Das Problem der schwachen Smartphone-Akkus ist nicht erst seit Pokémon Go bekannt. Aber das Spiel, welches die halbe Bevölkerung zu spielen scheint, lässt die Akkus noch schneller rot sehen. Was also tun, um die Akku-Laufzeit zu verlängern? Wir haben Pokémon Go und die daraus entstandenen Akku-Sorgen zum Anlass genommen, ein paar Tipps zu sammeln und mit einigen Mythen aufzuräumen rund ums Thema Akku-Langlebigkeit.


Zuerst ein Blick zurück: An einer „Batterie Konferenz“ meinte ein Sprecher einst, dass die Batterie eines Mobiltelefons für mehrere Monate halten sollte bevor sie neu geladen werden muss, um der Uhrenbatterie nahe zu kommen. Dazu hat es nie gereicht, aber in den 1990ern betrug die Laufzeit der Handy-Akkus doch bis zu einer Woche! Zu verdanken war das neuen Technologien, besserem Netzwerk und neuen Lithium-Ionen (Li-Ion) Batterien. Die Benutzung beschränkte sich allerdings auch auf telefonieren und schreiben und versenden von SMS. Heute, mit batterieraubenden Eigenschaften wie Touchscreen-Displays, GPS und grafischen Darstellungen tun sich die Hersteller schwer, die Akkulaufzeit für einen Tag zu gewähren.

Bild: WikipediaMartin Cooper, Forscher bei Motorola, 2007 mit dem ersten Mobiltelefon von 1973.
(Bild: Wikipedia)

Motorola war die erste Firma, die ein Mobiltelefon produziert hat. 1973 machte ein Motorola Ingenieur den ersten mobilen Anruf von einem Handy an einen anderen Ingenieur der Bell Labs (Bell Telephone Laboratories, Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Nokia), Miterfinder des Mobiltelefons.

Diese frühen Modelle liefen mit analoger Technologie und waren nicht wirklich mobil, da die nötige Energie von schweren und unhandlichen Batterien kam. Der erste Protoyp wog dann auch 1,1 Kilogramm und hatte eine Abmessung von 23 x 13 x 4,45 Zentimeter. Dazu kam, dass die verschiedenen Netzwerke nicht kompatibel waren und die Reichweite sehr begrenzt.

Leistungsfähige Lithium-Ionen Batterien

Der grosse Durchbruch kam mit der digitalen Technologie in den 1990ern und den leistungsfähigen Li-Ion Batterien. Die Netze wurden ausgeweitet, Antennen schossen wie Pilze aus dem Boden – mit ein Grund, warum Handys heute eigentlich weniger Energie benötigen würden. Denn je näher an einer Netzantenne, umso weniger Batterie wird verbraucht.


Die Mobiltelefone sind in ständigem Kontakt mit Antennen, übermitteln jede Sekunde Signale um eingehende Anrufe oder Nachrichten zu empfangen. Um Energie zu sparen, wird die Signalübertragung auf einem Level gehalten, dass zuverlässige Kommunikation gewährleistet. In einem Gebiet mit vielen Netzwerktantennen wird also weniger Energie verbraucht, während fernab oder in Plätzen mit grossen elektrischen Störquellen der Energiebedarf steigt.

In Sichtweite einer Antenne zu leben hat also den Vorteil, dass der Akku etwas länger halten sollte. Doch auch die Platzierung des Telefons ist entscheidend: Im Obergeschoss, ausgerichtet Richtung Antenne, bringt mehr als im Keller. Im Auto neben einem Fenster statt auf dem Boden; allerdings sollte man das Gerät nie direkter Sonneneinstrahlung aussetzen. Die beschichteten Fenster in modernen Büros halten die Sonne ebenso wie die Signale der Antennen zurück und das Handy muss etwas härter arbeiten für seinen Empfang. Wird kein Empfang benötigt, bzw. befindet man sich in einer Gegend wo es keinen Empfang gibt und das Handy also vergebens versucht ein Signal zu bekommen, lohnt sich die Aktivierung des Flugmodus. Der Verbrauch ist dann niedrig wie nie, da gerade mal die Uhr läuft und das Display beleuchtet wird, aber keinerlei Signale gesendet oder empfangen werden.

Wie hält mein Akku länger?

  • Den Akku nicht komplett leer werden lassen, stattdessen lieber häufiger an den Strom hängen zum Aufladen. Aber…
  • Den Akku nicht auf 100% laden. Und schon gar nicht weiter laden lassen wenn der Akku voll ist! Denn die hohe Spannung stresst die Batterie und sie verliert an Leistung.
  • Nicht überhitzen! Wird das Gerät heiss? Raus aus der Hülle zum Laden.
  • Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass die offenen Apps im Hintergrund laufen und zu viel Strom brauchen und man sie deshalb schliessen sollte, ist genau das Gegenteil der Fall: Die App jedes Mal schliessen und neu starten braucht mehr Strom! Das ist vergleichbar mit dem Herunterfahren eines Computers, anstatt dass man ihn nur in den Schlafmodus schickt. Die Apps sind im Hintergrund eingefroren und werden nicht mehr aktualisiert als sonst auch. Sofern…
  • Die Hintergrundaktualisierung für Apps ausschalten. Ansonsten, egal ob die App offen ist oder nicht, funkt diese ständig um Daten zu empfangen für Aktualisierungen.
  • Die E-Mailaktualisierung ganz abstellen oder auf zum Beispiel stündlich oder halbstündlich stellen statt ständigem Abrufen.
  • Die Displayhelligkeit verringern. Heller = höherer Energiebedarf
  • Batteriesparmodus aktivieren.
  • Wenn nicht von Nutzen, also meistens wenn man draussen unterwegs ist, Wi-Fi und Bluetooth deaktivieren. Das vermeidet stetiges Suchen nach verfügbaren Netzwerken (und das nervige Aufpoppen des Fensters um ein Netzwerk zu wählen!).
  • Flugmodus aktivieren in Gebieten, wo der Empfang sowieso nicht oder nur sehr schlecht vorhanden ist.

Bild: Nina KusterSollte nur für besondere Schnappschüsse aktiviert werden: Der AR Modus beim Fangen von Pokémon.


Und welche Pokémon Go-Spezifischen Tricks gibt es, damit mein Akku länger hält?

  • Den AR Modus ausschalten. Das mag zwar lustiger aussehen, frisst aber viel mehr Akku.
  • Bei diesem Punkt ist man sich uneinig: Die Karte der eigenen Stadt für den Offlinemodus herunterladen, um so Daten und somit auch Akku zu sparen beim Spielen. Dass dies überhaupt möglich sei - auf die offline Maps zuzugreifen - dem wurde an anderen Stellen widersprochen. Wir nehme dazu gerne Erfahrungsberichte entgegen!

Die grössten Stromfresser bei Pokémon Go sind:

  • GPS: Die Lokalisierung gehört zum Spiel und ist daher immer in Betrieb.
  • Display: Je heller eingestellt, umso schlimmer.
  • Kamera: Beim Fangen von Pokémon. Besser den AR Modus deaktivieren.


Durch die ständige Bewegung, muss die Karte stetig angepasst werden. Das, zusammen mit anderen Aktivitäten, reduziert die Batterieladung um ungefähr 5% alle 10 Minuten. Abhilfe schaffen kann ein sogenannter Power Bank, eine externe Zusatzbatterie.

 

Die Kapazität eines Akkus sinkt mit der Zeit generell. Während ein neues Gerät 100% Akkuleistung hat, kann der Akku nach einiger Zeit gar nicht mehr die volle Leistung abrufen. Als Richtwert gelten folgende Werte: Ein neuer Akku der 100% Leistung aufweist, sollte circa 10 Stunden halten. 8 Stunden dann bei 80%, 7 bei 70% und so weiter. Nach 300-500 Ladungen und Entladungen sinkt die Kapazität üblicherweise auf ungefähr 80%.

All diese Informationen und noch viel mehr rund um Batterien jeglicher Art sind der Seite mit dem berechtigten Namen Battery University zu entnehmen.

 

 

Quelle: Übersetzt von Battery University

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