Klimaanlagen: Kühlen mit Köpfchen wird normal

Hitzewellen und heisse Städte machen aus dem Luxus des Kühlens eine Notwendigkeit. Wer eine effiziente Klimaanlage mit Solarstrom aus der Nähe kombiniert, kann guten Gewissens kühlen, ohne die Stadt wesentlich aufzuheizen.

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Klimaanlage an Fassade unterhalb PV-Dach

Noch vor wenigen Jahren galt die Klimaanlage in weiten Teilen Europas und auch in der Schweiz als verschwenderischer Luxus – laut, stromhungrig und irgendwie untypisch. Doch die Abwehrreflexe werden schwächer: Hitzewellen mit Temperaturen über 35 Grad, überhitzte Innenstädte und Baumärkte, die keine mobile Klimaanlage mehr liefern können, zeigen, dass aktive Kühlung einen Boom erlebt. Die Frage ist oft nicht mehr, ob man eine Klimaanlage einsetzt, sondern wie man das sinnvoll tut.

Vom Tabu zum Alltagsbedarf

In Europa tobt seit diesem Sommer ein regelrechter Kulturkampf um die Klimaanlage: Einzelne Medien werfen den Kritikern Angst vor der Technik vor, während Fachleute darauf hinweisen, dass eine Klimaanlage im Grunde nichts anderes ist als eine Luft-Luft-Wärmepumpe – also genau jene Technologie, die beim Heizungsersatz gefördert wird. Wenn da nur nicht der zusätzliche Energieverbrauch wäre. Aber: Klimaanlagen sind kein Tabu mehr. Nach zwei Hitzewellen mit fast 40 Grad bereits vor Sommerbeginn sind mobile Geräte grösstenteils ausverkauft, und selbst Kritiker der technischen Aufrüstung anerkennen heute den Bedarf für aktive Kühlung, beispielsweise in Spitälern, Heimen und Schulen. Auch in der Schweiz zeigt sich der Wandel deutlich: Klimatechniker sind über mehrere Wochen ausgebucht, und viele Hauseigentümer lassen ihre Anlage lieber gleich ohne Bewilligung installieren, weil ihnen das Baugesuch zu aufwändig ist.

Hitze in der Stadt ist real

Dass es heisser wird, ist keine Einbildung. Europäische Grossstädte wie Paris oder London verzeichnen seit der Jahrtausendwende deutlich mehr Tage über 30 Grad als noch in den Jahrzehnten zuvor – eine Entwicklung, die sich mit fortschreitendem Klimawandel verschärft. Wenn die Temperaturen nun mehrere Tage lang auf über 40 Grad steigen, wird es unerträglich.

Auch die Schweiz ist betroffen: Immer längere Hitzeperioden führen dazu, dass sich Wohnräume, vor allem in dicht bebauten und schlecht durchlüfteten Quartieren, kaum mehr ohne technische Hilfen abkühlen lassen. Für Ältere, Kranke und Kinder ist das mehr als unangenehm: Hitzewellen fordern in Europa heute mehr Todesopfer als alle anderen Naturkatastrophen zusammen. Allein in Deutschland sind 2026 schätzungsweise bereits über 5000 Menschen als Folge von Hitze verfrüht verstorben. Wer der Hitze dank einer Klimaanlage weniger ausgesetzt ist, ist bei solchen Wetterlagen deutlich besser geschützt.

Fussgängerzone mit Passanten und Restaurantgästen, dazwischen Wassernebel)
In dicht bebauten Quartieren wie hier in Budapest kühlt es nachts kaum mehr ab – punktuell sorgt das Versprühen von Wasser für Linderung. (Foto: csikiphoto/Shutterstock)

Genug Strom ist da, wenn die Sonne brennt

Früher galten Klimaanlagen als Stromverschwendung, doch heute ist die Situation eine andere. Genau dann, wenn Klimaanlagen am meisten leisten müssen, gibt es genügend günstigen Strom. Photovoltaikanlagen produzieren ihn an sonnigen Sommertagen im Überfluss. Eine Kombination aus Photovoltaik und Split-Klimaanlage lässt sich so weitgehend CO2-neutral und kostengünstig betreiben. Bereits mit Plug-and-Play-Solaranlagen kann Sonnenenergie einfach und günstig genutzt werden.

Klimaanlagen als flexible Last

Klimaanlagen zählen theoretisch zu den idealen «flexiblen Lasten» eines modernen Stromsystems: Läuft die Anlage tagsüber mit eigenem Solarstrom, kann sie nachts ausgeschaltet bleiben. Auch fürs Netz ist das sinnvoll: Wer den eigenen Strom direkt verbraucht, statt ihn einzuspeisen, entlastet die Leitungen, ganz ähnlich wie beim Laden eines Elektroautos oder eines Batteriespeichers zur Mittagszeit. Voraussetzung ist allerdings, dass die Anlagen gezielt gesteuert werden. Wer abends heimkommt und die Klimaanlage einschaltet, wenn die Sonne schon tief am Horizont steht oder untergegangen ist, trägt zu hohen Börsenstrompreisen bei.

Mobile Geräte: einfacher Einstieg mit Kompromissen

Für alle, die schnell und ohne Bewilligung reagieren wollen, sind mobile Monoblock-Klimageräte die naheliegende Wahl. Sie stehen – solange sie nicht ausverkauft sind – in jedem grösseren Elektro- oder Baumarkt bereit, kosten oft nur ein paar Hundert Franken und lassen sich ohne bauliche Massnahmen sofort aufstellen. Durch die Bauart bedingt holt man sich aber auch ein paar Nachteile ins Haus.

Mobile Klimaanlage in einer Altbauwohnung
In heissen Wohnungen oft die einzige Möglichkeit, um für Abkühlung zu sorgen: eine mobile Monoblock-Klimaanlage. (Foto: Gautier Normand / Shutterstock)

Physikalische Grenzen des Monoblocks

Technisch haben die kompakten Geräte ihre Grenzen: Über einen Abluftschlauch wird warme Luft nach aussen geführt, was in der Wohnung einen Unterdruck erzeugt. Warme Luft von draussen findet zum Ausgleich ihren Weg in die Wohnung, selbst wenn eine Abdichtung des Fensterspalts mit installiert wird.

Zudem ist die Leistung der mobilen Geräte beschränkt und reicht in der Regel nur für einen Raum. Ein Klimatechniker bringt es auf den Punkt: Bei einer mobilen Anlage stelle man 16 Grad ein und kühle die Wohnung tatsächlich nur um wenige Grad herunter, während eine Split-Anlage die eingestellte Temperatur auch wirklich erreiche.

Der Stromverbrauch liegt bei mobilen Geräten typischerweise 30 bis 70 Prozent höher als bei einer modernen Split-Anlage. Für den kurzfristigen Einsatz an einzelnen Hitzetagen sind Monoblock-Geräte trotzdem eine legitime Lösung.

Zubehör zur Effizienzsteigerung

Um das Problem der nachströmenden Aussenluft zumindest im gekühlten Zimmer zu verringern, gibt es diverse Lösungen: Vom einfachen Tuch, das den Lufteintritt reduziert, bis zu fixen Konstruktionen aus Holz oder hartem Kunststoff, welche die Fensteröffnung etwas abdichten und über einen Anschluss für den Abluftschlauch verfügen. Damit lässt sich das Maximum herausholen aus einer nicht optimalen Lösung. Der Unterdruck wird trotzdem ausgeglichen, und oft ist es dem Zufall überlassen, ob die Aussenluft beispielsweise von der sonnigen Fassade über den Dunstabzug hereinkommt oder vom kühlen Treppenhaus durch einen Türspalt.

Abdichtungen aus Polykarbonat bzw. Stoff
Fensterabdichtungen sind eine der Methoden, um die Defizite einer Monoblock-Klimaanlage zu mildern. (Fotos: Scharfsinn bzw. MarijaBazarova / beide Shutterstock)

Mobile Split-Geräte als Mittelweg für Mieterinnen und Mieter

Wer zur Miete wohnt, steht oft vor einem Dilemma: Eine fest installierte Split-Klimaanlage braucht eine Bohrung durch die Wand und damit die Zustimmung der Vermieterschaft, die längst nicht immer erteilt wird. Kommt dazu, dass die Installation die Finanzen merklich belastet. Ein klassisches Monoblock-Gerät wiederum lässt sich zwar ohne Bewilligung aufstellen, kühlt aber wenig effizient und braucht deutlich mehr Strom.

Dazwischen positionieren sich seit Kurzem mobile Split-Geräte. Deren Innenteil steht wandnah im Raum, das kompakte Aussenteil wird auf einer Fensterhalterung oder auf dem Balkon platziert – verbunden durch eine flache Leitung für das Kältemittel. Weil alles fixfertig vormontiert ist und ein Fenster genutzt wird, geht das ohne Bohren und ohne professionelle Installation.

Mobile Split-Klimaanlage als Ausweg für ein Geschäft, dem eine fixe Installation nicht erlaubt wurde. (Foto: Thomas Elmiger)

Technisch bringt das Split-Prinzip spürbare Vorteile gegenüber dem Monoblock: Weil die Wärme direkt vom Aussenteil abgeführt wird statt über einen Abluftschlauch, entsteht kein Unterdruck im Innenraum. Das zahlt sich bei der Effizienz aus, Hersteller geben für solche Geräte SEER-Werte an, die auf dem Niveau fest installierter Split-Anlagen liegen.

Ohne Kompromisse geht es aber auch hier nicht: Die Geräte sind mit rund 20 bis 30 Kilogramm für das Gerät im Gebäudeinnern recht schwer, wirklich mobil sind sie nicht. Wer mehrere Räume kühlen will, braucht mehrere Geräte. Der Preis für eine effiziente mobile Split-Klimaanlage von 1000 bis 1500 Franken liegt deutlich über einem einfachen Monoblock-Gerät, aber ebenfalls deutlich unter einer fest montierten Anlage samt Installation. Für Mietwohnungen, in denen eine fest eingebaute Lösung meist ausser Frage steht, sind sie aktuell die praktikabelste Möglichkeit, von der Effizienz einer Split-Anlage ohne Bewilligungsverfahren zu profitieren.

Die Kehrseite: zusätzliche Abwärme in der Stadt

Wenn sich nun die Erkenntnis durchsetzt, dass aktive Kühlung in gewissen Situationen unumgänglich ist, heisst das nicht, alle Bedenken über Bord zu werfen. Jede Klimaanlage führt der Aussenluft die Wärme zu, die aus dem Innenraum entfernt wird, in dicht bebauten Strassenzügen kann das die nächtlichen Temperaturen spürbar erhöhen.

Fachleute sprechen von einer möglichen Fehlanpassung an den Klimawandel, wenn Kühlung allein auf Kosten der Umgebung geht. Die Grössenordnung ist jedoch begrenzt: Modellrechnungen zu einer Hitzewelle mit sehr breiter Nutzung von Klimaanlagen in Paris zeigen einen Temperaturanstieg im Aussenraum von rund 2 Grad. Das ist unangenehm, aber deutlich weniger als der Unterschied von bis zu 20 Grad zwischen einer asphaltierten Fläche und einer Grünfläche. Städte können deshalb zur Bewältigung von Hitzeperioden nicht allein auf Klimaanlagen setzen. Begrünung, Beschattung und entsiegelte Flächen bleiben mindestens so wichtig, um ganze Quartiere kühler zu halten.

Die Alternative: Wärmepumpe statt Klimaanlage

Wer bereits eine Wärmepumpe besitzt, muss für die Kühlung oft gar kein zusätzliches Gerät kaufen. Denn eine Wärmepumpe funktioniert im Prinzip wie eine Klimaanlage, nur umgekehrt betrieben. Ob und wie gut das klappt, hängt vom Gebäude und vom Heizsystem ab.

Fazit: Effizient nutzen heisst klug einsetzen

Klimaanlagen sind kein Symbol für Verschwendung mehr, sondern ein Werkzeug, um mit dem Klimawandel zurechtzukommen – vorausgesetzt, man setzt sie klug ein. Wer kann, kombiniert eine effiziente Split-Klimaanlage mit Strom aus Photovoltaik, kühlt nicht unnötig weit herunter (24 bis 25 Grad reichen meist) und lässt das Gerät gezielt dann laufen, wenn die Sonne ohnehin Strom liefert.

Wer noch keine Bewilligung für eine fix installierte Anlage hat, kann mit einem mobilen Monoblock- oder Split-Gerät überbrücken, im Wissen um die Nachteile, die damit verbunden sind.

Daneben gilt es, die klimaangepasste Siedlungsentwicklung zu fördern, die zusätzlich auf Bäume, Grünflächen, Schatten und helle Fassaden setzt, so dass die Zahl der zwingend notwendigen Klimaanlagen nicht zu schnell wächst.