Digitale Energieberatung mit Smart-Meter-Daten zeigt Wirkung

Durch clevere Datenauswertung der intelligenten Stromzähler kann die EKZ-Energieberatung Kundinnen und Kunden regelmässig passende Empfehlungen senden, wie sie Ihren Stromverbrauch senken können. Eine wissenschaftliche Auswertung weist jetzt einen durchschnittlichen Spareffekt von 6 % nach.

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Frau auf Sofa schaut eine Statistik auf dem Tablet an

Eine unkomplizierte und auf das Wesentliche fokussierte Energieberatung wird geschätzt. Speziell in der immer vernetzteren Energiewelt sind Laien dankbar für Tipps und Unterstützung durch Fachleute. Die EKZ-Energieberatung bietet neben neutralen Vor-Ort-Beratungen seit 2020 auch einen kostenlosen Onlineservice für Privatkunden an.

Der digitale Energieassistent gibt Tipps zum Sparen

Der Onlinedienst «EKZ-Energieassistent» wurde zusammen mit BEN Energy entwickelt. Er zeigt den Kundinnen und Kunden transparent ihren Stromverbrauch auf und informiert regelmässig darüber, wie sie einfach und effektiv Energie sparen können.

Das Ziel der Entwickler und Betreiber: Nutzerinnen und Nutzer dabei zu unterstützen, eine nachhaltige und klimaschonende Zukunft aktiv mitzugestalten. Ob die kostenlose digitale Energieberatung von EKZ tatsächlich etwas bewirkt, wurde nun überprüft – mit erfreulichem Resultat.

Energieeffizienz steigern

Einer der drei Hauptpfeiler der Schweizer Energiestrategie 2050 lautet «Energieeffizienz steigern». Das Energieassistent-Team stellte sich darum die Frage: Wie können digitale Tools die Energienutzerinnen und -nutzer so unterstützen, dass sie auf einfache Weise und ohne Komforteinbussen Energie und Kosten sparen?

Wie wird Energieeffizienz durch Sensibilisierung erreicht?

Studien zeigen, dass Energieeffizienz durch gezielte Sensibilisierung gefördert werden kann. Neben dem Schaffen von Transparenz beim eigenen Stromverbrauch ist das Aufzeigen von Einsparpotentialen eine wichtige Grundlage. Zusätzlich können Vergleiche zu anderen, ähnlichen Haushalten motivierend sein, Effizienzmassnahmen umzusetzen.

Vergleichsdarstellung eigener Haushalt (63 kWh/Woche) und vergleichbare Haushalte (58 kWh/Woche im Durchschnitt) mit Erläuterungstext «Ihr Haushalt hat 9% mehr Strom verbraucht»
Der Energieassistent zeigt einen Vergleich mit ähnlichen Haushalten. (Screenshot Energieassistent: EKZ)

Ein grosser zusätzlicher Nutzen entsteht, wenn aufgezeigt werden kann, in welchen Kategorien welcher Anteil des Stromes genutzt wird. Beides wurde darum im EKZ-Energieassistenten umgesetzt.

Sensibilisierung mit Digitalisierung kundenfreundlich gestalten

Die Technik im Hintergrund ist anspruchsvoll: Energieverbräuche werden automatisiert in das Analysetool übermittelt, mit peripheren Parametern angereichert und ausgewertet. Damit ist ein neues Level der Digitalisierung erreicht. Für die Nutzerinnen und Nutzer bleibt alles einfach: Der Energieassistent analysiert die Stromverbräuche, berücksichtigt die anwenderseitig eingegebenen Haushaltseigenschaften und erstellt automatisch persönlich kuratierte Empfehlungen.

Zusätzlich informiert er die Nutzerinnen und Nutzer per E-Mail bei ungewöhnlich hohen Verbräuchen und in Form von optionalen monatlichen Energiereports. Darin werden Vergleiche zu ähnlichen Haushalten und zu gleichen Jahreszeiten aufgezeigt, sowie Empfehlungen präsentiert.

Halbkreis-Segmente visualisieren die Haushaltsbereiche (nach Grösse absteigend): Heizen und Warmwasser (59%), Sonstige Verbraucher (10%), Kochen und Spülen, Waschen und Trocknen, Beleuchtung, Elektronische Geräte, Kühlen und Gefrieren (4%)
Eine übersichtliche Grafik zeigt auf, wo im eigenen Haushalt am meisten Strom verbraucht wird. (Screenshot Energieassistent: EKZ)

Mehrwert dank Innovationen im EKZ-Energieassistenten

Die Stromverbräuche werden über Nacht aus den Smart-Meter-Daten ausgewertet und im Onlineportal dargestellt. Es braucht keine zusätzliche Hardware und es muss weder eine Software noch eine Mobile App installiert werden. Ein Browser und die Logindaten genügen.

Die Smart-Meter-Daten bieten eine Grundlage für die digitale Energieberatung. Die wichtigsten Stellhebel zum Stromsparen können damit automatisiert und kundenfreundlich aufgezeigt werden.

Im Verlauf des letzten Jahres wurde die Energieassistent-Applikation um mehrere Auswertungen ergänzt, um den Nutzwert und die Motivation zum Energiesparen zu erhöhen.

  • Durch Analyse der Verbrauchswerte können die Verbräuche in Kategorien wie z.B. Heizen und Warmwasser, Waschen, Kühlen oder Beleuchtung zugewiesen werden – man spricht von Verbrauchsaufschlüsselung (siehe Grafik oben).
  • Die Verbrauchshistorie (siehe Grafik unten) mit der farblichen Einordnung in Verbrauchslevel dient der Unterstützung der Nutzerinnen und Nutzer im Hinblick auf möglichst energieeffizientes Verhalten.
  • Der Vergleich mit Haushalten mit ähnlichen Eigenschaften liefert einen Benchmark.
Säulendiagramm
Die Farben der wöchentlichen Verbrauchswerte orientieren sich an der bekannten Skala der Energieetikette. (Screenshot Energieassistent: EKZ)

Künstliche Intelligenz interpretiert Stromverbrauchsdaten

Die Verbrauchsaufschlüsselung basiert beim Energieassistenten auf der Auswertung von sehr vielen Stromverbrauchswerten und weiteren Parametern. Dazu werden Algorithmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) verwendet.

Mit diesen Algorithmen und Machine Learning ist es unter anderem möglich, den Stromverbrauch eines Haushaltes in seine Bestandteile zu zerlegen und somit nachvollziehbar zu machen.

Ohne Smart Meter geht es nicht

Durch die Smart-Meter-Technologie werden die Stromverbräuche als Viertelstunden-Werte an die Energieversorger übertragen. Damit kann unter anderem die Verrechnung vereinfacht und die Energieeffizienz gefördert werden.

Der Bund hat die Energieversorger verpflichtet, dass bis 2027 bei mindestens 80 % der Stromanschlüsse intelligente Stromzähler installiert werden müssen. Stand heute wurden im EKZ-Versorgungsgebiet schon rund 250’000 Smart Meter verbaut.

Die Smart-Meter-Einführung wird EKZ bis 2026 weitestgehend abgeschlossen haben. Dann haben alle Kunden Einblick in die eigenen Verbrauchsdaten und können dank Tipps vom Energieassistenten Strom sparen.

Daniel Röthlisberger, Leiter Betrieb Messtechnik bei Enersuisse

Der doppelte Nutzen dieser digitalen Dienstleistung

Kundinnen und Kunden von EKZ können ihren Stromverbrauch reduzieren, wenn sie die Empfehlungen umsetzen, und sie können die Energieflüsse und den CO2-Fussabdruck besser verstehen.

Für die EKZ-Energieberatung bietet der Energieassistent die Grundlagen zur Vorbereitung von Beratungen vor Ort. Zudem kann automatisiert auf weitere Dienstleistungen der Energieberatung aufmerksam gemacht werden, abgestimmt auf die Stromverbräuche und die Haushaltseigenschaften.

So wird die erreichte Wirkung evaluiert

Es kann ausgewertet werden, wie viele Kunden die Energiereports lesen und wie viele Kunden welche Empfehlungen umgesetzt haben. Erst die Evaluation der Veränderung der Stromverbräuche der Nutzergruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zeigt jedoch die erreichte Einsparung. Thorsten Staake, der das Projekt seitens der ETH Zürich begleitet hat, befasst sich intensiv mit dem Einsatz von Informationssystemen zur Steigerung der Energieeffizienz. In der Auswertung – welche durch COVID-Einflüsse eventuell gewisse Ungenauigkeiten aufweist – wurde der Erfolg quantifizierbar: Im Durchschnitt haben Nutzerinnen und Nutzer des EKZ-Energieassistenten 6 % Strom eingespart!

Die Einsparungen betragen nach der aktuellen Auswertung 6 % im Durchschnitt ab dem ersten Login. Das ist ein hervorragender Wert, der deutlich über dem konventioneller Verbrauchsportale liegt.

Thorsten Staake, Professor an der Universität Bamberg und Leiter des Bits to Energy Labs an der ETH Zürich

Forschung und Entwicklung gehen weiter

Neue Erkenntnisse aus der Forschung sollen nach und nach in die Weiterentwicklung des digitalen Assistenten einfliessen. Bereits gestartet ist das Projekt KIWO – Künstliche Intelligenz in der Wärmepumpen-Optimierung. Mit Beteiligung von ETH, BEN Energy und EKZ soll zusätzlich zum Stromverbrauch der Wärmepumpen automatisch erkannt werden, wie gross das energetische Optimierungspotential ist. Weiter wird ein Eigenverbrauchsrechner implementiert, um Kunden aufzuzeigen, wie ökonomisch eine eigene Photovoltaik-Anlage sein könnte.


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