Anstatt den Treibhausgasausstoss bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken, ist dieser im Verkehrssektor bis heute noch angestiegen. Soll der Klimawandel noch gestoppt werden, bedarf es eines neuen Mobilitätsleitbilds. Für den Stadtverkehr bedeutet dies zwangläufig die Abkehr von flächenintensiven, schweren und spritfressenden "Rennreiselimousinen". Stattdessen gehört flexiblen E-Mikromobilen im Sharingbetrieb die urbane Zukunft. Beispielsweise dem BICAR.

Mit dem BICAR werden wir künftig den Weg vom Bahnhof zum Büro zurücklegen, die Einkaufstaschen nach Hause transportieren oder bei Regenwetter zum Arzttermin fahren. Das ist die Vision des interdisziplinären Forschungsteams der ZHAW School of Engineering, welches den BICAR entwickelt hat: Platzsparend, wendig und umweltfreundlich wie ein Velo, komfortabel, wettergeschützt und angetrieben wie ein Elektroauto. Am 20. Mai 2015 hatten potenzielle Sponsoren und Wirtschaftspartner erstmals Gelegenheit, einen Blick auf den fertigen Prototyp zu werfen. Auffällig sind seine goldene Haube und die darin eingelassene bauchige Windschutzscheibe, die sicherstellen, dass Lenkerinnen und Lenker auch bei Regen und Wind trocken von A nach B gelangen. Unter dem Chassis befinden sich drei Räder, die sich in Kurven zusammen mit dem ganzen Fahrzeug zur Seite neigen. Das und die erhöhte Sitzposition des Lenkers sorgen für mehr Sicherheit im Stadtverkehr.

Intuitiv, ergonomisch und platzsparend

Besonders am BICAR sind nicht nur Optik und Technik, sondern auch Betriebsform: Das BICAR wird nicht daheim in der Garage stehen, sondern ist explizit als Sharing-Fahrzeug konzipiert. Das hat gute Gründe: Dem stetig steigenden Mobilitätsbedürfnis stehen Flächenverdichtung, geringere Rohstoffverfügbarkeit und politische Emissionsrestriktionen gegenüber. Gefragt sind deshalb alternative Mobilitätsdienstleistungen, ohne dass die Nutzer dabei auf komfortable, individuelle Mobilität verzichten müssen. Die Lösung sind smarte Sharing-Angebote – und damit ein Mentalitätswechsel vom Besitzen zum Nutzen. Smart am BICAR ist unter anderem die intuitive Bedienung, die Ergonomie für Personen unterschiedlicher Grösse und das platzsparende Fahrzeugdesign: Auf einem herkömmlichen Parkplatz finden bis zu acht BICARs Platz, was für Anbieter von Sharing-Fahrzeugen klare Vorteile bietet.

Städtischen Verhältnissen angepasst

Das BICAR ist als urbanes Fahrzeug konzipiert. Es verbindet den geringen Flächen- und Kostenbedarf eines Elektrovelos mit dem Funktionsumfang und Komfort eines elektrisch angetriebenen Autos – und erfüllt damit die typischen urbanen Verkehrsbedürfnisse: Es ist flächensparsam, leise, klimafreundlich und wetterunabhängig. Auch die Reichweite von 20 Kilometern, die Geschwindigkeit von rund 30 km/h und der leistungsstarke Elektroantrieb sind städtischen Verhältnissen angepasst. Das BICAR eignet sich daher insbesondere für die sogenannte "letzte Meile" zwischen Pendlerbahnhof und Zieladresse.

Vom Prototyp zur Forschungsplattform – seien Sie dabei!

Hinter dem Namen BICAR steht jedoch nicht nur ein Prototyp eines neuen Fahrzeugs. BICAR dient als offene Forschungsplattform, an der Interessierte neue Ideen und Konzepte für eine nachhaltigere urbane Mobilität entwickeln, testen und in der Praxis erproben können. Das BICAR-Konzept soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Ab 2017 ist der Start einer Testflotte mit 20 Fahrzeugen geplant. Zahlreiche Ideen stehen auf der Forschungsagenda. Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Mobilität und Stadtplanung sind dazu eingeladen, ihre Ideen einzubringen. Die Testflotte soll – inklusive der notwendigen Ladestationen und Infrastruktur für den Sharing-Betrieb – in einer Stadt oder auf einem privaten Firmengrossgelände betrieben werden. Rund eine Million Franken kostet der Aufbau des Testbetriebs. Partner und Sponsoren können sich daran beteiligen und damit einen Beitrag für die nachhaltige Mobilität leisten.

BICAR der ZHAW School of Engineering
BICAR der ZHAW School of Engineering

 

Bilder: ZHAW School of Engineering

BICAR Blog

 

(Erstellt 20.5.2015 / Aktualisiert 22.6.2015)

 

 

Zum nächsten Beitrag