Während die einen danach streben, möglichst viel zu kaufen und zu besitzen, gibt es eine wachsende Gruppe derer, die ihren Konsum hinterfragen und eindämmen wollen. Auf Luxus und Komfort, den viele Objekte mit sich bringen, müssen sie dennoch nicht verzichten. Es gibt hierzulande zahlreiche Möglichkeiten, Gegenstände und Dienstleistungen zu mieten oder zu leihen. Das ist natürlich günstiger, vor allem aber – und darum geht es den meisten – auch ökologischer und nachhaltiger. Denn es ist hinlänglich bekannt: Unser Konsumverhalten verursacht einen hohen, für die Umwelt belastenden Ressourcenverschleiss.

Vom einen Nachbarn rasch die Leiter und vom andern den Hochdruckreiniger ausleihen, ihnen dafür Kinderspielzeug zur Verfügung stellen, wenn deren Enkel zu Besuch sind: Was jenseits der Anonymität von Städten eher praktiziert wird, ist mittlerweile dank Internetplattformen und Apps auch unter Leuten beliebt geworden, die sich nicht kennen. Und just in den urbanen Gebieten werden diese Angbote deutlich mehr genutzt als auf dem Lande.

Fast alles kann man mieten

Das Angebot an Dienstleistungen und Objekten ist erstaunlich gross. Autos, Parkplätze, Wohnungen und sogar Rentner, die Arbeiten aller Art verrichten – das alles und viel mehr kann man mieten oder ausleihen. Natürlich auch Alltagsgegenstände wie Akkuschrauber oder Reiskocher. Letztere zum Beispiel über Sharely, eine Schweizer Miet- und Vermietplattform. Ins Leben gerufen wurde sie im Jahr 2014, zwischenzeitlich warten knapp 2400 Objekte darauf, gegen eine vom Vermieter festgelegte Gebühr gemietet zu werden.

Der Start verlief allerdings harzig, wie Andreas Amstutz, Gründer von Sharely erklärt. „Es braucht ein gewisses Netz an Nutzern und Objekten, damit es funktioneren kann“, sagt er. Mittlerweile tummeln sich auf seiner Plattform 4000 Nutzer, Tendenz steigend. Davon haben 20 Prozent Objekte zum Vermieten hochgeladen. „Das ist im Vergleich zu ähnlichen Plattformen ein sehr hoher Wert“, sagt er. Genutzt wird Sharely bisher nur in der Deutschschweiz, vor allem in den urbanen Regionen. In Zürich ist die Nachfrage am stärksten; aber auch in den Städten Luzern, Zug und Winterthur läuft es rege.

Das Lebensglück hängt nicht von Objekten ab

Die Idee für die Miet –und Vermietplattform kam Amstutz nicht von heute auf morgen. „Es war ein Prozess. Mir ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, zudem fand ich immer, dass wir erstens genug haben und zweitens unser Lebensglück nicht von Objekten abhängt.“ Also könne man mit Dingen auch profaner umgehen, indem man sie anderen zur Verfügung stellt. „Ein Hochdruckreiniger eignet sich nicht als Statussymbol, da kann man ihn gut dem Nachbarn leihen“, sagt er.

Die Leute zu animieren, ihren Besitz untereinander zu teilen, darum geht es auch dem Verein Pumpipume, der in Zürich und Bern ansässig ist. Neben dem bewussten Umgang mit Konsumgütern will der Verein jedoch vor allem die soziale Interaktion unter Nachbarn fördern. „Wir sehen ein grosses Potenzial im nahen Zusammenleben von Nachbarn in der Stadt und wollen diese realen Netzwerke stärken“, sagt Lisa Ochsenbein, Co-Gründerin.


Der Briefkasten als Informant

Dafür verlässt Pumpipume konsequenterweise das digitale Netz und verfolgt einen analogen Weg, der bestechend einfach ist: Aufkleber mit Bildern von Alltagsgegenständen werden von Ausleihwilligen an ihre Briefkästen geklebt, wo Nachbarn und Quartierbewohner täglich daran vobei gehen. Darunter Dinge wie Küchenwaage, Fondueset, Rasenmäher, Spielzeug, Feldstecher und natürlich die Velopumpe. Wer etwas sucht, kann durchs Quartier streifen und dort klingeln, wo er  das Objekt seiner Begierde am Briefkasten entdeckt hat. „Wir haben das Projekt mit seiner bildhaften Umsetzung so konzipiert, dass es möglichst sprach- und generationenübergreifend funktioniert“, so Ochsenbein weiter.

Pumpipumpe ist über die Schweiz hinaus aktiv, europaweit machen rund 18'000 Haushalte mit. „Die Stadt mit den meisten Nutzern ist in Berlin. Generell ist das Projekt in urbanen Regionen verbreiteter, als auf dem Land“, sagt Ochsenbein. 40 Motive decken die meistgefragten Gegenstände ab, die leeren Joker Sticker kann man selber bemalen oder beschriften. Erhältlich sind die Sticker über die Homepage von Pumpipume.

Wir leben in einer Welt des Überflusses


Für Lisa Ochsenbein ist klar, dass das Potential der Sharing Bewegung heute noch nicht voll ausgeschöpft ist. „Wir leben in einer Welt des Überflusses, die meisten Leute besitzen alles, auch Gegenstände, die sie nur selten benutzen. Deswegen ist das Bedürfnis zu teilen heute begrenzt. Wir können lediglich zukünftige Kaufentscheide beeinflussen.“

Bild: Mobility Genossenschaft

Ein alter Hase in der sogenannten Sharing Economy ist Mobility. Das Unternehmen mit heute 190 Mitarbeitenden entstand 1997 aus der Fusion zweier Carsharing-Anbieter. Über 127'000 Personen nutzen den Zugriff auf 2900 Fahrzeuge an 1460 Standorten in der Schweiz. „Ein Privatauto steht in der Schweiz durchschnittlich 23 von 24 Stunden still. Darin haben die Gründer ein enormes Potential erkannt: Wieso nicht teilen, statt nutzlos herum stehen zu lassen?“, erklärt Alain Barmettler, Leiter Marketing und Kommunikation bei Mobility.

Zu vermieten: Ladegeräte und Kleider

Sehr vieles, das sich in einem Haushalt befindet, steht die meiste Zeit ungenutzt herum. Darin liegt das hohe Potential der Sharing Bewegung. Immer wieder entstehen neue Angebote. Zum Beispiel jenes des Zürcher Startup Unternehmens Battere. Es verleiht in Zusammenarbeit mit den SBB und Valora an einigen Bahnhofkiosks mobile Ladegeräte inklusive passendem Verbindungskabel fürs Smartphone. Oder Kleihd, eine Mode-Leih-Boutique in Zürich, mit Alltags- und Festkleidung für Frauen und Männer. Die Liste liesse sich beliebig verlängern.

So funktioniert Pumpipumpe

 

 

Interessenverband für Schweizer Sharing Economy Unternehmen mit einer umfangreichen Liste von Sharing Angeobten: sharecon.ch/swiss-startups/

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