Wasserwirbelkraftwerke erzeugen aus und mit der Natur Energie. Gleichzeitig wird immer eine (Teil-) Flussrenaturierung durchgeführt. Die innovative Technologie hat in der Schweiz Potenzial: Rund 30 Projekte sind zurzeit in Vorbereitung.

Strom durch Wasserwirbel? Das Prinzip ist einfach zu verstehen, wenn man sich das kreiselnd ablaufende Wasser in einer Badewanne vorstellt: Ein Wasserwirbelkraftwerk bringt Flusswasser in einem Becken durch eine zentrale Abflussöffnung zum Wirbeln resp. langsamen Drehen. In diesem Wasserwirbel steht ein langsam drehender Rotor. Dieser erzeugt Energie, die über einen Generator ins Netz eingespeist wird. Das geht bereits bei geringen Fallhöhen ab 70 Zentimetern und einer durchschnittlichen Wassermenge ab 1000 Litern pro Sekunde. Diese Mengen und Höhen sind auch bei kleineren Flüssen oder Bächen schnell erreicht.

Fische nehmen keinen Schaden.

Fische, Krebse oder Schnecken kommen bei Wasserwirbelkraftwerken nicht zu Schaden. Um die Fisch- und Lebewesendurchgängigkeit wissenschaftlich abschliessend zu beweisen, laufen aktuell Studien, welche die Fischbewegungen und –wanderungen mit modernen Methoden wie Unterwasserkameras und weiteren Technologien dokumentieren.

Das Potenzial der Schweizer Flüsse nutzen

An Schweizer Flüssen sind gemäss einer Studie des Bundesamts für Umwelt BAFU rund 100‘000 Flusstreppen und Verbauungen vorhanden. 10 bis 12 % davon eignen sich als Standorte für die Errichtung eines Wasserwirbelkraftwerks. Die Stromproduktion könnte den Bedarf von gut einer halben Millionen Menschen alleine in der Schweiz decken. Das Potenzial dieser innovativen Technologie ist also gross. Neben der auf den Namen «Dr. Bertrand Piccard» getauften Test und Pilotanlage in Schöftland AG sind aktuell gut 30 Wasserwirbelkraftwerk-Projekte in der Schweiz in konkreter Planung.

Gewässerschutz mit Naturstrom kombinieren

Das revidierte Gewässerschutzgesetz, das Anfang 2011 in Kraft trat, schreibt vor, dass Fliessgewässer in der Schweiz naturnäher werden müssen: Die Kantone sind zu Flussrevitalisierungen und –renaturierungen verpflichtet. Im Rahmen dieser Arbeiten lassen sich Wasserwirbelkraftwerke zu günstigen Kosten an zahlreichen Standorten einbauen. Durch die Kombination einer (Teil-) Renaturierung und Wasserwirbelkraftwerkseinbau können Kosten gespart und die Steuerzahlenden nachhaltig entlastet werden.

Flussvitalisierungen und -renaturierungen gehören immer dazu

Bei der Realisierung von Wasserwirbelkraftwerken stehen Umweltaspekte im Vordergrund. Jedes Projekt wird in Absprache mit Stakeholdern und Umweltorganisationen abgestimmt. Ökologisch wertvolle Gewässerabschnitte bleiben intakt: Wasserwirbelkraftwerke werden nur an bereits verbauten oder kanalisierten und mit Staustufen oder Flusstreppen durchsetzten Flüssen eingesetzt – auch stillgelegte Flusskraftwerke eignen sich deshalb als Standort. Die Flüsse werden im gleichen Zug (teil-) renaturiert und revitalisiert.

Cleantech aus der Schweiz

Die «Genossenschaft Wasserwirbelkraftwerke Schweiz» GWWK, ein Aargauer Cleantech-Jungunternehmen, ist weltweit führend bei der Entwicklung, Optimierung, Planung, Finanzierung und dem Bau von Wasserwirbelkraftwerken. Jährlich sollen bis zu fünfzehn Wasserwirbelkraftwerke in der Schweiz und im Ausland geplant und gebaut werden. Die GWWK wurde für ihre wegweisenden Schweizer Energieinnovationen vom Bundesamt für Energie 2011 mit dem «Watt d›Or» ausgezeichnet.

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