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Die Geschichte des Heizens

Wohlige Wärme in den Wohnungen und Häusern ist für die meisten Leute in den Industrieländern heute selbstverständlich. Selbst bei tiefsten Minustemperaturen und Schneesturm herrschen drinnen gemütliche 20 Grad oder mehr. Haben Sie sich schon mal gefragt, wie die moderne Zentralheizung entstanden ist? Wir haben für Sie ein wenig die Geschichtsbücher gewälzt.

Nina KusterNina Kuster

Wenig verwunderlich gilt das Feuer als erste künstliche Heizung. Erst mal entdeckt wie man Feuer macht, diente es als Wärmestelle die aber leider nur so lange ihren Zweck erfüllte, wie das Feuer auch brannte. Und ein grosser Teil der Wärme verflüchtigte sich auch dann in alle Himmelsrichtungen. Steine um die Feuerstelle vermochten zwar etwas Wärme zu speichern, doch die Energieeffizienz war äusserst dürftig.

Doch bereits im 1. Jahrhundert vor Christus wurde die erste Zentralheizung in Betrieb genommen. Die Römer und Griechen heizten in der Antike mit der sogenannten Hypokaustenheizungen (Hypokaustum: Griechisch für „von unten beheizt“). Mit der komfortablen Warmluftheizung wurden vor allem die Wasserbecken der öffentlichen Badehäusern (Thermen) beheizt sowie einzelne Räume in Landvillen.

Meist ausserhalb des Hauses wurde in einem separaten Heizraum mit Holz- oder Holzkohlefeuer in einem Brennofen die Luft auf circa 250 Grad erhitzt. Von dort aus verteilte sich die aufsteigende Wärme über Tonrohre in Hohlräume unter dem Fussboden oder in Hohlziegel der Raumwände. Der Aufbau der Fussbodenheizung bestand aus einem unteren Boden, auf dem ungefähr 50 Zentimeter hohe Ziegelpfeiler verteilt standen. Auf den Pfeilern wiederum lagerten Suspensuraplatten und darauf der Unterlagsboden.


Auf dem Fussboden erreichte man so komfortable 35 Grad, im Raum 21 Grad. Allerdings dauerte es mehrere Tage bis ein Raum auf diese Temperatur erwärmt war. Die Energieeffizienz war also gering, der Brennstoffverbrauch entsprechend hoch. Da es zu dieser Zeit noch keine Schornsteine gab, strömten die Abgase über Rohre und Schächte in den Wänden nach aussen.

Das Hypokausten-Prinzip wird auch heute noch angewendet, zum Beispiel im modernen Kachelofenbau oder in Solar-Luft-Systemen in Verbindung mit Wandheizungen. Wärmeerzeuger ist dabei entweder ein Kamineinsatz für Holz oder Pellets oder ein solarer Luftkollektor, der in einem geschlossenen Luftsystem eine Flächenheizung versorgt. 

Ab dem 8. Jahrhundert wurde sozusagen das Feuer ins Wohnzimmer verlegt. Gemauerte Kamine boten eine höhere Brandsicherheit, speicherten Wärme und erreichten so eine höhere Effizienz. Trotzdem ging natürlich weiterhin ein grosser Teil der Wärme über den Schornstein direkt nach draussen und somit verloren.

Eine alte Idee – Steine ins Lagerfeuer zu geben um die Wärme zu speichern – wurde im 14. Jahrhundert in Japan weiterentwickelt. Der sogenannte „Kotatsu“ ist ein beheizter Tisch und selbst heute noch in elektrischer Form in japanischen Wohnungen allgegenwärtig. Früher handelte es sich um einen Tisch, abgedeckt mit einer riesigen dicken Decke, der über einem mit Glut und Steinen gefüllten Erdloch stand. Die Familienmitglieder setzten sich um den Tisch unter die Decke und wurden so angenehm gewärmt.


Auch heute noch allgegenwärtig in Japan: Kotatsu

Die ersten Kachel- und Eisenöfen kamen im 15. Jahrhundert auf. Durch die Erfindung des Eisengusses war es möglich, geschlossene Eisenöfen zu bauen. Oftmals waren diese damals schon mit einem Steinaufsatz versehen, da dieser die Wärme viel besser speichert als das Metall. Noch viel effizienter in Sachen Wärmespeicherfähigkeiten waren die Kachelöfen die zur selben Zeit gebaut wurden. Die extra gefertigten Ofenkacheln aus einer speziellen Tonmischung vermochten die Wärme um ein vielfaches besser zu speichern.

Um ein Gewächshaus im nordenglischen Newcastle zu beheizen, entwickelte der Schwede Marten Trifvald 1716 die erste Warmwasser-Zentralheizung. Bestehend aus einem Dampferzeuger und einem Rohrleitungssystem, zirkulierte der heisse Dampf unter hohem Druck. Die reichen Adeligen waren begeistert und liessen ihre Schlösser und Villen damit ausrüsten. Bürgerliche Wohnungen erreichte die Technik schliesslich im späten 19. Jahrhundert. 

Nach Jahrhunderten in denen Holz und Kohle als einzige Brennstoffe gedient hatten, kamen Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Gas- und Ölkessel auf den Markt. Die Brüder Buderus waren damals die Pioniere im Heizungsbau. 1920 entwickelten sie die ersten Pumpen-Warmwasserheizungen, die Etagenheizung in Mietshäusern war geboren.

Es dauerte aber noch eine ganze Weile bis sich diese Heizungen durchsetzen konnten. Erst seit den 1970ern gehört die zentrale Wärmeversorgung in Neubauten zum Standard. 

Der Ölpreisschock Mitte der 70er-Jahre brachte das Thema Energieeffizienz ins Bewusstsein vieler Leute und führte zu rasanten Entwicklungen in der Heizungstechnik. Moderne Brennwerttechnik und Wärmepumpen sind unter anderem die Ergebnisse. Natürlich wurden auch die Gebäude an sich verbessert, so dass die Wärme nicht mehr zum grössten Teil gleich wieder aus den Räumen verschwindet.

Wenn Sie das Beste aus Ihrer modernen Heizung herausholen wollen und Ihren Energieverbrauch senken möchten, dann haben wir für Sie 12 Effizienztipps zum Heizen.

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Kommentare

  • Martin Conzett

    14.01.2016 11:12:20

    Guten Tag meine Damen und Herren

    die Gebäude (ca. 1970) unserer Stockwerkeigentümergemeinschaft sollten energetisch saniert werden. Dagegen wird von einigen Eigentümern opponiert. Es wird verwiesen auf einen Artikel in "Die Welt" vom 08.10.12 und auf einen Herrn Konrad Fischer, Dämmkritiker. Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass die Fassadendämmung nutzlos und teuer sei. Auf Wunsch kann ich den Artikel elektronisch zustellen.
    Frage: Gibt es Statistiken über durchgeführte Fassadensanierungen im Sinne von Energieverbrauch vorher und nachher ? Haben Sie eine Adresse für diese Frage ?

    Besten Dank für die Antwort und freundliche Grüsse
    M. Conzett

  • Energie-Experten

    14.01.2016 17:09:16

    Grüezi Herr Conzett
    An dem Artikel wären wir sehr interessiert, Sie können uns diesen gerne auf info@energie-experten.ch mailen.

    Zu Ihrer Frage: Etwa ein Drittel der Endenergie wird in den Gebäuden verbraucht. Daher macht es Sinn, die Gebäude zu verbessern und den Energieverbrauch zu reduzieren. Etwa 30% der Heizenergie geht über die Wände verloren. Eine Verbesserung der Gebäudeisolation mit gleichzeitiger Optimierung des Heizsystems kann eine Energieeinsparung von bis zu 70% der Heizenergie herbeiführen. Eine verbesserte Gebäudehülle hilft demnach nicht nur Energie zu sparen, sondern hilft auch den CO2-Ausstoss zu reduzieren.
    Statistiken findet man beim Bundesamt für Energie* oder Bundesamt für Statistik* oder der jeweiligen kantonalen Baudirektion.

    Die Kosten für eine Fassadensanierung oder Isolierung sind je nach Gebäude und Ausführungsart entsprechend hoch. Attraktive Förderprogramme helfen aber die Amortisationszeit kleiner zu halten. Unter www.energiefranken.ch können Sie anhand Ihrer Postleitzahl einfach die für Sie verfügbaren Förderprogramme aufrufen.

    *Statistiken des BFE: http://www.bfe.admin.ch/themen/00526/00541/00542/index.html?lang=de
    *Statistiken zu Bau- und Wohnungswesen des BFS: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/09.html

  • Dr. Joachim von Hein

    17.06.2017 05:03:33

    Heute gibt es auch den Heizanstrich. Eine spezielle dickflüssige Farbe mit Carbon Granulat wird auf die Wände gestrichen und mit 24 Volt Schwachstrom erwärmt. Das funktioniert auch auf dem Fußboden und an der Decke. Jeder Raum kann mit einem Thermostat einzeln auf die optimale Raumtemperatur eingestellt werden. Nähere Informationen gibt es unter www.carbon-4.com