Heizen mit Holz: nachhaltig oder klimaschädlich?

Wer mit Holz heizt, nutzt eine nachhaltige Energiequelle – so der allgemeine Tenor. Aber stimmt das wirklich? Greta Thunberg, verschiedene Umweltverbände und auch die Wissenschaft weisen auf negative Klimaeffekte durch das Verbrennen von Holz hin. Eine Spurensuche.

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Nahaufnahme eines brennenden Holzscheits

Das Heizen mit Holz gilt allgemein als CO2-neutral und klimaschonend, solange die verwertete Holzmenge wieder nachwächst oder aufgeforstet wird. Auch in der Schweiz setzt man bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung auf Holzfeuerungen und fördert diese über das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Tatsächlich verfügt der Energieträger Holz über einige Vorteile. Er wächst nach und bindet dabei wieder CO2. Er ist in der Schweiz regional verfügbar und muss nicht über weite Strecken transportiert werden. Und er schafft Arbeitsplätze in Randregionen.

Allerdings hat die Nutzung von Holz als Energieträger auch einige potenziell negative Auswirkungen, die es zu beachten gilt. Nicht nur für das Klima, sondern auch für die Gesundheit.

Die Feinstaub-Gefahr

Holz gibt beim Verbrennen Partikel verschiedenster Art ab, darunter sogenannten Feinstaub. Dazu gehören Russ, organische Verbindungen (Teer) sowie mineralischer Feinstaub. Während Letzterer für die Gesundheit als weniger heikel eingeschätzt wird, sind Russ und organische Verbindungen sehr schädlich. Es gibt im Wesentlichen zwei Ansätze, um die Feinstaub-Emissionen beim Heizen mit Holz zu reduzieren.

Richtig anfeuern

Feinstaub entsteht hauptsächlich dann, wenn das Holz unvollständig verbrennt. Die Gründe dafür sind zu viel Verbrennungsluft, zu wenig Verbrennungsluft oder die Kühlung der Flamme. Beheben lassen sich diese Probleme weitgehend, wenn korrekt angefeuert wird. Dazu sollte man anstelle von Papier ein Anfeuermodul (siehe Video) einsetzen. Zudem entsteht weniger Feinstaub, wenn das Holz möglichst nahe am Rauchabzug entzündet wird. Bei kleinen und mittleren Holzöfen liegt er in der Regel oben, folglich muss der Holzstoss auch oben angezündet werden. Der Vorteil: So durchströmen die Rauchpartikel die Flamme und werden verbrannt, bevor sie in den Kamin gelangen.

Filter einsetzen

Seit den 1980er-Jahren wurden die Vorschriften der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) immer wieder verschärft, nicht zuletzt die Vorgaben für Holzfeuerungen. Seit rund zehn Jahren gelten für Anlagen mit einer Leistung von über 70 kW Feinstaub-Grenzwerte, die nur mit dem Einsatz eines Partikelfilters erreicht werden können. Zudem gilt seit 2018 gemäss LRV die Vorschrift, dass der Filter in 90 Prozent der Zeit, in der eine Holzfeuerung in Betrieb ist, ebenfalls aktiv sein muss. Die Filter halten im Schnitt rund 70 Prozent des Staubs in der Abluft zurück.

Dank der verschärften Vorschriften konnten die gesamten Feinstaubemissionen in der Schweiz deutlich reduziert werden. Innerhalb der letzten knapp 30 Jahre gingen sie von 6500 Tonnen auf 2000 Tonnen pro Jahr zurück, obwohl die jährlich verbrannte Holzmenge im selben Zeitraum von 3,2 auf 5,6 Millionen Kubikmeter anstieg. Korrekt betriebene Holzfeuerungen mit Filter sind heute keine Gefährdung mehr für die Gesundheit.

Klimaschädlicher Russ

Der beim Verbrennen von Holz entstehende Russ kann nicht nur für die Gesundheit schädlich sein, sondern wie CO2 auch das Klima beeinflussen. Grundsätzlich können Aerosole – also extrem kleine Partikel in der Luft – Sonnenstrahlen abweisen respektive streuen oder absorbieren (siehe Grafik). Beim Streuen kühlt sich die Umgebungsluft ab, beim Absorbieren erwärmt sie sich. Die hauptsächlich aus Kohlenstoff bestehenden Aerosole respektive Russpartikel absorbieren in der Atmosphäre oder auf Schnee- und Eisflächen die kurzwellige Strahlung der Sonne und tragen so zur Klimaerwärmung bei.

Während gewisse Partikel in der Atmosphäre die Sonnenstrahlung streuen und so zu einer Abkühlung führen (a und b), absorbieren andere Partikel (z. B. Russ) die Strahlung und erwärmen so die Atmosphäre. Eine lokale Abkühlung ist möglich (c), über die Zeit verteilt sich aber die Wärmeenergie (d) auf Oberfläche und Atmosphäre. (Grafik: 5. IPCC Report)

Zudem hat Russ auch einen indirekten Klimaeinfluss, weil er einem Alterungsprozess unterworfen ist. Gemeint sind damit chemische Reaktionen, beispielsweise durch die Verbindung mit Ozon oder Schwefelsäure. Gemäss einer Studie der ETH Zürich beeinflussen die chemisch veränderten Russpartikel unter anderem die Wolkenbildung, was je nach Temperatur und Höhe in der Atmosphäre zur Klimaerwärmung beitragen kann.

Russ hat verschiedene Quellen

Wenn Holz verbrannt wird und dabei Russ in die Atmosphäre gelangt, trägt dies also in mehrfacher Hinsicht zur Klimaerwärmung bei. Ist es unter diesem Gesichtspunkt nicht widersprüchlich, dass hierzulande Holzheizungen durch den Bund gefördert werden? Nein, sagt Sabine Hirsbrunner, Mediensprecherin des Bundesamts für Energie (BFE). Durch den Einsatz von Filtern würden moderne Holzfeuerungen kaum noch Feinstaub in die Luft emittieren. Der Russ, der heute in die Atmosphäre gelange, stamme daher kaum vom Heizen mit Holz. «Vielmehr sind es beispielsweise Waldbrände, Brandrodungen oder auch Vulkanausbrüche, die grosse Mengen Russ verursachen», erklärt Hirsbrunner.

Es sind Waldbrände, Brandrodungen oder auch Vulkanausbrüche, die grosse Mengen Russ verursachen.

Ist Holz gar nicht CO2-neutral?

Im Gegensatz zu Feinstaub und Russ wird das beim Verbrennen von Holz entstehende CO2 nicht durch Filter abgeschieden, sondern gelangt in die Atmosphäre. Dort trägt es bekanntlich zur Klimaerwärmung bei. Allerdings wächst Holz im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen rasch wieder nach und nimmt dabei CO2 aus der Luft auf. Solange nicht mehr Holz verbrannt wird, als gleichzeitig nachwächst, ist der Kreislauf CO2-neutral – so zumindest die gängige Meinung.

Kritik aus der Wissenschaft

Im Februar 2021 verschickten mehr als 500 Wissenschaftler einen offenen Brief an die EU-Kommission und verschiedene Staatsoberhäupter. Darin forderten sie die Politikerinnen und Politiker auf, Subventionen für das Verbrennen von Holz zu beenden. Sie argumentierten, dass Holz kein wirklich CO2-neutraler Energieträger sei. Die Forschenden begründeten dies mit der zeitlichen Verzögerung, mit der nachwachsendes Holz dieselbe Menge CO2 aufnimmt, die ein zuvor verbrannter Baum freigesetzt hat. Aus ihrer Sicht können wir es uns angesichts des fortschreitenden Klimawandels nicht leisten, heute weiteres CO2 freizusetzen, das erst in Jahrzehnten wieder in Biomasse eingebunden sein wird. Auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg und verschiedene Umweltverbände schlossen sich der Forderung der Forschenden an.

Den Wald als Gesamtsystem betrachten

Andreas Keel, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, schätzt das ganz anders ein. «Die Argumentation, Holz sei nicht CO2-neutral, stimmt nur, wenn man den einzelnen Baum betrachtet. Doch der Wald ist ein Gesamtsystem – und wenn man in dieser Grössenordnung denkt, ist die Argumentation falsch.» Keel weist auch darauf hin, dass sich Energieholz aus qualitativen Gründen nicht für andere Zwecke verwenden lässt. Es sei also keinesfalls so, dass man dieses Holz durch das Verbrennen anderen Nutzungen wegnehme. Ausserdem gibt der Experte zu bedenken, dass Bäume nicht ewig leben – sie sterben irgendwann ab und geben beim Fäulnisprozess das gespeicherte CO2 ab. «Wenn die Nutzung von Energieholz verboten wird, überaltern unsere Wälder und werden für kommende Generationen erst recht zu CO2-Quellen und damit zum Problem», sagt Keel.

In der Schweiz nachhaltig

In der Schweiz ist im Waldgesetz vorgeschrieben, dass die Waldfläche nicht abnehmen darf, dass also nur die jeweils nachgewachsene Holzmenge geerntet werden darf. In anderen Teilen der Welt ist dies leider keineswegs der Fall, dort wird für die Gewinnung von Anbauflächen und Energieholz Wald gerodet und nicht mehr ersetzt. Das ist extrem klimaschädlich: Durch das Verbrennen des Holzes gelangt viel CO2 in die Atmosphäre und gleichzeitig verkleinert sich die Waldfläche, die CO2 aufnehmen kann. Vor diesem Hintergrund kann Andreas Keel die Forderungen der Wissenschaftler nachvollziehen. Er plädiert aber dafür, genauer zu differenzieren.

Warum sollen wir in der Schweiz auf einen nachwachsenden Energieträger verzichten, nur weil anderswo auf der Welt der Wald nicht nachhaltig bewirtschaftet wird?

Andreas Keel, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz

Fazit: Mit Filter noch vertretbar

Ist das Heizen mit Holz nun klimaschädlich oder nicht? Klar ist: Wenn Holz verbrannt wird, entstehen Emissionen, die für das Klima und die Gesundheit potenziell schädlich sind. Russ und Feinstaub lassen sich in modernen, korrekt betriebenen grossen Holzfeuerungen vermeiden und herausfiltern – im Schwedenofen, in der Stückholzheizung und im Cheminée aber nicht.

CO2 kann durch Wiederaufforstung erneut in Biomasse eingebunden werden. Beim Schweizer Energieholz funktioniert dies derzeit noch, auch wenn die Schweiz insgesamt rund 25 Prozent mehr Holz verbraucht, als der heimische Wald hergibt. Daher darf man Schweizer Holz vorläufig noch als CO2-neutralen Energieträger bezeichnen.

Ein Bagger beim Roden eines Waldes
Wird Wald abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet, ist Holz kein CO₂-neutraler Energieträger mehr. (Foto: Pixabay/bones64)

Sorge tragen zum Wald

Aus globaler Sicht sollte man Holz allerdings nicht generell als klimaneutral und nachhaltig bewerten, wie das beispielsweise die EU macht. Wenn nämlich im Zuge der Dekarbonisierung ein fossiler Energieträger durch Holz ersetzt wird, dieses jedoch aus dem Ausland importiert werden muss, ist die Sinnhaftigkeit zweifelhaft. Dies gilt umso mehr, wenn der gerodete Wald nicht wieder aufgeforstet wird, wie dies beispielsweise mit Wäldern in Osteuropa oft geschieht. Eindeutig verkehrt ist es, wenn statt Holz ein potenziell CO2-freier Energieträger zum Einsatz kommen könnte, eine mit erneuerbarem Strom betriebene Wärmepumpe beispielsweise. Zum Wald als wertvolle CO2-Senke müssen wir Sorge tragen – nicht nur in der Schweiz, sondern rund um den Globus.

 

 


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