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Smart Home für jedes Zuhause

Heute muss für den Traum vom Smart Home keine Wand mehr aufgerissen und aufwändig Kabel verlegt werden. Funkbasierte Systeme passen in jedes Zuhause. Aber welche Alternativen gibt es eigentlich und was sind ihre Vor- und Nachteile?

Rieke BärenfängerRieke Bärenfänger5 min

Wohnen im Smart Home macht Spass, erhöht den Wohnkomfort, senkt den Energieverbrauch und erhöht die Sicherheit – so die Versprechen der Anbieter. Das Interesse der Kunden wächst seit Jahren langsam, aber stetig. Vor allem im letzten Jahr sind durch den Vormarsch der Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Assistant immer mehr Kunden auf das Thema Smart Home aufmerksam geworden. Viele fragen sich: Ist das eigentlich etwas für mich? Geht das auch in der Mietwohnung? Was, wenn ich das erst einmal ausprobieren will, aber noch keine komplette Ausstattung möchte? Und wie viel kostet ein Smart Home eigentlich? Dieser Beitrag bringt etwas Licht ins Dunkel. Die Antworten hängen eng von der gewählten technischen Lösung ab.

Die Qual der Wahl: Kabel, Stromleitung oder Funk?

Der Markt der Smart-Home-Lösungen ist unübersichtlich. Unterschiedliche Technologien und zig Anbieter konkurrieren um die Gunst der Kunden. Die drei wichtigsten Technologien mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen sind:

Kabelgebundene Systeme

Powerline (PLC)-basierte Systeme

Funkbasierte Systeme

Klassisch: Kabelgebundene Systeme

Die erste Gruppe, kabelgebundene Systeme, sind am längsten auf dem Markt. Die meisten setzen auf dem Industriestandard KNX auf. Hier kommunizieren die intelligenten Elemente des Hauses wie die Beleuchtung, die Storen, die Heizung oder Sensorik über eine eigene Steuerleitung miteinander, also ein eigenes Kabel. Sie sind an einen speziellen Server angeschlossen, der die Informationen und Steuerungssignale weitergibt.

Die Bewohner bedienen das Smart Home neben den Wandschaltern über festinstallierte Steuerungspanels oder über Apps. Da in allen Wänden Leitungen verlegt und Module im Elektroschaltschrank installiert werden müssen, sind kabelgebundene Systeme nur für Kernsanierungen oder Neubauten und damit für Eigentümer geeignet.

Nur Elektroinstallateure mit entsprechender Zertifizierung für «Hausautomation» (so der deutsche Name für Smart Home) sollten diese Systeme installieren und konfigurieren. Für eine grössere Wohnung oder ein kleines Einfamilienhaus beginnen die Lösung ab 10’000 bis 15'000 CHF (zuzüglich Installations- und Konfigurationskosten).

Nach oben gibt es preislich natürlich kaum Grenzen, wenn mehr Geräte und individuelle Wünsche wie professionelle Sicherheitssysteme, Entertainmentsysteme wie versenkbare Fernseher oder Zutrittslösungen wie eine Türöffnung per Fingerabdruck hinzukommen. KNX-Systeme sind nicht durch den Kunden selbst erweiterbar und normalerweise nicht mit der frei erhältlichen Endkundenelektronik kompatibel. Dafür sind sie meist stabil und sicher.

Über die Stromleitung mit PLC

Die zweite Gruppe, powerlinebasierte Systeme, übermittelt die Smart-Home-Informationen über die bestehende Stromleitung. Es müssen deshalb keine Wände für neue Leitungen aufgeschlitzt, sondern nur bestehende Schalter und Steckdosen mit kleinen kommunizierenden Modulen versehen werden. Ausserdem benötigt man Module im Elektroschaltschrank des Hauses oder der Wohnung. Damit sind PLC-Lösungen auch vor allem für Eigentümer und Neubauten geeignet.

Bewohner bedienen diese Lösungen meist ebenfalls über eine App oder ein Bedienpanel. Nur professionelle Elektroinstallateure können das System installieren und in Betrieb nehmen. Bewohner können das System normalerweise nicht selbstständig erweitern. Anbieter von Powerline-Smart-Home-Lösungen bieten teilweise zusätzliche Gateways an, die eine Brücke zwischen dem PLC-System und der Endkunden-Smart-Home-Elektronik darstellen.

Damit lassen sich auch einige per WLAN kommunizierende Produkte einbinden. Die PLC-Ausstattung kostet ab 5'000 bis 10’000 CHF. Energieversorger und Benutzer berichten vereinzelt von Störungen zwischen dem Powerline-Smart-Home-System und der Stromversorgung des Hauses.

Flexible Funklösungen

Die dritte Gruppe sind die funkbasierten Systeme. Dieser Markt boomt seit einigen Jahren, monatlich kommen neue Produkte in den Handel. Hier sind keine neuen Leitungen oder Einbauten im Elektroschaltschrank notwendig, da alle smarten Geräte per Funk miteinander kommunizieren. Die Geräte funken entweder auf speziellen Smart-Home-Frequenzen (z.B. Z-Wave oder Zigbee), über WLAN oder auf herstellereigenen Funkprotokollen.

Die speziellen Smart-Home-Funkstandards haben einen besonders geringen Stromverbrauch und können deshalb auch per Akku oder Batterie betrieben werden. Sie funken nur bei Benutzung, also nicht permanent wie ein WLAN. Wie bei Powerline gibt es auch hier Module, die unsichtbar (Unterputz) hinter bestehenden Schaltern und Steckdosen eingebaut werden und somit keine Batterien brauchen.

Diese Systeme haben meist einen Gateway, der so ähnlich wie ein WLAN-Router die Funksignale verarbeitet. Funkbasierte Systeme sind frei platzierbar, Kunden können sie meist selbst in Betrieb nehmen, per App bedienen und nach Bedarf erweitern. Das klappt am besten mit Produkten desselben Anbieters und dem gleichen Funkstandard:

Über verschiedene Funkstandards hinweg oder selbst innerhalb eines Funkstandards funktionieren Produkte verschiedener Hersteller oft nicht problemlos miteinander. Funkbasierte Systeme können in allen Neu- und Bestandsbauten verwendet werden, egal ob  Eigentum oder Mietwohnung, da sie zu jedem Zeitpunkt eingebaut werden können. Sie sind damit voll retrofitfähig. Einzelne Geräte gibt es ab einigen hundert Franken und für eine mittlere Wohnung mit einer Standardausstattung fallen ca. 1’000-3’000 CHF an.

Bei allen mit dem Internet verbundenen Systemen gilt, dass sicherheitsbewusste Kunden sich über die Seriosität und Sicherheitskonzepte des Anbieters informieren sollten. Es sollten ausserdem alle empfohlenen Vorsichtsmassnahmen zum Schutz des Heim-WLANs und des Smart-Home-Systems ergriffen werden.

Fazit: Geldbeutel, Wohnsituation und Vertrauen entscheiden

Welches System ist nun das richtige für welchen Kunden? Das hängt einerseits von der Investitionsbereitschaft ab, andererseits von den Wohnumständen sowie der Smart-Home-Begeisterung. Für alle, die sich an den Markt zuerst herantasten möchten, ihr Smart Home dann Stück für Stück ausbauen wollen und die nicht gleich mehrere tausend Franken investieren können oder wollen, sind funkbasierte Systeme die richtige Wahl.

Dasselbe gilt für die meisten Mieter in Bestandsbauten – also für fast 60% der Schweizer Bevölkerung. Wer nicht aufs Geld achten muss oder bereits in eine ausgestattete Liegenschaft ziehen kann, für den kommen auch die anderen Lösungen in Frage. Fest steht, dass sich die Funktionen der Systeme heute kaum noch unterscheiden und in den nächsten Jahren die funkbasierten Systeme alle Funktionen der kabelgebundenen Systeme und mehr abdecken werden.

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Kommentare

  • Frau Nelly I. Seglias

    05.03.2019 20:21:47

    eine sehr interessante Geschichte. Kommt für mich aber gar nicht mehr in Frage, da ich den Computer lediglich für Korrespondenz mit allen Be-kannten und Freunden in der ganzen Welt brauche.

  • braust

    08.03.2019 18:38:55

    Von Energieexperten hätte ich noch einen Hinweis zum Energieverbraucht erwartet. Brauchen Funk-Lösungen mehr Strom?
    Natürlich kann Energie gespart werden (wenn z.B. Heizung oder Warmwasserproduktion besser gesteuert werden), doch die meisten Anwendungen (Beleuchtung, Sprachassistenten, Überwachungssysteme) werden wahrscheinlich erst einmal mehr Strom brauchen durch die Infrastruktur, die dauernd auf "standby" ist.