Macht mehr Licht im Büro munter?

Die Beleuchtung im Grossraumbüro hochzuregeln, sorgt nicht immer für aufmerksamere und wachere Mitarbeitende. Eine Studie zeigt, dass hellere Arbeitsplätze je nachdem sogar unangenehm wirken.

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Grossraumbüro mit Backsteinwänden und grossen Fenstern

Bald steht wieder die Zeit an, in der wir den Tageshimmel oftmals nur gerade in der Mittagspause zu Gesicht bekommen. Wer dann keinen Fensterplatz hat im Grossraumbüro, würde dazu vielleicht Rilke dichten, der wird ihn lange missen.

Die Tage werden kürzer und kälter, wir verbringen mehr Zeit drinnen und sind entsprechend häufig auf elektrisches Licht angewiesen. Schon eine Weile beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, wie sich Kunstlicht auf unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit auswirkt. Die Ergebnisse dazu seien sehr unterschiedlich und mitunter widersprüchlich, aber vor allem sei der Einfluss bisher vorwiegend unter Laborbedingungen betrachtet worden, schreiben dazu vier Ingenieurinnen und Umweltpsychologinnen der Technischen Universität Eindhoven. Samantha Peeters, Karin Smolders, Ingrid Vogels und Yvonne de Kort wollten herausfinden, welche Wirkung künstliches Licht im echten Arbeitsalltag hat.

Studie zu Lichtverhältnissen am Arbeitsplatz

In Feldstudien setzten die Forscherinnen aus den Niederlanden deshalb eine kleine Gruppe von Büroangestellten an deren Arbeitsplatz jeweils mehrere Wochen lang unterschiedlich intensivem Licht aus, einmal im Frühling und einmal im Winter. Wie würden sich die wechselnden Bedingungen auf Vitalität, Stimmung, Müdigkeit und Schlafverhalten auswirken? Wie würden die Personen selbst die Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz beurteilen, wo neben Deckenleuchten auch Fenster für Helligkeit sorgten? Die Hypothese der Autorinnen, die ihre Studie kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Environmental Psychology publiziert haben: Gerade am Morgen dürfte eine intensivere Beleuchtung im Büro dazu beitragen, dass sich Menschen wacher und vitaler fühlten.

Mann beugt sich konzentriert über Laptop
Die Beleuchtung in einem Büro soll nicht nur für Helligkeit sorgen, sondern auch angenehm sein. (Foto: Pexels/Andrea Piacquadio)

Intensive Beleuchtung – zu viel des Guten?

Das überraschende Ergebnis: Ob Morgen oder Nachmittag, ob Frühling oder Winter – in keiner der untersuchten Varianten schien mehr Licht eine positive Wirkung zu haben. Im Gegenteil, im Frühling empfanden die Versuchspersonen intensiveres Kunstlicht sogar eher als unangenehm und fühlten sich schläfriger und weniger vital, mussten die vier Wissenschaftlerinnen feststellen. Im Winter habe mehr elektrisches Licht am Morgen gemäss subjektiver Einschätzung der Probanden zudem dazu geführt, dass diese später schlafen gingen.

Interessant ist daran auch: Die intensiveren Lichtbedingungen in der Studie entsprachen den Empfehlungen des internationalen Gebäudestandards beziehungsweise Zertifizierungs­systems WELL, dessen Kernanliegen Gesundheit und Wohlbefinden der Gebäudenutzenden sind.

Vielleicht sei die Kombination aus viel künstlichem, aber eben auch viel natürlichem Licht gerade im Frühling einfach zu intensiv gewesen, besonders bei denjenigen Personen, die nahe an einem Fenster sassen, schreiben die Forscherinnen. Möglich sei auch, dass die Deckenbeleuchtung eine ungünstige Lichtverteilung im Raum erzeugt habe, also der Kontrast allenfalls zu drastisch ausfiel zwischen den direkt angestrahlten Arbeitsplätzen und den Decken und Wänden, auf die kaum Licht fiel.

Licht muss nicht nur hell sein, sondern auch angenehm

Wie künstliches Licht auf uns wirkt, scheint nicht unwesentlich davon abzuhängen, ob wir dieses auch als angenehm empfinden. Dieser Zusammenhang sei zwar komplex und nicht leicht aufzuschlüsseln, doch sollte er auf keinen Fall unterschätzt werden, betonen Peeters und ihre Mitautorinnen.

Einfach den Lichtregler hochzudrehen, ohne dabei Lichtverteilung im Büro und visuellen Komfort zu berücksichtigen, dürfte kaum der beste Weg sein zu optimalen Beleuchtungsverhältnissen.

Ob uns intensiveres Licht also munter und alert macht, hat nicht nur damit zu tun, wieviel Helligkeit unser Auge direkt erreicht – sondern auch mit der Wirkung des Lichtes im Raum. Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist denn laut den Autorinnen: Einfach den Lichtregler hochzudrehen, ohne dabei Lichtverteilung im Büro und visuellen Komfort zu berücksichtigen, dürfte kaum der beste Weg sein zu optimalen Beleuchtungsverhältnissen.

Effizientere Beleuchtung nicht nur einfach heller planen

Wer im Betrieb auf effizientere Beleuchtungstechnik wie LED umstellt, kann oft noch viel Energie und damit auch Kosten sparen. Dabei könnte man in Versuchung kommen, mit etwas stärkeren Lampen gleich noch für mehr Helligkeit zu sorgen. Wie die Studie zeigt, lohnt es sich aber oft nicht, einfach die vorhandene Beleuchtung aufzurüsten. Um eine echte Verbesserung für die Mitarbeitenden zu erzielen, sind gut gestaltete, womöglich «intelligente», neue Lichtsysteme erforderlich.


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