrauchsanalyse. Die Zielvereinbarungen bedingen eine jährliche Erfolgskontrolle, bei der Verbrauchsanalyse sind die daraus abgeleiteten Massnahmen innerhalb von 3 Jahren umzusetzen, wenn sie sich kurzfristig rentieren.

Was heisst kurzfristig?

Energetisch relevante Massnahmen müssen Firmen nur dann umsetzen, wenn die Amortisationsfristen weniger als 4 Jahre bei Prozessen respektive 8 Jahre bei Gebäuden und ihrer Gebäudetechnik entsprechen. Diese kurzen Fristen sind aufgrund der volatilen Märkte für viele Firmen wichtig. Die Massnahmen müssen, so das Gesetz, «zumutbar sein». 

Messung des Effektes

Das zürcherische Energiegesetz verlangt eine Steigerung der Energieeffizienz von 2 % pro Jahr. Gleiche Werte gelten für Universalzielvereinbarungen. Bei der Umsetzung von Massnahmen gehört die Berechnung des Spareffektes zum Projekt, beispielweise bei der Installation einer LED-Beleuchtung. Die Energieeffizienz kann auch mit dem spezifischen Energieverbrauch, bezogen auf die Produktion bestimmt werden («Benchmark»). Bei einem Hotel kann das die Anzahl der Übernachtungen sein, in der Papierfabrik der Papierausstoss – kWh pro Übernachtung oder MWh pro Tonne Papier.

Im betrieblichen Rhythmus 

Die Energie-Agentur der Wirtschaft EnAW begleitet mehr als 3500 Unternehmen auf ihrem Effizienzpfad. Nach Einschätzung von Thomas Weisskopf, der bei den EnAW-Modellen mitarbeitet, übertreffen die meisten Firmen die angepeilten Effizienzziele deutlich. Sehr wichtig ist das Engagement der Belegschaft – vor allem der Technischen Dienste und des Betriebskaders. Ziel aller Beteiligten ist die Abstimmung von energetisch wirksamen Massnahmen mit dem betrieblichen Erneuerungsrhythmus. Das Grossverbraucher-Modell wird schon bald gesamtschweizerisch Anwendung finden. Denn die Auflagen sind Teil des Basismoduls der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, MuKEn 2014, das mittelfristig die meisten Kantone in ihr Energierecht übernehmen.

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