Ein Plusenergiehaus ist ein energieeffizientes Gebäude, das mit erneuerbaren Energien über das ganze Jahr gerechnet mehr Energie produziert als für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt wird. Nun setzen auch Unternehmen auf Plusenergiehäuser und machen aus ihren Gebäuden kleine Kraftwerke.

Gebäude mit immer geringerem Energieverbrauch wie Minergie- oder Niedrigenergiehäuser ermöglichen grosse Energie-einsparungen. Plusenergiehäuser gehen noch einen Schritt weiter: Mit einer Kombination von höchster Energieeffizienz und erneuerbaren Energien wird über das Jahr gerechnet ein Energieüberschuss erzielt. Dank ausgeklügelten Lüftungskonzepten und einer hervorragenden Wärmedämmung werden unnötige Wärmeverluste vermieden. Die zur Lüftung benötigte Frischluft wird im Sommer im Wärmetauscher mit der verbrauchten Raumluft gekühlt und im Winter erwärmt. Zusätzliche Wärme holen Wärmepumpen aus der Tiefe der Erde. Auf dem Dach wandeln Solarpanels das Sonnenlicht in Wärme oder Strom um. Ein Plusenergiehaus ist somit ein veritables Kraftwerk.

Nebst zahlreichen Wohngebäuden wurden in den letzten Jahren auch Firmengebäude als Plusenergiehäuser erstellt: zum Beispiel das Romantikhotel Muottas Muragl im Oberengadin und die Produktionswerkstatt der Firma Heizplan AG in Gams im St. Galler Rheintal. Beide Gebäude wurden in der Zwischenzeit mehrfach mit Umwelt- und Energiepreisen ausgezeichnet.

Das erste Plusenergie-Hotel des Alpenraums

Das Romantikhotel Muottas Muragl in Samedan befindet sich auf 2456 Metern über Meer, die Jahresdurch-schnittstemperatur liegt bei -1 Grad und die Heizperiode dauert rund 330 Tage im Jahr. Doch selbst unter diesen extremen Bedingungen konnte ein Plusenergiehaus realisiert werden – dank der reichlich vorhandenen Sonneneinstrahlung. Nach dem Umbau des Hotels verbraucht das Gebäude zwei Drittel weniger Energie, obwohl die beheizte Gebäudefläche um 50% erhöht wurde. Die differenzierte Energieversorgung beruht auf fünf verschiedenen Quellen. Nebst der Nutzung der Abwärme aus dem Betrieb der Bergbahn sowie aus der Kälteerzeugung für Küche und Lager wandeln zwei verschiedene Arten von Sonnenkollektoren (Flach- bzw. Röhrenkollektoren) das Sonnenlicht in zusätzliche Wärme um. Über eine Wärmepumpe mit 16 Sonden wird die Erdwärme genutzt. Überschüssige Sonnenenergie kann in den Erdsonden gespeichert werden. Hoch effiziente Photovoltaikmodule erzeugen entlang des Bahntrasses auf einer Fläche von 455 Quadratmetern rund 100‘000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, was etwa 105% des Strombedarfs des Hotels entspricht. Die nach Süden orientierten Fenster sorgen ebenfalls für einen grossen Wärmeeintrag. Auch im Innenausbau wurden geeignete Materialien für einen optimalen Wärmehaushalt eingesetzt: speicherfähige Bodenbeläge, Decken und Wandaufbauten. Dieses Leuchtturmprojekt beweist auf eindrückliche Art, dass Plusenergiehäuser auch an exponierten Standorten realisiert werden können.

Produktions- und Montagewerkstatt erzeugt 448% des eigenen Energieverbrauchs

Die Firma Heizplan AG erstellte 2010/11 in Gams den Solarpark, eine Produktions- und Montagewerkstatt mit Büroräumen, als Plusenergiegebäude. Bei einem Gesamtenergieverbrauch von 13'000 kWh pro Jahr und einer nutzbaren Energieerzeugung von 58'283 kWh pro Jahr produziert der Solarpark herausragende 448% des eige-nen Energieverbrauchs.

Insgesamt werden mit den Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an der Fassade 55‘000 kWh Strom pro Jahr erzeugt – dies entspricht ungefähr dem Verbrauch von 12 Einfamilienhäusern. Speziell zu erwähnen sind die zwei installierten PV-Tracker, die wie Sonnenblumen der maximalen Sonneneinstrahlung folgen und damit eine bis zu 45% höhere Energieproduktion erreichen als stationäre Solarpanels.Neben Photovoltaik und Solarthermie zeichnet sich die Produktions- und Montagewerkstatt durch eine vorbildliche LED -Beleuchtung und ein solarbetriebenes Elektrofahrzeug aus. Der Solarpark setzt damit das enorme Potenzial der neuesten Gebäudetechnologien ganzheitlich und innovativ um.

Mit Plusenergiehäuser schlagen Unternehmen mehrere Fliegen auf einen Streich: Sie senken ihren Energie-verbrauch und die entsprechenden Kosten, sie reduzieren ihren CO2-Ausstoss und schonen das Klima, sie sichern sich ab gegen zukünftige Erhöhungen der Energiekosten und gegen Abhängigkeiten von Energieträgern aus politisch instabilen Weltregionen. Zudem demonstrieren Plusenergiegebäude den Kunden wie der Öffentlichkeit die Innovationskraft und Vorreiterrolle eines Unternehmens.

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