Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in der Stadt
Bauen & Wohnen

Luft-Wasser-Wärmepumpen in urbanen Gebieten

Immer mehr Hausbesitzer setzen auf Wärmepumpen. Doch Luft-Wasser-Systeme stossen in dicht besiedelten Gebieten nicht immer auf Gegenliebe bei den Nachbarn, denn sie verursachen Geräusche. Nun gibt es klar definierte Kriterien für die Stadtverträglichkeit von Luft-Wasser-Wärmepumpen.

Sandra AeberhardSandra Aeberhard

Die Nachfrage nach Wärmepumpen in der Schweiz ist gross. Jährlich werden gegen 19'000 neue Anlagen in Betrieb genommen. 35 Prozent davon beziehen laut Antonio Milelli von der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) ihre Wärme über eine Sonde aus dem Erdreich. Diese äusserst effiziente Art der Wärmegewinnung hat aber auch eine Kehrseite: Soll die Abkehr von der fossilen Heizung in den kommenden 20 Jahren realisiert werden, würden bald deutlich mehr Erdsonden eingesetzt. Dadurch könnte längerfristig eine kontinuierliche Auskühlung des Erdreichs drohen, der durch aktive Regeneration mittels Wärmeeintrag entgegengewirkt werden müsste.

Diese Problematik stellt sich nicht bei Wärmepumpen, die Wärme aus der Aussenluft beziehen. Etwa 62 Prozent der Bauherren, die sich für eine Wärmepumpe entscheiden, wählen heute ein Luft-Wasser-System. Doch obwohl diese Anlagen äusserst zuverlässig sind, ist auch ihr Einsatz nicht immer ganz zufriedenstellend. Denn in dicht besiedelten Gebieten geben sie gelegentlich Anlass zu Ärger aufgrund der Schallemissionen. Ursache sind meist die Strömungsgeräusche an den Flügeln der Ventilatoren.

Kriterien definiert

Um herauszufinden, welche Kriterien eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zu erfüllen hat, um in Städten eingesetzt zu werden, hat der Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich (UGZ) bei der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Studie in Auftrag gegeben. Im Fokus der Untersuchung standen die Faktoren Effizienz und Schall. "Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe gilt dann als stadtverträglich, wenn sie hohe Anforderungen an die Geräte-Effizienz und an den Schallschutz einhält", sagt Georg Hafner vom UGZ. So muss beispielsweise der Schalldruckpegel in einer Wohnzone unter 50 Dezibel liegen. Auch bezüglich der Energieeffizienz wurden klare Kriterien definiert. Eine detaillierte Übersicht findet man im Merkblatt "Kriterien für eine stadtverträgliche Luft-Wasser-Wärmepumpe" unter www.kommunale-infrastruktur.ch, das der UGZ gemeinsam mit dem Städteverband ausgearbeitet hat. Für Geräte, die die Anforderungen erfüllen, sind gemäss UGZ schnelle und einfache Bewilligungsverfahren möglich.

Technisch machbar

Laut Georg Hafner wurden in der Studie rund 110 marktverfügbare Geräte geprüft: "Der Anteil der Geräte, die die Anforderungen an eine stadtverträgliche Luft-Wasser-Wärmepumpe erfüllten, lag zum Zeitpunkt der Studie (Ende 2014) bei lediglich 3 Prozent." Zwar erfüllen viele Geräte das Anforderungsniveau an den Schall- und Lärmschutz oder aber sie schneiden gut ab bei der Energieeffizienz. Der Knackpunkt liegt bei der Kombination dieser beiden Anforderungen. Dennoch zeigt die Untersuchung klar auf, dass es technisch machbar ist, Luft-Wasser-Wärmepumpen herzustellen, die beides erfüllen. Nun sind die Hersteller gefordert, entsprechende Geräte auf den Markt zu bringen.


Weiterführende Informationen:

Kriterien für eine stadtverträgliche Luft-Wasser-Wärmepumpe (Anforderungsblatt des Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich)

Eine Liste mit stadtverträglichen Luft-Wasser-Wärmepumpen finden Sie unter www.topten.ch.

Studie "Stadtverträgliche Luft-Wasser-Wärmepumpen als Hauptwärmeerzeuger" der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Auftrag der Stadt Zürich.

12 Effizienz-Tipps zum Heizen

Was meinen Sie zum Thema?

Schreiben Sie hier Ihren Kommentar.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare

  • Rene Beck

    15.10.2015 14:38:30

    Gefordert sind nicht nur die Vorschriften, sondern vielmehr auch die Kontrollen.
    Von 8 Erdsonden sind bei uns bereits 2 total ausgefallen! Niemand will schuld sein, bin aber überzeugt dass es ein "Pfusch" gab beim Bohren der Erdsonde.
    Darum gut überlegen, welches System und bei wem man das System kauft.
    Gruss