Ganz gleich ob Sanierung oder Neubau – wenn es um die Auswahl einer passenden Heiz- und Warmwassertechnik geht, stehen Bauherren und Planer vor einem Dschungel an Vorschriften und angebotenen Geräten. Die neue Energieetikette für Wärmeerzeuger soll zum Durchblick verhelfen.

Energieeffizient sollten Heizung und Warmwasserbereitung auf jeden Fall sein, darin sind sich alle einig. Verschärfte energetische Bauvorschriften spiegeln diese Forderung ebenfalls wieder. Gemäss den neuen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich darf der Energiebedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung bei Neubauten 35 kWh/m2 pro Jahr nicht überschreiten, was in etwa dem Minergie-Standard entspricht. Und auch bei Sanierungen von Heizungsanlagen werden, sobald die Kantone die neuen Mustervorschriften umsetzen, strengere Regeln gelten. Dazu gehört, dass mindestens 10 Prozent des Verbrauchs mit erneuerbarer Energie gedeckt werden müssen.

Mit welchen Wärmeerzeugern lassen sich die neuen Vorschriften erfüllen?

Das Angebot an möglichen Lösungen und Geräten ist riesig. Man hat die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Wärmeerzeugern diverser Hersteller: Öl- oder Gas-Brennwertkessel, Wärmepumpen, Solaranlagen, Warmwasserbereiter und -speicher, sowie zahllose Kombinationen der einzelnen Systeme.

Bei der Gerätebeurteilung und -auswahl soll nun eine neue Energieetikette für Wärmeerzeuger helfen. Sie gilt in der EU seit September 2015 und wird im August 2016 auch in der Schweiz eingeführt. Damit wird die Energieeffizienz auf einen Blick erkennbar und vergleichbar – so wie wir das von Haushaltsgeräten kennen.

Die neue Energieetikette für Wärmepumpen und eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe


Für welche Geräte gilt die neue Energieetikette und welche Informationen liefert sie?

Das neue Label betrifft Heizkessel und Wärmepumpen bis zu einer Heizleistung von 70 Kilowatt sowie Warmwasserbereiter bis 500 Liter und 70 Kilowatt. Neben der Effizienzklasse werden die Lautstärke sowie ein Wert zur Dimensionierung angegeben. Bei Brennwertkesseln sowie Wärmepumpen ist dies zum Beispiel die maximale Heizleistung in Kilowatt, bei Warmwasserspeichern das Speichervolumen in Litern.

Das Energielabel schafft Transparenz bei den Endkunden und pusht die Entwicklung von energieeffizienten Geräten. Allerdings wird die Energieetikette in der Schweiz nur für Einzelgeräte eingeführt. In der EU müssen dagegen auch Verbundanlagen gekennzeichnet werden, denn die Kombination von mehreren Komponenten spielt in der Praxis eine zunehmend wichtige Rolle. Ein Beispiel ist die Kombination eines Brennwertkessels mit einem Regelgerät sowie mit einem Multifunktionsspeicher und Solarkollektoren für das Warmwasser. In solchen Fällen gibt in der EU ein Verbundlabel die Gesamteffizienz des kompletten Systems an. Sie wird nicht von den Geräteherstellern, sondern von den Planern und Installateuren ermittelt. In der Schweiz hat der Bund keine Vorgaben für Verbundgeräte definiert, weil das Sache der Kantone ist. So müssen Konsumenten in der Schweiz auf kantonale Regelungen warten. Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine fachkundige Beratung, denn die tatsächliche Effizienz eines Wärmeerzeugers hängt auch von baulichen Faktoren und der Installation ab.

Die Energieetikette für Wärmeerzeuger im Detail

Die Energieetikette gibt es für vier Gerätekategorien und liefert folgende Angaben:

Öl- und Gasbrennwertkessel:

  • Effizienzklasse
  • Lautstärke im Raum in Dezibel
  • maximale Heizleistung in Kilowatt

Wärmepumpen:

  • maximale Heizleistung in Kilowatt für drei unterschiedliche Klimazonen innerhalb Europas (warm, normal und kalt)
  • Energieklasse (berechnet für Klimazone normal)
  • Vorlauftemperaturen standardmässig 55 und/oder 35 Grad
  • Lautstärke in Dezibel nach aussen beziehungsweise im Raum

Warmwasserbereiter und -speicher:

  • Symbol Wasserhahn für Warmwasserbereiter/Symbol Behälter mit Wellenlinien für Warmwasserspeicher
  • Energieklasse
  • Lautstärke in Dezibel
  • jährlicher Stromverbrauch in Kilowattstunden und/oder der jährliche Brennstoffverbrauch in Gigajoule
  • Lastprofil (angenommene Warmwassermenge) von 3XS bis XXL
  • beim Warmwasserspeicher zusätzlich Speichervolumen in Litern sowie die Warmhalteverluste in Watt bei einer bestimmten Wasser- und Umgebungstemperatur

Kombigeräte (Heizung + Warmwasserbereitung):

  • Zwei Energieklassen (eine für die Heizfunktion und eine für die Warmwasserbereitung)
  • Gleiche Angaben wie bei Einzelgeräten (kombiniert auf einem Etikett)
  • Lautstärke in Dezibel
  • maximale Heizleistung in Kilowatt

Energieetiketten für Brennwertkessel bzw. Kombigeräte (Heizung und Warmwasserbereitung)

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