Fahrzeuge mit alternativem Antrieb legen hierzulande stark zu. Doch wie ist der hiesige Markt für E-Mobilität eigentlich aufgestellt und wie steht er im internationalen Vergleich da?

Stellt man sich an einem beliebigen Tag auf eine beliebige grössere Schweizer Strassenkreuzung, zeigt sich schnell, dass E-Bikes und E-Cars das Bild des Strassenverkehrs verändert haben – fast im Minutentakt sausen Flyers, Teslas und andere E-Mobile vorbei. Wo die Gründe für den starken Aufschwung liegen, den die Elektromobilität seit einigen Jahren erlebt? Sicher in der angestrebten Verringerung der CO2-Emissionen und in technologischen Fortschritten, insbesondere bei den Batterien, aber auch in der Tatsache, dass immer mehr grosse Hersteller attraktive alltagstaugliche Elektrofahrzeuge anbieten. Die jüngste vom unabhängigen Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen Ernst Basler + Partner alljährlich durchgeführte repräsentative Erhebung zu Autokauf und Mobilität in der Schweiz, dem „Barometer Auto und Mobilität von morgen 2016“, zeigt dabei einige für die Elektromobilität besonders relevante Trends auf: So hat die Präferenz für Alternativantriebe in den vergangenen Jahren klar zugenommen. Bereits haben 6% der befragten Zielpersonen vor, beim nächsten Kauf einen Plug-in-Hybrid oder ein Fahrzeug mit Range-Extender (Reichweitenverlängerer) zu erwerben, weitere 8% wollen ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug kaufen – was nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zunehmend kommen dabei 1- bis 2-plätzige Elektro-Kleinwagen auf den Markt. Bekanntester Vertreter dieses speziellen Typs ist aktuell der Renault Twizy. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer können sich vorstellen, einen solchen Kleinwagen zu nutzen – entweder als Ersatz für ein Auto oder ein E-Bike,  oder aber als zusätzliches Fahrzeug. Und weil in den kommenden Jahren viele weitere Modelle folgen sollen, dürften die Zuwachsraten bei den Elektroautos hierzulande hoch bleiben.

Europa gibt bei der E-Mobilität den Takt vor

Von ausschlaggebender Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Elektromobilität in der Schweiz ist der Verlauf von Angebot und Nachfrage in Europa. Zur Erreichung von energie- und klimapolitischen Zielen im Bereich des Strassenverkehrs werden in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten zahlreiche Förderinstrumente und politische Massnahmen eingesetzt.

Ladestation für ElektroautosBild: Deutschland investiert 300 Mio. EUR in die Schnellade-Infrastruktur. Quelle: Shutterstock

EU-Länder mit starker finanzieller Förderung

Zu den europäischen Ländern mit einer starken finanziellen Förderung gehören: Norwegen, die Niederlande, Österreich, Dänemark und Frankreich. Die absehbare Entwicklung in Frankreich zeigt den Einfluss von starken finanziellen Anreizen: Battery Electric Vehicles (BEV) und Fahrzeuge mit hybridem Antrieb (PHEV) erhalten folgende Förderbeiträge:

Kaufprämie von 27 % des Neuwagenpreises, wenn der CO2-Ausstoss pro km unterhalb von 20 g liegt (maximal EUR 6'300).

Kaufprämie von 20 % des Neuwagenpreises, wenn der CO2-Ausstoss pro km unterhalb von 60 g liegt (maximal EUR 4'000).

Kaufprämie von 5 % des Neuwagenpreises, wenn der CO2-Ausstoss pro km unterhalb von 110 g liegt (maximal EUR 2'000).

EU-Länder mit moderater finanzieller Förderung

Stellvertretend für europäische Länder mit einer moderaten finanziellen Förderung zeigt sich die mögliche Marktentwicklung in Deutschland.

Seit Mitte 2016 gilt in Deutschland folgende Unterstützungsmassnahme: 

Battery Electric Vehicles (BEV): Kaufprämie von EUR 4'000
Fahrzeuge mit hybridem Antrieb (PHEV): Kaufprämie von EUR 3'000

Der Betrag wird nur entrichtet, falls der Kaufpreis unterhalb von 60'000 EUR liegt. Die eine Hälfte wird dabei von den Autoherstellern und die andere durch die Bundesregierung finanziert (Maximalvolumen 1,2 Mrd. EUR).

Zusätzlich werden 300 Mio. EUR in die Schnelllade-Infrastruktur investiert.

EU-Länder mit geringer finanzieller Förderung

In südeuropäischen Ländern führt die aktuelle ökonomische Krise dazu, dass Neuwagenkäufer zurzeit noch vor den höheren Anschaffungskosten von Elektroautos zurückschrecken. Anderseits sind in diesen Ländern Kleinwagen traditionell sehr beliebt, was der Elektrifizierung wiederum entgegenkommt.

Am Beispiel von Spanien, welches zurzeit Förderinstrumente in geringer finanzieller Höhe kennt, zeigt sich, dass sich die Marktentwicklung um mehrere Jahre verzögert; die Elektromobilität dürfte sich im Kleinwagensegment allerdings auch ohne Förderung durchsetzen.

Auch in mehreren osteuropäischen Ländern wird der Marktdurchbruch der Elektromobilität im Vergleich zu west- und nordeuropäischen Ländern mehrere Jahre Verzögerung aufweisen. Stellvertretend zeigt dies die absehbare Entwicklung in Polen: Polen hat bis anhin keinerlei Förderinstrumente und auch fast gar keine Ladeinfrastruktur, sodass sich der Markt für Elektrofahrzeuge auf einem niedrigen Niveau bewegt. Ende 2016 wurde neu ein Ziel von 1 Million Elektrofahrzeugen innert 10 Jahren genannt, Details zu den angekündigten Steuerrabatten und staatlichen Zuschüssen liegen jedoch noch nicht vor.

Wo steht die Schweiz?

Auch ausserhalb Europas unterstützt eine Reihe von Staaten die Elektromobilität mit bedeutenden finanziellen Mitteln. Die Schweiz zeigt sich im Vergleich deutlich zurückhaltender – primär sicher, weil sie wirtschaftlich wesentlich weniger stark von der Autoindustrie abhängig ist als andere Staaten. Und während die Politik insbesondere in unseren Nachbarländern Deutschland und Frankreich bereits ambitionierte Ziele bezüglich der Elektromobilität formuliert hat, ist in der Schweiz bis heute eine tiefergehende politische Diskussion weitgehend ausgeblieben. Nur wenige Politiker und Parteien haben dieses Thema bisher aufgegriffen. Dies erstaunt, weil die Elektromobilität doch sehr wesentlich zu einer CO2-ärmeren Mobilität beitragen kann. Stichworte sind beispielsweise die hohe Effizienz von Elektromotoren und die positiven Substitutionseffekte durch Elektrozweiräder im städtischen Gebiet. Hierzulande stellt die Mobilität – neben dem Gebäudebereich – den grössten Hebel dar, um die CO2-Emissionen zu senken, denn stolze 37% des gesamten CO2-Ausstosses werden durch den Verkehr verursacht.

Ausblick

Ab dem Jahr 2020 wird in der EU ein Emissionsziel von 95 CO2/km gelten. Dabei soll wiederum der Strom von Battery Electric Vehicles (BEV) und Fahrzeugen mit hybridem Antrieb (PHEV) mit einem CO2-Wert pro kWh besetzt werden, was einen Vergleich ermöglicht. Die Elektromobilität wird bei der Erreichung dieses EU-Emissionsziels eine wichtigte Rolle spielen. Entsprechend werden Automobilhersteller einen stärkeren Anreiz zur Markteinführung neuer, auch grösserer BEV und PHEV haben.

Die Entwicklung des Fahrzeugangebots in der EU gibt dabei auch das Fahrzeugangebot in der Schweiz vor. So wird die Schweiz folglich auch dieses neue 95-CO2/km-Emissionsziel von der EU übernehmen, wobei die Details der Umsetzung noch nicht bekannt sind.

Da die höhere Kaufkraft in der Schweiz jedoch dazu führt, dass die Schweizer Neuwagen höhere CO2/km-Werte haben als der Durchschnitt über alle EU-Mitgliedstaaten, wird die Elektromobilität in der Schweiz eine nochmals höhere Bedeutung haben als in der EU.  Insbesondere kann dies dazu führen, dass elektrifizierte und teil-elektrifizierte Modellvarianten preislich attraktiver angeboten werden müssen als im Ausland, um die Emissionsziele auch in der Schweiz zu erreichen.

In welchem Jahr der Schweizer Neuwagenmarkt das 95 CO2/km-Ziel erreichen wird, hängt dabei wesentlich von neuen Förder- und Anreizinstrumenten ab. Insgesamt hat das 95-CO2/km-Emissionsziel einen starken Einfluss auf die verschiedenen Elektromobilität-Szenarien, und zwar betreffend des angenommenen Angebots, der Preisgestaltung sowie insbesondere auch der Marktdurchdringung im Bereich der Mittel- und Oberklasse. Und auch der Anteil der PHEV wird dadurch stark beeinflusst. Vor diesem Hintergrund darf also damit gerechnet werden, dass in der Schweiz der Boom der E-Mobile in den kommenden Jahren anhalten wird.

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