Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Diese Frage haben sich schon viele beim Blick auf die Stromrechnung gestellt. Im Wesentlichen besteht der Strompreis aus vier Komponenten: den Tarifen für Netznutzung und Energie sowie Abgaben ans Gemeinwesen und an den Bund zur Förderung der erneuerbaren Energien.

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In der Schweiz ist der Strompreis in erster Linie davon abhängig, ob die benötigte Energie frei am Markt bei einem Energielieferanten nach Wahl beschafft werden kann oder nicht. Grosskunden, die im Jahr 100 MWh Strom oder mehr verbrauchen, können am Markt einkaufen. Für Haushalts- und Gewerbekunden – sogenannte feste Endverbraucher – sowie für marktberechtigte Grosskunden, die auf ihren Marktzugang verzichten, beschafft der lokale Netzbetreiber die benötigte Menge an Strom. Die dafür in Rechnung gestellten Stromtarife sind reguliert und werden Elektrizitätstarife genannt.

Die Strompreise in der Schweiz

Für die Gestaltung dieser Elektrizitätstarife gelten gesetzliche Vorgaben, die im Stromversorgungsgesetz (StromVG) und in der dazugehörigen Verordnung (StromVV) definiert sind und deren Einhaltung von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) überwacht wird. Die Tarife setzen sich aus den Netznutzungstarifen, den Energietarifen, den Abgaben und Leistungen ans Gemeinwesen sowie der Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien, dem Netzzuschlag, zusammen.

«Netznutzungstarif»

Der Transport und die Verteilung des Stroms vom Kraftwerk bis ins Haus wird dem Kunden als Netznutzung verrechnet. Der Netznutzungstarif umfasst die Kosten für

  • den Bau, Betrieb und Unterhalt der Stromnetze,
  • das Mess- und Informationswesen, für die Abrechnung und den Kundendienst,
  • die allgemeinen Systemdienstleistungen (SDL) der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid, die für den ständigen Ausgleich zwischen Verbrauch und Produktion zuständig ist.

Arbeitspreis und Leistungspreis

In der Stromrechnung weisen die Netzbetreiber in der Regel die SDL separat aus. Zur anteiligen Deckung der Fixkosten verrechnen die meisten Netzbetreiber einen Grundtarif. Insbesondere bei Haushalts- und Gewerbekunden muss ein grosser Teil der Kosten aufgrund stromversorgungsrechtlicher Vorgaben auf Basis der bezogenen Energie im Arbeitspreis in Rappen/kWh verrechnet werden. Der Arbeitspreis für den Verbrauch zu Hochtarif- und Niedertarifzeiten wird bei den meisten Netzbetreibern getrennt berechnet.

Bei Kunden mit einem grösseren Verbrauch kommt ein Leistungspreis in CHF/kW hinzu. Dieser basiert auf der in einem bestimmten Zeitraum maximal vom Kunden bezogenen Leistung (gemittelt über eine Messperiode von 15 Minuten).

«Energietarif»

Der Energietarif ist der Preis für die gelieferte elektrische Energie. Im aktuellen teilliberalisierten Strommarkt können die festen Endverbraucher nicht am freien Markt teilnehmen und müssen die elektrische Energie aus der Grundversorgung beim lokalen Netzbetreiber beziehen. Die für die Grundversorgung benötigte Energie erzeugt der Netzbetreiber entweder mit eigenen Kraftwerken oder er kauft sie am Markt ein.

«Abgaben»

Die Abgaben umfassen zum einen die Bundesabgabe und zum anderen die kommunalen und kantonalen Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen.

Die Bundesabgabe enthält den Netzzuschlag zur schweizweiten Förderung erneuerbarer Energien. Im Wesentlichen gehören dazu die Investitionsbeiträge für verschiedene Erzeugungstechnologien, die Einmalvergütungen für Photovoltaikanlagen, das Einspeisevergütungssystem (KEV) und die Marktprämie für die bestehende Grosswasserkraft. Der Bundesrat legt die Höhe der Abgabe jährlich bedarfsgerecht fest. Der gesetzliche Höchstbetrag beträgt gemäss geltendem Energiegesetz 2,3 Rp./kWh.

Daneben können kommunale und/oder kantonale Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen erhoben werden. Ein Beispiel sind die Konzessionsgebühren für die Sondernutzung von öffentlichem Grund zur Verlegung von Stromleitungen. Aber auch Energieabgaben zur lokalen Finanzierung der Förderung der erneuerbaren Energien, von Energieeffizienzmassnahmen und vergünstigter Energieberatung gehören dazu. Schweizweit betragen die durchschnittlichen Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen für das Jahr 2022 rund 0,9 Rp./kWh.

Kostenverhältnisse

Am gesamten Strompreis, den Endverbraucher bezahlen, machen die Kosten durchschnittlich etwa folgende Anteile aus:

KomponenteAnteil
Netznutzung50 %
Energiebezug35 %
Bundesabgabe12 %
Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen3 %

Ist der Strompreis in der ganzen Schweiz gleich?

Nein, dem ist nicht so. Die Preise zwischen den Netzbetreibern innerhalb der Schweiz variieren zum Teil erheblich. Dies zeigt ein Blick auf den Strompreisvergleich der ElCom deutlich.

Für einen typischen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 kWh variiert der Elektrizitätstarif für das Jahr 2022 zwischen 8,19 Rp./kWh und 28,41 Rp./kWh. (Grafik: ElCom – H4 Verbrauchsprofil, Standardprodukt)

Warum unterscheiden sich die Strompreise so stark?

Die Höhe des Energietarifs ist stark von den Produktions- und Beschaffungskosten abhängig. Haupttreiber für die Differenzen bei der Energie ist der Anteil Eigenproduktion. Netzbetreiber mit einem hohen Anteil an teurer Eigenproduktion können in der Regel die Energie nicht zu demselben Preis anbieten, wie ein Netzbetreiber, der die benötigte Energie überwiegend am Markt mit vorteilhaft ausgehandelten Bezugsverträgen beschafft. Wobei es zu beachten gilt, dass Marktpreise vor allem vom Zeitpunkt der Energiebeschaffung abhängen und diese über die Jahre betrachtet starken Schwankungen unterliegen können. Zudem ergeben sich Preisdifferenzen aus dem unterschiedlichen ökologischen Produktemix und der differenzierten Ausschöpfung der regulatorisch zulässigen Vertriebsmargen.

Auch andere, nicht direkt messbare Kostenfaktoren haben einen Einfluss auf die Höhe der Netznutzungs- und Energiepreise. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Fiskalpolitische Faktoren: Differenzierte Steuerpflicht und Steuersätze – schweizweit betrachtet variieren die Steuern stark;
  • Regionale ökonomische Faktoren: Lohnunterschiede, Unterschiede bei den Grundstück- und Mietpreisen;
  • Tarifpolitik: Mit der Kostenverteilung auf Kundengruppen und über die Gewichtung der Tarifelemente kann eine unterschiedliche Belastung der Verbrauchsprofile erzielt werden.

Die Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen können von den Netzbetreibern nicht beeinflusst werden. Im schweizweiten Vergleich variieren diese stark. Für einen typischen Haushaltskunden bewegen sich diese im Jahr 2022 von 0 Rp./kWh bis 7,48 Rp./kWh.

 

Was heisst denn liberalisierter Strommarkt?

Seit 2009 können Endverbraucher mit einem jährlichen Stromverbrauch von 100 MWh und mehr ihren Energielieferanten im Strommarkt frei wählen. Das heisst, sie können verschiedene Offerten einholen und sich für den günstigsten Anbieter entscheiden. Rund 68 Prozent der marktberechtigten Kunden haben bis Ende 2020 von diesem Recht Gebrauch gemacht. Für diese Kunden überwacht die ElCom nur noch die Netznutzungstarife, die weiterhin im regulierten Monopol sind.

Wahlmodell der abgesicherten Stromversorgung

Haushalts- und Gewerbekunden steht der freie Markt heute noch nicht offen. Am 18. Juni 2021 hat der Bundesrat die Botschaft über das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien verabschiedet. In der Vorlage ist auch der Vorschlag enthalten, den Strommarkt für alle Kunden zu öffnen.

Künftig sollen also auch Haushalte und kleine Betriebe ihren Energielieferanten frei wählen können. Für diese Kunden gilt das Wahlmodell der abgesicherten Stromversorgung (WAS-Modell). Dies bedeutet, dass diese Kunden jährlich zwischen Grundversorgung des lokalen Netzbetreibers und einem Marktangebot wählen und wechseln können.

Mit der Neugestaltung des Strommarkts erwartet der Bundesrat eine Stärkung der dezentralen Stromproduktion und damit eine bessere Integration der erneuerbaren Energien in den Strommarkt.

Wie funktioniert der Stromhandel?

Der Strom wird an verschiedenen europäischen Strombörsen sowie bilateral über Broker-Plattformen gehandelt. Man unterscheidet zwei Märkte: den Terminmarkt für den langfristigen Handel und den Spotmarkt für den kurzfristigen Handel. Dies vor allem, weil die Handelsware Strom nur sehr begrenzt speicherbar ist. Die Produktion und der Verbrauch müssen immer gleichzeitig stattfinden.

Die gehandelten Strompreise unterliegen starken Preisschwankungen. Preisbestimmend für Angebot und Nachfrage sind beispielweise die Verfügbarkeiten von Kraftwerken. Aber auch die Preisentwicklungen anderer Rohstoffe, insbesondere Kohle, Erdgas oder Öl und die Preise der Emissionsrechte haben einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Strompreise. Zudem beeinflussen noch andere Faktoren die Strompreise, wie beispielsweise die Konjunktur, die Verbrauchssituation, politische Entwicklungen, die regulatorischen Bestimmungen, das Wetter, die Preise der Grenzkapazitäten sowie die Einspeisung von Wind- oder Photovoltaik-Strom.

In der Stromversorgung gilt es, zwischen «physikalisch und buchhalterisch» zu unterscheiden. Der Handel erfolgt rein auf dem Papier. Physikalisch erfolgt die Versorgung aber immer direkt vor der Tür. Die Energie wird immer aus den Kraftwerken geliefert, die nah sind.


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