Die Welttourismusorganisation UNWTO schreibt dem Tourismus einen Anteil von rund fünf Prozent am gesamten anthropogenen CO2-Ausstoss zu (UNWTO 2012). Wäre der „Globale Tourismus“ ein eigener Staat, würde er damit hinter den USA, China, Russland und Indien als fünfgrößter CO2-Emittent gelistet werden (UNEP 2014). Eine erschreckende Erkenntnis für uns Schweizer Reiseweltmeister.

Die tourismusspezifische Zusammensetzung der Verursacher führt zudem zu einem überproportional starken Klimaeffekt. Denn noch vor der Unterkunft (21%) und dem motorisierten Individualverkehr (32%) stellt der Luftverkehr mit 40 Prozent die bedeutendste Emissionsquelle dar. Der Verbrennungsmotor weist in großen Flughöhen einen besonders grossen Treibhauseffekt auf. Die genaue Bezifferung dieses sog. RFI-Faktors ist Gegenstand des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses. In Kombination aller Teileffekte wird dem Tourismus in den letzten Berechnungen daher sogar ein Anteil von 5,2 bis 12,5 Prozent an der Klimaerwärmung zugewiesen (OECD 2011). Tendenz steigend.

Fernreise verhagelt persönliche Klimabilanz

Was auf der globalen Ebene so abstrakt aussieht, wird in seiner Brisanz schnell anschaulich, wenn man die persönliche Mobilitätsbilanz betrachtet. Verglichen werden nachfolgend die jährliche Verkehrsleistung des Durchschnittsschweizers (siehe BFS 2013) mit der eines umweltbewussten Alltagsreisenden, der sich dafür aber eine Fernreise gönnt. In diesem Fall hat sich unsere Testperson für das Urlaubsziel Vietnam entschieden. Kurze Wegdistanzen und das Umsteigen auf das Velo im Alltag können die zusätzlichen Fernreisekilometer nicht annähernd aufwiegen. Das Mobilitätskonto liegt trotz einer bedeutend niedrigeren Alltagsmobilität 30 Prozent über dem Durchschnitt. Allein die 18.000 Flugkilometer nach Hanoi und zurück verursachen inklusive Kondensstreifen, Ozonbildung und weiteren Effekten eine Treibhauswirkung, die einem Ausstoss von mehr als 6,6 t Kohlendioxid entspricht (siehe atmosfair). Dies ist annähernd das Dreifache des klimaverträglichen Jahresbudgets eines jeden Erdenbürgers.

Was tun? Die Mischung macht’s!

Aufgrund dieser verheerenden Klimabilanz von Langstreckenflugreisen auf diese vollständig verzichten zu müssen, kann sicherlich keine Lösung sein. Denn der Tourismus führt in vielen Weltregionen und nicht zuletzt bei Reisenden sowie Besuchten zu sehr positiven Effekten. Aber muss es denn jedes Jahr ein Urlaubsziel in zigtausenden Kilometern Entfernung sein? Mit einer ausgewogenen Mischung aus nahen und fernen Feriendestinationen kommen Sie einem klimaverträglichen Lebensstil einen grossen Schritt näher. Wer dann noch seine Flugreise möglichst emissionsarm plant – Umsteigeflughafen ohne grossen Umweg zum Ziel, Economy statt Business Class, Fluggesellschaft mit modernem Fluggerät – und die resultierenden Emissionen bei einem der seriösen Anbieter kompensiert, macht viel richtig.

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