E-Bikes übernehmen die Strasse (Copyright: Bosch eBike Systems)
Mobilität

E-Bikes übernehmen die Strasse

Die Verkäufe von E-Bikes sind in der Schweiz in den letzten Jahren rasant gestiegen. 2018 steht für einen neuen Rekord und lassen die Elektroautos weit hinter sich. Und auch in einer ökologischen Gesamtbetrachtung steht die Nutzung von E-Bikes weit vorne.

Ian RothwellIan Rothwell4 min

Die frisch publizierten Verkaufszahlen von velosuisse sprechen für sich. Mit über 100’000 Stück wurde ein neuer Verkaufsrekord von E-Bikes in der Schweiz im 2018 erzielt. Der Zuwachs betrug 27 Prozent, somit dürften mittlerweile rund 500'000 E-Bikes in der Schweiz unterwegs sein. Zum Vergleich: Im 2018 wurden rund 5'000 Elektroautos in der Schweiz verkauft.

Die unschlagbaren Vorteile von E-Bikes

Wer schon ein E-Bike fährt, der merkt bald: E-Bikes machen Freude. Doch neben dieser Fahrfreude gibt es noch einige überzeugende Fakten, welchen den anhaltenden Boom erklären.

  • E-Bikes sind schnell: Bei Distanzen von 5 bis 10 km im Stadtverkehr ist das E-Bike das schnellste Verkehrsmittel überhaupt. Gleichzeitig sind der Grossteil der einzelnen Autofahrten in der Schweiz unter 10 km, d.h. hier besteht ein riesiges Potential für die Substitution durch E-Bikes.
  • E-Bikes sind günstig: velosuisse schätzt, dass E-Bikes im Schnitt Fr. 3'500.- kosten. Das hört sich zuerst einmal nach viel an. Doch in dieser Zahl sind auch E-Mountainbikes und die etwas teureren S-Pedelecs (45km/h) berücksichtigt. Gute E-Bikes für die Stadt kosten heute zwischen 2'000 und 2'500.-. Werden diese wöchentlich genutzt und ersetzen ÖV-Billette und/oder Autofahrten, dann ist diese Anschaffung in wenigen Jahren amortisiert.
  • E-Bikes machen gesund: Aufgrund der geringeren Anstrengung motiviert das E-Bike öfter Rad zu fahren und ist bewegungsfördernd. Studien zeigen, dass schon 15 Minuten tägliche Bewegung deutliche Gesundheitsvorteile mit sich bringen und Herz-Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen und Altersdemenz verringern können.
  • E-Bikes sind ökologisch: Oftmals geraten E-Bikes in Verruf wegen ihrer schlechteren Ökobilanz im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrrad. Die Herstellung eines E-Bikes ist energie- und ressourcenintensiver als ein normales Fahrrad. Trotzdem muss aber eine Gesamtperspektive eingenommen werden, die in den nächsten zwei Abschnitten ausgeführt wird.

E-Bikes und die Akku-Frage

Aufgrund der oben genannten Vorteile vermögen E-Bikes einige Auto-Kilometer zu ersetzen. Laut dem deutschen Umweltbundesamt (UBA) sind die Emissionen aus Akkuherstellung und Recycling im Schnitt nach 100 Kilometern mit dem E-Bike eingespart, wenn dafür 100 Auto-Kilometer substituiert wurden. NewRide schätzt sogar, dass 2017 rund 530 Millionen Motorfahrzeugkilometer durch E-Bikes in der Schweiz ersetzt worden sind.

Wie viel Strom verbraucht eigentlich ein E-Bike pro Jahr?

Der Stromverbrauch für das Laden der Akkus wird auch immer wieder ins Feld geführt. Ein grosser Akku braucht für eine Volladung 0.5kWh. Um mindestens 2’500km zu fahren wird dieser 70 mal pro Jahr aufgeladen, das sind 35 kWh. Das ist in etwa der Stromverbrauch von fünf effizienten LED-Glühbirnen im regulären Jahresbetrieb. Dieser zusätzliche Stromverbrauch ist marginal bzw. führt sogar schnell zu einem ökologischen Gewinn für jeden Auto-Kilometer, der nicht gefahren wird.

Neuer Schwung auch bei den E-Motos

Auch bei den E-Scootern gelten die meisten der oben genannten Vorteile. Zwar sind sie etwas weniger ökologisch als E-Bikes, aber als Substitution von Verbrennungsmotoren werden auch sie eine Rolle spielen. Erstmals seit 2012 haben die E-Moto-Verkaufszahlen im 2018 wieder zugenommen. Grössere Reichweiten, neue Motoren (u.a. Bosch) und neue Marken (u. a. Vespa) bringen neue Marktimpulse. Eine aktuelle Übersicht der Modelle von 2019 auf dem Schweizer Markt finden sich auf topten.ch/e-motos.

Einkaufs- und Nutzungtipps für E-Bikes

Der Markt an E-Bikes ist vielfältig geworden. Bambus-Fahrräder, doppelte Akkus-Packs, Automatik-Getriebe oder Carbon-Riemenantriebe sorgen für spannende Entwicklungen. Folgende Tipps helfen:

  1. Achtung vor Schnäppchen! Ein gutes E-Bike hat seinen Preis. Hände weg von billigen Online-Angeboten oder E-Bike-Angeboten, die gleichviel kosten wie ein normales Fahrrad. Fragen Sie auch nach Erhältlichkeit von Ersatzakkus und einem vergünstigten Erstservice.
  2. 25km/h oder 45km/h? E-Bikes gibt es in zwei Ausführungen: normal (25km/h) und schnell (45km/h). Die schnellen E-Bikes, auch S-Pedelecs genannt, brauchen aber ein Nummernschild und gelten als Mofas. S-Pedelecs sind zu empfehlen, wenn steile Strecken und Überlandstrassen anstehen oder ein Anhänger genutzt wird.
  3. Nötige Ausstattung? Scheibenbremsen bei diesen Geschwindigkeiten sind ein Muss und auch einfach selber zu wechseln. 10 Gänge reichen oftmals aus und machen den Service einfacher und günstiger.
  4. Unbedingt Probefahren! Testen Sie verschiedene Antriebssysteme und Ausstattungen, es gibt grosse Unterschiede. Nehmen Sie sich ruhig zwei Nachmittage dafür Zeit. Sie werden ihr E-Bike später mehr fahren als Sie ursprünglich angenommen haben.
  5. Gutes Zubehör machen das E-Bike zu einem 365-Tage-Verkehrsmittel: Regenbekleidung, weitere Reflektoren, Schloss, Helm, Handschuhe und ggf. sogar ein Veloanhänger ins Budget rechnen.
  6. Eine defensive und rücksichtsvolle Fahrweise ist wichtig. Leider haben die Fahrrad-Unfälle in den letzten Jahren zugenommen. Aber wer sich konsequent an die Verkehrsregeln hält, wird merken, dass E-Bikes sicher und schnell ans Ziel führen.

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Kommentare

  • Stefan B

    15.06.2019 12:35:29

    Mir fehlt eine Aussage zur Rekuperation. Mittelmotoren können nicht rekuperieren. Hat dies keinen Einfluss auf Reichweite bzw. Effizienz? Beim Elektro-Auto ist dies doch ein wichtiger Aspekt.
    Ist die Aussage korrekt, dass ein schnelles E-Bike einem Mofa entspricht? Ich meinte, dass es rechtlich gesehen eben genau zwischen Velo und Töffli positioniert wird.
    Und ein schnelles E-Bike mit Anhänger? Ist dies überhaupt gestattet? Ein ungebremster Anhänger bei 45 km/h? Ein langsames E-Bike muss nicht unbedingt einen schwächeren Motor haben. Die Motorunterstützung ist einfach bei 25 km/h abgeriegelt.

  • Detlef Zimmer

    08.07.2019 17:39:59

    Guten Tag,
    die Romandie hat in Sachen Velo grossen Nachholbedarf.
    Ich suche einen ähnlichen Artikel in Französisch.
    Gruss, Detlef