Windenergie ausbauen – mit möglichst wenig Gefahr für Vögel

Die fossilen Energien sind ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren: Wasser, Biomasse, Sonne, Wind. Doch gegen den Ausbau der Windenergie wird immer wieder das Argument vorgebracht, die Turbinen seien eine Gefahr für Vögel. Neue Untersuchungen helfen, Windenergie vogelfreundlicher zu planen.

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Zwei neue Studien liefern Daten, die für den Ausbau erneuerbarer Energien mit minimalen Auswirkungen auf die Tierwelt wichtig sind. Eine Untersuchung hat Hotspots in Europa identifiziert, in denen Vögel durch Windkraftanlagen und Stromleitungen besonders gefährdet sind. In der zweiten Studie wurde das Flugverhalten von Vögeln in der Nähe von Windrädern näher untersucht.

Solche Informationen sind wichtig, denn bis 2050 soll sich die europäische Onshore-Windenergiekapazität – Turbinen also, die auf dem Land und nicht im Meer draussen stehen – fast vervierfachen, und auch Länder in Nordafrika, wie Marokko und Tunesien, haben sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Onshore-Windenergie massiv zu erhöhen.

Dies sind Länder, durch die viele unserer Zugvögel fliegen.

Besonders gefährliche Stellen in Europa

Ein internationales Team von 51 Forschern aus 15 Ländern hat GPS-Daten von 1454 Vögeln aus 27 Arten erhoben – darunter vor allem grosse Segelflieger. Zum ersten Mal wurden GPS-Daten von derart vielen Arten zusammengeführt, um ein umfassendes Bild davon zu erhalten, wo Vögel gefährdet sind.

GPS-Daten von Vögeln auszuwerten, ist sehr aufwendig, denn man muss sehr viele Tiere mit Sendern ausstatten, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ihr Verhalten in der Nähe der Turbinen zu erfassen. Weil aber GPS-Tracking-Studien immer häufiger durchgeführt werden, konnten die Daten vieler verschiedener Studien zusammengefasst werden. Und das macht diese Arbeit so aussergewöhnlich.

GPS-Daten von Vögeln auszuwerten, ist sehr aufwendig, denn man muss sehr viele Tiere mit Sendern ausstatten.

Das Risiko war bei den einzelnen Arten unterschiedlich hoch, wobei der Löffler, der Uhu, der Singschwan, der iberische Kaiseradler und der Weissstorch oft in Höhen fliegen, auf denen ein Kollisionsrisiko besteht: zehn bis sechzig Meter über dem Boden für Stromleitungen und 15 bis 135 Meter für Windkraftanlagen.

Entstanden sind sogenannte Gefährdungskarten, die zeigen, dass sich die heiklen Stellen für Kollisionen besonders auf die Zugrouten entlang der Küsten und in der Nähe von Brutplätzen konzentrieren. Dazu gehören die westliche Mittelmeerküste in Frankreich, Südspanien und die Meerenge von Gibraltar. Diese Meerenge ist nicht nur das wichtigste Nadelöhr für den Vogelzug in Westeuropa, sondern wegen der starken und häufigen Winde auch ein idealer Standort für Windparks. Schätzungen gehen davon aus, dass in dieser Region jedes Jahr mehr als hundert Gänsegeier sowie Dutzende von Schlangenadlern und Turmfalken durch Kollisionen mit Windkraftanlagen sterben.

Gänsegeier in der Nähe von Windkraftanlagen in Südspanien. (Foto: Alejandro Onrubia)

Weitere Gefahrenregionen für Vögel sind die marokkanische Küste, Ostrumänien, die Sinai-Halbinsel und die deutsche Ostseeküste. In diesen hochsensiblen Gebieten sollte gemäss den Studienautoren der Bau neuer Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen beschränkt werden. Sollte sich der Bau neuer Anlagen nicht verhindern lassen, müsste er von Massnahmen zur Verringerung des Risikos für die Vögel begleitet werden müssen.

Schwarzmilane weichen Windrädern aus

Aber nicht alle Vögel sind gleich gefährdet. Dank GPS-Ortung kann man auch verfolgen, wie sich die Vögel in der Nähe von Turbinen verhalten. In der zweiten Studie legten die Forschenden besonderes Augenmerk auf den Schwarzmilan, einen sehr häufigen Greifvogel, der ebenfalls die Strasse von Gibraltar überfliegt – aber vergleichsweise seltener Opfer von Turbinen ist. Ausgewertet wurden die GPS-Daten von 126 Schwarzmilanen. Dabei zeigte sich, dass die Vögel nicht direkt bis zu den Windrädern fliegen. Vielmehr scheinen sie schon in einer Entfernung von etwa einem Kilometer die Windräder zu erkennen und beginnen, auszuweichen.

Vögel, die über den Turbinen flogen, änderten ihre Flugrichtung in der Nähe der Turbinen nicht. Das bedeutet, die Vögel können die Gefahr erkennen, die von den Windkraftanlagen ausgeht, und halten einen Sicherheitsabstand ein.

Schwarzmilane können die Gefahr erkennen, die von den Windkraftanlagen ausgeht, und halten einen Sicherheitsabstand ein.

Wie der Schwarzmilan Windkraftanlagen wahrnimmt, ist nicht bekannt. Würde man diese Mechanismen kennen, könnte man die Turbinen allenfalls auch mit Warnsignalen – zum Beispiel für den Menschen unhörbare akustische Signale – ausrüsten. So wie man zum Beispiel auch dunkle Vogel-Silhouetten auf grosse Fensterflächen klebt. Denn auch diese sind eine Falle für Vögel.

Ob es solche Warnungen auch für Windräder gibt, ist noch unbekannt, aber auf jeden Fall müssen die Erkenntnisse über die Vogelzüge bei der Planung weiterer Windparks berücksichtigt werden.

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  • Yvonne D

    Vor 4 Monaten

    Ich habe gelesen, dass es doch inzwischen Windturbinen gibt, welche z.B. eine andere Farbe an den Spitzenden haben oder vertikal drehen, diese sollen besser sein??

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  • Mario A

    Vor 4 Monaten

    Gibt es Daten spezifisch zur Schweiz? Durch welche Korridore fliegen die meisten Zugvögel in der Schweiz?

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  • Stefan

    Vor 3 Monaten

    Meines Wissens bringen die schwarzen Vogelsilhouetten nichts bis gar nichts, ist daher ein schlechtes Beispiel.

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