Im Zuge der Europatournee machte das deutsche Startup Sono Motors auch in Zürich halt. Die Energie-Experten haben die Chance genutzt und sind den Prototypen des Solarautos mit dem Namen «Sion» Probe gefahren.

Auf einem grossen Parkplatz in Zürich West stehen am Freitag, 27. Oktober 2017, zwei Modelle des Solarautos «Sion» für eine 5-minütige Testfahrt bereit. Eines davon ist weiss und hat schwarze Solarzellen auf dem Dach, an den Seiten sowie am Heck und auf der Motorhaube. Beim zweiten Modell in Schwarz fallen die Solarzellen kaum auf. Nur eine der beiden Farben kommt schlussendlich in die Produktion. Welche das sein wird, ermittelt Sono Motors derzeit mit einer Umfrage bei ihren Käufern und Investoren. Schwarz liege dabei mit 53% der Stimmen knapp vorne, meint Fabian Duensing, Event Assistant bei Sono Motors. Ihm persönlich habe Weiss aber von Anfang an besser gefallen. Zudem würden die Solarzellen auf weisser Fläche mehr Solarstrom produzieren. Auffallend am Fahrzeug ist der kleine Wendekreis. Gerade Taxifahrern erleichtert dies das schnelle Wenden und Parkieren. Spezielles Interesse am preiswerten Fahrzeug hätten auch Solarteure gezeigt. Ihnen könne der Sion als Blickfang oder Gesprächsaufhänger bei der Kundschaft dienen. Ausserdem sei der Sion auch hervorragend geeignet, um Frauenherzen zu erobern. Die Damenwelt würde nämlich zunehmend auf umweltbewusste Typen stehen, sagt Fabian Duensing.


Im Gespräch mit den Energie-Experten verrät Fabian Duensing weitere spannende Details über den Sion:

Wann kommt der Sion auf den Markt?

Fabian Duensing: Im Jahr 2019 (ab dem 3. Quartal)

Wie hoch wird das Produktionsvolumen sein?

Fabian Duensing: Die Produktionskapazität liegt bei 7000 Solarautos. 5000 davon werden wir im 2019 bauen und ausliefern können.

Wie hoch ist die Reichweite vom Sion?

Fabian Duensing: Die Reichweite liegt bei 250 km – vorausgesetzt es ist Sommer, man fährt sparsam und nicht gerade 130 km/h auf der Autobahn und der Weg führt nicht bergaufwärts.

Wie viele Kilometer kann der Sion dank der Sonnenenergie maximal fahren?

Fabian Duensing: An einem sonnigen Tag kann der Sion seine Batterie um bis zu 30 km aufladen.

Die Batterie kostet unschlagbare 4000 Euro und wird mindestens 35 kWh speichern können, möglicherweise sogar mehr. Wie ist das möglich?

Fabian Duensing: Die Anzahl Batteriefabriken vor allem in Asien ist steigend. Wenn man den Preiszerfall für Batterien in den letzten 2-3 Jahren anschaut, dann ist es realistisch, dass Li-Ion-Batterien im Jahr 2019 bezahlbar werden. Bei uns führt auch die grosse Stückzahl zu einer Preisreduktion.

Der Sion kostet ohne Batterie nur 16'000 Euro. Wie schafft ihr es, ein derart günstiges Auto anbieten zu können?

Fabian Duensing: Der Preis wird durch 4 Komponenten positiv beeinflusst: 1) Wir bauen kein eigenes Händler- oder Servicenetzwerk auf. Wir vertreiben direkt über die Website und benötigen keine eigene Werkstatt, da wir ein offenes Werkstattbuch anbieten. 2) Die Automobilteile stammen nicht von Herstellern, sondern aus der Automobilzulieferung, weshalb wir den Herstellern keine Lizenz entrichten müssen. Die Teile sind günstiger, weil sie in sehr grossen Stückzahlen für verschiedene Automarken produziert werden. 3) Unsere Personalkosten sind mit 30 Mitarbeitern sehr tief. 4) Unser Ziel ist nicht die Gewinnmaximierung. Wir möchten die Elektromobilität nachhaltig fördern und gestalten.

Wie schnell fährt der Sion?

Fabian Duensing: Der Sion ist bei 140 km/h elektronisch abgeriegelt.

Was unternimmt Sono Motors für die Sicherheit des Fahrers und seiner Passagiere?

Fabian Duensing: Der Sion muss natürlich wie jedes andere Auto auch die Bedingungen für eine Zulassung erfüllen. Dazu gehört z.B., dass das Fahrzeug ein Antiblockiersystem (ABS) hat oder über ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) verfügt. Zusätzlich bietet der Sion eine Knautschzone an der Front, weil er einen Heckmotor hat. Die Batterie ist umschlossen von Feuerschutzwänden. Falls die Batterie brennen sollte, was theoretisch möglich wäre, dann kann sie nur innerhalb des geschlossenen Raumes brennen. Brennbar ist aber sowieso nur die Flüssigkeit in den Batteriezellen und diese wurde im Laufe der letzten Jahre reduziert. Batterien sind immer trockener geworden, womit das Brandrisiko gesenkt werden konnte. Es gibt heute sogar schon komplett trockene Batterien. Weil sie aber sehr viel schwerer sind, eignen sie sich nicht für die mobile Anwendung.

Von welchen Zulieferern stammen die Bauteile für den Sion?

Fabian Duensing: Für viele Bauteile steht der Zulieferer noch nicht fest, deshalb kann die Frage noch nicht abschliessend beantwortet werden. Die Solarzellen allerdings – das wissen wir schon – werden von Sunpower (USA) geliefert. Die Solarmodule stellen wir selbst her.

Möchten Sie noch mehr erfahren über dieses Projekt? Dann lesen Sie auch unseren ersten Bericht über den Sion: «Ein Solarauto für die Massen» oder studieren Sie das Factsheet.

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