Mobilitätskonzepte: Effiziente und umweltverträgliche Alltagswege

Ein Mobilitätskonzept zeigt auf, mit welchen Massnahmen die Mobilitätsbedürfnisse bei Bauvorhaben effizient wie auch nachhaltig gestaltet werden können. Die Mobilitätsberatung des Kantons Zürich hilft Gemeinden und Bauherrschaften bei einer ersten Auslegeordnung.

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Visualisierung einer Wohnüberbauung mit belebtem Aussenbereich und Grünraum

Neue Wohnüberbauungen und Geschäftsareale bringen immer auch neue Mobilitätsbedürfnisse mit sich. Damit Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeitende nicht nur effizient, sondern auch umweltverträglich zur Arbeit oder nach Hause gelangen, kann sich ein Mobilitätskonzept lohnen. Es hilft dabei, eine Überlastung des Verkehrssystems, aber auch Luftschadstoff- und Klimagasemissionen zu vermeiden oder wenigstens zu verringern. Dafür braucht es einen geeigneten Mix aus Massnahmen, mit denen der Verkehr möglichst auf ÖV, Velonetze und Fusswege verlagert wird.

Impulsberatung für alle Interessierten

Standortbehörden können eine stärkere Verbreitung und Verankerung von Mobilitätskonzepten nicht nur über rechtliche und planerische Vorgaben fördern, sondern auch über Beratungsangebote. So unterstützt etwa auch Impuls Mobilität, die Mobilitätsberatung des Kantons Zürich, bei ersten Fragen zum Thema:

  • Wann ist ein Mobilitätskonzept sinnvoll?
  • Wie geht man am besten vor?
  • Was gilt es besonders zu beachten?

Impuls Mobilität richtet sich an Gemeinden und Bauherrschaften, aber auch an Verwaltungen, Investorinnen oder Veranstalter. «Das Angebot ist bewusst breit aufgestellt und steht verschiedenen Zielgruppen offen», sagt Anna Stamp, Projektleiterin Mobilität beim Amt für Mobilität des Kantons Zürich. Neben der kostenlosen Impulsberatung bietet die Fachstelle auch Veranstaltungen zum Thema nachhaltige Mobilität sowie eine Übersicht an Best Practice-Beispielen an. Gerade hat das Amt für Mobilität zudem das Merkblatt «Mobilitätskonzepte für Bauvorhaben» (PDF) aktualisiert und erweitert.

Anzahl Parkplätze als zentrales Thema

«Wir wollen Gemeinden und andere Interessierte unterstützen, ihren Handlungsspielraum so zu nutzen, dass sie ihre Mobilität so gestalten, dass wir gemeinsam die Nachhaltigkeitsziele des Kantons erreichen», sagt Stamp. Das Gesamtverkehrskonzept des Kantons Zürich sieht vor, dass mindestens die Hälfte des Verkehrszuwachses (ohne Fuss- und Veloverkehr) auf den öffentlichen Verkehr entfällt.

Seit August 2025 ist das Unterschreiten der vorgeschriebenen Parkplatzzahl auch ohne Regelung in der BZO möglich.

In den letzten Jahren hat Impuls Mobilität vor allem Anfragen von privaten Architektur- und Baubüros erhalten, wie Mobilitätsexpertin Stamp sagt. «Meist geht es um die Anzahl Parkplätze.» Die Vorgaben dazu sind meist Sache der Gemeinde. Bis vor kurzem musste in der kommunalen Bau- und Zonenordnung explizit festgehalten werden, dass die vorgeschriebene Parkplatzzahl unterschritten werden darf – wenn eben ein Mobilitätskonzept erstellt wird. Seit August 2025 ist dies jedoch auch ohne entsprechende Regelung in der BZO möglich. Umgesetzt werden Mobilitätskonzepte aber laut Stamp dennoch nicht immer. «Dabei mangelt es keineswegs am guten Willen», betont die Fachfrau. Doch gerade kleineren Gemeinden fehle es oft an Erfahrung, aber auch am Druck, dem Städte wie Zürich oder Winterthur ausgesetzt seien.

Kapazität im Strassennetz schonen

Die geplante Unterschreitung des Pflichtparkplatzbedarfs bei Bauvorhaben ist zwar der häufigste Auslöser eines Mobilitätskonzeptes – aber es gibt auch noch andere Gründe: Etwa, dass man Kapazitätsengpässe auf dem umliegenden Strassennetz vermeiden möchte, das bisherige ÖV-Angebot nicht ausreicht, oder es an Anbindungen für den Fuss- oder Veloverkehr fehlt. Mobilitätskonzepte von Privaten helfen Gemeinden ausserdem bei der Erreichung von Zielen im Zusammenhang mit Programmen wie EnergieStadt oder im Rahmen des kommunalen Umweltmanagements.

Mobilitätskonzepte von Privaten helfen Gemeinden, ihre Ziele zu erreichen.

Nachhaltige Mobilität bedeutet nicht nur eine gezielte Förderung des öffentlichen Verkehrs. Es muss auch auf kurze Alltagswege und sichere, durchgehende Velostrukturen geachtet werden, sowie auf ausreichend Sharing-Angebote und gute Fuss- und Fahrradwegverbindungen zu Bushaltestellen und Bahnhöfen. Distanzen zu Lebensmittelläden, Kita, Sportplatz oder Apotheke spielen bei neuen Bauvorhaben und Arealentwicklungen ausserdem ebenso eine Rolle wie die Linienführung und der Kurstakt von Bussen oder Postautos.

Bauherrschaften und Gemeinden profitieren

Für die Erarbeitung und Umsetzung eines Mobilitätskonzepts ist in aller Regel die Bauherrschaft verantwortlich. Fällt die Zahl der geplanten Parkplätze tiefer aus als in der Bau- und Zonenordnung vorgeschrieben, muss die Bauherrschaft die Mobilität der Arealnutzerinnen und Arealnutzer etwa anderweitig sicherstellen – ohne dass auf Parkfelder im öffentlichen Raum ausgewichen wird.

Ein Mobilitätskonzept kann nur erfolgreich sein, wenn Bauherrschaft und Gemeinden eng zusammenarbeiten.

Für Anna Stamp ist aber auch klar: Ein Mobilitätskonzept kann nur erfolgreich sein, wenn Bauherrschaft und Gemeinden eng zusammenarbeiten und ein gemeinsames Verständnis davon teilen. Überhaupt müssten sich alle Beteiligten gehört und ernst genommen fühlen. Ein Mobilitätskonzept sei ein partizipativer Prozess, der von Anfang an in das Bauvorhaben eingebunden werden müsse, betont die Fachfrau. «Nicht etwas, das man zum Schluss noch hinterherschickt.»

Den Mehrwert von Mobilitätskonzepten aufzeigen

Im neuen Merkblatt habe man denn auch grossen Wert darauf gelegt, Bauherrschaften und Gemeinden den Mehrwert von Mobilitätskonzepten aufzuzeigen, sagt Stamp. Ein Mobilitätskonzept solle nicht als etwas wahrgenommen werden, «das jetzt auch noch erfüllt werden muss», sondern vor allem als Chance. So ermögliche es Gemeinden, Bauvorhaben auch in Gebieten mit hoher Verkehrsbelastung und ohne teure Investitionen ins Verkehrsnetz zu realisieren und Mobilität in ihrem Sinn zu gestalten.

Bauherrschaften profitierten von tieferen Kosten für die Erstellung und den Betrieb von Parkfeldern.

Bauherrschaften wiederum profitierten zum Beispiel von Einsparungen bei den Kosten für Erstellung und Betrieb von Parkfeldern. Ausserdem können die freiwerdenden Flächen so für andere Vorhaben und möglicherweise wirtschaftlicher genutzt werden. Und Nutzerinnen und Nutzer haben leichteren Zugang zum Areal mit allen Verkehrsmitteln, also auch zu Fuss und mit dem Velo, womit auch die Mobilitätskosten sinken.

Der Nutzen einer effizienten Mobilitätsgestaltung bei der Entwicklung neuer Areale zeigt sich nicht zuletzt in einem geringeren Energieverbrauch und weniger Treibhausgasemissionen, wie es im Handbuch «MIPA – Mobilitätsmanagement in Planungsprozessen von Arealen» von EnergieSchweiz heisst: «Der Verkehr als realisierte Mobilität von Personen birgt ein grosses Optimierungspotenzial, ist er doch gesamtschweizerisch mit rund 36 % für den grössten Anteil des Energieverbrauchs nach Verbrauchergruppen verantwortlich.»

Illustration einer neuen Siedlung mit mehreren unterschiedlich hohen Gebäuden und zentralem Innenraum mit viel Grün
In der Siedlung Koch kommen auf 123 Wohnungen gerade einmal 8 Parkfelder zu stehen. (Illustration: Janine Wiget)

Beispiel: Siedlung Koch in der Stadt Zürich

Ein aktuelles Beispiel eines Mobilitätskonzepts ist die Siedlung Koch der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1 in Zürich. Auf dem Areal mit 123 Wohnungen kommen gerade einmal 8 Parkfelder zu stehen. Diese werden nur an Personen vermietet, die etwa mit einer Mobilitätseinschränkung leben oder berufliche Härtefälle vorweisen können. Sie verpflichten sich in einer Zusatzvereinbarung zum Mietvertrag, nur das bewilligte Parkfeld auf dem Areal zu nutzen und keine Blaue Zone-Karte zu beziehen. Aller anderen Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung sichern ausserdem, ebenfalls vertraglich, zu, kein Auto zu halten. Den 8 Parkplätzen auf dem Areal stehen ganze 536 Veloabstellplätze gegenüber, ausserdem 150 Steckdosen für E-Bikes und ein allen zur Verfügung stehendes Mobility-Auto sowie ein E-Lastenvelo. Alle Haushalte ohne Auto können kostenlos ein Mobility-Jahresabo beziehen.

Mobilitätskonzepte brauchen regelmässige Wirkungskontrollen

Erfolgreiche Mobilitätskonzepte brauchenWirkungskontrollen und ein Monitoring. Nur klar mess- und überprüfbare Indikatoren geben Aufschluss darüber, ob das Konzept die beabsichtigte Wirkung auch erreicht. So kann zum Beispiel eine maximal zulässige Anzahl Autofahrten für einen gewissen Zeitraum bestimmt und dann durch Schranken an der Garagenausfahrt kontrolliert werden. Oder es wird ein Jahreswert von durch den motorisierten Individualverkehr generierten CO2-Emissionen definiert, der nicht überschritten werden darf. Wichtig ist auch, dass klar geregelt wird, wer für die Umsetzung und das Monitoring zuständig ist.

Festhalten sollte ein Mobilitätskonzept ausserdem, was geschieht, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Normalerweise wird eine Frist zur Nachbesserung bestimmt, aber auch eine Rückfallebene für den Fall, dass die Massnahmen wiederholt ihre Wirkung verfehlen. So können zum Beispiel Parkgebühren erhöht oder die Zahl der Parkfelder reduziert werden.