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Elektrogeräte verbrauchen weniger Strom

In den letzten fünfzehn Jahren sank der Stromverbrauch von Elektrogeräten in der Schweiz um fast einen Zehntel. Dies, obwohl deren Zahl im gleichen Zeitraum um beinahe 40 % zugenommen hat. Markante technische Weiterentwicklungen haben dies erst möglich gemacht. Eine Analyse im Auftrag des Bundesamtes für Energie liefert weitere Details.

Rudolf BolligerRudolf Bolliger5 min

In der Schweiz werden jährlich 57,6 Milliarden kWh elektrische Energie verbraucht. Davon fliessen rund 19 Milliarden kWh in die privaten Haushalte. Dies entspricht rund 33 Prozent. Im Schnitt schlägt jeder der rund 3,7 Millionen Haushalte jährlich mit etwa 5200 kWh elektrischer Energie zu Buche. Dank vielen energietechnischen Verbesserungen bei den grossen Haushaltgeräten ist der Stromverbrauch pro Haushalt seit dem Jahr 2005 rückläufig. Die Abnahme ist hauptsächlich auf die deutlich gestiegene Effizienz der Haushaltgrossgeräte wie Kühlgeräte, Geschirrspüler oder Wäschetrockner zurückzuführen. Der Effekt könnte noch grösser sein, hätte nicht parallel dazu die Anzahl an Unterhaltungselektronik-Geräten zugenommen.
 

Haushalt und Sparpotenziale

Wie hoch der Stromverbrauch eines Haushalts ist, hängt vor allem von der Zahl der Bewohner ab. Mit der Anzahl Personen steigt in der Regel auch der Verbrauch – allerdings nicht linear. Der Grund: Haushaltsgeräte wie Kühlschrank oder Waschmaschine werden gemeinsam genutzt. Deswegen ist der Bedarf pro Kopf in grösseren Haushalten meist geringer als in kleineren. Ausserdem hängt er auch davon ab, ob es sich um ein Einfamilienhaus oder um ein Mehrfamilienhaus handelt. Eine Wohnung im Mehrfamilienhaus kommt mit fast 30 Prozent weniger elektrischer Energie aus als ein vergleichbar grosses Einfamilienhaus, denn Aussen- und Gartenbeleuchtung oder Garage benötigen zusätzlich Strom.
Grosse Haushaltsgeräte und die IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik sind die Hauptstromverbraucher. Und wie immer gilt: Wo besonders viel Energie verbraucht wird, lässt sich auch entsprechend viel sparen. Gerade Geräte im Dauerbetrieb, wie Kühlschrank oder Gefriertruhe, können durch ihren Strombedarf für hohe Kosten sorgen. Bei Geräten älter als 15 Jahren lohnt sich der Austausch gegen ein neues, effizientes Gerät oft sogar dann, wenn das alte noch problemlos funktioniert.

Technik wird effizienter

Eine Untersuchung über den Bestand an Elektrogeräten in Schweizer Haushalten sowie deren Stromverbrauch seit 2002 liefert interessante Zahlen. Die Analyse basiert auf Angaben des Fachverbands Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz FEA und des Schweizerischen Wirtschaftsverbands der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik Swico. Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie BFE. 
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-73114.html 
https://www.energieschweiz.ch/media/312724/20181128_faktenblatt-stromverbrauch_elektrogeraete.pdf
Dabei zeig sich, dass Haushaltsgrossgeräte sowie IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik-Geräte deutlich energieeffizienter geworden sind. Deren Bestand betrug 2017 über 48,5 Millionen Stück. Zusammen waren sie für rund 7000 Millionen kWh Strom oder 12% des schweizerischen Stromendverbrauchs verantwortlich.
Gesamthaft hat die Zahl der Elektrogeräte in der Schweiz in den letzten fünfzehn Jahren zwar um fast 40 % zugenommen. Trotzdem reduzierte sich deren Jahresverbrauch dank Technologiesprüngen im gleichen Zeitraum um 716 Millionen kWh oder um rund 9,3 %.

Verbrauch geht zurück

Bei den IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik-Geräten liegen die Effizienzgewinne seit dem Jahr 2000 bei zirka 51 %. Der hohe Rückgang beim Verbrauch bei IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik-Geräten ist auf technische Fortschritte zurückzuführen. Dies manifestiert sich etwa im Label Energy Star oder bei den Mindestanforderungen für den Stand-by-Verbrauch. Der Stand-by-Modus ist eigentlich eine Nebenfunktion von Geräten, die unnötig Strom verbraucht. Wer seine Geräte vollständig ausschaltet, kann viel Energie und Geld sparen. 
Die Effizienzgewinne bei der IT- und Unterhaltungselektronik sind mehr als doppelt so hoch wie bei den Haushaltgrossgeräten, die seit 2002 rund 24 % energiesparender geworden sind. Wenn der heutige Gerätebestand mit der Technik der Jahre 2000 bzw. 2002 betrieben würde, wäre der entsprechende Stromverbrauch um insgesamt 3250 Millionen kWh höher. Die Effizienzgewinne kompensieren damit mehr als die Jahresproduktion des Kernkraftwerks Beznau 2. 

Notebooks und Tablets vorn

In der Schweiz waren 2017 rund 30 Millionen IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik-Geräte im Einsatz – im Jahr 2000 waren es 20 Millionen. Die grösste Zunahme gab es bei den Notebooks mit zusätzlich 4,3 Millionen Stück, dicht gefolgt von den Tablets, mit 4 Millionen Stück mehr.
Auch die Anzahl der Haushaltsgrossgeräte ist beträchtlich gestiegen: 2002 waren knapp 14 Millionen Stück im Einsatz, 2017 rund 18 Millionen. Zu den grössten Stromverbrauchern gehören hier die Elektroherde, Backöfen, Kühlgeräte und Wäschetrockner.
Haushaltgeräte erfüllen heute unterschiedlichste Aufgaben, sind jederzeit verfügbar und das Angebot ist sehr vielfältig. Daher kann von einer weiter steigenden Stückzahl für unseren Haushaltsalltag ausgegangen werden. Zudem machen Förderprogramme den Kauf von effizienten Geräten zusätzlich attraktiv. Die Energieeffizienz von Geräten zu verbessern, gilt als wichtigste Handhabe, um den Energieverbrauch ohne Komforteinbussen zu senken. Denn höhere Energieeffizienz erlaubt, den gewünschten Nutzen mit geringerem Energieaufwand zu erreichen. Neben den ökologischen Aspekten wirkt sich diese Strategie auch positiv auf die Umwelt und letztlich auf die Kosten aus.

Für den Kauf von Haushaltsgeräten empfiehlt sich eine langfristige Planung. Erfolgt der Austausch, bevor die Geräte defekt sind, bestimmt der Eigentümer den Zeitpunkt für die Neuanschaffung selber. Eigentümerschaften wird empfohlen, Haushaltsgeräte nach gewissen Kriterien zu beschaffen:

  • Hocheffiziente Geräte der besten Effizienzklassen beschaffen. Der höhere Kaufpreis für ein energieeffizientes und damit besseres Gerät zahlt sich über die gesamte Lebensdauer von rund 15 Jahren meistens aus.
  • Zurückhaltend sein mit XXL-Geräten. Zu grosse Geräte verleiten dazu, diese nicht voll auszulasten und führen zu unnötigem Energieverbrauch. Beispielsweise hilft die Teilbeladungserkennung von Waschmaschinen zwar Strom und Wasser zu sparen. Die Praxis zeigt aber, dass eine halbe Beladung deutlich weniger spart als 50 %.
  • Kundenbetreuung und Serviceleistungen beachten. Serviceabonnements und Garantieverlängerung sind oft sehr teuer. Es bleibt abzuwägen, ob sie sich wirklich lohnen.

Einer der grössten Stromverbraucher befindet sich möglicherweise im Heizungskeller. Die Umwälzpumpe der Heizanlage sorgt dafür, dass das Heizungswasser in die Heizkörper gelangt oder in der Fussbodenheizung zirkuliert. Ein Gerätetyp älterer Generation verbraucht dabei für die gleiche Aufgabe 80 % mehr Strom, als eine neue, hocheffiziente Umwälzpumpe.
Geräte im Standby verbrauchen immer noch eine Menge Strom und sind im Schnitt für rund einen Zehntel des Stromverbrauchs verantwortlich. Durch konsequentes Abschalten lassen sich Energie und Kosten sparen. Am Leichtesten gelingt das kollektive Ausschalten von Geräten mit sogenannten Master-Slave-Steckdosenleisten. Wird das Hauptgerät abgeschaltet, unterbindet die Steckdosenleiste automatisch sämtliche Stand-by-Verbräuche aller angeschlossenen Geräte.

Damit Geräte wie Handy, Tablet, Notebook oder Fernseher auch nach dem Kauf noch Freude bereiten, sollte man sich vor möglichen Überraschungen schützen. Eigenschaften, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind, können später zum Ärgernis werden. Hierzu drei Beispiele:

  • Mobile Geräte wie Smartphones oder Tablet-PC werden häufig mit fest verbautem Akku ausgeliefert. Schwächer werdende Akkus sind oft ein Grund, sich ein neues Gerät zu kaufen – nachhaltig ist dies jedoch nicht.
  • Einige Hersteller verschenken ihre Geräte beinahe. Doch das benötigte Verbrauchsmaterial relativiert die niedrigen Einstandskosten und treibt die Betriebskosten in die Höhe. Bestes Beispiel: teure Originaltinte für Tintenstrahldrucker. Dieses Geschäftsmodell funktioniert auch mit anderen Geräten wie Kaffeemaschinen (Kapseln). 
  • Es gibt auch immer wieder Überraschungen bei neuen Technologien. Beispiel hierfür sind «Curved-Screens»: Die gewölbten Monitore gibt es als Fernseher und als PC-Bildschirme. Bei diesen Modellen kann es störende Reflexe geben. Hier lässt sich dies nicht wie bei normalen Geräten durch einfaches leichtes Drehen verhindern, da die Reflexe «wandern».

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