Mit der Lancierung eines neuen Labels soll Gebäuden die Fähigkeit zur Kommunikation mit den intelligenten Stromnetzen der Zukunft attestiert werden. Konsumenten, Gerätehersteller und Energieversorger würden gleichermassen von der neuen Transparenz profitieren.

Zum Erfolg beim Umbau des Schweizer Energiesystems wird es nach Meinung vieler Experten auch eine Modernisierung der Stromnetze brauchen. Das Netz der Zukunft soll zum Smart Grid werden – also zum intelligenten Stromnetzt, in dem nicht nur Energie, sondern auch Daten zwischen Verbrauchern und Produzenten hin- und herfliessen.

Damit ein intelligentes Stromnetz seinen vollen Nutzen bieten kann, müssen auch die Gebäude, die an ein solches Netz angeschlossen sind, zur Kommunikation mit den restlichen Teilnehmern befähigt sein. Eine Vernetzung der Geräte und Systeme der Gebäudetechnik untereinander genügt aber nicht. Das Gebäude muss auch nach aussen Daten austauschen können. Technisch umgesetzt wird diese Anforderung, indem jedes Gerät sowie die Gebäudeautomation über einen Internetanschluss verfügen.

Einige Hersteller von Geräten wie Wärmepumpen liefern ihre Produkte bereits «Smart-Grid-ready», das heisst mit der nötigen Schnittstelle für den Datenaustausch. Um diese Entwicklung voranzutreiben und auch die Hauseigentümer bei der Gerätebeschaffung zu unterstützen, wird zurzeit in der Schweiz die Lancierung des Labels «SmartGridready» vorbereitet. Die Energie-Experten sprachen mit dem Unternehmer, Nationalrat und Chef der Grünliberalen Partei Jürg Grossen, der zu den Initianten der Idee gehört:

Was ist das Label «SmartGridready» und wie ist es entstanden?

Jürg Grossen: SmartGridready bildet eine Kommunikationsbrücke zwischen der Geräte-, Gebäudebranche und den Energielieferanten. SmartGridready stellt die unkomplizierte und sichere Verbindung zwischen Stromerzeugern, Speichern und Verbrauchern sicher.

Die Marke für SmartGridready wurde von der Firma Elektroplan Buchs & Grossen AG lanciert und wird zurzeit von einer breit abgestützten Projektgruppe weiterentwickelt. Projektpartner sind SmartGrid Schweiz und die Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände. Damit haben wir die Stromversorger von mehr als 50 Prozent der schweizerischen Stromanschlüsse sowie 37 Verbände aus dem Gebäudebereich mit an Bord. Unterstützt wird das Projekt von EnergieSchweiz.

Warum ist das Label «SmartGridready» für Geräte und Gebäude notwendig?

Jürg Grossen: SmartGridready schützt die Konsumenten vor Fehlinvestitionen in die Gebäudetechnik und bei der Gerätebeschaffung. Viele Geräte und Systeme wie Wärmepumpen, Waschmaschinen und Photovoltaikanlagen funktionieren heute autonom, es fehlt das intelligente Zusammenwirken. SmartGridready dient dazu, die Aktivitäten der Hersteller und Systemanbieter zielorientiert zu koordinieren.

Was können Smart Grids, also intelligente Stromnetze, zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 beisteuern?

Jürg Grossen: Die Weiterentwicklung der Stromnetze zu SmartGrids ist zwingende Voraussetzung für eine sichere, zuverlässige und effiziente Stromversorgung, welche auf der Produktionsseite zunehmend dezentralisiert wird. Durch die Nähe von Produktion und Verbrauch wird das Stromsystem Schweiz effizienter, kostengünstiger und sicherer.

Manche Hersteller von Geräten wie Wärmepumpen liefern schon heute ihre Produkte «SmartGrid-ready». Warum zögern andere Hersteller noch? Inwiefern ist die Initiative vonseiten der Industrie wichtig, um das Label breit abzustützen?

Jürg Grossen: Eine breite Abstützung ist absolut zentral. Dazu machen wir einen Vergleich mit der Entwicklung beim Fernsehen. Viele Hersteller haben schon früh sogenannte «HD ready-Fernseher» angeboten, noch bevor die Bilder in HD gesendet wurden. Damit wurde dem Konsumenten die Sicherheit geboten, dass er ein zukunftstaugliches Gerät kauft. Das Zögern von Herstellern ist der Beweis, dass es das SmartGridready-Label braucht. Wenn das SmartGridready-Label verfügbar ist, werden weitere Hersteller und Systemanbieter auf den fahrenden Zug aufspringen. Sie können sich darauf verlassen, dass sie ihren Kunden zukunftstaugliche Produkte anbieten.

Wie profitieren die Endkunden, also die Hauseigentümer, vom Label «SmartGridready»?

Jürg Grossen: Wie bereits erwähnt, schützt SmartGridready die Konsumenten in erster Linie vor Fehlinvestitionen in die Gebäudetechnik und bei der Gerätebeschaffung. Zweitens garantiert das SmartGridready-Label den sicheren und effizienten Zugang zu flexiblen Stromlasten der Netzseite. Auf der Verbraucherseite garantiert das Label den effizienten Einsatz dieser flexiblen Stromlasten.

Braucht es zusätzliche Investitionen, um das eigene Haus SmartGrid-ready zu machen? Wie hoch ist die finanzielle Belastung für den Hauseigentümer? Und wie gut sind die Chancen, dass sich die Investition amortisiert?

Jürg Grossen: Wenn das Label bei den Herstellern und Systemanbietern etabliert ist, entsteht kein Mehraufwand. SmartGridready verbessert die Amortisation von Photovoltaikanlagen dank Eigenverbrauchsoptimierung und senkt die Stromkosten dank der Reduktion der Stromspitzen und dem Angebot von flexiblen Stromlasten. Zudem wird der Zugang zu attraktiven, netzseitigen Angebotsmodellen ermöglicht.

Gibt es bereits Beispiele aus der Praxis, die den Nutzen des Labels «SmartGrid-ready» belegen?

Jürg Grossen: Mit einem SmartGridready-Pilotgebäude in Frutigen wurde eine markante Reduktion des Strom- und Wärmeverbrauches und der Stromnetzbelastung erreicht. Das deutsche SG Ready-Label wird an Wärmepumpen-Baureihen verliehen, deren Regeltechnik die Einbindung von Wärmepumpen in intelligente Stromnetze ermöglicht. Dieses Beispiel zeigt den Bedarf und wird im SmartGridready-Label integriert.

Welche Schritte stehen bei der Entwicklung des Standards SmartGrid-ready in naher Zukunft bevor? Bis wann rechnen Sie mit einer offiziellen Einführung des Labels?

Jürg Grossen: Die Labeldefinition, der Aufbau der Trägerschaft und die Einführung des Labels mit einer ersten Version sind für 2018 vorgesehen.


Weiterführende Infos: www.smartgridready.ch

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