Die Produktion und der Transport von Lebens- und Genussmitteln haben Auswirkungen auf die Umwelt. Zu den grösseren Umweltbelastern zählen Fleisch, Kaffee und Milch, aber auch Wein. Der Grund liegt dabei weniger im Energiebedarf als im Einsatz von Spritzmitteln. Aber auch die energieintensive Herstellung der Glasflaschen spielt eine wichtige Rolle.

«Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein», heisst es unter Weinliebhabern. Aber welche Folgen hat der Genuss von Wein auf die Umwelt? Mehrere Studien in verschiedenen Ländern haben den Versuch unternommen, die Umweltauswirkungen, die aus der Produktion und dem Verkauf von Wein hervorgehen, abzuschätzen. Dabei sind, trotz der Unterschiede von Land zu Land, immer wieder ein paar Faktoren als Hauptverursacher der Umweltbelastung hervorgetreten. Diese sind: An erster Stelle - und dies mit Abstand - die Produktion der Trauben selbst, und drauf folgend die Herstellung der Flaschen sowie der Transport zu den Konsumenten.

Der Beitrag des Anbaus dominiert die Ökobilanz eindeutig aus einem Grund: dem Spritzmitteleinsatz. Wie viel gespritzt wird, ist wiederum davon abhängig, ob traditionelle Praktiken oder modernere wie der Bioanbau zum Zuge kommen. Aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Weingütern können beträchtlich sein, auch wenn sie den gleichen Ansatz beim Anbau anwenden. Denn auch die Bodenqualität oder das lokale Klima bestimmen die benötigte Spritzmittelmenge mit. Und selbst die Wahl biologischer Anbaumethoden ist kein Garant für eine gute Umweltbilanz. Denn in Bio-Weingütern sind zwar keine synthetischen Pestizide erlaubt, dafür werden aber kupferhaltige Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die die Böden stark und langfristig belasten.

Den Kupfereintrag zu reduzieren ist nur möglich, wenn spezielle Traubensorten angepflanzt werden, die resistent gegen Pilzkrankheiten sind. Diese pilzwiderstandsfähigen Sorten (kurz PiWi-Sorten genannt) entstehen durch die Kreuzung von europäischen mit resistenteren amerikanischen Traubensorten. Sie können das Spritzen zwar nicht ganz überflüssig machen, aber schon stark reduzieren. Weine aus PiWi-Sorten kämpfen aber immer noch um die Akzeptanz der Weinkonsumenten, die meist den Geschmack von Europäersorten bevorzugen. Aus ökologischer Sicht stellt der Anbau von PiWi-Sorten jedoch die wirkungsvollste Massnahme in der gesamten Wertschöpfungskette von Wein.

Schweizer Ökobilanz-Studie

Zu diesem Ergebnis kam auch die erste umfassende Ökobilanz-Studie zu Schweizer Weinen. Sie wurde im Jahr 2016 im Auftrag vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) durch Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und des Forschungsinstituts für biologische Landwirtschaft (Fibl) durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie die Ökobilanz von Wein aus biologischer Produktion abschneidet im Vergleich zu Wein aus Höfen, die lediglich die Anforderungen für den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) erfüllen. Die Studienautoren stellten fest, dass es schwierig ist, pauschal über die Ökobilanz von Winzern zu urteilen. Als viel zu gross stellten sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Weingütern heraus. So gross in der Tat, dass auch Biohöfe in bestimmten Aspekten schlechter abschneiden als konventionelle Produzenten. Nur wenn Bioweine aus PiWi-Traubensorten gekeltert werden, fällt die Umweltbilanz wesentlich besser aus. Die PiWi-Sorten senken die Umweltbelastung dank des geringeren Spritzmitteleinsatzes um 21 bis 61 Prozent.

Leichtere Flaschen verbessern die Umweltbilanz

Die Herstellung der Glasflaschen verursacht seinerseits aufgrund des hohen Energieverbrauchs einen beträchtlichen Beitrag zu den CO2-Emissionen. Glas durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen, wird jedoch allgemein als unrealistisch erachtet. Aber schon eine leichtere Glasflasche könnte ökologische Vorteile mit sich bringen. Um bis zu 8 Prozent liesse sich dadurch die Klimabilanz einer Flasche Wein verbessern, schätzen die Autoren der Schweizer Untersuchung. Sie empfehlen deshalb, «die Entwicklung und den Einsatz von leichteren und gleichzeitig bruchsicheren Glasflaschen voranzutreiben». Dass dies möglich ist, zeigte die direkte Erhebung des Flaschengewichts während der Studie: Dieses variierte in den untersuchten Winzer-Betrieben zwischen 450 und 600 Gramm.

Nicht mit dem Auto zum Winzer fahren!

Der Transport stellt im Vergleich zur Traubenproduktion und der Glasflaschenherstellung einen untergeordneten Faktor in der Ökobilanz von Wein. Es kommt primär auf das Verkehrsmittel an: Während Frachtschiffe und Lastwagen eine relativ geringe Umweltbelastung pro Flasche zur Folge haben, kann das Einfliegen aus dem Ausland die gesamte Ökobilanz eines Weins ruinieren. Im Fall der in der Schweizer Studie betrachteten einheimischen Weine fanden die Autoren heraus, dass es sich der Umwelt zuliebe auszahlt, den Wein nicht mit dem eigenen Auto abzuholen. Denn schon allein die Fahrt mit dem PW zum Verkaufspunkt kann die Treibhausgasemissionen des Weins über seinen Lebenszyklus verdoppeln.

Obwohl der Strom- und Wärmeverbrauch nicht zu den dominierenden Ursachen für die Umweltbelastung von Wein gehören, machten die Autoren der Schweizer Studie auch in diesem Bereich etwas Optimierungspotenzial aus.

Die Produktion einer Flasche Wein verbraucht in ÖLN-Betrieben rund 1 Kilowattstunde Strom. Der Löwenanteil davon geht auf das Konto von Erwärmungs- und Kühlungsprozessen bei der Weinherstellung. Winzer, die weitgehend auf solche Prozesse verzichten, können ihren Strombedarf deutlich verringern. Und zur Verbesserung der Klimabilanz liessen sich ebenfalls in mehr Winzer-Betrieben Photovoltaikanlagen installieren.

Nachlassender Weinkonsum in der Schweiz

Im Jahr 2016 belief sich der Pro-Kopf-Weinkonsum der Schweizer Bevölkerung gemäss der Weinwirtschaftlichen Statistik des Bundesamtes für Landwirtschaft auf knapp 30 Liter. Damit setzte sich ein Abwärtstrend im einheimischen Weingenuss fort: Noch im Jahr 2014 lag diese Ziffer bei 35 Liter pro Bewohner. Trotzdem rangiert Wein hierzulande immer noch hinter Bier als das zweitbeliebteste alkoholische Getränk. Dabei bevorzugen die hiesigen Weinliebhaber vor allem ausländische Tropfen: Von den insgesamt 253 Millionen konsumierten Litern entfielen 164 Millionen auf importierte Weine, während die restlichen 64 Millionen Liter aus Schweizer Produktion stammten. Die beliebtesten Wein-Herkunftsländer bei den Schweizern sind in dieser Reihenfolge Italien, Frankreich und Spanien.

Umweltbilanz von Lebensmitteln

Auf Nahrungsmittel entfällt mit 28 Prozent der grösste Anteil an der Umweltbelastung aus dem privaten Konsum in der Schweiz. Die grössten Verursacher sind dabei der Verzehr von Fleisch und Fisch sowie anderen tierischen Produkten wie Milch und Eier. Dahinter rangieren Getränke. Kaffee und Wein tragen mit 10 respektive 7 Prozent bedeutend zur Umweltbilanz des Schweizer Lebensmittelkonsums.

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