Stromsparend streamen – was Sie tun können

Themen wie Klimawandel oder Strommangellage beschäftigen uns seit Monaten. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt auf, wo Filmfans und News-Junkies ansetzen können, um die Umwelt und das Portemonnaie zu entlasten.

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Hände halten Handy, auf dem ein Stream läuft, Hängematte im Hintergrund

Die Universität Zürich hat in Zusammenarbeit mit dem Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) eine Studie publiziert: «Auswirkungen digitaler Produkte auf den Klimaschutz». Wir haben uns den Bereich Streaming näher angeschaut – und geben Ihnen Tipps, wie Sie nicht nur Treibhausgase vermeiden, sondern auch den Stromverbrauch senken können.

Wie gross ist der Fussabdruck von Streaming?

Bevor wir Ihnen aufzeigen, wo Sie gegebenenfalls umweltfreundlicher und stromsparender handeln können, liefern wir Ihnen ein paar theoretische Grundlagen: Welche Belastungen entstehen rund ums Streaming von Fernsehsendungen und Videos?

In der eingangs erwähnten Studie haben Jan Bieser, Deborah Kalte und Lorenz Hilty im Auftrag von Swico und swisscleantech untersucht, welche Effekte zum CO2-Fussabdruck von Streaming beitragen. Sie kommen zum Schluss: «Bei Produkten wie Video- und Musikstreaming spielt vor allem der Bereitstellungseffekt eine Rolle, da das Streamen der Inhalte die Verarbeitung und Übertragung grosser Datenmengen in Rechenzentren und über Telekommunikationsnetze erfordert, deren Betrieb wiederum relevante Mengen an elektrischer Energie benötigt.»

Weil es nun günstiger ist zu streamen, verbringen Menschen einen grösseren Teil ihrer Zeit mit Videos.

Bei der Anwendung stechen auf den ersten Blick die Vorteile ins Auge: «Das Streamen eines Films verursacht weniger Treibhausgas-Emissionen als eine DVD, die hergestellt und ausgeliefert oder abgeholt werden muss, selbst wenn man die Herstellung und den Betrieb der für das Streaming notwendigen Endgeräte, Netze und Rechenzentren berücksichtigt.»

Allerdings geben die Forschenden zu bedenken: «Während eine DVD früher für 30 Franken im Laden gekauft werden musste, können Videos heute komfortabel und kostengünstig über Internet-Plattformen konsumiert werden. Weil es nun günstiger ist zu streamen, verbringen Menschen einen grösseren Teil ihrer Zeit mit Videos» – es besteht die Gefahr, dass Energieverbrauch und Treibhausgas-Emissionen unter dem Strich sogar steigen.

Rund 80 Prozent des Datenverkehrs wird von Videos verursacht.

Rund 80 Prozent des Datenverkehrs über Telekommunikationsnetze wird von Videos verursacht, das meiste davon stammt von kostenpflichtigen Angeboten wie Netflix, Amazon Prime, Disney etc. Aber auch Pornographie, YouTube, Facebook, Instagram und TikTok tragen zu dieser Menge bei.

So viel Strom braucht Streaming

In einer Studie aus Grossbritannien wurde der durchschnittliche Stromverbrauch des Fernsehkonsums pro Gerät und Stunde für das Jahr 2016 berechnet. Der höchste Verbrauch wurde bei der Übertragungsart Streaming verursacht (Tabelle 1).

Eine europäische Studie ordnet den Grossteil des Stromverbrauchs bei den Endgeräten zuhause ein: Bildschirme, TV-Geräte, Laptops, Smartphones und Peripherie wie Set-top-Boxen verursachen zusammen 51 % (Tabelle 2).

ÜbertragungStromverbrauch/h
Streaming (BBC iPlayer)0.19 kWh
Satellit0.16 kWh
Kabel0.15 kWh
Terrestrisch (Antenne)0.06 kWh
Tabelle 1: Übertragungsarten (2016)
Prozess-SchrittStromverbrauch/hAnteil
Rechenzentrum1 Wh1%
Übertragungsnetz20 Wh10 %
Heim-Router71 Wh38 %
TV-Peripherie10 Wh5 %
Bildschirm86 Wh46 %
Total0.188 kWh100 %
Tabelle 2: Videostreaming-Prozess (2020)

Stromverbrauch: Der Bildschirm in der Hauptrolle

Der Elefant im Raum ist also der Bildschirm. ETH-Wissenschaftler Vlad Coroamă bestätigte das gegenüber SRF: Eine Stunde «Game of Thrones» auf einem Tablet in HD-Qualität verbraucht etwa 80 Wh, auf einem Fernseher in 4K-Qualität wären es 220 Wh (Radiobeitrag, 2019).

Video-Streaming immer beliebter

«Auch nach dem Höhepunkt der Pandemie konnten Streaminganbieter in der Schweiz zahlreiche neue Kundinnen und Kunden gewinnen.» So lautet in einem Satz das Fazit von Moneyland zur repräsentativen Schweizer Online-Umfrage 2022 mit 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Balkendiagramm: Statistik Nutzung Video-Streaming Schweiz
Die beliebtesten Streamingplattformen im Jahresvergleich. (Grafik: Statista)

Checkliste: Umweltschonend und energiesparend streamen

Wer seinen eigenen Streaming-Fussabdruck minimieren will, kann auf diese 7 Punkte achten.

1. Nutzen Sie kleinere Geräte

Bildschirmgrösse und Auflösung beeinflussen den Energieverbrauch wesentlich. Nutzen Sie kleinere Monitore – oder noch besser Laptop, Tablet oder Smartphone.

Faustregel für den Abstand vom Sitzplatz zum TV: Bildschirmdiagonale × 3.

Auf enex.me gibt es weitere Tipps und Details zu TV-Geräten und zur Abstandsberechnung.

2. TV-Geräte mit LED-Technik wählen, Energieetikette beachten

Fernseher mit LED-Hintergrundbeleuchtung verbrauchen bis zu einem Drittel weniger Strom als herkömmliche LCD-Geräte. Die Energieetikette macht den Stromverbrauch im Betrieb vergleichbar.

3. Geräte so lange wie möglich behalten

Da der Bereitstellungseffekt bei den Endgeräten sehr hoch ist, lohnt es sich, Geräte möglichst lange zu nutzen – entweder persönlich, oder indem Sie Secondhand-Geräte kaufen. Je länger die Geräte gebraucht werden, desto besser ist die Bilanz bezüglich grauer Energie.

4. Das stromsparendste Netz

Setzen Sie bei mobiler Nutzung auf kabelgebundene Netze (WLAN) oder 5G.
Mehr zu den Umweltauswirkungen von 5G-Netzen in unserem Beitrag «5G – Chance oder Risiko?».

5. Nutzen Sie Streaming-Dienste bewusst

Lassen Sie keine Musik (oder sogar Musikvideos) im Hintergrund laufen, sondern laden Sie die Lieblingsstücke herunter und nutzen Sie diese offline. Zappen Sie nicht wahllos durch das Angebot und deaktivieren Sie Autoplay.

6. Seien Sie zurückhaltend auf Social Media

Nicht jeder Schnappschuss, nicht jedes Jux-Video muss geteilt werden. Und wenn, dann bitte komprimiert.

7. Live-TV über traditionelle Übertragungswege nutzen

Satellit, Kabel und – sofern noch vorhanden – Antenne schneiden im Vergleich zu Streaming besser ab. (In der Schweiz wurde die terrestrische Verbreitung von Fernsehsendungen via DVB-T 2019 aus Kostengründen eingestellt.)

Fazit: Kleinvieh macht auch Mist

Auch wenn jede Massnahme einzeln nur wenig Gewicht haben mag: Wenn heute über 80 % der Datennutzung auf Streaming entfallen, muss da auch viel Sparpotenzial sein. Wir alle können beim Medienkonsum zur Verringerung des CO2-Fussabdruckes beitragen und erst noch Strom sparen. Was bei den aktuell steigenden Preisen sicher lohnend ist.


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