Ist Ihr Haus fit für die Zukunft? Wissen Sie, auf welches Heizsystem Sie zukünftig setzen sollen? Ob sich eine Solaranlage lohnt? Oder ob eine Ladestation für Ihr E-Mobil Sinn macht? Der EKZ-Energieberater gibt Auskunft.

Erneuerbare Energiequellen verändern unsere Art zu wohnen und zu leben. Ein Paradebeispiel für ein Zukunfts-Haus, das sich das ganze Jahr über völlig autonom versorgen kann, stellt das erste energieautarke Mehrfamilienhaus in Brütten dar. Solarzellen auf dem Dach und an der Fassade produzieren mit nur einer Stunde Sonne im Sommer genügend Strom, um den Energiebedarf aller Bewohner einen Tag lang sicherzustellen. Mit der überschüssigen Energie werden Kurz- und Langzeitspeicher geladen. Die Batterie kann den Strom über einen Zeitraum von 2-3 Tagen speichern für Tage, an denen keine Sonne scheint. Ein Wasserstoffspeicher kann dies über die Dauer von einigen Wochen bis Monaten während der Winterperiode leisten. Den Bewohnern stehen zwei Fahrzeuge im Carsharing zur Verfügung: Ein Biogasauto, das mit den eigens produzierten Küchenabfällen betrieben wird und ein Elektroauto, das an der hauseigenen Ladestation mit Solarstrom geladen wird. Als Wärmequellen dienen eine Wärmepumpe sowie ein thermischer Langzeitspeicher.

(Der Film «Lösungen für die Energie-Zukunft» ist in Zusammenarbeit mit der Umwelt Arena Schweiz entstanden.)

Interview mit Hardy Schröder, Senior Energieberater bei den EKZ

Was ist besser, eine PV-Anlage oder Sonnenkollektoren? 

Hardy Schröder: Photovoltaik-Module auf dem Hausdach oder an der Fassade erzeugen Solarstrom. Sonnenkollektoren erzeugen Wärme für das Brauchwarmwasser oder für die Heizungsunterstützung. Der Solarstrom einer PV-Anlage kann nicht nur für den Haushalt, sondern ebenfalls für eine Wärmepumpe genutzt werden, mit der dann wieder Wärme produziert wird. Deshalb wird heutzutage eine PV-Anlage bevorzugt installiert. Ob sich ein Haus für eine Solaranlage eignet, lässt sich mit dem Solarplaner berechnen.

Wenn aber eine Wärmepumpe nicht realisiert werden kann oder wenn sehr hohe Vorlauftemperaturen nötig sind - wie zum Beispiel bei einem Altbau mit schlechter Wärmedämmung - dann kann eine thermische Solaranlage in Kombination mit Holz oder Pellets für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung die bessere Wahl sein. Diese Alternative benötigt auch nur wenig Strom (für die Umwälzpumpe, den Brenner, das Fördersystem für die Pellets bzw. Holzschnitzel und die Steuerung der Anlage) und ist somit eine ebenso sinnvolle und ökologische Lösung.

Welches Heizsystem empfehlen Sie, wenn es um den Ersatz einer Ölheizung geht?

Hardy Schröder: Bevor die Ölheizung einfach ausgetauscht wird, sollte überprüft werden, ob durch eine Sanierung der Gebäudehülle zusätzlich Energie eingespart werden kann. Falls ja, dann wirkt sich das nämlich auf die Grösse und den Preis der neuen Heizung aus. Auch sollten alternative Heizsysteme wie ein Anschluss an einen Nah- oder Fernwärmeverbund, eine Holzheizung oder eine Wärmepumpe geprüft werden. Die Wahl der richtigen Heizung ist objektspezifisch und sollte vor Ort durch einen Heizungsplaner oder Energieberater geprüft werden. Alternative Heizsysteme sind den fossilen vorzuziehen.

Welche Wärmepumpe empfehlen Sie? 

Hardy Schröder: Das kommt auf die örtlichen Gegebenheiten an. Eine Erdsonden-Wärmepumpe (früher Sole-Wasser-Wärmepumpe genannt) ist besonders energieeffizient. Sie benötigt nur noch ungefähr einen Viertel der Energie, um die gleiche Wärme zu erzeugen wie eine Ölheizung. Sie ist emissionsfrei im Betrieb und braucht erst noch weniger Platz. Ihre Installation bedingt aber, dass unter oder neben dem Haus eine Erdsonde gebohrt werden kann. Je nach Leistung, die man aus dem Boden entziehen möchte und auch je nach Bodenbeschaffenheit (wenn er feucht ist, kann man mehr Energie rausziehen, als wenn er trocken ist) muss unterschiedlich tief gebohrt werden. Eine Bohrung ist nicht überall möglich und bedarf einer Bewilligung vom Kanton und der Gemeinde. Einen ersten Überblick bietet das jeweilige kantonale Geographische Informationssystem. Die meisten Kantone – so auch der Kanton Zürich – bieten eine Online-Karte an. 

Der Einsatz einer Erdsonden-Wärmepumpe bedingt am Anfang eine höhere Investition, da zusätzlich eine Erdsonde gebohrt werden muss. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus muss mit einer Investition von ca. 40‘000 bis 50‘000 Franken gerechnet werden inklusive Erdsonde und Installation. Sie liegt damit preislich klar höher als die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Wenn gebohrt werden kann, dann würde ich eine Erdsonden-Wärmepumpe empfehlen, weil diese eine bessere Effizienz aufweist und leise im Betrieb ist.

Der Bund und Vertreter der Elektrizitäts- und Mobilitätsbranche verfolgen das Ziel, bis 2022 den Anteil der Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen von Personenwagen von derzeit 2.7 % auf 15 % Marktanteil zu erhöhen. Massnahmen, die zur Zielerreichung führen, sollen noch ausgearbeitet werden. Wie soll ein Hausbesitzer vorgehen, wenn er sich ein E-Mobil zulegen möchte? 

Hardy Schröder: Zuerst muss das Fahrzeug gewählt werden. Das ist abhängig vom erwarteten Komfort, der benötigten Reichweite und Lademöglichkeit. Lademöglichkeiten bestehen zuhause, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum. In der eigenen Garage muss deshalb geprüft werden, welche Infrastruktur genutzt werden kann oder zusätzlich installiert werden muss. Dies hängt von der benötigten Ladeleistung und verfügbaren Zeit ab. Gewöhnliche Haushaltsteckdosen sind nicht geeignet, weil die maximale Leistung sehr gering ist und dadurch sehr lange Ladezeiten entstehen. Ein Opel Ampera (60 kWh) zum Beispiel würde für eine Vollladung etwa 32 Stunden benötigen. Für eine Normalladung (3,7 bis 22 kW) sollte deshalb eine Wallbox installiert werden. Die Kosten für eine Wallbox liegen bei etwa 1500 bis 2000 Franken ohne Installation. Am besten lässt man sich vor Ort durch eine Fachperson beraten. 

BMW liefert ab Juli dieses Jahres als weltweit erster Hersteller die induktive Ladelösung BMW Wireless Charging aus. Gehören kabellose Ladesysteme zu den Energielösungen der Zukunft?

Hardy Schröder: Der Vorteil bei kabellosen Ladesystemen liegt in der komfortablen Anwendung. Der Fahrer braucht nicht mehr auszusteigen oder daran zu denken, für den Ladevorgang das Kabel anzuschliessen und wieder abzutrennen. Der Zeitbedarf für den Ladevorgang ist aber nicht schneller. Ich bin davon überzeugt, dass diese Ladelösungen - bedingt durch den Komfortgewinn - zukünftig zunehmen werden. 

Schnellladestationen im öffentlichen Bereich werden ebenfalls ausgebaut. An welchen Standorten machen diese Sinn und wer kann diese nutzen?

Hardy Schröder: Als Standorte für Schnellladestationen kommen Raststätten und Rastplätze an Schnellstrassen sowie öffentliche grössere Parkplätze infrage. Diese sollten an einer gut befahrenen Verkehrsachse liegen und gut zugänglich sein. Die immer höher werdende Ladeleistung und die schnelleren Lademöglichkeiten bei den Fahrzeugen ermöglichen eine kurze Ladezeit von 10 bis 30 Minuten. So steht diese Ladeinfrastruktur allen Elektroautofahrern zur Verfügung, sofern das Auto eine Schnellladung ermöglicht. 

Es gibt bereits einige Apps, die E-Mobil-Fahrer bei der Planung längerer Routen unterstützen. Beispiele dafür sind: Plug’n Roll, Next Charge oder Swiss Charge. Reicht mir als Elektroautofahrer nur eine App?

Hardy Schröder: Mittlerweile hat jeder Plattformbetreiber seine eigene App. Diese sind aber über ein Roaming-System wie z.B. Plugsurfing miteinander verbunden. Dies ermöglicht es, dass auch nur mit einem App das Fahrzeug an jeder Ladestation aufgeladen werden kann. Zudem kann an den meisten Ladestationen auch mit Kreditkarte oder via SMS bezahlt werden. 

Was halten Sie von Wasserstoff-Elektro-Hybriden? Denken Sie, Wasserstoffautos haben Zukunft?

Hardy Schröder: Ich denke, dass sich die Technologie parallel zur Elektromobilität weiterentwickeln wird. Aber auch hier fehlt die Infrastruktur und eine Auswahl an Fahrzeugen. Vor allem im Transportsektor wäre diese Technologie sinnvoll, da sie eine hohe Reichweite der Fahrzeuge ermöglicht.

Unsere Reihe zur Energiestrategie 2050

Lesen Sie auch unseren Beitrag «Die drei Säulen der Energiestrategie 2050». Er geht auf die grundsätzlichen Ziele und Massnahmen der Energiestrategie 2050 ein.

In den insgesamt fünf Folgebeiträgen zur Energiestrategie 2050 geben wir wertvolle Tipps, wie im Alltag auf einfache und kluge Art Energie gespart werden kann. Der vorliegende Beitrag ist der fünfte und letzte aus dieser Folge.

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