Der Verbrauch von Energie für Mobilität, Heizen und Betrieb von Geräten ist derjenige Konsumbereich, welcher am meisten zu den Umweltbelastungen von Schweizer Haushalten beiträgt, gefolgt vom Konsumbereich Ernährung. Durch Umsetzung eines ökologischen Gebäudeenergiekonzepts sowie durch ein nachhaltigeres Mobilitätsverhalten, ist es möglich, die Umweltauswirkungen deutlich zu vermindern.

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt, untersucht basierend auf der Ökobilanzmethodik die Umweltauswirkungen der verschiedenen Konsumbereiche von Schweizer Haushalten. Als Umweltindikatoren werden dabei die Umweltbelastungen gemäss der Methode der Ökologischen Knappheit 2006 (MOeK), welche auf den umweltpolitischen Zielen basiert, die Treibhausgasemissionen (THG) und der Primärenergieverbrauch (PEF) untersucht. Die gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen betragen 12.8 Tonnen CO2-eq. pro Person und Jahr. Der durchschnittliche Primärenergiebedarf entspricht einer Leistung von 8250 Watt pro Person (entspricht 7‘300 Liter Heizöl pro Jahr). 

Die wichtigsten Konsumbereiche für die Umweltbelastung sind Nahrungsmittel (28 % MOeK, 16 % THG, 17 % PEF), private Mobilität (12 % MOeK, 19 % THG, 15 % PEF) und Wohnen (Miete, Energie, Wasser, Entsorgung; 19 % MOeK, 24 % THG, 18 % PEF). Weitere wichtige Konsumbereiche für die Umweltbelastung von Haushalten sind Wohnungsbau, Möbel, Haushaltsgeräte, Güter und Dienstleistungen (Kommunikation, Freizeit, Bildung) mit Anteilen über 9 %. Die vier Konsumbereiche Gastgewerbe, Bekleidung, Gesundheit, und staatliche Endnachfrage haben tiefere Anteile an den Umweltindikatoren.

Reduktion der Umweltauswirkungen der privaten Mobilität

Die private Mobilität verursacht durchschnittlich Treibhausgasemissionen in der Höhe von 2‘300 kg CO2-Äquivalenten pro Person und Jahr und einen Primärenergieverbrauch entsprechend einer Leistung von 1‘300 W pro Person (entspricht 1‘100 Liter Heizöl pro Jahr). Diese Resultate werden durch den Beitrag der Personenwagen dominiert. An zweiter Stelle folgt der Flugverkehr. Die anderen Verkehrsmittel spielen für die Umweltbelastungen eines durchschnittlichen Schweizer Haushalts eine untergeordnete Rolle. Somit liegen die grössten Potentiale für eine Reduktion der Umweltauswirkungen der privaten Mobilität bei der Verminderung der Transporte mit Personenwagen und Kernenergie.

  • Mit einer vollständigen Umstellung von Personenwagen auf die Bahn könnten die Treibhausgasemissionen der privaten Mobilität um 80 % reduziert werden.
  • Ein Verzicht auf Flugreisen reduziert die Treibhausgasemissionen um 14 %.
  • Falls ein durchschnittlicher Personenwagen durch ein besonders verbrauchsarmes Fahrzeug mit einem CO2-Ausstoss von 87 g pro Kilometer ersetzt wird, reduzieren sich die Treibhausgasemissionen der privaten Mobilität um immerhin 32 %.
  • Falls der Personenwagen durch ein Elektrofahrzeug ersetzt wird, welches mit dem durchschnittlichen Schweizer Strommix betrieben wird, vermindern sich die Treibhausgasemissionen um 33 %. Trotzdem reduziert sich die Gesamtumweltbelastung gemäss der Methode der Ökologischen Knappheit aber nur geringfügig (-5 %), da die tieferen Treibhausgasemissionen durch die anfallenden radioaktiven Abfälle der Kernenergie kompensiert werden. Ein Umstieg auf Elektromobilität macht deshalb ökologisch nur dann Sinn, wenn das Elektrofahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben wird.

Reduktion der Umweltauswirkungen durch den Energieverbrauch im Gebäude

Der grösste Anteil an den Umweltbelastungen gemäss der Methode der Ökologischen Knappheit, an den Treibhausgasemissionen und dem Primärenergieverbrauch des Konsumbereichs Wohnen (Miete, Energie, Wasser, Entsorgung) kommt aus dem Betrieb von Ölheizungen. Bei den Treibhausgasemissionen folgen Erdgasheizungen an zweiter Stelle. Bei den Umweltbelastungen gemäss MOeK und dem Primärenergiebedarf liegt die Nutzung von Elektrizität an zweiter Stelle aufgrund der radioaktiven Abfälle und des Primärenergiefaktors von Kernenergie.

  • Wenn anstelle eines durchschnittlichen Gebäudes in einem Minergie-P-Gebäude gewohnt wird, reduzieren sich die Treibhausgasemissionen des Konsumbereichs um die Hälfte.
  • Wenn die Gebäudewärme eines durchschnittlichen Gebäudes durch eine Grundwasser-Wärmpumpe bereitgestellt wird, vermindern sich die Treibhausgasemissionen um 56 %.
  • Wenn anstelle des durchschnittlichen Strommix zertifizierter Ökostrom bezogen wird, können die Treibhausgasemissionen der Elektrizität um 89 % reduziert werden, was einer Verminderung der Treibhausgasemissionen des Konsumbereichs um 11 % entspricht.
  • Auch ohne Anpassungen am Heizungssystem können durch energiesparendes Verhalten der Bewohner (Absenkung Raumtemperatur, Dauer Lüftungsintervalle, benötigte Wohnfläche) 50 % der Treibhausgasemissionen des Konsumbereichs eingespart werden.


Nachhaltiges Energiemanagement

Um die Umweltziele der 2‘000 Watt-Gesellschaft und jährlich einer Tonne CO2 pro Person zu erreichen, braucht es dramatische Veränderungen im Energiemanagement von Haushalten, um deren Energiebedarf und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Dabei ist es wichtig, nicht nur die direkten Emissionen am Wohnort zu berücksichtigen, sondern auch die Umweltauswirkungen über den ganzen Lebenszyklus einzubeziehen, wie dies mit der Ökobilanzmethodik umgesetzt wird. Lebenszyklusbasierte Wirkungsabschätzungen mit der Ökobilanzmethodik werden beispielsweise durch die Fachstelle Erneuerbare Energien der ZHAW durchgeführt.

Die Anteile verschiedener Konsumbereiche an den gesamten direkten und indirekten Treibhausgasemissionen von durchschnittlichen Schweizer Haushalten. Die Daten basieren auf der Originalquelle von Jungbluth et al. (2012).

(Jungbluth N., Itten R. und Stucki M. (2012) Umweltbelastungen des privaten Konsums und Reduktionspotenziale. ESU-services Ltd. im Auftrag des BAFU, Uster, CH, www.esu-services.ch)

Zum nächsten Beitrag