Auf Acker- und Grasland oder in Obstplantagen: Photovoltaikanlagen sind neuerdings im Landwirtschaftsgebiet erlaubt. Doch die Auflagen sind streng. Freistehende PV-Installationen gibt es in der Schweiz fast nur zu Forschungszwecken.
Oliven, Feigen oder Kiwis: Die Landwirtschaft kultiviert neue Erzeugnisse. Während der Anbau klassischer Produkte wie Weizen, Mais, Kartoffeln oder Obst sinkt – die Erträge gingen in den letzten 20 Jahren um über 20 % zurück – wird auf dem Kulturland fast Vergessenes und Ungewohntes angepflanzt. Leinpflanzen werden für die Speiseölproduktion wiederentdeckt. Immer mehr Flächen werden für Beeren reserviert. Aber auch Heilkräuter und exotische Früchte sollen den Schweizer Bauern zusätzliche Einkünfte generieren.
Ein hohes Ertragspotenzial liegt im Kulturland jedoch brach: Auf inländischen Landwirtschaftsflächen liesse sich sehr viel Energie aus der Sonne gewinnen, sagt Mareike Jäger, Leiterin der Forschungsgruppe «Regenerative Landwirtschaftssysteme» an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Der theoretische Stromgewinn wäre fünf Mal grösser als der Inlandkonsum.»
Das Agri-PV-Potenzial ist riesig – theoretisch
Eine Studie von Jäger beschreibt die Details, inwiefern Nahrungsmittel und Strom kombiniert erzeugt werden können: Über offenen Ackerflächen liessen sich jährlich 225 TWh Solarstrom mit der Agri-Photovoltaik (Agri-PV) produzieren; auf Grasland wären 85 TWh sowie in Obst- und Beerenplantagen 13 TWh Energie zu gewinnen.
Mit 1 % der Ackerfläche würden 10 % des Inlandbedarfs an Strom gedeckt.
ZHAW-Studie
Zum Vergleich: Das grösste Wasserkraftwerk der Schweiz, das Pumpspeicherwerk Linth-Limmern, liefert etwa 2 TWh Strom pro Jahr. Zwar ist das in der Praxis nutzbare Agri-PV-Potenzial viel geringer als die theoretische Abschätzung. Doch nur schon «mit 1 % der Ackerfläche würden immer noch 10 % des Inlandbedarfs an Strom gedeckt», weist die ZHAW-Forschungsgruppe nach.
Auch bei Agri-PV fällt der Grossteil des Ertrags im Sommerhalbjahr an. (Grafik: ZHAW)
Die ZHAW-Studie lokalisiert das grösste Agri-PV-Ertragspotenzial auf Acker- und Kulturland im Mittelland, mit Schwerpunkt in den westlichen Kantonen Bern, Freiburg und Waadt. Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, dass nicht alle freien Agrarflächen mit PV-Anlagen bestückt werden dürfen. So sind freistehende Solaranlagen in geschützten Landschaften und anderen Schutzgebieten verboten. Ausserdem werden nur Flächen nahe des Siedlungsraums berücksichtigt, damit der Netzanschluss relativ kostengünstig realisierbar wäre.
Die ZHAW bietet landwirtschaftlichen Betrieben eine Begleitung mit einer individuellen Machbarkeitsstudie an. So können klare Entscheidungsgrundlagen für Investitionen in Agri-PV-Anlagen im Kanton Zürich geschaffen werden.
Pilotprojekte können ein Multiplikator für eine stärkere Erschliessung des Schweizer Agri-PV-Potenzials sein. Im Auftrag des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) führt die ZHAW darum das Projekt «Kompetenz-Booster Agri-PV» durch. Dank der Unterstützung durch das AWEL werden 90 % der Kosten für zehn Machbarkeitsstudien übernommen. Die Machbarkeitsstudien umfassen:
Analyse der Flächen und Kulturen
Ertrags- und Praxiseinschätzung
Prüfung von Netzanschluss und Bewilligungen
Wirtschaftlichkeitsrechnung
Markt- und Vermarktungscheck
einen individuellen Bericht für jeden Betrieb
Optionale Zusatzbausteine sind ein Begleitforschungskonzept oder die Analyse von Batteriespeicheroptionen.
(Durch die Redaktion ergänzt am 10.2.2026)
Erste Forschungs- und Pilotanlagen
Der aktuell grösste Agri-PV-Standort der Schweiz befindet sich im Luzerner Seetal. In Sichtweite des Hallwilersees werden seit zwei Jahren Himbeeren geerntet, die unter halbtransparenten Solarmodulen reifen. Die Testanlage ist fast eine Hektare gross und gehört einem privaten Biolandwirtschaftsbetrieb. Gemeinsam mit Forschungsinstituten und der Solarindustrie werden unterschiedliche PV-Systeme im Alltag erprobt. Bis nach der Ernte 2026 sollen folgende Fragen beantwortet werden können:
Reifen die Früchte unter der PV-Anlage besser als ohne?
Welche Anordnung der Solarmodule ist optimal dafür?
In Gelfingen werden PV-Systeme mit unterschiedlicher Ausrichtung und schwenkbaren Konstruktionen wissenschaftlich untersucht. (Foto: Landwirtschaftlicher Informationsdienst)
Über eine Testanlage verfügt auch die Zürcher Fachhochschule seit Oktober 2025. Das PV-System steht auf dem Campus in Wädenswil über einer Ackerfläche, die bislang nur für Forschung zum Kartoffelanbau genutzt wurde. Zwar dürfte der prognostizierte Jahresertrag ausreichen, um 45 Haushalte mit Strom zu versorgen. Doch primär dient die kleine Agri-PV-Anlage auch hier der Erkundung:
Wie ergänzen sich Nahrungsmittelproduktion und erneuerbare Energieerzeugung am besten?
Wie beeinflusst die partielle Beschattung durch Solarmodule das Mikroklima und das Wachstum der Kulturen?
Gemäss Mareike Jäger werden auch die Auswirkungen auf die Biodiversität untersucht.
Testanlage auf dem Campus Wädenswil der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. (Foto: Faktor)
Spezielle und flexible PV-Systeme
Ein Agri-PV-Standort mit kommerziellem Betrieb befindet sich dagegen im St. Galler Rheintal. Hierbei handelt es sich um Gewächshäuser mit einem halbtransparenten PV-Dach. Das Bundesamt für Energie (BFE) zeichnete die Projektträgerschaft und das realisierte Vorhaben mit dem Watt d’Or 2025 in der Kategorie «Erneuerbare Energien» aus. Die weitere Besonderheit ist: Die Solarmodule sind eine Neuentwicklung aus dem ETH-Labor und derart in die Glasdächer integriert, dass Zierpflanzen und Früchte darunter weiterhin gedeihen. Die Anlage gehört dem Elektrizitätswerk Buchs; der durchschnittliche Jahresertrag liegt bei rund 750’000 kWh.
Die Giebeldächer der Gewächshausanlage im Rheintal sind nur hälftig mit Solarmodulen bestückt. (Fotos: BFE/Solaragentur Schweiz)
Was bisherige Agri-PV-Pilotanlagen auszeichnet: Die Installationen sind robust und bauen auf bewährte Solartechnik. Aber häufig sind die PV-Module beweglich, um dem Lauf der Sonne zu folgen oder die Beschattung des Bodens nach Bedarf zu steuern. Vertikal ausgerichtete Module sind dagegen meist fix installiert und deshalb auf beiden Seiten – bifazial – mit Solarzellen versehen.
Ein weiteres Merkmal ist die Anordnung: Die Stützen von freistehenden Agri-PV-Anlagen stehen weit auseinander und die Träger sind hoch genug, so dass die Fläche weiterhin maschinell bearbeitet werden kann. Fundamente werden bodenschonend und einfach rückbaubar ausgeführt.
Wie gut ist Photovoltaik mit Agrarproduktion vereinbar?
Die ZHAW-Potenzialstudie führt Grünland zwar als zweitwichtigste Standortkategorie auf. Doch PV-Anlagen über Natur- oder Kunstwiesen gibt es in der Schweiz nicht. Im Gegensatz zu den Nachbarländern stösst die Idee hierzulande auf Ablehnung. In Stellungnahmen auf politische Vorstösse und in Vollzugsleitfäden haben sich die Behörden aus Zürich, Thurgau und Baselland dazu bereits geäussert. Konsens herrscht, dass vor allem Dauerkulturen für die zusätzliche Solarstromproduktion als geeignet betrachtet werden. Auch der Schweizer Bauernverband beurteilt nur Agri-PV-Anlagen innerhalb von Sonderkulturen als vereinbar mit der landwirtschaftlichen Produktion.
Im Gegenzug scheint eine PV-Installation beim Anbau von Beeren, Früchten oder Obst nicht als Fremdkörper zu wirken. Weil diese Plantagen heute schon mit Holzkonstruktionen und Netzen vor Hagel geschützt sind, kann auch ein PV-Dach diese Schutzfunktion übernehmen. Zudem schützt es vor Sonnenstrahlen und «kann dem Austrocknen von Pflanzen und Boden in Hitzeperioden entgegenwirken», ergänzt die Expertin Mareike Jäger die positive Wirkung. Angesichts des Klimawandels wird eine derartige Win-Win-Situation auch in landwirtschaftlichen Kreisen begrüsst.
Diese Testanlage in den Niederlanden kombiniert Photovoltaik mit einer Obstplantage. (Foto: WUR Wageningen)
Bewilligung nur mit strengen Auflagen
Obwohl die solare Nutzung von Kulturland gesetzlich erlaubt ist, gelten dafür schweizweit strenge Regeln. Als Richtwert gilt ein Höchstabstand von 1000 m für solche Solaranlagen zum Siedlungsrand. Ausserdem wird ein Nachweis verlangt, dass sie «vorteilhaft für die landwirtschaftliche Produktion sind». Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) erklärt diese Voraussetzungen genauer: Entweder kann eine Agri-PV-Anlage die Naturalerträge erhöhen, oder sie hilft, den Bewirtschaftungsaufwand zu reduzieren.
Die Ergebnisse der bisherigen Forschung lassen diesbezüglich hoffen: Nach einem dreijährigen Test im Rebberg wies die ZHAW nach, dass der Weinbau davon tatsächlich profitiert. Zwar steht das PV-Dach den Rebstöcken teilweise in der Sonne, doch den Trauben tut mehr Schatten bisweilen gut. Ihr Befall durch Schädlinge war geringer als in der ungeschützten Vergleichsfläche.
Studien für Deutschland und die Schweiz ermittelten Gestehungskosten für Agri-PV-Strom, die mit PV auf Dächern vergleichbar oder sogar tiefer sind. (Foto: Fraunhofer Institut)
Deutschland als Vorbild
Auch aus Deutschland wird Positives vermeldet. In einem Agri-PV-Modellbetrieb nördlich des Bodensees stiegen die Erträge auf einem Weizenfeld und im Kartoffelacker in heissen Erntejahren deutlich, verglichen mit ungedeckten Kontrollfeldern. Bestätigt wird unter anderem der bessere Schutz vor Bodenaustrocknung.
Das nördliche Nachbarland gilt als europaweites Vorzeigebeispiel. Die erste Agri-PV-Anlage wurde 2008 installiert. Inzwischen sind mehr als ein Dutzend Standorte mit einer Gesamtleistung von über 2 GW in Betrieb. Zusätzlich werden mehr als zehn Agri-PV-Anlagen zu Forschungszwecken – in Kombination mit Acker-, Obst-, Gemüse- und Weinbau – betrieben.
Verheissungsvoll sind auch die Erkenntnisse zum Aufwand für die Stromerzeugung. Gemäss einer Zusammenstellung durch das Fraunhofer Institut für Photovoltaiksysteme sind die Gestehungskosten für Agri-PV deutlich niedriger als für PV-Hausdächer. Den Selbstkostenpreis beziffert die deutsche Analyse auf durchschnittlich 8 Cent/kWh. Diese Angaben decken sich mit Schätzungen aus der Schweiz. Gemäss der ZHAW-Potenzialstudie koste 1 kWh Agri-PV-Strom zwischen 7 und 10 Rappen, was niedriger ist als die Gestehungskosten für ein mittelgrosses PV-Dach.
Vertikale Testanlagen sind mit bifazialen Solarmodulen bestückt, die beidseitig Strom produzieren. (Foto: Landwirtschaftlicher Informationsdienst)
An sonnigen Sommertagen werden wir mit Solarstrom überschwemmt. I. B. Landwirte benötigen Strom am Tagesrand, bei Regen, Dunkelheit und im Winter. Windenergie wird vor Allem im Winter und bei schlecht Wetter produziert, ergänzend zu Solarstrom. Windräder produzieren den nachhaltigen und günstigen Strom und dieser ist die beste Ergänzung zu Solarenergie. Dort wo grosse Windräder und Windparks auf Widerstand stossen, ist Potenzial für kleine und mittelgrosse Windturbinen und für hybride Wind-Solar-Kleinkraftwerke auf Gebäuden und wirtschaftliche, freistehende Windturbinen bis 100kW Leistung, für Landwirtschaft, Kommunen und Gewerbe, nahe den Verbrauchern und Netzanschlüssen, dort wo auch im Winter, bei Nacht, Regen und Schnee Strom benötigt wird. Kleinwindkraftanlagen sind eine Investition in die Energiewende und den Klimaschutz.
Agri-Photovoltaik ist nur eine weitere Stufe der Intensivierung der Agrarnutzung. Zudem völlig überflüssig, weil schon im Siedlungsgebiet mehr als genug Strom erzeugt werden kann.
Wir stimmen Ihnen zu, dass theoretisch auch auf bestehender Infrastruktur genügend Potenzial vorhanden wäre. Leider erfolgt dort der Ausbau aber nicht rasch genug, um die vereinbarten Ziele rechtzeitig zu erreichen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kosten dort höher sind als bei Agri-Photovoltaik auf geeigneten Flächen. In absehbarer Zukunft werden wir darum um jede günstig erzeugte einheimische Kilowattstunde froh sein.
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Kommentare: Was denken Sie?
Frido Stutz
Vor 2 Monaten
An sonnigen Sommertagen werden wir mit Solarstrom überschwemmt. I. B. Landwirte benötigen Strom am Tagesrand, bei Regen, Dunkelheit und im Winter. Windenergie wird vor Allem im Winter und bei schlecht Wetter produziert, ergänzend zu Solarstrom. Windräder produzieren den nachhaltigen und günstigen Strom und dieser ist die beste Ergänzung zu Solarenergie. Dort wo grosse Windräder und Windparks auf Widerstand stossen, ist Potenzial für kleine und mittelgrosse Windturbinen und für hybride Wind-Solar-Kleinkraftwerke auf Gebäuden und wirtschaftliche, freistehende Windturbinen bis 100kW Leistung, für Landwirtschaft, Kommunen und Gewerbe, nahe den Verbrauchern und Netzanschlüssen, dort wo auch im Winter, bei Nacht, Regen und Schnee Strom benötigt wird. Kleinwindkraftanlagen sind eine Investition in die Energiewende und den Klimaschutz.
Frido Stutz, CEO NewGreenTec Int. AG
Bs
Vor 1 Monat
Wiso nicht zuerst die grosse Dachflächen gabz eindecken? Anscheinend lohnt sich das gar nicht mehr…….
Elisabeth Meyerhans
Vor 5 Tagen
Agri-Photovoltaik ist nur eine weitere Stufe der Intensivierung der Agrarnutzung. Zudem völlig überflüssig, weil schon im Siedlungsgebiet mehr als genug Strom erzeugt werden kann.
Thomas Elmiger
Vor 5 Tagen
Wir stimmen Ihnen zu, dass theoretisch auch auf bestehender Infrastruktur genügend Potenzial vorhanden wäre. Leider erfolgt dort der Ausbau aber nicht rasch genug, um die vereinbarten Ziele rechtzeitig zu erreichen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kosten dort höher sind als bei Agri-Photovoltaik auf geeigneten Flächen. In absehbarer Zukunft werden wir darum um jede günstig erzeugte einheimische Kilowattstunde froh sein.