Methan – die unterschätzte Gefahr fürs Klima

Elektroauto statt Benziner, Wärmepumpe statt Ölheizung, Holz statt Beton: Weltweit gibt es Bemühungen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Beim zweitwichtigsten Treibhausgas Methan hingegen scheint die Dringlichkeit noch nicht in der Breite angekommen zu sein.

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Kühe weiden vor bedrohlich wirkendem Abendhimmel

In der öffentlichen Wahrnehmung ist CO2 zu einem Sinnbild für den Klimawandel geworden. Falsch ist das nicht, denn Kohlenstoffdioxid ist tatsächlich der wichtigste Treiber der Klimaerwärmung. Daneben geht aber oft vergessen, dass sich auch andere Treibhausgase stark auf das Klima auswirken. Dazu zählt insbesondere Methan, das bis anhin 0,5 °C zur derzeitigen Klimaerwärmung von 1,4 °C beigetragen hat.

Das Treibhausgas Methan

Methan ist zwar weniger lange klimawirksam als CO2, dafür aber umso stärker: Ein Kilogramm Methan heizt die Atmosphäre über 20 Jahre gerechnet 80-mal so stark auf wie ein Kilogramm CO2. Um den Klimawandel aufzuhalten, muss also auch der Methanausstoss reduziert werden.

Woher das Methan stammt

Das Gas entsteht zum einen bei der Zersetzung von organischem Material unter Ausschluss von Sauerstoff und zum anderen durch den Stoffwechsel von Lebewesen. Die Freisetzung in die Luft erfolgt teils natürlich, in vielen Fällen sind sie jedoch anthropogen, also durch menschlichen Einfluss ausgelöst. Die meisten dieser anthropogenen Methanemissionen stammen aus der Förderung fossiler Rohstoffe sowie aus der Landwirtschaft (siehe Grafik). Wie genau das Methan freigesetzt wird und wie sich das verhindern liesse, zeigt der anschliessende genauere Blick auf einige der Emissionsquellen.

Kuchendiagramm mit Anteilen am Methanausstoss. Kohleabbau 12%, Erdölförderung 12%, Erdgasförderung und -transport 9% (fossile Rohstoffe total 33%); Viehhaltung 31%, Reisanbau 8%, Abfalldeponien 19%, Verbrennung von Biomasse 7%, Rest 2%
Je rund ein Drittel der anthropogenen Methanemissionen stammen aus dem Abbau fossiler Rohstoffe und aus der Landwirtschaft, etwa ein Fünftel von Abfalldeponien und der Rest aus kleineren Quellen. (Grafik: ETH / Datenquelle: Saunois et al., 2024)

Landwirtschaft: Rinder und Reis

Über ihren Stoffwechsel geben alle Lebewesen Methan an die Umwelt ab – auch der Mensch. Der grösste Teil stammt aber aus der Tierhaltung in der Landwirtschaft: Der Verdauungstrakt von Wiederkäuern wie Kühen, Schafen und Ziegen erzeugt grosse Mengen Methan.

Methan aus der Tierhaltung

Fleisch, Kuhmilch, Käse und Co. kommt bei vielen Menschen regelmässig auf den Teller. Vor allem Rindfleisch ist mit einem grossen ökologischen Fussabdruck verbunden. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch verursacht gemäss WWF Schweiz 12 bis 13 Kilogramm CO2-Äquivalente – ein Grossteil davon ist auf das Methan zurückzuführen. Zum Vergleich: Bei Linsen beträgt der Wert lediglich 0,7 Kilogramm CO2-Äquivalente. «Reduzieren liesse sich der Methanausstoss in der Tierhaltung einerseits durch bestimmte Futterzusätze», erklärt Cyril Brunner, Klimaforscher an der ETH Zürich. Andererseits spiele die Nachfrage eine wichtige Rolle: Würden weniger tierische Produkte verzehrt, bräuchte man auch weniger Nutztiere. «Hürden bei dieser Entwicklung sind Ernährungsgewohnheiten sowie der steigende Wohlstand», ergänzt Brunner. «Ein höherer Lebensstandard ist meist mit einem höheren Konsum von Fleisch und Milchprodukten verbunden.» Immerhin: In sehr wohlhabenden Ländern sind bereits Trends in Richtung Ernährung mit weniger tierischen Produkten auszumachen. Darüber hinaus lässt sich der Methanausstoss auch durch eine gezielte Zucht von Rindern verringern.

Biogas statt Gülle und Mist

Ein wichtiger Reduktionsansatz der Emissionen aus der Tierhaltung betrifft den Umgang mit Gülle und Mist. Werden sie auf dem Feld ausgebracht, gelangt das enthaltene Methan direkt in die Atmosphäre. Verwendet man die tierischen Abfälle hingegen zur Produktion von Biogas und setzt dieses zur Wärme- und Stromproduktion ein, gelangt «nur» CO2 in die Luft (von Verlusten abgesehen). Dieses wird durch die nachwachsenden Pflanzen wieder gebunden, sodass dieser Kreislauf als klimaneutral gilt.

In der Schweiz gibt es bereits solche landwirtschaftlichen Biogasanlagen, die Rahmenbedingungen sind gemäss dem Verband «Ökostrom Schweiz» aber insbesondere für bestehende Anlagen schwierig. Bei vielen läuft in den nächsten Jahren die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) aus und wird nur unzureichend ersetzt. Für neue Anlagen ist die Situation laut einer Medienmitteilung des Verbands hingegen vielversprechend.

Reisanbau erzeugt Methan

Deutlich weniger bekannt ist die Methanemission beim Anbau von Reis – genauer gesagt beim sogenannten Nassreisanbau. Um den Ertrag zu steigern, werden die Reisfelder künstlich geflutet. «Das Problem dabei ist, dass überschwemmte Pflanzenreste durch Mikroorganismen zersetzt werden, die im Wasser unter Ausschluss von Sauerstoff bestens gedeihen», sagt Brunner. «Diese Organismen erzeugen grosse Mengen an Methan.» So ist die Produktion von 1 Kilogramm Reis aus dem Nassreisanbau mit ungefähr 6 Kilogramm CO2-Äquivalenten verbunden, grösstenteils wegen der Methanfreisetzung. Beim alternativen Trockenreisanbau sind die Methanemissionen deutlich geringer, allerdings fallen bei dieser Methode tendenziell auch die Erträge tiefer aus.

Terrassierte Felder mit grünen Pflanzen, die im Wasser wachsen
Der Nassreisanbau führt zu einem hohen Methanausstoss, weil unter Wasser organisches Material zersetzt wird. (Foto: Shutterstock / Uwe Aranas)

Förderung von Erdöl, Erdgas und Kohle

Nebst der Landwirtschaft ist der Energiesektor ein grosser Methanverursacher, denn das Gas gelangt bei der Gewinnung und beim Transport von Erdöl, Erdgas und Kohle in die Atmosphäre.

Methan als Nebenprodukt

Ebenso wie Biogas besteht auch Erdgas grösstenteils aus Methan. «Das bedeutet, dass jedes Mal Methan in die Atmosphäre gelangt, wenn Erdgas unverbrannt entweicht», erläutert Brunner. «Das passiert nicht nur bei der Förderung von Erdgas, sondern auch bei der Erdölgewinnung und beim Kohleabbau, weil dabei oft Methan als Nebenprodukt freigesetzt wird.» Dies gelte auch für stillgelegte Förderstellen und Bergwerke.

Riesiger Eimerkettenbagger zuoberst auf einem Abbaugelände, das sich bis zum Horizont erstreckt
Im Tagebau Nochten (DE) will die Firma Leag bis 2038 noch rund 110 Millionen Tonnen Kohle fördern. Deutschland schätzt den Methanausstoss des Kohletagebaus pauschal, mit einem Wert aus dem Jahr 1989, der 40- bis 100‑mal niedriger ist als in vergleichbaren Braunkohletagebauen in Polen gemessen. (Foto: Christian Bedeschinski / Vattenfall)

Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass sich rund 70 Prozent des freigesetzten Methans mit heutigen Techniken abfangen liessen. Davon würde nicht nur die Umwelt profitieren, sondern auch die beteiligten Unternehmen: Das abgeschiedene Methan kann weiterverkauft und für die Energieproduktion genutzt werden. Allerdings verfügen viele Firmen noch nicht über eine entsprechende Infrastruktur und verzichten möglicherweise deshalb auf eine bessere Kontrolle ihrer Förderstätten.

Zu wenig Anreize

Um die Methanemissionen aus dem Energiesektor zu senken, braucht es politischen Willen und genauere Daten. In der EU schreibt eine 2024 angenommene Verordnung vor, dass Betreiber von Energieanlagen allfällige Methanemissionen messen, die Anlagen auf Lecks prüfen und innert einer gewissen Frist reparieren müssen. Zudem wird das verbreitete Abfackeln von entweichendem Methan eingeschränkt. In anderen Weltregionen fehlen solche Bestrebungen bisher noch oder werden wie in den USA wieder rückgängig gemacht.

Die IEA stellt in ihrem Global Methane Tracker 2025 fest, dass die Methanemissionen aus der Energiewirtschaft in vielen Weltregionen nach wie vor zu tief ausgewiesen werden. Und: Seit 15 Jahren verharren die globalen Methanemissionen aus der Erdöl-, Erdgas- und Kohleförderung bei rund 120 Millionen Tonnen pro Jahr. Dies wohl auch deshalb, weil verbindliche Regulierungen für die Unternehmen fehlen. Grund zum Optimismus gibt allenfalls die Tatsache, dass sich Methanemissionen durch Satelliten immer genauer identifizieren lassen. Regierungen und Unternehmen hätten also durchaus Hilfsmittel zur Hand.

Die weltweiten Methanverluste übertreffen den Erdgas-Export ganzer Nationen, darunter die USA mit dem grössten Exportvolumen. (Grafik: IEA, Details siehe Quellenliste)

Methan aus dem Permafrost

Auch der Klimawandel selbst beschleunigt die weitere Erwärmung des Klimas. Ein Beispiel für dieses Phänomen ist das Auftauen von Permafrostböden, die dadurch Methan freisetzen.

Organisches Material zersetzt sich

In einem Permafrostboden sind organische Stoffe wie in einer Kühltruhe konserviert. Tauen solche Böden durch die Erderwärmung auf, beginnen Mikroorganismen die organischen Stoffe zu zersetzen. Dabei entstehen CO2 und Methan, die schliesslich in die Atmosphäre gelangen und so den Klimawandel weiter beschleunigen. Gemäss Forschenden ist im organischen Material in den weltweiten Permafrostböden fast doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert, wie sich heute in der Erdatmosphäre befindet. Bis 2100 könnten Treibhausgase aus dem auftauenden Permafrost ungefähr 0,2 °C zur Erderwärmung beitragen.

Erdgaslager im Kalkgestein

Noch deutlich gravierendere Folgen hätte das Auftauen des Permafrosts, wenn sich die Hypothese eines Forschungsteams der Universität Bonn bewahrheitet. Es untersuchte die Auswirkungen einer Hitzewelle in Sibirien und stellte fest, dass sich dabei auftretende erhöhte Methankonzentrationen nicht durch die Zersetzung von organischem Material im Permafrostboden erklären liessen. Vielmehr dürfte Erdgas, das ja mehrheitlich aus Methan besteht, aus Jahrmillionen altem Kalkgestein ausgetreten sein. Dieser These zufolge wirkt der Permafrostboden wie ein Verschluss, der das Erdgas vom Austreten in die Luft abhält. Ohne diesen «Deckel» könnten riesige Erdgasmengen freigesetzt werden und den Klimawandel weiter verstärken.

Steine in einer Ebene vor bedecktem Himmel
In Sibirien stellten die Forschenden nach einer Hitzewelle erhöhte Methankonzentrationen fest. Weil sich hier kaum organisches Material im Boden befindet, suchten sie nach einer anderen Erklärung. Die These lautet, dass es im Kalkgestein grosse Erdgasvorkommen gibt, die beim Auftauen des Permafrosts in die Atmosphäre gelangen. (Foto: Konstantin Borisenkov)

Fazit: Trendwende ist nicht absehbar

Weil es in der Atmosphäre recht schnell abgebaut wird, wäre Methan eigentlich ein kleineres Problem für das Klima als das CO2. Viele Klimaszenarien sehen denn auch für das Jahr 2050 keine Reduktion auf netto null vor wie beim CO2, sondern «nur» eine Halbierung. «Aus technischer Sicht wäre das kein Problem», sagt Brunner. «Wir können rund zwei Drittel der Methanemissionen gratis oder günstig reduzieren und würden dabei noch von vielen positiven Nebeneffekten profitieren.» Als Beispiele dafür nennt der ETH-Forscher eine bessere Gesundheit und in der Folge tiefere Gesundheitskosten, Nebeneinkünfte durch den Verkauf von abgeschiedenem Erdgas und landwirtschaftlich erzeugtem Biogas sowie eine geringere Luftverschmutzung und weniger Krankheiten durch unkontrollierte Abfalldeponien.

Keine ambitionierten Projekte

Leider steht Methan gemäss Brunner gesellschaftlich und politisch zu wenig im Fokus – kein Wunder, laufen derzeit keine bedeutenden Projekte für eine namhafte Reduktion. Es gibt lediglich das internationale Ziel, die Methanemissionen zwischen 2020 und 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Dass dieses Ziel erreicht wird, ist nach der Hälfte dieses Zeitraums kaum mehr realistisch (siehe Grafik).

Kurven zur Methankonzentration in der Atmosphäre seit 1993 an verschiedenen Messpunkten weltweit steigen im Gleichschritt zunehmend steiler an
Die Methankonzentration hat in den letzten 30 Jahren weltweit um über 10 Prozent zugenommen – eine Trendwende zeichnet sich nicht ab. (Grafik: Umweltbundesamt)

Verpasste Chance

Auch die Schweiz gehört beim Methan nicht zu den Vorreitern. Zwar hat sie sich dem internationalen Reduktionsziel angeschlossen, doch von Massnahmen im Inland sieht man ab, wie der Bundesrat in seiner Antwort auf eine Interpellation schreibt. Auch in anderen Ländern fehlen klare Anstrengungen, die Methanemissionen mit konkreten Massnahmen zu senken. Das sei sehr bedauerlich, sagt Brunner: «Die Reduktion der Methanemissionen wäre ein grosser Hebel bei der Begrenzung der globalen Erwärmung.»

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  • Nadja Gross

    Vor 3 Monaten

    Danke für den spannenden Artikel!
    «Darüber hinaus lässt sich der Methan-ausstoss auch durch eine gezielte Zucht von Rindern verringern.» Könntet ihr das erklären? Lässt sich die Methanproduktion je nach Rasse wegzüchten/minimieren?
    Ansonsten gilt eben doch nach wie vor das Fazit: je weniger (oder kein) Fleisch und Reis man konsumiert, desto besser – unter anderem – fürs Klima. Und an alle Vegis: notabene gilt das auch für Milchprodukte, da es dazu ebenfalls eine methan-ausstossende Kuh braucht, die man melken kann… *duck-und-weg 😉

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  • Renato Pichler

    Vor 3 Monaten

    Ergänzung zum Reisanbau: Dieser ist vor allem problematisch, wenn mit Fäkalien gedüngt wird, da diese am meisten Methan freisetzen. Womit man wieder bei der Tierhaltung wäre, die man generell reduzieren müsste.

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