Diese Frage haben sich wahrscheinlich schon viele beim Anblick ihrer Stromrechnung gestellt. Im Wesentlichen besteht der Strompreis aus drei Komponenten, nämlich «Energielieferung», «Netznutzung» und «Abgaben».

Bei der Energielieferung wird die Energie verrechnet, die man effektiv verbraucht. Mit dem Preis der Netznutzung zahlt man den Transport des Stroms. Ausserdem ist in diesem Preis eine Gebühr für verschiedene Dienstleistungen wie z.B. die Energiemessung erfasst. Und am Schluss kommen noch die Abgaben dazu. Das sind einerseits die Bundesabgaben zur Förderung erneuerbarer Energien (KEV) und zum Schutz der Gewässer und Fische, andererseits eine Abgabe für die allgemeinen Systemdienstleistungen des Netzbetreibers Swissgrid (SDL). Aber teils auch Konzessionsabgaben des jeweiligen Kantons- oder Gemeinde. Um Stromleitungen legen und betreiben zu können braucht es Wegerechte. Für diese Wegerechte und Benutzung des öffentlichen Grunds erhalten die jeweiligen Gemeinden eine Konzessionsabgabe. Eine weitere Art einer Abgabe ist zum Beispiel die Abgabe zur Förderung der Energieeffizienz. Mit dieser Abgabe wird der sparsame Umgang mit Energie durch vergünstigte Energieberatungsdienstleistungen und Förderbeiträgen für Energieeffizienzmassnahmen gefördert.

Im gesamten gesehen, macht der Energieanteil der Stromkosten rund 40% aus. Die Netznutzungskosten rund 44% und 7% für das Übertragungsnetz (SDL). Für die KEV zahlt man 6% des Strompreis und die Abgaben liegen bei 3%.

"Strom wird in Kilowattstunden gemessen (kWh)"

Gemessen und verrechnet wird der Stromverbrauch in Kilowattstunden (kWh). Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, was kann man denn alles mit einer Kilowattstunde machen. Mit der Energiemenge einer Kilowattstunde können Sie zum Beispiel rund 5 Stunden an einem PC arbeiten, 7 Stunden fernsehen, 25 Minuten staubsaugen oder 50 Tassen Kaffee kochen.

Ist denn der Strompreis in der ganzen Schweiz gleich?

Nein, das ist nicht so. Zum Teil gibt es recht grosse Unterschiede zwischen den Tarifen.

Beim Netznutzungstarif spielt oft die unterschiedliche Topographie eine Rolle. So sind z.B. Stromleitungen in den Bergen oft schwieriger zu warten, als Leitungen in der Stadt.

Auch die Effizienz der einzelnen Elektrizitätsunternehmen ist entscheidend und die Art der Strombeschaffung. Hat das Unternehmen eigene Kraftwerke oder wird bei Händlern oder Produzenten Energie eingekauft, wie effizient ist der Verkauf, was gelten für Hoch- und Niedertarifzeiten und wie viel Strom verbraucht der Kunde zu diesem Zeitpunkt. Dies und ähnliche Punkte können einen erheblichen Preisunterschied zwischen den einzelnen Anbietern ausmachen.

"Jeweils Ende August werden die Strompreise für das kommende Jahr publiziert"

In der Schweiz gibt es ca. 700 verschiedene Elektrizitätsunternehmen. Jedes dieser Unternehmen ist verpflichtet, jeweils bis spätestens Ende August seine Preise der Grundversorgung für das kommende Jahr zu veröffentlichen. Wenn Sie sich ansehen möchte, was der Strom in der Nachbargemeinde oder in jeder anderen Stadt in der Schweiz kostet, dann können Sie das auch der Homepage der Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) www.strompreis.elcom.admin.ch

Die Elcom ist der Preisüberwacher der Elektrizitätsunternehmen und sorgt dafür, dass die Preise in der Grundversorgung gerecht sind. So kann die Elcom z.B. ungerechtfertigte Strompreiserhöhungen verhindern oder zu hohe Preise rückwirkend ändern Die Elcom überwacht nur die Preise der Grundversorgung, nicht die für den liberalisierten Markt.

Was heisst denn liberalisierter Markt?

Unternehmen mit einem Stromverbrauch grösser 100 MWh können seit 2009 ihren Energieanbieter frei wählen. Das heisst sie haben die Möglichkeit sich für den für sie am günstigsten Anbieter zu entscheiden. Für diese Kunden überwacht die Elcom nur noch die Netznutzungskosten, die weiterhin im Monopol sind und auch bleiben.

In der Schweiz ist der Strommarkt teil-liberalisiert. Denn Privat- und Gewerbekunden steht der freie Markt heute noch nicht offen. Am 8. Oktober 2014 hat der Bundesrat die Vernehmlassung für die zweite Stufe der Marktöffnung eröffnet. Die Vorlage sieht vor, dass ab 2018 auch Privathaushalte und kleine und mittlere Unternehmen ihren Stromanbieter frei wählen und ähnlich wie bei der Krankenkasse einmal jährlich wechseln können.

Mit der vollen Marktliberalisierung erhofft man sich das Preis-Gefälle der regional zum Teil sehr unterschiedlichen Strompreise etwas anzugleichen.

 „Strom wird gehandelt“

Was wenige wissen ist, dass Strom an der Börse gehandelt wird. Es gibt kurzfristigen und langfristigen Handel. Das vor allem, weil es sich bei Strom um kein speicherfähiges Gut handelt, die Produktion und der Verbrauch müssen immer gleichzeitig stattfinden. Beim langfristen Handel sichert man sich eine bestimmte Menge im voraus. Diese Menge wird dann im nächsten Jahr von dem Kraftwerk zur Verfügung gestellt.

Mit dem  kurzfristigen Handel gleicht man sozusagen das aus, was tatsächlich verbraucht wird, das kann mehr oder weniger sein, als die im voraus bestellte Menge. 

Denken Sie an den letzten Winter, der sehr mild war, hier haben viele Energieversorger zu viel Strom bestellt, da sie mit kälteren Temperaturen gerechnet hatten. Zwei Jahre zuvor, hatten wir einen sehr kalten Winter, da mussten einige Werke kurzfristig Energie hinzukaufen. Der Preis an der Börse wird immer durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Tiefere Temperaturen lassen die Nachfrage ansteigen, woraus ein teurerer Preis resultiert. Andersrum wenn z.B. sehr viel Wind an der Nordsee bläst, steht auf einmal mehr Energie zu Verfügung, als benötigt wird, dann wird der Energiepreis an der Börse sinken.

Man muss zwischen „physikalisch und buchhalterisch“ unterscheiden. Der Handel ist rein auf dem Papier. Physikalisch erfolgt die Versorgung aber immer direkt vor der Tür. Die Energie wird immer aus den Kraftwerken geliefert, die nah sind.

 „Neben dem Wetter unterliegt der Strompreis auch wirtschaftlichen und politischen Einflüssen“

Interessant ist auch, dass wir seit 2011 sinkende Marktpreise haben. Wie lange dieser Trend anhält, ist nicht absehbar. Ich denke, damit haben die Politiker nicht gerechnet, als sie 2011 nach Fukushima den Atomausstieg beschlossen haben. Damals waren die Strompreise noch deutlich höher als heute. Dieser Preiszerfall ändert auch die Ausgangslage für die Schweizer Energiewende.

Seit dem Beschluss aus der Atomenergie auszusteigen subventioniert Deutschland Milliarden und produziert mit Solar- und Windenergie sowie der Wiederinbetriebnahme von Kohlekraftwerken günstigen Strom im Überfluss. Die anhaltend tiefe Stromnachfrage wegen der Wirtschaftskrise oder aktuell der Ukraine Konflikt und die damit kurzzeitige verbundene Gefährdung der Gasversorgung, die EU Sanktionen gegen Russland, solche und ähnliche Faktoren haben einen direkten Einfluss auf den Strompreis.

Gemäss Walter Steinmann, dem Direktor des Bundesamtes für Energie BFE ist die Börse aufgrund der Preistransparenz ein Vorteil für Schweizer Stromkonsumenten: „Börsen helfen mit, dass sich Preise marktgerecht entwickeln“.

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