Airfryer: Ist Frittieren mit Heissluft effizient?

Das neue Trendgerät in der Küche heisst Airfryer oder zu Deutsch: Heissluftfritteuse. Wer nun denkt, Donuts und Fischknusperli könnten endlich kalorienarm zubereitet werden, liegt allerdings falsch. Wann sich ein Airfryer dennoch lohnt, erfahren Sie hier.

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Airfryer (Heissluftfritteuse) mit Kartoffelschnitzen

Airfryer sind vor allem eines nicht: Fritteusen. Denn in einer Fritteuse werden Dinge im Fett schwimmend ausgebacken. Das Marketing hat hier ganze Arbeit geleistet und vermarktet ein Produkt für etwas, das es nicht liefern kann. Gerichte, die klassischerweise in einer Fritteuse zubereitet werden, gelingen im Airfryer nicht oder nur in stark angepasster Form. Fischknusperli, frische Pommes oder Falafel beispielsweise. Wer versucht, Donuts oder Berliner im Airfryer zu backen, wird enttäuscht sein und das Gerät in den Keller verbannen. Noch schlimmer wird es mit flüssigem, klebrigem Teig wie etwa Quarkbällchen. Die Sauerei ist grenzenlos, das Essvergnügen unterirdisch.

Was kann denn ein Airfryer gut? Wieso macht es Sinn, über die Anschaffung dieses Geräts nachzudenken?

Was ist ein Airfryer?

Ein Airfryer ist ein kleiner Heissluftbackofen. Das klingt nicht so sexy, ist aber zutreffender. Er lässt sich an jeder Steckdose betreiben, ist schnell einsatzbereit, braucht vergleichsweise wenig Platz und lässt sich für viele Backprozesse einsetzen.

Korb oder Schublade?

Es gibt verschiedenen Bauformen, je nach Typ erweitert sich der Einsatzbereich. Geräte mit Schublade oder Körben beispielsweise lassen sich gut für «loses Streugut» wie etwas Pommes oder Chicken Nuggets verwenden. Angenehm dabei ist, dass man ein-, zweimal die Schublade öffnen und leicht schütteln kann, was ein noch gleichmässigeres Backergebnis erzeugt. Dies sollte, wie auch beim regulären Backofen, möglichst wenig gemacht werden, denn auch hier gilt: Ist das Gerät offen, entweicht wertvolle Wärme!

Mini-Backofen mit grosser Klappe

Dann gibt es, wie im Titelbild gezeigt, Geräte, die aussehen wie Mini-Backöfen mit einer Türe zum Aufklappen. Auf Schienen in unterschiedlicher Höhe lässt sich ein Gitterrost einführen, ein Blech, sowie meist auch eine Trommel, die sich – mittig eingespannt – langsam dreht. Diese kann wiederum für das lose Streugut genutzt werden. Oder auch für ein Poulet, wenn man nur den Spiess verwendet.

Vorteile dieses Typs: Es lassen sich vorhandene Backformen verwenden. Wähen, Aufläufe sind im Nu gebacken. Auch das Aufwärmen von grösseren Stücken Pizza, das Toasten von Brotscheiben oder gar ganze Brote aufzubacken, ist schnell möglich. Im Gegensatz zum Aufwärmen in der Mikrowelle wird es dabei nicht «labbrig», sondern schön knusprig.

Wann ist ein Airfryer praktischer als ein Backofen?

All das könnte man natürlich auch im Backofen zubereiten, klar. Nur: der Backofen braucht Energie – viel Energie, wenn man bedenkt, dass man anschliessend ans lange Aufheizen den Ofen nur wenige Minuten nutzt. Es dauert deutlich länger, bis der Backofen die benötigte Temperatur erreicht hat.

Um etwas «aufzuknuspern», braucht es mindestens 10 Minuten vorheizen, danach folgt der Backprozess selbst. Im Airfryer ist in drei Minuten alles fertig und die Pizza ist erst noch nicht ausgetrocknet. Da der Backraum ein Vielfaches kleiner ist, dauert die Zubereitung viel weniger lang und braucht dadurch auch viel weniger Energie, um das gleiche Resultat zu erreichen. Mehr dazu später.

Für wen eignet sich ein Airfryer?

Gerade kleine Haushalte, die kleinere Mengen zubereiten, benötigen kaum noch einen richtigen Backofen, da sich alles im Airfryer zubereiten lässt. Selbst Kuchen und Brote gelinge, wenn man die Gardauer und die Temperatur anpasst. Mittlerweile gibt es viele Rezepte und Kochbücher, wenn man sich nicht selbst zutraut, ein wenig zu experimentieren und zu tüfteln.

Aber auch in Haushalten mit mehr Menschen ist ein Airfryer oft und vielseitig einsetzbar. Je nach Menü können Teile davon schnell und effizient im Airfryer zubereitet werden. Fürs Aufwärmen von Speisen, vor allem gebackenen, ist ein Airfryer schnell und effizient. Gleichzeitig ersetzt er andere Haushaltsgeräte wie den Toaster oder das Dörrgerät.

Chicken Wings im Airfryer
Statt den Backofen zu bemühen, kommen die Chicken Wings schnell und effizient aus dem Airfryer. (Foto: Shutterstock / Natalia Bohren)

Spart ein Airfryer Strom?

Ein Airfryer ist nicht nur ein nettes Gadget. Mit dem Airfryer lässt sich viel Energie sparen, wenn man die Heissluftfritteuse anstelle des Backofens verwendet.

Klassische Backöfen haben eine Leistung von 1500 bis über 3000 Watt. Beim Airfryer ist es mit 1500 bis 2500 Watt ähnlich viel. Wieso ist es dennoch oft effizienter, einen Airfryer zu nutzen? Herkömmliche Backöfen, aber auch klassische Fritteusen mit viel Öl, müssen lange aufgeheizt werden. Viele arbeiten dauerhaft mit sehr hohen Temperaturen, statt die Hitze zu reduzieren. Im Gegensatz dazu erreichen Airfryer schnell die benötigte Temperatur und können diese durch die zirkulierende heisse Luft effizienter halten. Sobald im Airfryer die gewünschte Temperatur erreicht ist, etwa 120 °C oder 150 °C, reduziert das Gerät die Energieaufnahme deutlich. Airfryer nutzen im Durchschnitt nur etwa 40 bis 60 Prozent ihrer Maximalleistung, so ergibt sich ein Verbrauch von nur etwa 0,60 kWh bis 0,90 kWh pro Anwendung.

Gibt es eine Energieetikette für Airfryer?

Ein Energielabel für Airfryer gibt es bislang nicht. Die Geräte unterscheiden sich in der Leistung auch nicht wesentlich. Aber die Einsparung zum regulären Backofen ist immer vorhanden, meistens sehr deutlich.

Backofen und Airfryer im Vergleich

Gerätetyp Pommes frites (500 g):
Energie
Pommes frites (500 g):
Zeit
Blumenkohl überbacken:
Energie
Blumenkohl überbacken:
Zeit
Poulet-Flügeli:
Energie
Poulet-Flügeli:
Zeit
Backofen 1,0 kWh 25 Min. 0,5–0,6 kWh 20 Min. 1,0–1,2 kWh 40 Min.
Airfryer 0,3–0,45 kWh 15 Min. 0,2–0,3 kWh 12 Min. 0,2–0,3 kWh 10–12 Min.
Zubereitungszeit und Energieverbrauch im Vergleich

Auch im Vergleich mit kleinen Backöfen sparsam

Nun gibt es auch Backöfen mit kleinerer Bauhöhe und entsprechend kleinerem Innenraum. Doch auch bei diesem Gerätetyp ist der Garraum um ein Vielfaches grösser als bei einem Airfryer, selbst im Vergleich zu den grössten Modellen mit rund 8 Liter Garraum. Der Effizienzvorteil gilt entsprechend auch hier: Weil das Volumen beim Airfryer rund fünfmal kleiner ist, muss man praktisch nicht vorheizen. Wer Strom sparen will, wählt immer das kleinstmögliche Gerät.

Weitere Vorteile des Airfryers

Arbeitsloser Backofen?

Keine Bange, auch der Backofen hat nach wie vor ein sinnvolles Einsatzgebiet, denn ganz ohne geht es nicht: Wenn viel Fläche, grosses Volumen oder sehr heisse Temperatur gefragt ist, hat er seinen Auftritt: Grosse Pizzen, der Sonntagsbraten, grosse Brote und Zöpfe, Weihnachtsguetzli. Dazu empfiehlt es sich, die Nutzungstipps von Topten für energiesparendes Backen zu beachten:

  • Passende Temperatur einstellen: Wählen Sie eine geeignete oder im Rezept angegebene Temperatur. Zu hohe Temperaturen verbrauchen unnötig viel Strom.
  • Aufs Vorheizen verzichten: Moderne Backöfen erreichen sehr schnell die erwünschte Temperatur. Achten Sie darauf, wie lange Ihr Backofen braucht, um zur Zieltemperatur zu gelangen. Dann können Sie sofort mit dem Backen beginnen.
  • Gefrorene Speisen im Kühlschrank auftauen: Wenn die Speisen bereits aufgetaut sind, verkürzt sich die Backzeit um circa die Hälfte.
  • Den Ofen so selten und kurz wie möglich öffnen: Jedes Mal, wenn Sie den Backofen öffnen, entweicht die Hitze, sodass mehr Energie benötigt wird, um wieder auf die gewünschte Temperatur zu kommen.
  • Restwärme nutzen: Bei längeren Backzyklen können Sie den Ofen frühzeitig ausschalten. Für die letzten 10 Minuten den Ofen ausschalten und die Restwärme nutzen, spart Strom.
  • Speisen in kleine Teile schneiden: Wenn Sie z. B. Gemüse in kleinere Stücke schneiden, dauert das Garen weniger lang.
  • Auf Pyrolyse-Reinigung verzichten: Immer mehr Backöfen bieten automatische Reinigungssysteme an. Bei der Pyrolyse-Reinigung wird das Gerät auf mindestens 500 °C erhitzt, während das Katalyse-Verfahren durch eine spezielle Beschichtung der Innenwände wesentlich weniger Strom verbraucht. Beim Neukauf sollte darum immer ein Gerät mit Katalysereinigung den Vorzug erhalten.

Im Ratgeber von Topten finden sich weitere Hinweise, zudem können Sie die energieeffizientesten Backöfen und Steamer in der Bestenliste vergleichen