Gebäudelabels für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Labels helfen bei der Orientierung im Markt. Allerdings nimmt ihre Zahl stetig zu, und das Orientierungsversprechen verkehrt sich ins Gegenteil. Auch bei den Gebäudelabels hilft etwas Übersicht.

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Velofahrerin vor grossem Wohngebäude

Minergie kennen Sie längst? Wie sieht’s denn mit SNBS und DGNB aus? Oder mit LEED und BREEAM? Wenn bei diesen Abkürzungen die einzige Gebäudeassoziation der sprichwörtliche Bahnhof ist – seien Sie unbesorgt. Heute gibt es eine grosse Zahl an Gebäudelabels. Im Folgenden werden einige vorgestellt und auch, wie sie sich unterscheiden.

Der Beitrag widmet sich Energielabels im Gebäudebereich. Andere Labels rund um Gebäude umfassen zum Beispiel Zugänglichkeit, Altersgerechtigkeit oder baubiologische Faktoren.

Für alle, die ein Haus besitzen oder bauen: GEAK und Minergie

1998 wurde in der Schweiz der Verein Minergie gegründet. Das Ziel: energiesparende Gebäude fördern, die ihren Nutzerinnen und Nutzern zugleich hohe Aufenthaltsqualität bieten. Inzwischen sind über 50’000 Gebäude nach einem der verschiedenen Minergie-Standards zertifiziert. Neben dem Basisstandard «Minergie» gibt es heute «Minergie-P» mit strengeren Effizienzvorgaben, die fast Nullenergie-Niveau haben, «Minergie-A», der zudem eigene Energieproduktion durch Photovoltaik fordert und «Minergie ECO», der nachhaltiges und ökologisches Bauen verlangt. Die Minergie-Standards richten sich in erster Linie an Bauherren, aber auch an Architektur- und Planungsbüros.

Etwas jünger, aber ebenfalls sehr verbreitet ist der Gebäudeausweis der Kantone GEAK. 2009 haben mehrere Verbände gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie und der Energiedirektorenkonferenz EnDK die «Energieetikette für Gebäude» ins Leben gerufen. Der GEAK und der GEAK Plus, der zusätzlich einen umfassenden Beratungsbericht enthält, sind vor allem Informationsinstrumente für Eigentümerinnen und Eigentümer, die einen Überblick über den energetischen Zustand ihrer Immobilie haben wollen. Über 100’000 GEAK sind bis heute ausgestellt worden. Zur Verbreitung des GEAK und GEAK Plus trägt sicher auch bei, dass sie Voraussetzung für viele Fördermassnahmen sind.

Für Entwickler: SNBS und 2000-Watt-Areale

Relativ neu ist der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS, den das Bundesamt für Energie seit 2011 entwickelt und 2016 als zertifizierungsfähige Form veröffentlicht hat. Die nachgebesserte Version 2.1 liegt seit 2021 vor. SNBS will Nachhaltigkeitstandards im Bauen verankern und orientiert sich dabei neben SIA-Normen an der Agenda 2030 der UNO. Neben ökologischen Faktoren, die auch Energie- und Klimaindikatoren umfassen, werden die ökonomische und die soziale Dimension eines Gebäudes bewertet. Der Standard ist in den Fokus von Schweizer Investoren gerückt, die Immobilien entwickeln und dabei eine nachhaltige und potenziell zukunftsfähige Investition tätigen wollen.

2000-Watt-Areale sind ebenfalls noch jung und aus dem Energiestadt-Label hervorgegangen. Aktuell sind in der Schweiz 10 solche Areale in Betrieb, 24 in Entwicklung und 6 in «Transformation». Ein 2000-Watt-Areal muss neben hoher Energieeffizienz und dem 100-prozentigen Einsatz von erneuerbaren Energien auch andere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, beispielsweise ein klimaschonendes Mobilitätsangebot enthalten. Da der Standard auf ganze Areale bezogen ist, wenden ihn vor allem Genossenschaften und andere Trägerschaften an, die nachhaltig konzipierten Wohnraum realisieren wollen. Auch für die Stadtentwicklung sind 2000-Watt-Areale ein denkbarer Standard.

Investoren und Portfolioverwalter:
SSREI, GRESB, DGNB in Use, LEED, DGNB, BREEAM

Viele weitere Labels richten sich an Immobilienfonds, Investmentgesellschaften oder andere Institutionen, die ganze Immobilienportfolios halten. Ein solches Label ist der Swiss Sustainable Real Estate Index SSREI, der auf dem SNBS basiert und zurzeit knapp 200 Gebäude umfasst. Eine ähnliche Zielgruppe hat das Label GRESB oder der aus Deutschland stammende Standard DGNB in Use. Beide erfassen aber vor allem Energie- und Nachhaltigkeitskriterien von Bestandsgebäuden und deren Bewirtschaftung.

Für Investoren, die energetisch nachhaltige Neubauprojekte suchen, gibt es andere internationale Standards. Der am weitesten verbreitete – LEED – umfasst weltweit über 100’000 Objekte. Andere vergleichbare Label sind das britische BREEAM-Label sowie DGNB für Neubauten, welches als DGNB Swiss auf Schweizer Normen adaptiert wurde. Internationale Label werden konsequenterweise von Unternehmen nachgefragt, die internationale Immobilienportfolios halten und entsprechend vergleichbare Standards erfüllen müssen.

Woran orientieren sich Mieterinnen und Mieter?

Die meisten Menschen hierzulande sind weder Investoren noch Eigentümerinnen – über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer mieten eine Wohnung oder ein Haus. Als solche sind sie nur sporadisch mit Gebäudelabels konfrontiert, etwa dann, wenn sie auf Wohnungssuche sind. Welches Label verspricht einen geringen ökologischen Fussabdruck – oder einfach tiefe Nebenkosten?

Am verbreitetsten ist hierzulande der Minergie-Standard, der vor allem in den Varianten P und A hohe Energieeffizienz garantiert und mit dem ECO-Zusatz eine nachhaltige Bauweise mit strengen Grenzwerten für graue Energie. Glücklich schätzen kann sich diesbezüglich auch, wer in einem 2000-Watt-Areal lebt. Ansonsten gibt der GEAK zumindest einen Anhaltspunkt über die Energieeffizienz des neuen Zuhauses in spe. Allerdings sind Vermieterinnen und Vermieter nicht verpflichtet, ihren GEAK – falls vorhanden – auszuweisen. Der Ball liegt also bei allen, die Gebäude erstellen, sanieren und finanzieren.

Nachhaltige Gebäude nach Standards planen und realisieren

Zum Schluss noch ein Hinweis für alle, die ein Bauprojekt in Angriff nehmen wollen: Nicht alle Labels lassen sich auf dieselben SIA-Phasen anwenden. Eine Zuordnung von Labels zu den betrachteten Ebenen und Phasen finden Sie unten in den Aufklappelementen. Bei Labels, die keine reinen Zertifizierungssysteme darstellen, ist zusätzlich die Art angegeben.