Nach der ersten Race for Water Odyssey 2015 startet der gleichnamige Solarkatamaran unter Schweizer Flagge im April zur zweiten Expedition. Die fünfjährige Forschungsreise hat zum Ziel, die Verschmutzung der Weltmeere zu erforschen, darüber zu informieren und neue Lösungen zu fördern, dank denen Plastikmüll gar nicht erst ins Meer gelangt.

Im April startet der Solarkatamaran «Race for Water» zu seiner zweiten «Odyssey». Ziel ist es, die Weltmeere vor der immensen Verschmutzung durch Plastikabfälle zu schützen. Initiant ist ein Schweizer Unternehmer und auch ein Teil der Energietechnik stammt aus der Schweiz. Am 9. April 2017 sticht der Schweizer Solarkatamaran «Race for Water» bereits zum zweiten Mal in See. Startpunkt ist der Hafen von Lorient an der französischen Atlantikküste. In seiner fünf Jahre dauernden Reise verfolgt die Expedition mit dem Namen «Race for Water Odyssey» das Ziel, die lebenswichtige Ressource Wasser vor der zunehmenden Verschmutzung zu schützen. Tatsächlich stellen Kunststoffabfälle ein weltweites Problem dar. Plastikteile sowie Mikroplastik, ein Zersetzungsprodukt, sammeln sich nicht nur an Stränden an und treiben an der Wasseroberfläche. Insbesondere dort, wo Meeresströmungen aufeinandertreffen, kommt es auch zu immensen Ansammlungen. Als «neuer Kontinent» wird der Great Pacific Garbage Patch bezeichnet, ein zwischen Nordamerika und Asien liegender Meereswirbel im Nordpazifik, der eine besonders hohe Konzentration von Plastikteilen aufweist

 

Bermudas, Tokyo, Dubai sind nur einige der Stationen, an denen das Solarboot auf seiner Reise Halt machen wird. (Karte: Race for Water)

Rund zehn Prozent des weltweit produzierten Plastiks enden im Meer. Rund acht Millionen Tonnen sollen laut einem Bericht des Wissenschaftsmagazin Science allein im Jahr 2010 in die Ozeane gelangt sein. Dem will der Waadtländer Unternehmer Marco Simeoni ein Ende bereiten. Vor sieben Jahren gründete der passionierte Segler die Stiftung «Race vor Water». Seine Mission lautet, die Verschmutzung der Meere zu erforschen, zu kartieren und auf die damit verbundene Problematik aufmerksam zu machen. Dazu sollen wissenschaftliche Studien zum Schutz der Meere durchgeführt werden und neue Lösungen gefunden werden, um die Plastikberge in den Ozeanen zu bekämpfen.  

Bittere Erkenntnis

Die erste Reise Simeonis hatte zum Ziel, die Weltmeere vom Müll zu befreien. Für den Initianten der «Race for Water Odyssey» ist heute aber klar, dass angesichts der enormen Mengen Abfall eine effiziente Säuberung im grossen Stil nicht realistisch ist. Nach dieser bitteren Erkenntnis hat er seinen Ansatz neu formuliert: «Wir müssen proaktiv handeln, um zu vermeiden, dass der Plastikmüll bis ins Wasser gelangt.» Dies soll gelingen, indem man ihm einen Wert gibt. Simeonis Idee ist es, den weggeworfenen Abfall mittels innovativer Technologien in Energie zu verwandeln – und damit gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen.

Autark mit Sonne und Wasserstoff

Seit seinem ersten weltumrundenden Einsatz 2015 ist der 35 Meter lange und 23 Meter breite Katamaran, der damals unter dem Namen «Planet Solar» fuhr, komplett überholt worden. Energielieferant des autark funktionierenden Bootes ist eine 500 Quadratmeter grosse Solaranlage. Die während des Tages über einen Solargenerator gewonnene Sonnenenergie treibt das Schiff an und liefert gleichzeitig Energie für den Alltag der Crew an Bord. Sie wird zudem in vier Lithium-Ionen-Batterien gespeichert, damit das Schiff auch nachts mit Energie versorgt ist. 

Legende: Dank Solarenergie und Wasserstoff-Technologie ist das Boot während mindestens sechs Tagen autark unterwegs. (Illustration: Race for Water)

Gleichzeitig wird Meerwasser an Bord gepumpt, entsalzen und gespeichert. Mit überschüssiger Solarenergie wird durch Elektrolyse überdies Wasserstoff gewonnen. Bei Bedarf wird dieser mittels zwei 30-kW-Brennstoffzellen in Elektrizität umgewandelt, die entweder den Motor antreibt oder die Batterien wiederauflädt. Die Technologie dazu hat das Schweizer Unternehmen Swiss Hydrogen SA entwickelt. «Als Spezialist für wasserstoffbasierte Energielösungen sind wir stolz darauf, dass unsere Expertise mit dem Ziel des Schutzes unserer Ozeane zum Einsatz kommt. Mit der Ausstattung dieses Bootes möchten wir auch zeigen, dass saubere Energielösungen für die Schifffahrt heute schon möglich sind. Wasserstoff-Technologien funktionieren zuverlässig und sind nachhaltig, auch im maritimen Umfeld», sagt Alexandre Closset, Präsident der Swiss Hydrogen SA. 

Fünf Jahre auf See

Ohne Emissionen zu verursachen, wird der Katamaran in den kommenden fünf Jahren die Welt umrunden. Rechtzeitig zum Americas Cup wird er im Mai und Juni 2017 auf den Bermudas andocken. Die Zeit bis zu den Olympischen Spielen in Tokyo im Sommer 2020 will die vier- bis fünfköpfige Crew, zu denen bis zu 15 Forscher stossen, für wissenschaftliche Expeditionen im Pazifik nutzen. Um ideale Arbeitsverhältnisse für die Wissenschaftler zu schaffen, wurde das Layout im Innern des Bootes optimiert. Zur Weltausstellung 2020 wird der Katamaran in Dubai stationiert sein, bevor er 2021 wieder in heimische Gefilde zurückkehrt. Mit dieser zweiten Odyssey will Gründer Simeoni sein Engagement für den Kampf gegen die Plastikverschmutzung verstärken. «Heute kann niemand verneinen, dass es wirtschaftliche Lösungen zum Schutz des Wassers gibt», ist Simeoni überzeugt. 

 

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