Luft-Luft-Wärmepumpen: Heizen mit Klimageräten

Es sind noch immer viele ineffiziente Elektroheizungen im Einsatz. Als günstige Alternative bieten sich Luft-Luft-Wärmepumpen an, also Klimaanlagen. Was ist dabei zu berücksichtigen?

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Auf dem Boden des Wohnzimmers, an der Wand neben der Terrassentüre, steht ein Klimagerät – ein schlichter weisser Kasten mit Gitter und ein paar Schlitzen.

Das Einsparpotential durch den Ersatz von Elektro-Direktheizungen mit erneuerbaren Heizsystemen ist gross. Eine ausserordentlich wirkungsvolle Heizlösung ist in der Schweiz noch weitgehend unbekannt: Klimageräte. Im Grunde sind es Wärmepumpen, die mehr als dreimal so viel Wärme pro kWh Strom produzieren wie Elektro-Heizungen und Elektro-Öfeli. Andere Länder nutzen diese kostengünstige Art zu heizen schon intensiv.

Ein Beitrag von Eric Bush und Steffen Hepp

Mit Klimageräten Elektro-Heizungen ersetzen

EKZ hat dieses grosse Stromsparpotential erkannt und bereits im Jahr 2020 Topten mit Vorstudien beauftragt. Im Mai 2024 wurde nun gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie BFE ein Projektbericht veröffentlicht, der die Einsatzmöglichkeiten sowie Stärken und Schwächen der Klimageräte zum Heizen beschreibt.

Der Ersatz von Elektroheizungen ist oft sehr teuer, wenn dazu ein Wärmeverteilsystem mit Radiatoren oder Fussbodenheizung installiert werden muss. Als Alternative gibt es eine bereits millionenfach bewährte und kostengünstige Technologie: Viele neue Klimaanlagen haben einen Heizmodus. Wenn die Wärme direkt mit Einzelgeräten in die Zimmer geführt wird, lassen sich die hohen Kosten und die graue Energie für eine wasserführende Wärmeverteilung einsparen.

Luft-Luft-Wärmepumpen

Mit der Studie von Topten, EKZ und BFE wurden die Einsatzmöglichkeiten sowie die Stärken und Schwächen von Klimageräten zum Heizen untersucht. Hierzu wurden sowohl Marktrecherchen zu Klimageräten durchgeführt als auch Fallbeispiele von Gebäuden untersucht, welche bereits mit Klimageräten beheizt werden. Im Fokus standen Fragen zu Wirkungsgrad, Wärmeverteilung, Komfort und Lärm.

Zu beachten ist, dass ausschliesslich Split-Klimageräte heizen können. Split-Klimageräte bestehen aus mindestens zwei Teilen:

  • Die Ausseneinheit mit dem Kompressor wird in der Regel an der Fassade angebracht.
  • Ein oder mehrere Innenteile in den Zimmern bringen die Raumluft mit dem Kältemittel vom Aussengerät auf die gewünschte Temperatur und verteilen sie im Innenbereich.

Mobile Geräte oder Kompaktgeräte ohne Aussenteil haben keinen Heizmodus und sind auch zum Kühlen sehr ineffizient. Mehr dazu im Beitrag «Fünf Tipps gegen Hitze im Büro und im Haus».

Ein Chalet mit Balkon, hinter dessen Geländer ist ein technisches Gerät von aussen kaum zu sehen
Der Aussenteil auf dem Balkon verändert das Erscheinungsbild dieses traditionellen Holzbaus nicht. (Foto: Topten)

Wo gibt es gute Klimageräte zum Heizen?

Heute können die meisten Split-Klimageräte nebst kühlen auch heizen. Die wichtigsten Eigenschaften der Klimageräte sind auf der Energieetikette deklariert. Links sind die Eigenschaften im Kühlmodus beschrieben, rechts jene im Heizbetrieb.

Energieetikette für Klimageräte: Gute Modelle erreichen beim Heizen die Energieklasse A++ oder A+++. (Fotomontage: EnEx)

Gute Geräte erreichen beim Heizen die Energieklasse A++ oder A+++. Interessant ist die Heizleistung in kW sowie der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance), der angibt, um welchen Faktor im Jahresschnitt die Wärmeabgabe höher ist als die zugeführte elektrische Energie. Modelle der Klasse A++ geben mehr als 4,6 mal so viel Wärmeenergie ab als sie in Form von Strom beziehen. Mehr Details zur Energieetikette finden Sie im Faktenblatt von EnergieSchweiz (PDF).

Innenteil: Vorteile im Heizbetrieb für Truhengeräte

Besonders effiziente Klimageräte sind auf Topten gelistet. Dabei sind zwei Typen von Innenteilen gebräuchlich:

  • Zum Heizen können Truhengeräte, welche auf dieser Topten-Liste aufgeführt sind, Vorteile haben: Die warme Luft wird unten ausgeblasen, und die Truhenoberfläche wird ebenfalls warm, wie man es von einem Heizkörper gewohnt ist (Strahlungswärme). Sie passen oft optisch an den Ort, wo die Elektroheizung vorher war. Zudem können sie nahezu geräuschlos betrieben werden.
  • Geräte für die Wand- oder Deckenmontage belegen dafür keine Bodenfläche und lassen sich gut in den Wohnraum integrieren. Die effizientesten Geräte sind auf dieser Topten-Liste

Letztlich gilt es bei der Gerätewahl, die Platzverhältnisse, die benötigte Wärmemenge und andere Faktoren passend aufeinander abzustimmen.

In der Ecke eines Balkons aus Holz steht ein Gerät mit mehreren Leitungen, die in die Holzwand des Gebäudes führen; ein zweites Foto zeigt das schlanke Innengerät, das unter dem Fenster neben einem Tisch steht.
Aussenteil und Innenteil in Form eines Truhengeräts. (Fotos: Topten)

Was zeigen die Praxis-Beispiele?

Die Auswertung von einem Dutzend Fallbeispielen ergab, dass die Nutzer ausnahmslos mit der Heizlösung mittels Klimageräten zufrieden waren. Insbesondere die Heizleistung, Behaglichkeit und geringe Schallemissionen wurden positiv bewertet.

Heizleistung, Behaglichkeit und geringe Schallemissionen wurden positiv bewertet.

Es zeigte sich, dass diese Heizlösung nicht nur in Ferienhäusern, sondern auch in vielen anderen Bereichen erfolgreich eingesetzt wird, etwa in Einfamilienhäusern, Gewerberäumen, Minergie-Bauten und generell für temporäre Nutzungen. Klimageräte zum Heizen haben insbesondere bei Bauten mit geringem Heizenergiebedarf deutlich tiefere Investitionskosten als konventionelle Wärmepumpen, womit sich neue Anwendungsgebiete eröffnen. Die Baubewilligungen für die Klimageräte zum Heizen wurden in den Fallbeispielen genau gleich behandelt wie jene konventioneller Wärmepumpen und waren ohne Probleme erhältlich.

Schlankes, elegantes Klimagerät an weiss gestrichener Backsteinwand über einem gelben Zweiersofa
Wandgeräte für die Innenräume werden üblicherweise unter der Decke montiert. (Foto: iStock/LightFieldStudios)

Investitionskosten im Vergleich

Die folgenden Tabellen zeigen typische Investitionskosten für wichtige Heizsysteme inklusive Planung, Baugesuch, Installation und Inbetriebnahme. Die Ausgangslagen sind äusserst unterschiedlich, vielfältige Randbedingungen können ausschlaggebend sein, welche Heizsysteme infrage kommen und wie hoch die Investitionen ausfallen.

Bei Wärmepumpen ist die Aufbereitung des Warmwassers oft integriert, bei Klimageräten ist dies eher unüblich. Für den Ersatz eines Elektroboilers durch einen Wärmepumpenboiler rechnen wir mit 6000 Franken. Eine Wärmepumpe, welche die Warmwasseraufbereitung beinhaltet, verursacht etwa die gleichen Mehrkosten von 6000 Franken.

Objekt Wärmepumpe (Geräte) Investition CHF
Kleines Ferienhaus 1 aussen, 1 innen 8’000
Grosses Ferienhaus 1 aussen, 4 innen 25’000
Einfamilienhaus 2 aussen, 5 innen 35’000
evtl. WP-Boiler Speicher 400 l 6’000
WP-Boiler: Wärmepumpenboiler (separate Warmwasser-Wärmepumpe)
Projekt Wärmepumpe mit Wärmeverteilung Investition CHF
Wärmepumpe 50’000
Wärmeverteilung 15’000
4 Radiatoren 10’000
Total 75’000
Mittlere Wärmepumpe 10 kW (entspricht rund 2'800 Liter Ölverbrauch) inkl. 400 l Boiler, schlüsselfertig nach WPSM

Sparpotentiale beim Ersatz von Elektroheizungen

Oft wird vermutet, dass die Mehrheit der Elektroheizungen in Zweitwohnungen in Gebrauch sei. Tatsächlich gibt es aber viele weitere Einsatzgebiete von Elektroheizungen. Allein im Versorgungsgebiet der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) waren im Jahr 2020 noch 10’000 Elektroheizungen mit einem Energieverbrauch von rund 140 Millionen Kilowattstunden in Betrieb. Im Kanton Zürich werden nicht wie in anderen Kantonen vorwiegend Zweitwohnungen, sondern auch sehr viele Einfamilienhäuser mit Elektroheizungen beheizt.

Vergleich der Stromkosten über 15 Jahre

Wärmebedarf Stromverbrauch Elektroheizung kWh/Jahr Stromkosten Elektroheizung CHF/Jahr Einsparung Wärmepumpe kWh/Jahr Einsparung Wärmepumpe CHF/Jahr Einsparung in 15 Jahren total CHF
sehr hoch 30’000 9’000 20’000 6’000 90’000
hoch 20’000 6’000 13’300 4’000 60’000
mittel 15’000 4’500 10’000 3’000 45’000
tief 10’000 3’000 6’700 2’000 30’000
sehr tief 5’000 1’500 3’300 1’000 15’000
Berechnet mit einem Strompreis von 30 Rp./kWh

Mobile Heizungen ebenfalls ersetzen

Ein weiterer wichtiger Faktor sind mobile Elektroheizungen, welche in den Statistiken fehlen, aber ebenfalls viel elektrische Energie benötigen. So kommen Luft/Luft-Wärmepumpen auch in Betracht für Räume, die nicht permanent warmgehalten werden müssen, wie Werkstatt, Hobbyraum, Atelier, temporäre Unterrichtsräume, Gästezimmer, ein Yoga-Studio oder nur gelegentlich belegte Sitzungszimmer.