OLED sind hauchdünne Bauelemente, die flächiges Licht emittieren und eine Fläche zum Leuchten bringen können. Da sie sich nicht erhitzen, sind sie gut mit andern Materialien kombinierbar.

Nachdem die LED-Technologie die Beleuchtung von Wohnungen, Büros, Strassen und ganzen Städten mit ihrer hohen Lichtqualität und einem tiefen Energieverbrauch revolutioniert hat, geht die Entwicklung bereits einen Schritt weiter: OLED steht für Organic Light Emitting Diode – das sind Dünnschichtbauelemente aus organischen halbleitenden Materialien, die durch elektrischen Strom zum Leuchten gebracht werden. Im Gegensatz zur Punktlichtquelle LED emittieren die hocheffizienten OLED-Module ein flächiges Licht, das äusserst homogen leuchtet. Lichtqualität und Farbwiedergabe sind exzellent und jener des Sonnenlichts sehr nahe. OLED werden bereits in Smartphone- oder Tablet-Bildschirmen verwendet, kommen aber immer mehr auch für die Raumbeleuchtung zum Einsatz.

Leuchtende Wände?

Ralf Michel ist Dozent und Senior Researcher am Institut Integrative Gestaltung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Er war Leiter des im Juli 2015 abgeschlossenen Forschungs- und Entwicklungsprojekts «Transformative Räume und Objekte – integrative Raum- und Objektgestaltung mit OLED», das gemeinsam mit Partnern das Innovationspotenzial der organischen Leuchtdioden untersuchte und die Resultate in einer Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur präsentierte. «Mit der Entwicklung von OLED sind Kombinationen von raumdefinierenden und statischen Funktionen mit integriertem Licht möglich», sagt Michel. Das heisst, jede Fläche lässt sich potenziell auch als leuchtende Fläche gestalten. OLED emittieren blendfreies, diffuses Licht, sie sind leicht, ultradünn und können transparent sein. Aufgrund ihrer Zweidimensionalität sind künftig Anwendungen wie Lichttrennwände denkbar oder Fenster, die nach Einbruch der Dunkelheit Licht abgeben. Bis derartige Lösungen Einzug in unsere Wohnwelten finden, ist allerdings noch einiges an Forschungsarbeit nötig. Selbstleuchtende Oberflächen oder leuchtende Tapeten werden die Wahrnehmung von Räumen fundamental verändern. Da OLED im Betrieb nicht heiss werden, können sie auch direkt auf entflammbare Materialien aufgebracht werden – etwa Holz, Papier oder Filz. «Künftig werden sich Designer vermehrt auf die Gestaltung mit Licht statt auf die Gestaltung von Leuchten konzentrieren», schätzt Ralf Michel.

Geringer Ressourcenverbrauch

Da OLED eine äusserst geringe Materialstärke aufweist, spart man bei der Herstellung im Vergleich zu konventionellen Leuchtstoffen wertvolle Ressourcen. Die Lichtausbeute beträgt nach Aussage von Thomas Richner, Leiter Verkauf bei Ribag, rund 60 Lumen pro Watt, was einer LED von durchschnittlicher Qualität nahe kommt. Ribag geht von einer Lebensdauer von gut 40‘000 Stunden aus. Der Farbwiedergabeindex CRI beträgt 95, was bedeutet, dass eine mit OLED beleuchtete Farbe sehr gut wiedergegeben wird. Zur Effizienz beitragen können aber auch intelligente Steuerungen. Wie das geht, zeigt die interaktive Lichtintstallation «Cirrus» von Corsin Zarn, die mit 16 OLED-Panels und einer Steuerung aus dem Hause iart (www.flokk.ch) ausgestattet ist. Die Wandleuchte kann nach den eigenen Bedürfnissen gesteuert werden – der Nutzer bestimmt, ob dies basierend auf Internet-Daten geschieht oder ob das Licht auf Bewegung, Berührung oder Geräusche reagieren soll. Durch kurzes Tippen auf den Marmorsockel lässt sich auch «Gulliver’s Eye» des Designers Stefan Hürlemann ein- und ausschalten oder dimmen. «Ich wollte ein Produkt kreieren, das dem neutralen Licht der OLED einen Leuchtkörper bietet und es damit beseelt», kommentiert Hürlemann seinen Entwurf. Die Tischleuchte, die wie «Cirrus» im Kontext des Basler Forschungsprojekts entstanden ist, wird ab Herbst in einer limitierten Auflage erhältlich sein.

Bild: Stefan Hürlemann

Gulliver’s Eye von Stefan Hürlemann reagiert auf Berührung des Marmorsockels.

Die OLED-Technologie befindet sich erst am Anfang ihrer Entwicklung – es liegt derzeit noch viel gestalterisches und technisches Potenzial brach. Wie schnell sich OLED-Anwendungen in unserem Alltag etablieren werden, ist noch offen. Ralf Michel geht davon aus, dass sich die innovative Technologie langfristig durchsetzen wird, wenn auch nicht ganz so rasant wie anfänglich angenommen.


Bild: OLED Design Lab

Die Lichtskulptur Cirrus lässt sich intelligent steuern – wahlweise auf Internet-Daten basierend oder auf Berührung, Bewegung oder Geräusche reagierend.
Design: Corsin Zarn


Links:

www.oled-design-lab.ch
www.flokk.ch

www.huerlemann.com
www.ribag.ch

 

 

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