Letztes Jahr wurden weltweit rund 20 Millionen E-Autos verkauft, rund 4 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor. In der Schweiz aber kommt die Elektromobilität nur langsam voran. Woran das liegt und warum ein neues Gesetz neuen Schwung bringen könnte.
Nachdem jahrzehntelang die überwiegende Mehrheit der Personenwagen mit Benzin oder Diesel angetrieben wurde, zeigt der Trend seit einigen Jahren klar in Richtung Elektroauto. Wurden 2012 weltweit erst 120’000 E-Autos verkauft, waren es zehn Jahre später schon mehr als 10 Millionen. Wo steht die Elektromobilität heute in der Schweiz und global?
Wie sich die Elektromobilität weltweit entwickelt
Über die globale Marktentwicklung von E-Autos gibt seit einigen Jahren der «Global EV Outlook» der Internationalen Energieagentur IEA Auskunft. Dem aktuellsten Bericht zufolge wurden 2025 rund 20 Millionen Elektroautos verkauft, rund 20 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Der Anteil des Elektroantriebs an den Gesamtverkäufen erreichte ungefähr 25 Prozent.
Entwicklung der Marktanteile 2025
2025 verzeichnete Europa das stärkste Wachstum unter den wichtigsten Märkten. Die E-Auto-Verkäufe legten um 30 Prozent zu – nicht zuletzt aufgrund schärferer Emissionsvorschriften der EU. In China ging der Marktanteil leicht zurück, lag aber nach wie vor bei mehr als 50 Prozent.
In China ging der Marktanteil der E-Autos an den Neuzulassungen leicht zurück, lag aber nach wie vor bei mehr als 50 Prozent.
In den USA blieben die Verkäufe mit einem Anteil von knapp 10 Prozent stabil, obwohl die Steuergutschriften ausliefen. Fahrt aufgenommen hat die Elektromobilität auch in Südostasien, wo der Marktanteil bei circa 20 Prozent lag. In Lateinamerika ist der Vergleich zu 2024 beeindruckend: Die Verkäufe haben um 75 Prozent zugenommen, wobei vor allem Mexiko und Brasilien als Wachstumstreiber fungierten.
Die weltweiten Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen steigen seit Jahren stark an. Die wichtigsten Märkte sind China, Europa und die USA, aber gerade in Südamerika und Südostasien steigen die Absätze ebenfalls. (Daten: IEA)
Wachstumsprognose für 2026
Für 2026 erwartet die IEA in ihrem Bericht eine weitere Absatzsteigerung auf 23 Millionen verkaufte E-Autos, was einem Marktanteil von 28 Prozent an den Gesamtverkäufen entspricht. Das grösste Wachstum ist im asiatisch-pazifischen Raum ausserhalb von China (50 Prozent), in Lateinamerika (45 Prozent) und in Europa (20 Prozent) zu erwarten. In China wird eine leichte Steigerung des Marktanteils auf hohem Niveau prognostiziert, während in den USA nach dem Auslaufen der Steuererleichterungen ein Rückgang vorausgesagt wird.
Gründe für das Wachstum
In den vergangenen Jahren hat die Elektromobilität den Sprung in den Massenmarkt geschafft. Aus technischer Sicht sind E-Autos inzwischen ebenso ausgereift wie Verbrennerfahrzeuge. Den grössten Effekt auf die weitere Entwicklung haben daher die Kaufpreise und die Rahmenbedingungen. Letztere sind sehr unterschiedlich, weil die einzelnen Staaten verschiedene Strategien und Prioritäten verfolgen. Teilweise ist eine staatliche Unterstützung bereits nicht mehr nötig: In China zum Beispiel waren 2025 ganze 70 Prozent der verkauften E-Autos günstiger als ihre fossil betriebenen Pendants. Das ist vor allem auf die stark gesunkenen Batteriepreise zurückzuführen, welche die E-Autos immer günstiger gemacht haben. Und: Die Produktpalette hat sich stark verbreitert. Global sind inzwischen hunderte E-Auto-Modelle in unterschiedlichen Grössen und Preisklassen verfügbar. Darüber hinaus wächst der Occasionsmarkt, wodurch E-Autos für immer mehr Menschen erschwinglich sind.
Heute sind E-Auto-Modelle in jeder beliebigen Grösse und Preisklasse verfügbar, neu oder auch als Occasion. (Foto: Kia)
China dominiert die Produktion
Gemäss dem IEA-Report bleibt China die wichtigste Herstellernation: 60 Prozent der im vergangenen Jahr verkauften Elektroautos wurden im Reich der Mitte gefertigt. Europäische und nordamerikanische Autohersteller erreichten einen Anteil von je rund 15 Prozent. Ausserhalb der Märkte China, Europa und USA stammen mehr als die Hälfte der verkauften E-Autos aus China – zum Vergleich: 2020 lag der Anteil noch bei unter 5 Prozent. Chinesische Elektrofahrzeuge erfreuen sich also immer grösserer Beliebtheit. Noch stärker fällt die Dominanz bei der Batterieherstellung aus: 80 Prozent der Batteriezellen weltweit stammten 2025 aus China.
Europa: Dänemark holt auf
In Europa ist seit vielen Jahren Norwegen die Nummer 1 bei den Neuzulassungen von E-Autos – 2025 betrug der Anteil fast 96 Prozent. Die ebenso klare Nummer 2 ist Dänemark mit einem Anteil von 68 Prozent. Bemerkenswert ist, dass das nordische Land keineswegs zu den Pionieren in diesem Bereich gehört: 2021 lag der Anteil noch bei mageren 13,3 Prozent. Wie gelang die rasante Marktdurchdringung der Elektromobilität? Einer der wichtigsten Gründe ist das dänische Steuersystem. Wer einen neuen Verbrenner kauft, bezahlt eine hohe Registrierungssteuer sowie eine Mehrwertsteuer von 25 Prozent. Für Elektrofahrzeuge hingegen gelten stark reduzierte Steuersätze, wodurch sie teilweise nur halb so viel kosten wie ein vergleichbarer Verbrenner. Diese günstigen Rahmenbedingungen haben die Marktdynamik entfacht, die sich nun in den hohen Zulassungszahlen niederschlägt. Bei Privatkäufen liegt der Anteil reiner E-Autos mittlerweile bei 95 Prozent.
Dänemark – im Bild eine Ladestation des Betreibers «Clever» in der Stadt Frederiksberg – hat durch steuerliche Anreize die Verkaufszahlen von E-Autos in kurzer Zeit stark gesteigert. (Foto: Clever)
Herausforderung fürs Stromnetz
Grundsätzlich hat die erforderliche Ladeinfrastruktur in Dänemark gut mit den steigenden Absatzzahlen von Elektroautos mithalten können. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Ladestationen auch im privaten Bereich meist von grossen Betreibern verwaltet werden und keine isolierten Geräte sind wie etwa in der Schweiz. Doch kürzlich stiess das Übertragungsnetz in Dänemark an seine Grenzen. Anfang März 2026 sistierte der staatliche Netzbetreiber vorerst für drei Monate alle offenen Gesuche für einen Netzanschluss, weil sonst eine Überlastung gedroht hätte.
Allerdings betreffen die Gesuche keineswegs nur Ladestationen: Problematisch sollen vielmehr auch jene für Rechenzentren, Batteriegrossspeicher und Power-to-X-Anlagen sein. Die eigentliche Herausforderung sind also nicht die neu verkauften Elektroautos, sondern dass verschiedene Strom-Grossverbraucher gleichzeitig auf den Markt kommen. Die Lösungen, die Dänemark dafür findet, dürften früher oder später auch in vielen anderen Ländern gefragt sein.
Elektromobilität in der Schweiz
In der Schweiz kommt die Elektromobilität seit einigen Jahren nicht mehr so richtig vom Fleck. Gehörte sie 2019 und 2020 weltweit noch zu den besten fünf Nationen, was die Anzahl Neuzulassungen betraf, belegte sie 2025 nur noch Rang 13.
Roadmap Elektromobilität
Illustrieren lässt sich die Entwicklung an der sogenannten Roadmap Elektromobilität, die vom Bund geführt wird. Ende 2018 unterzeichneten Akteure aus der Mobilitäts- und Immobilienbranche sowie von Bund, Kantonen und Gemeinde eine Absichtserklärung zur Förderung der Elektromobilität. Das erste konkrete Ziel: Eine Steigerung des Marktanteils von Steckerfahrzeugen bei den Neuzulassungen von damals 3 auf 15 Prozent im Jahr 2022. Dieses Ziel erreichte man bereits 2021 respektive übertraf es mit 23 Prozent deutlich. Die Beteiligten setzen für 2025 ein neues Ziel bei den Neuzulassungen: 50 Prozent sollten es werden. Doch in den folgenden Jahren stagnierte die Entwicklung, sodass das Ziel mit einem Anteil von 34 Prozent deutlich verfehlt wurde.
Fehlende Ladeinfrastruktur zuhause
Es gibt verschiedene Gründe, warum die Schweiz bei der Elektromobilität nicht mehr so richtig vorankommt. Dazu gehört die im internationalen Vergleich hohe Mieterquote von 58 Prozent. In vielen Mietimmobilien gibt es noch keine Ladestationen und für zahlreiche Eigentümerschaften scheint das auch noch keine Priorität zu haben. Dies erschwert Mieterinnen und Mietern den Umstieg auf ein Elektroauto.
Laden in der Firma oder an öffentlichen Stationen
Alternative Lademöglichkeiten könnten Arbeitgeber bieten, denn viele Fahrzeuge stehen tagsüber auf Firmenparkplätzen, sodass genug Zeit zum Aufladen bliebe. Eine weitere Option ist das Laden an öffentlichen Ladestationen. In der Schweiz existieren heute gemäss Swiss eMobility schon mehr als 18’000 davon. Die Dichte ist allerdings je nach Region sehr unterschiedlich, in touristisch geprägten Gegenden liegt sie überdurchschnittlich hoch. Spitzenreiter ist der Kanton Graubünden mit 58 Ladepunkten pro 10’000 Einwohnende, Schlusslicht der Kanton Appenzell Innerrhoden mit 14.
Die Karte zeigt, dass es in der Schweiz zwar schon sehr viele öffentliche Ladestationen gibt, diese aber nicht gleichmässig verteilt sind. (Grafik: Swiss eMobility / Quelle: BFS)
Recht auf Laden soll kommen
Um die Hürden für das Aufladen von E-Autos im Privatbereich zu senken, hat das Parlament den Bundesrat im Sommer 2025 beauftragt, das «Recht auf Laden» gesetzlich zu verankern. Am 19. Juni 2026 hat dieser die entsprechende Änderung des Energiegesetzes bis Mitte Oktober in die Vernehmlassung geschickt. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Eigentümerschaften dazu verpflichtet werden können, die Grundinstallation für den Einbau einer Ladestation vorzubereiten. Damit ist vor allem gemeint, dass Parkplätze mit einer Stromleitung erschlossen werden, sodass man eine Ladestation bei Bedarf nur noch montieren und anschliessen kann. Für Letzteres wären dann allerdings die Mieterinnen und Mieter selbst verantwortlich.
Inwiefern der Entwurf noch angepasst wird und auf wann die Änderung des Energiegesetzes in Kraft treten wird, ist noch offen. Klar ist aber: Mit dieser neuen Regelung wäre es für Mieterinnen und Mieter sowie für Stockwerkeigentümerschaften künftig wesentlich einfacher, ihr Elektroauto zu Hause zu laden. Dies würde den Umstieg von einem Verbrenner- auf ein Elektroauto wesentlich attraktiver machen.
Regulatorische Bedingungen
Daneben spielen nach wie vor auch die Kosten für Elektroautos eine Rolle. Im Gegensatz etwa zu Dänemark gibt es in der Schweiz keine einheitliche nationale Strategie zur Förderung von E-Autos. Aktiv gefördert wird meist nicht die Anschaffung von E-Autos, sondern die Investition in die Ladeinfrastruktur. Auf der Website www.energiefranken.ch lässt sich prüfen, ob am Standort ein solches Förderangebot besteht.
Die Höhe der Motofahrzeugsteuer ist kantonal unterschiedlich. In einigen Kantonen sind Elektrofahrzeuge komplett von der Steuer befreit, in anderen gibt es Nachlässe. Zudem bezahlt man für Fahrzeuge mit Elektroantrieb keine Mineralölsteuer, da diese ausschliesslich auf fossile Treibstoffe angewandt wird. Weil so aber langfristig die Finanzierung des Bundesstrassennetzes nicht mehr gesichert werden kann, will der Bundesrat ab 2030 auch Elektroautos besteuern. Ob und in welcher Form dies umgesetzt wird, ist noch offen.
Elektro-Lkw immer beliebter
Zumindest in einem Bereich der Elektromobilität zählt die Schweiz gemäss einem Bericht des SRF zur europäischen Spitze: Nirgendwo sonst wurden 2025 mehr E-Lkw mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen in den Verkehr gebracht. Fast jedes fünfte neu angeschaffte Fahrzeug in dieser Kategorie verfügte über einen Elektroantrieb. Die Speditionsunternehmen als Käufer dieser E-Trucks versprechen sich offenbar wirtschaftliche Vorteile, wenn sie ihre Flotte elektrifizieren. Das dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass E-Lkw von der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) befreit sind. Ebendiese Befreiung wollte der Bundesrat ab 2029 aufheben.
In der Sendung «Rundschau» vom 15.10.2025 beleuchtete SRF das Thema E-Lkw aus der Sicht von Transportunternehmen und fuhr auch mit.
Das Parlament hat nun aber im Juni 2026 entschieden, die Befreiung bis Ende 2030 fortzuführen und ab 2031 ein neues Modell einzuführen. Dieses sieht einen Rabatt auf die LSVA vor, der stufenweise von 70 Prozent im ersten Jahr auf 10 Prozent im Jahr 2035 gesenkt wird. Branchenverbände begrüssen diesen Entscheid, weil er den E-Lkw mehr Zeit gibt, sich im Markt zu etablieren.
Kommentare: Was denken Sie?