Mobilität

Auswahl eines E-Autos – diese Kriterien gilt es zu beachten

Wer den Kauf eines Elektroautos in Betracht zieht, sollte ein paar Kriterien berücksichtigen. Hier liefern wir Informationen und Tipps dazu, wie man zu einem umweltfreundlichen, kostengünstigen und alltagstauglichen Stromer kommt.

Leonid LeivaLeonid Leiva5 min

Elektroautos machen zwar immer noch einen kleinen Anteil der Schweizer Personenwagenflotte aus, ihre Beliebtheit wächst aber schnell. Im Jahr 2017 gab es in der Schweiz mehr als 83’000 Personenwagen mit mindestens einem Elektroantrieb. Damit stellen rein elektrische und Hybridautos knapp 2 % der 4,6 Millionen in der Schweiz registrierten Personenwagen dar. Rund 13’000 vollelektrische, mit Batterie ausgestatteten Autos waren 2017 hierzulande unterwegs, was einem Anstieg von 40 % im Vergleich zu 2016 entspricht. Damit verzeichnete der Elektroantrieb die höchste Wachstumsrate im Schweizer Automobilmarkt. Die Palette an E-Auto-Modellen wächst in der Schweiz kontinuierlich. Eine aktuelle Übersicht gibt die Fachgesellschaft e'mobile in ihrer Broschüre «Energieeffiziente Fahrzeuge».

In der Schweiz erhältliche effiziente Personenwagen. (Seiten 8 und 9 aus der Broschüre «Energieeffiziente Fahrzeuge»)

Aus der Broschüre «Energieeffiziente Fahrzeuge / Markttrends 2018» von energieschweiz geht hervor, dass die Marke Tesla unter den Stromern bei den Schweizern mit Abstand am beliebtesten ist. Diese nahm 2017 circa die Hälfte des Schweizer E-Auto-Markts ein. Dahinter rangierten in dieser Reihenfolge Renault mit dem Modell Zoe,  BMW mit dem BMW i3 und Opel mit dem Ampera-e. 

Die beliebtesten Elektroautos sind jedoch nicht unbedingt die umweltfreundlichsten. Und sie eignen sich eventuell auch nicht für jedes Budget. Wer beim Kauf eines Neuwagens auf ein umweltschonendes und gleichzeitig erschwingliches Elektroauto setzen möchte, kann mithilfe der Auto-Umweltliste des Verkehrs-Clubs der Schweiz VCS erste Orientierung finden. Diese Liste erteilt jedem im Schweizer Markt erhältlichen Automodell Noten in verschiedenen Kategorien, die für die Umweltverträglichkeit von Bedeutung sind. Die Noten werden als Farbcodes ausgewiesen (Grün, Orange und Rot). Einen Überblick über die batteriebetriebenen Modelle kann man sich hier verschaffen. Eine weitere hilfreiche Liste ist die Autosuche des Touring Club Schweiz TCS. Hier können ebenfalls sämtliche Autos am Markt gefunden werden. Man kann die Suche aber durch die Wahl der Treibstoffart «Elektro» einschränken. Eine Liste der umweltfreundlichsten Autos ist auf dem Vergleichsportal TopTen zu finden. 

Unter Beachtung folgender Auswahlkriterien können potenzielle E-Auto-Käufer ihre Chance erhöhen, zum passenden Modell zu gelangen:

Wichtige Auswahlkriterien

CO2-Emissionen

Wer elektrisch fährt, emittiert zwar keine Abgase, verursacht aber trotzdem indirekte Treibhausgasemissionen. Zu diesen zählen die Emissionen aus der Erzeugung und Transport des Stroms, mit dem das E-Auto geladen wird. Wer also wirklich umweltschonend fahren möchte, sollte sein Auto mit Ökostrom betanken. Zudem sollte das E-Auto möglichst energieeffizient sein. Ein Mass für die Energieeffizienz ist der Stromverbrauch in Kilowattstunden pro gefahrenen Kilometer. Diese Angabe bezieht sich auf Standard-Fahrzyklen und bildet somit nur eine idealisierte Situation ab. Um auch den realen Verbrauch klein zu halten, empfiehlt sich ein sanftes Fahrverhalten mit eher moderaten Geschwindigkeiten und wenigen Beschleunigungsphasen. Wer so fährt, schont zudem die Batterie, denn schnelle Entladungen können den Akkus zusetzen und ihre Lebensdauer verkürzen. Eine Liste der Verbrauchswerte von Personenwagen, die auch E-Autos umfasst, kann hier konsultiert werden. Über Möglichkeiten, den Verbrauch zu senken, findet man hier weitere Informationen. 

Ökologie versus Reichweite

Neben der Stromerzeugung gilt es zu bedenken, dass die Herstellung eines E-Autos ebenfalls Energie verbraucht und somit in der Regel auch CO2-Emissionen nach sich zieht. Das genaue Ausmass dieser grauen Energie fällt unterschiedlich hoch aus. Es hängt vor allem von der Grösse der Batterie und vom Leergewicht des Autos ab. Wer also ein E-Auto mit einer eher kleinen Batterie kauft, tut der Umwelt nicht nur beim Fahren etwas Gutes, sondern hilft indirekt mit seinem Entscheid als Konsument auch, die grauen Emissionen der E-Mobilität zu senken. Eine kleinere Batterie geht allerdings in der Regel auf Kosten der Reichweite, welche von den meisten potenziellen Käufern immer noch als Hauptgrund gegen den tatsächlichen Kauf eines Elektrofahrzeugs angegeben wird. Hier gilt es also genau abzuwägen: Wie gross darf die Batterie sein, ohne dass die in ihr verbaute graue Energie den ökologischen Vorteil während der Nutzung eines E-Autos zunichtemacht. 

Kosten

In der Anschaffung sind elektrisch betriebene Fahrzeuge gegenwärtig noch deutlich teurer als vergleichbare Autos mit Verbrennungsmotor. Das liegt vor allem an den hohen Preisen der Batteriepacks. Der technische Fortschritt der letzten Jahre hat allerdings bereits zu markanten Preissenkungen geführt. Und dieser Trend dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass Elektroautos spätestens bis 2025 die Preisparität mit herkömmlichen Personenwagen erreichen sollten. Berücksichtigt man aber die totalen Betriebskosten über die gesamte Nutzungsphase, schneiden die Stromer teilweise schon heute recht gut ab. 

Strom zu «tanken» ist bei den aktuellen Triebstoffpreisen relativ günstig. Hier kann also pro gefahrenen Kilometer ein Kostenvorsprung zugunsten des E-Autos herausspringen. Wichtig ist wiederum, dass das E-Auto eine möglichst hohe Energieeffizienz aufweist. 

Zudem sind E-Autos in der Regel weniger wartungsintensiv, weil sie weniger bewegliche Teile verwenden, die mechanischen Verschleiss erleiden könnten. Ein bedeutender Kostenpunkt bleibt allerdings die Batterie. Der Preis der Speichereinheit steigt naturgemäss mit der Grösse (sprich: dem Speichervermögen) an. Das ist ein weiterer Grund dafür, beim Akku nach dem Motto «nur so viel wie nötig» zu verfahren. 

Käufer von E-Autos profitieren zudem finanziell, indem sie von der Mineralölsteuer befreit werden. Die beim Zoll erhobene Automobilsteuer, die sich auf 4 % des Nettopreises beläuft, fällt für Elektromobile ebenfalls weg. Auch die Motorfahrzeugsteuer wird für Elektroautos in einigen Kantonen erlassen oder zumindest reduziert. Wie hoch die Ermässigung der Motorfahrzeugsteuer in den verschiedenen Kantonen ausfällt, kann man hier nachsehen.

Auch Versicherer belohnen Autokäufer für die Auswahl eines umweltfreundlichen Personenwagens. E-Auto-Fahrer können gemäss einer Untersuchung von Comparis von einer Prämienverbilligung von bis zu 56 % gegenüber den Käufern von Verbrennungsautos profitieren.  

Ladeinfrastruktur

Die Reichweite von heute verfügbaren E-Autos genügt bereits, um die meisten Fahrten im Alltag zu bewältigen. Für längere Fahrten ist man jedoch nach wie vor auf ein dichtes Ladenetz angewiesen, das auch Schnellladestationen umfassen sollte. Das Laden von Elektroautos findet in der Regel zu Hause oder am Arbeitsplatz statt. Es lohnt sich deshalb, vor allem für Mietende, die Möglichkeit der Installation von Ladepunkten mit dem Vermieter abzuklären, bevor man den Kauf eines Stromers beschliesst. Zudem gilt es zu beachten, dass es verschiedene Ladeanschlüsse im Markt gibt, die nicht immer miteinander kompatibel sind. Dementsprechend kann man unter Umständen nur an bestimmten Ladesäulen seine Batterien nachfüllen.

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Kommentare

  • Silver Schlittler

    15.02.2019 19:33:25

    Fahre seit Sommer 2017 einen BMW i3 und habe mit diesem Fahrzeug im In- und Ausland sehr gute Erfahrungen gesammelt. Kann deshalb die kritischen Punkte in dieser Übersicht nicht teilen.

  • Frau Nelly I. Seglias

    05.03.2019 20:43:18

    Eine sehr gute Sache so ein Elektroauto. Ein Problem ist allerdings wirklich die Distanz, die man damit am Stück fahren kann. Wird sich dies in naher Zukunft ändern?

  • braust

    08.03.2019 18:33:22

    Schöne Zusammenstellung, geht aber zu wenig in die Tiefe.
    Wichtig ist auch, was für Lademöglichkeiten das Auto bietet: AC, DC, Typ 1, Typ 2, CCS, Chademo, ... Hier wäre z.B. eine Zusammenstellung interessant, welche Leistungen geboten werden und was die Zukunft bringt.
    Typ 2 AC mit 22 kW tönt z.B. gut, aber unser Auto (Kia Soul) kann davon nur 1 Phase benützen und so mit max. gut 6 kW laden. Das bedeutet eine Vollladung benötigt gegen 5 h.
    Und ist dann die Leistung mit 10 kW angegeben, bedeutet dies eine Ladezeit von 10 h!
    Unterwegs sind wir daher meist auf DC-Schnelllader angewiesen, die eben nicht so häufig sind.