LED und raffinierte Steuerungen verbessern die Energieeffizienz von Strassenbeleuchtungen. Und die Zukunft bleibt spannend: Sowohl Lichtquellen als auch Steuerungen entwickeln sich sehr dynamisch.

Quantensprung in der Strassenbeleuchtung

Mit der Verbreitung von Leuchtdioden und elektronischen Steuerungen wird die Strassenbeleuchtung effizienter und komfortabler. Sogar die Lichtverschmutzung nimmt mit den LED-Leuchten ab.

Fast so viel Strom wie die Stadt Winterthur brauchen die rund 700'000 Strassenlampen der Schweiz, nämlich 400 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Die 90 Millionen Leuchten in ganz Europa beanspruchen Elektrizität im Ausmass des gesamtschweizerischen Verbrauches. Dass darunter auch viele Stromfresser zu finden sind, ist mittlerweile dokumentiert. Mit der Markteinführung von LED in der Strassenbeleuchtung ist das Einsparpotenzial noch grösser geworden. Fachleute schätzen dieses auf 30 bis 50 Prozent, bei älteren Leuchten gar auf 80 Prozent.

LED mit Vorteilen

Leuchtdioden haben den Markt der Strassenbeleuchtung komplett verändert. Die Umwälzung hat mehrere Gründe: LED bringen viel Licht pro Watt Elektrizität, sind langlebig und dimmbar, und ihr Licht lässt sich präzis fokussieren. Das senkt die Wartungs- und Energiekosten. Betreiber von öffentlichen Beleuchtungen drängen aber auf eine konsequente Modularität der Leuchten; dadurch sind die einzelnen Bestandteile einzeln austauschbar. 

Sicherheit mit erster Priorität

Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer steht im Zentrum der Beleuchtung von Plätzen, Wegen und Strassen. Doch Sicherheit sei, wie Jörg Haller betont, ein weitläufiger Begriff. Der Leiter Öffentliche Beleuchtung bei den EKZ zählt dazu auch die "gefühlte Sicherheit": Man kann zwar ein Park nach Norm beleuchten, dennoch würden sich viele Passanten nicht sicher fühlen. In diesen Fällen ist es wichtig, dass Fachleute die Situationen gesamthaft betrachten, um das Licht in der präzisen Dosierung am richtigen Ort zu haben. Besonders häufig stellt sich diese Forderung an Gefahrenstellen, beispielweise an Fussgängerstreifen.

Bild: EKZ

EU-Norm gilt auch in der Schweiz

Mit der Inkraftsetzung der EU-Norm EN 13 201 und der schweizerischen Ergänzungen sind präzise Vorgaben für diese Beleuchtungsaufgaben verfügbar. Für 19 verschiedene Beleuchtungsklassen ist die normative Leuchtdichte respektive Beleuchtungsstärke in den Normen dokumentiert. Wesentliche Kriterien für die Zuordnung von Strassen zu den Beleuchtungsklassen sind die (zulässige) Geschwindigkeit, das Verkehrsvolumen und die baulichen Verhältnisse.

Steuerung enorm wichtig

Nach anfänglicher Skepsis stösst die LED-Technologie bei den Experten auf gute Akzeptanz. Denn bei den mit öffentlichen Geldern finanzierten Beleuchtungsanlagen liegen keine Experimente drin. Ausnahmen bilden Pilotstrecken entlang von ungefährlichen Strassen, um Prototypen zu erproben. Immer öfter wird – neben der Beleuchtungsqualität und dem Sehkomfort – auch die Steuerung der Leuchten evaluiert. Denn das "Abends Ein, morgens Aus" entspreche vielerorts nicht mehr dem geforderten ökologischen Standard, kommentiert Martin Rölli von den Centralschweizerischen Kraftwerken in Luzern. Rölli unterscheidet zwischen programmierten und sensorgesteuerten Beleuchtungen. Programmierte Leuchten funktionieren nach einem Stundenplan, reduzieren also beispielsweise die Beleuchtungsstärke nach Ankunft der letzten S-Bahn, und fahren wieder hoch im Morgengrauen. Falls die Kandelaber mit Sensoren ausgerüstet sind, lassen sich damit Verkehrsteilnehmer erfassen und dadurch Leuchten ein- und nach einer kurzen Frist wieder ausschalten.

Bild: EKZ

Raffinierte „Urdorfer-Lösung“  

Grosse Beachtung findet eine Teststrecke im zürcherischen Urdorf, bei der der Verkehrsfluss mittels einer Videokamera erfasst wird – Anzahl Fahrzeuge während eines Zeitraumes. Der dazugehörige Rechner generiert daraus die normgerechte Beleuchtungsklasse und damit die Dimmstufe der Leuchten. Über Funk gelangen die Signale an die Lichtpunkte. Die Schaltung hat den Vorteil, dass bei einem grösseren Verkehrsaufkommen sehr schnell viel Licht verfügbar ist, beispielsweise wenn das Kino fertig ist. Nach Auskunft von Jörg Haller beträgt die Einsparquote gegenüber einer Halbnachtschaltung nochmals 30 Prozent zusätzlich.      


Bilder:
Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ)

"Strassen beleuchten" - Themenheft von Faktor

Mit der Umrüstung auf LED lässt sich bei der Beleuchtung von Strassen viel Energie sparen – noch mehr, wenn eine bedarfsgerechte Steuerung hinzukommt. Welche Überlegungen sich Gemeindevertreter und Elektrizitätswerke dabei machen sollten, zeigt das neue Faktor Themenheft "Strassen beleuchten". Das Heft beinhaltet fundierte Informationen rund um das Thema Strassenbeleuchtung und gibt Aufschluss über den aktuellen Stand der Technik. Thematisiert werden zudem die Energieeffizienz, die Auswirkungen der neuen Normen, Möglichkeiten der Steuerung sowie die Einflüsse der zunehmenden Lichtimmissionen auf Mensch und Tier. Beispiele aus der Praxis ergänzen die umfassenden Fachinformationen.

Bestellung unter www.faktor.ch

Zum nächsten Beitrag