Fahrzeugantriebe ohne fossile Kraftstoffe sind unbestritten die Zukunft. Welche Rolle werden Wasserstoffautos spielen?


Man nehme Strom und Wasser und wandle beides mithilfe einer Elektrolyse in ein Gas – nämlich Wasserstoff – um. Dann fülle man den Wasserstoff in ein Auto mit Brennstoffzelle und Elektromotor. Die Brennstoffzelle wandelt dann den Wasserstoff wieder zurück in elektrische Energie und treibt den Elektromotor an. Soweit das Rezept für ein Wasserstoffauto. Da fragt man sich: Warum soll diese doppelte, verlustreiche Umwandlung Sinn machen? Man kann doch den Strom gleich für den Antrieb eines Elektromotors nutzen. Und in der Tat: Elektroautos haben sich am Markt etabliert, während man Wasserstoffautos auf unseren Strassen bisher nicht zu Gesicht bekommt. Dennoch spricht einiges dafür, dass der Wasserstoffantrieb zum Modell für die Zukunft wird.

Was sind die Vorteile von Wasserstoffautos?

Das schlagende Argument für Wasserstoff ist die Energiedichte. Im Vergleich zu elektrischen Batterien kann in Wasserstoff bei gleichem Gewicht mehr Energie gespeichert werden. Das ist ein Riesenvorteil für Fahrzeuge, denn sie können – ohne schwerer zu werden – eine grössere Reichweite erzielen. Das Wasserstoffauto Mirai von Toyota hat zum Beispiel etwa 500 Kilometer Reichweite. Hinzu kommt eine kurze Betankungszeit von nur drei Minuten.

Aufgrund der günstigen Speichereigenschaften bietet sich Wasserstoff als Partner für Solarenergie und Windkraft an. Diese erneuerbaren Energien sind unverzichtbar für die Energiewende, haben aber den Nachteil, dass sie viel Strom zur falschen Zeit produzieren. Diese überschüssige Energie kann in Wasserstoff zwischengespeichert werden.

Bild: Toyota
Der Toyota Mirai wird voraussichtlich ab Herbst 2016 in der Schweiz erhältlich sein.

Wie umweltfreundlich sind Wasserstoffautos?

Wasserstoffautos stossen keine Abgase, sondern nur Wasserdampf aus. Soweit so gut. Aber wie ist der Vergleich mit herkömmlichen Elektroautos? Das hängt davon ab, woher der verwendete Strom kommt. Eine Studie der Empa hat gezeigt, dass Elektroautos, die mit EU-Strom fahren (der hauptsächlich aus fossilen Energieträgern gewonnen wird), nicht umweltfreundlicher sind als Benziner. Wasserstoffautos können also nur punkten, wenn ihr Treibstoff mit erneuerbaren Energien erzeugt wurde.

Sind Wasserstoffautos marktfähig?

Neben Toyota bieten auch Hyundai und Honda Wasserstoffautos an. Das Problem ist noch das fehlende Tankstellennetz. Coop will im Herbst die erste öffentliche Wasserstofftankstelle in der Schweiz eröffnen. An der Empa gibt es am „Future Mobility Demonstrator Move“ bereits eine Tankstelle zu Forschungszwecken. Coop möchte nun eine eigene Wasserstoffflotte aufbauen. Ähnliche Ziele verfolgt auch die Post. Der Wasserstoff soll aus einheimischer Produktion kommen. Axpo baut dafür beim Wasserkraftwerk Eglisau-Glattfelden einen Wasserstoff-Elektrolyseur. Sowohl die Wasserstofferzeugung und –verdichtung, als auch die Fahrzeuge selbst sind noch kostenintensiv. Der Toyota Mirai wird voraussichtlich etwa 80‘000 Franken kosten. Doch das Interesse der Konsumenten scheint vorhanden zu sein. Zumindest vermeldet Toyota, dass sie bis Ende nächsten Jahres 3000 Mirai produzieren wollen.

Bild: Honda
Honda produziert den FCX Clarity seit 2008.
Bild: Empa
Der „Future Mobility Demonstrator Move“ der Empa wandelt überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen in Treibstoff um. An den Zapfsäulen lassen sich Fahrzeuge mit Wasserstoff betanken.
Weitere Informationen zum Projekt Move gibt es hier.



Der Toyota Mirai im Detail

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