Eine Potenzialanalyse zeigt Ihnen auf, was Sie für Möglichkeiten in Ihrer Gemeinde oder Region haben. Die daraus abgeleiteten Massnahmen und Empfehlungen bilden eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Planungsprozesse und Investitionsvorhaben.

Für die Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoff aus erneuerbaren Ressourcen gibt es unterschiedliche Technologien und Anlagen. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Welche davon lohnen sich wirklich für Ihre Gemeinde oder Region?

Ungenutztes Potenzial

Potenzialanalysen erfassen alle noch nicht erschlossenen oder genutzten Ressourcen und zeigen so das maximal vorhandene Potenzial der regionalen erneuerbaren Energien auf. Dieses Potenzial wird dann genauer untersucht. Neben ökologischen und technischen Gegebenheiten werden auch gesetzliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Energiebedarf heute und morgen

Nach der Bestimmung des Potenzials wird abgeschätzt, wie sich die Region und die Bevölkerung bezüglich Energiebedarfs weiter entwickeln. Ausgangspunkt sind dabei u.a. der gegenwärtige Energieverbrauch, die erwartete Bevölkerungsentwicklung und die erreichbare Energieeffizienz.

Mit einer differenzierten Aussage und einer räumlichen Aufzeichnung entstehen zudem erste Aussagen zur Machbarkeit

Räumliche Aufzeichnung

Das aktuelle und zukünftige Energiepotenzial sowie der Bedarf werden gruppiert nach Strom, Wärme und Treibstoff und soweit möglich räumlich und zeitlich differenziert analysiert. Reine Energie-Bilanzierungen können zu Fehlschlüssen führen. Wird z.B. wenn mehr Energie aus Wasserkraft verkauft wird als die Region braucht, ist die Region zwar rein rechnerisch energieautark, aber in der Praxis aufgrund des Treibstoffimports trotzdem nicht.

Mit einer differenzierten Aussage und einer räumlichen Aufzeichnung entstehen zudem erste Aussagen zur Machbarkeit und zu den Vor- und Nachteilen und zu Priorisierungen, falls verschiedene Ressourcen gleichzeitig verfügbar sind und genutzt werden könnten. So entsteht eine umfassende Übersicht an ungenutzten Potenzialen und Chancen und künftigen Energiebedürfnissen der Region.

Beispiel und weiterer Nutzen

Ein bekanntes und verbreitetes Ergebnis einer solchen Potenzialanalyse ist beispielsweise ein Solarkataster. Solarkataster sind Landkarten die den Bauherren und Eigentümern zeigen, wie gut sich ihre Dachflächen für die Installation von Solaranlagen eignen. In der Karte wird für jedes Dach eine Berechnung des jährlichen Potenzials für die Produktion von Solarstrom und Solarwärme hinterlegt. Solarkarten sind ein Instrument, um private Investitionen in die Nutzung von Sonnenenergie für die Stromproduktion, für Warmwasser und Heizwärme zu fördern.

In der Potenzialanalyse einer Gemeinde oder Region werden ähnlich gestaltete Karten für jede vorhandene Ressource aufgeführt. Zusätzlich werden Angaben über Chancen und Risiken, über Einsparungen bei CO2-Emissionen und über Elemente für ein Energie-Leitbild gemacht. Somit werden Fragen wie: „Lohnt sich der Bau einer Biogasanalage? Ist genügend Biomasse vorhanden? Kann Windenergie genutzt werden oder können aufgrund von Schutzinteressen keine Windräder erstellt werden?“ beantwortet.

Massnahmen und Resultate

Potenzialanalysen bilden die Entscheidungsgrundlage für die Verwendung der Mittel sowie die strategische Positionierung einer Gemeinde oder Region bezüglich erneuerbarer Energien. Die daraus abgeleiteten Massnahmen und Empfehlungen bilden eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Planungsprozesse und Investitionsvorhaben.

Warum Energie aus der Region?

Ein kurzer Blick auf die Vorteile für eine Gemeinde oder Region zeigt, warum auch Sie sich für „Energie aus der Region“ entscheiden sollten:

  • Wirtschaftstätigkeit und Wertschöpfung für das regionale Gewerbe
  • Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region
  • Höhere Steuererträge durch regionale Energieproduktion und lokale Vermarktung
  • Mehr Kaufkraft bleibt in der Region: Multiplikationseffekt
  • Bessere Versorgungssicherheit und geringere Auswirkungen bei Ausfällen gegenüber der zentralisierten Versorgung
  • Mehr Unabhängigkeit von Energie-Importen und damit tieferes wirtschaftliches Risiko: Erdöl und Uran wachsen nicht bei uns!
  • Energieüberschuss wird verkauft, wie bei Energie aus Wasserkraft schon lange üblich
  • Unterstützung moderner Technologien durch Einspeisevergütung und Fördergelder
  • Tourismusgebiete positionieren sich vorteilhaft als umweltfreundlich und ökologisch
  • Positive Impulse in der Bevölkerung durch Vorreiterrolle bei modernen Technologien

Spezialisierte Büros wie Spektrum-Energie beschäftigen sich mit solchen Fragen und Potenzialanalysen. 

Beispiel einer Berggemeinde

Die dunkelgrünen Teile der Abbildung 1 markieren die Zonen, wo keine Biogasanlagen gebaut werden dürfen (Negativ-Planung). Die dunkelgrünen „Punkte“ sind potenzielle Orte in der Landwirtschaftszone, wo eine Biogasanlage erstellt werden kann (Positiv-Planung). Nur in einer gemeinsamen Betrachtung mit dem Biomassenpotenzial, in einem bestimmten Umkreis vorhanden ist und den dazugehörenden Transportdistanzen von 15km, respektive maximal 50km, können Aussagen gemacht werden, ob es sinnvoll ist, über eine Biogasanlage bei einem dieser Bauernhöfe weitere Abklärungen zu treffen oder nicht. – In diesem Fall, waren zu wenige Co-Substrate vorhanden und somit wurden keine weiteren Schritte eingeleitet.

Abbildung 1: einer Schweizer Gemeinde Geodaten © swisstopo (DV084370).

Die Gemeinde versorgt sich heute zu 20% mit selbstproduzierten Strom aus erneuerbaren Ressourcen (Photovoltaik und Trinkwasserkraftwerk). Mit einem weiteren Ausbau der Photovoltaik könnten 50% des heutigen Elektrizitätsbedarfs gedeckt werden, der Rest wird von dem naheliegenden Wasserkraftwerk dazu gekauft.

Mit der Nutzung von Solarthermie und Erdsonden alleine, könnte die Gemeinde ihren gesamten Wärmebedarf abdecken. Nur acht Gebäude stehen in einer Gewässerschutzzone, wo die Erdwärmenutzung nicht zugelassen ist. Hier sind der Einsatz von Luft-Wasser Wärmepumpen, Solarthermie und Holzheizungen je nach Gegebenheit denkbar. Bevor jedoch Investitionen in die Wärmeerzeugung fliessen, soll beachtet werden, dass durch Gebäudesanierungen ca. 40–50% der Energie gespart werden kann.

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