Förderung erneuerbarer Energien
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Förderung erneuerbarer Energien

Wer bei Sanierungen oder Neubauten den Einsatz erneuerbarer Energien plant, sollte sich um mögliche Förderbeiträge kümmern. Auch der Bereich Steuererleichterungen ist zu prüfen. Was gilt aktuell bei der Förderung erneuerbarer Energien und wo finden sich die entsprechenden Informationen?

Rudolf BolligerRudolf Bolliger6 min

Bundesweit geregelt ist die Förderung für Strom aus erneuerbaren Energien. Grundlage bildet das Einspeisevergütungssystem (EVS). Die Fördermöglichkeiten sind ansonsten meist kantonal geregelt. Auch einzelne Städte und Gemeinden oder Energieversorgungs-Unternehmen bieten Förderprogramme an. Die Orientierung ist daher oft schwierig. Online-Portale, Informationsbroschüren, Checklisten und Flyer vermitteln Tipps und Grundlagenwissen. Gute Übersichten und Hilfen bieten beispielsweise:
www.energiefranken.ch
www.umweltprofis.ch/de/akteure/energie-akteure
www.dasgebaeudeprogramm.ch/de/
 

Einspeisevergütungssystem

Betreiber von Anlagen zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien profitieren bei Einspeisung ins Netz vom EVS. Die Schweiz hat 2009 die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) eingeführt. Das Förderprogramm wurde zum 1. Januar 2018 in das EVS überführt. Dieses ist neu zeitlich befristet: Neue Anlagen werden nur noch bis Ende 2022 ins System aufgenommen, erneuerte und erweiterte gar nicht mehr. Die Vergütung für jene Anlagen, welche ins Fördersystem aufgenommen werden, orientiert sich an den Gestehungskosten einer Referenzanlage und ist somit nicht mehr zwingend kostendeckend. 

Bei einer Inbetriebnahme ab Januar 2018 beträgt die Vergütungsdauer im EVS 15 Jahre (Ausnahme Biomasse: 20 Jahre). Die Finanzierung des EVS erfolgt über den Netzzuschlag, der von 1,5 Rappen pro Kilowattstunde auf 2,3 Rp./kWh stieg. Insgesamt wurden 2018 rund 8500 Anlagen zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien neu gefördert.
Das EVS gilt für Biomasse, Wasserkraft von 1 MW bis 10 MW, Windenergie, Geothermie und (bei Anmeldungen bis 30.6.2012) für Photovoltaik ab 100 kWp. Die Förderung für Solarstrom wurde 2018 grundlegend neu geregelt und ab 1. April 2019 gelten teils neue Vergütungssätze.

Photovoltaik mit Einmalvergütung

Die KEV sorgte seit ihrer Lancierung für einen wachsenden Photovoltaikmarkt. 2014 ergänzte die Einmalvergütung EIV das Förderprogramm. Für Anlagen der Warteliste greift seit Januar 2018 das EVS. Für neue Photovoltaikprojekte ist die KEV nicht mehr verfügbar.
Bei Solarstrom wurde die Förderung auf Anfang 2018 grundlegend umgestellt: Neue Photovoltaikanlagen aller Grössen werden in der ganzen Schweiz nur noch über eine Einmalvergütung gefördert. Diese deckt höchstens 30 % der bei der Inbetriebnahme massgeblichen Investitionskosten von Referenzanlagen ab und gliedert sich in zwei Varianten.

KLEIV – Einmalvergütung für kleine Photovoltaikanlagen:
Zu diesen zählen Anlagen mit einer Leistung bis 100 kWp. Die Leistungsuntergrenze für diese sogenannte kleine Einmalvergütung beträgt 2 kWp. Abhängig von der Anlagenkategorie werden kleine Photovoltaik-Anlagen entweder mit dem Vergütungstarif für integrierte Anlagen oder mit dem Tarif für angebaute resp. freistehende Anlagen vergütet. Bei der KLEIV beträgt die Wartezeit rund anderthalb Jahre.

GREIV – Einmalvergütung für grosse Photovoltaikanlagen:
Grosse Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung ab 100 kWp werden unabhängig von der Anlagenkategorie nur mit dem Vergütungstarif für angebaute bzw. freistehende Anlagen vergütet. Bei einem Verzicht auf die Vergütung des Leistungsbeitrags ab 100 kWp Leistung kann auch die kleine Einmalvergütung beantragt werden. Bei der GREIV ist für Neuanmeldungen mit einer Wartefrist von zirka 2 Jahren zu rechnen. Weiterführende Informationen finden sich unter: www.pronovo.ch

Solarthermie

Die Solarthermie ist eine weit entwickelte, zuverlässige Technologie, Sonnenenergie zu nutzen um Wärme zu erzeugen. Der grosse Vorteil besteht in der Anwendung jahrzehntelang erprobter und sehr effizienter Technik. Die meisten Kantone und viele Gemeinden unterstützen die Solarwärme, bezahlen Förderbeiträge und erlauben Steuerabzüge. Im harmonisierten Fördermodell (HFM), das die Kantone ab 2017 umsetzen, ist ein Förderbeitrag von etwa 20 % der Investitionskosten vorgesehen.

Erdsonden/Erdkollektoren

Die Förderung für Sole-Wasser-Wärmepumpen fällt in der Schweiz unter das Gebäudeprogramm. Dieses stellt Richtlinien für die Kantone auf und empfiehlt den Umfang der Förderung für bestimmte Massnahmen. Für Erdsonden, Erdkörbe und Erdkollektoren sind eine Bau- und eine gewässerschutzrechtliche Bewilligung erforderlich. Die meisten Kantone fördern solche Heizanlagen. 

Professionelle Hilfe

Baufachleute, kantonale Energiefachstellen, Energieberater sowie Systemlieferanten sind Partner, um Anlagen für den Einsatz erneuerbarer Energien zu realisieren. Sie vermitteln einen fundierten Überblick über die möglichen Förderprogramme. Die kompetente Mithilfe eines Spezialisten kann sich in mehrfacher Hinsicht auszahlen. Er kennt sich mit Behörden und Ämtern aus und kann die Bauherrschaft beim Einreichen von Gesuchen und Antragsformularen unterstützen. 
Wer sich umfassend über Förderbeiträge informiert, seine Anlage durchdacht plant und durch Fachleute installieren lässt, schafft gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Lösung beim Einsatz erneuerbarer Energien.

Bund, Kantone, Gemeinden und Elektrizitätswerke stellen Fördermittel zur Verfügung, um die Energieeffizienz und die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu fördern. Als finanzielle Anreize sollen die Förderprogramme helfen, die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Sich zu orientieren fällt oft schwer, denn die Zahl der Programme ist hoch und deren Umfang je nach Ort unterschiedlich. 

In der Datenbank energiefranken.ch finden sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen einen lückenlosen Überblick über die an ihrem Stand- oder Wohnort verfügbaren Energieförderprogramme. Dazu gibt man ganz einfach die Postleitzahl des Wohn- oder Standortes ein. Die Palette der verfügbaren Informationen reicht von Neubau über Sanierung, Heizung oder Stromerzeugung bis hin zu Mobilität.
www.energiefranken.ch 
 

Die bisherige KEV wurde 2018 innerhalb des EVS auch in ein System mit Direktvermarktung umgestaltet: Betreiber von Anlagen mit einer Leistung ab 500 kW, die bereits eine KEV erhielten, müssen ihren Strom spätestens ab dem 1. Januar 2020 selber vermarkten. Dasselbe gilt für Anlagen ab 100 kW, die noch neu ins Fördersystem aufgenommen werden; zusätzlich gelten hier ab 1. April 2019 rund 30% tiefere Vergütungssätze, gegenüber jenen vor 2018.
https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/50166.pdf 
 

Steigende Strompreise und ausreichende Liquidität des Netzzuschlagsfonds erhöhen für 2019 die verfügbaren Mittel.

Man unterscheidet zwischen Anlagekosten (wertvermehrende Investitionen) und Unterhaltskosten (werterhaltende Ausgaben). Unterhaltskosten sind vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig, während Anlagekosten in der Regel nicht abziehbar sind. Ausnahmen bilden Investitionen bei bestehenden Gebäuden in Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien und gewisse Energiesparmassnahmen. 
Bei der direkten Bundessteuer sind folgende erneuerbare Energien abzugsberechtigt: Sonnenenergie, Geothermie, mit oder ohne Wärmepumpen nutzbare Umgebungswärme, Windenergie und Biomasse (inkl. Holz oder Biogas).
Bei kantonalen Steuern ist ein Abzug bei bestehenden Gebäuden nur möglich beim Ersatz von veralteten sowie bei der erstmaligen Installation von neuen Bauteilen.
www.swissolar.ch/fuer-bauherren/foerderung

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