Die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ setzen heute 150 Dieselbusse ein, die pro Jahr rund 5 Mio. Liter Diesel benötigen. Um den Verbrauch zu reduzieren, testen sie seit Oktober 2016 erstmals einen batteriebetriebenen Bus. Nach erfolgreichem Probebetrieb könnten vermehrt umweltschonende E-Busse die Dieselbusse in Zürichs Quartieren ersetzen.

Hybridbusse sind bereits vielerorts im Einsatz. Vermehrt testen die Verkehrsbetriebe auch elektrisch betriebene Fahrzeuge. Die Praxisphasen entscheiden über eine stärkere Verwendung der nachhaltigen Busse.

Seit Oktober vergangenen Jahres fahren in Zürich elektrisch betriebene Busse. Obwohl die VBZ ihre Fahrgäste bereits zum Grossteil mit Strom befördert, werden zusätzlich noch etwa 100 dieselbetriebene Autobusse eingesetzt. Mit dem Einsatz von Elektrobussen sollen diese in den kommenden Jahren sukzessive ausgetauscht werden.  

Auch Hybridantreibe weiter in Nutzung

Bisher setzte die VBZ vor allem auf Hybridbusse mit Diesel- und Elektroantrieb und konnte damit bereits ein Viertel des vorher benötigten Dieseltreibstoffes einsparen. Deshalb ist künftig eine weitere Anschaffung von Hybridfahrzeugen vorgesehen, um veraltete Dieselbusse zu ersetzen. Die Massnahme ist Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie „eBus VBZ“, die auch eine Testphase des rein elektronisch per Batterie betriebenen Quartierbusses vorsieht. Dieser startete im Oktober 2016 auf der Linie 35. Nach zwischenzeitlichem Wechsel auf die Linie 39 fährt der E-Bus seit Anfang April auf der Linie 64 zwischen Bahnhof Oerlikon Nord und Maillartstrasse. Ab Mai soll der E-Bus zudem auf die Linie 40 wechseln. Grund für diese Anpassungen sind vor allem die topografischen Unterschiede, auf die der Bus getestet werden soll. Die Energie zum Antrieb der Busse beziehen die VBZ einen Strommix aus erneuerbaren Energien. Der Bus erreicht eine Strecke von 150 bis 180 Kilometern. Während der Betriebszeit wird der Bus, beispielsweise an Endhaltestellen, über mehrere Stunden aufgeladen, um die erforderliche Gesamtstrecke von rund 300 Kilometern pro Tag zu erreichen. Der Quartierbus wird insgesamt in einer zweijährigen Probephase getestet. Bei positivem Verlauf sollen bei einer Ersatzbeschaffung 2019 anschliessend elektrisch betriebene Busse für die bisher in den Quartieren eingesetzten Klein- und Midibusse verwendet werden.

Zusätzlich wird auch der Trolleybus eine tragende Rolle in den kommenden Planungen des VBZ spielen. So werden unter anderem die Autobuslinien 69 und 80 zwischen 2019 und 2022 auf Trolleybetrieb umgestellt. Per Fahrleitung haben diese Busse eine direkte Stromversorgung und können deshalb anspruchsvolle Steigungen oder hohes Fahrgastaufkommen optimal bewältigen. Mithilfe von Traktionsbatterien können Trolleybusse ausserdem Teilstrecken ohne Fahrleitung zurücklegen.

Elektro-Hybrid-Bus in St. Moritz

In den Wintermonaten muss St. Moritz generell einem hohen Besucherstrom gerecht werden. Zu Beginn des Jahres wurde dieser durch die alpinen Ski-Weltmeisterschaften verstärkt. Deshalb setzte die Energiestadt zusätzlich einen Elektro-Hybrid-Bus zur Beförderung der Zuschauer ein. Damit sollte unter anderem erprobt werden, ob ein Einsatz solcher Fahrzeuge auch zukünftig wirtschaftlich und sinnvoll sein kann. Der Volvo EH Elektro Hybrid nutzte während dieser Testphase vorwiegend seine Batterie als Antrieb und schaltete allenfalls den dieselelektrischen Antrieb hinzu.

Erstmals in der Schweiz kam dabei eine mobile Schnellladestation zum Einsatz. Nach dem Parken unter der Station wurde der rund sechsminütige Vorgang bei einer Ladeleistung von 150 Kilowatt gestartet. „Wir sind überzeugt, dass Elektrobusse in naher Zukunft ein wichtiger Teil des öffentlichen Verkehrs in vielen Städten und Gemeinden sein werden“, sagt Gian Emil Leder, CFO des Ortsbusnetzbetreibers Chrisma. Die erste Einschätzung der Testphase ist positiv. So wurden laut Leder rund 60 Prozent an Dieseltreibstoff eingespart. Die genauen Verbrauchsdaten werden Ende Mai erwartet.  

Bildquelle: Siemens
Bildlegende: Während der Ski-Weltmeisterschaften in St.Moritz wurde erstmals in der Schweiz eine mobile Schnellladestation eingesetzt, um den Elektro-Hybrid-Bus mit Energie zu versorgen.

Elektrobusse in der Hansestadt

Auch im deutschen Hamburg werden Fahrgäste elektrisch befördert. Die bereits seit 2014 eingesetzten Plug-In-Hybridbusse von Volvo wurden im Herbst 2016 durch drei Batteriebusse von Solaris ergänzt. Zwei Ladepunkte mit insgesamt vier Ladestationen sind verfügbar. Jede Ladestation verfügt über eine Leistung von 300 kW. Bei dem rund sechsminütigen Ladevorgang erhalten die Busse ausreichend Energie, um einen Betriebstag zu überdauern. 

Die internationalen Standards IEC 61851 und ISO 15118 bilden die Grundlage zur Ladung von Elektrobussen und bilden auch die Basis für die in Hamburg verwendete Ladetechnik. Mit dem offenen Standard können Busse unterschiedlicher Hersteller dieselbe Ladetechnik nutzen, was eine flexiblere Verwendung der Busse zulässt. Die Batteriebusse von Solaris verfügen über eine On-Board-Ladeeinrichtung von Siemens für Schnellladestationen.

Bildlegende: Quartierbus auf der Linie 64
Bildquelle: VBZ

Öffentlicher Verkehr induktiv geladen

In einem Pilotprojekt wurden auch im deutschen Braunschweig Elektrobusse im Linienverkehr eingesetzt. Die 12 m langen Solobusse und die 18 m langen Gelenkbusse wurden über Nacht im Busdepot vollständig aufgeladen, benötigten für den Betrieb der 12 km langen Busstrecke jedoch zusätzlich Energie. Deshalb wurden Ladeflächen an ausgewählten Zwischenhalten installiert. Wie das Primove-System funktioniert und im Vergleich zu Dieselbussen abschneidet, wird im folgenden Video aufgezeigt: https://www.youtube.com/watch?v=7hGrk8AHKmw

SwissTrolley Plus (Quelle: VBZ)

Zur Elektrifizierungsstrategie „eBus VBZ“ gehört auch das Projekt „SwissTrolley Plus“. Es ist ein vom Bundesamt für Energie unterstütztes Leuchtturmprojekt für die Realisierung eines reinen Elektromobilitätsfahrzeugs aus Schweizer Produktion mit nachhaltigen Komponenten und Steuerungen. Seine Hochleistungs-Traktionsbatterie erlaubt Fahrten ohne Fahrleitung. Durch regeneratives Bremsen kann ausserdem bis zu 15 Prozent Energie eingespart werden. Dadurch erlaubt der «SwissTrolley plus» einen kosteneffizienteren, zuverlässigeren und flexibleren Betrieb von Trolleybus-Linien.

Die dafür notwendige Hochleistungsbatterie wird so konzipiert, dass zusätzlich zum Fahren im Batteriemodus die Stromspitzen der Fahrleitung abgeflacht werden. Somit entlastet der «SwissTrolley plus» das Stromnetz wesentlich. Durch ein GPS-basiertes und selbstlernendes Energiemanagement wird zusätzlich Energie eingespart.

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