Loderndes Kaminfeuer in einem Cheminée in einer getäferten Stube.
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Mit dem Cheminée die Seele wärmen und die Umwelt schonen

In der Schweiz sind Menschen kaum mehr auf das Heizen mit Holz angewiesen. Das Kaminfeuer jedoch hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Doch das gemütliche Feuer schadet Mensch und Umwelt, wenn man die Regeln nicht kennt – und einhält. Eine Forschergruppe aus Schweden hat untersucht, aus welchen Gründen sich die Menschen auch in einem energiereichen Land weiterhin an Cheminée und Kachelofen wärmen, welche Gefühle sie damit verbinden und wie gross ihre Bereitschaft ist, umwelt- und gesundheitsschonend vorzugehen.

Ümit YokerÜmit Yoker5 min

Wenn die Tage kürzer und kälter werden, wächst die Sehnsucht nach einem gemütlichen Zuhause. Bodenheizung und Minergie-Standard sorgen zwar zuverlässig dafür, dass wir nicht an die Füsse frieren. Die Seele jedoch wärmen sie nicht immer ebenso erfolgreich. Der Klassiker für wohlige Winterabende bleibt das Cheminée. Das Feuern zu Hause ist aber nicht unumstritten:

Welche Folgen das Feuermachen für Umwelt und Gesundheit hat, hängt wesentlich davon ab, ob man die Regeln kennt – und einhält.

Aus welchen Gründen genau denn Menschen in energiereichen Ländern mit Cheminée, Holz- oder Kachelofen heizen, untersuchten die Wissenschaftler Bodil Karlsson, Maria Håkansson, Jonas Sjöblom und Henrik Ström kürzlich am Beispiel von Schweden. Sie liessen dazu knapp 150 Frauen und Männer online einen Fragebogen ausfüllen, in dem es um Motive, aber auch um Gefühle, Wissen und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Feuermachen ging.

Wenn Flammen für Entspannung sorgen

Die Befragung zeigte: Cheminée und Co. sollen zu Hause für zusätzliche Wärme sorgen, ganz klar. Nicht wenige erhoffen sich zudem, Heizkosten zu sparen und für einen Stromausfall gewappnet zu sein. Der am häufigsten genannte Grund jedoch ist der Wunsch, eine heimelige Atmosphäre zu schaffen. Es ergab sich die folgende Reihenfolge an Gründen zum Feuern:

  1. Gemütlichkeit
  2. Wärme
  3. Heizkosten sparen
  4. Sicherheit (Stromausfall)

Die Forscher beschreiben das Feuermachen in ihrer Studie in der Fachzeitschrift Energy Research & Social Science als einen Prozess der Gefühlsregulierung. Man will aktiv auf seine Emotionen Einfluss nehmen:

Vom Blick in die Flammen, dem angenehmen Knistern und dem warmen Licht erhoffen sich die Befragten (zu Recht), dass Stress und Unmut eines garstigen Wintertages abfallen und Gefühlen von Harmonie und Ruhe weichen.

Wie ungesund ist der Rauch eines Feuers?

Beim korrekten Verhalten rund ums Feuermachen zeigten sich einige Unsicherheiten:

  • Ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermag nicht mit Sicherheit zu sagen, ob man ein Feuer von oben entfachen sollte.
  • Jede vierte Person weiss zudem nicht, ob durchsichtiger Rauch schädlich oder unbedenklich ist.

Die Farbe des Rauchs gebe wichtige Hinweise auf die Emission von Feinstaub, doch die Interpretation dieses Faktors sei relativ komplex, geben die Forscher zu bedenken. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je undurchsichtiger der Rauch, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass damit auch gesundheitsgefährdender Feinstaub in die Luft gerät.

Die Autoren stellten aber auch fest: Es ist eine grosse Bereitschaft vorhanden, mehr darüber zu erfahren, wie man umwelt- und gesundheitsschonend ein Feuer macht und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen.

Grosse Bereitschaft zur Veränderung: Wo Feuer ist, muss kein Rauch sein

Dieses Ergebnis bestätigt, was die vier Wissenschaftler von Anfang an vermutet hatten: Wer aus emotionalen Motiven ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt, ist in der Regel eher zu Veränderungen bereit, als wer aus Gewohnheit oder Notwendigkeit handelt. Das zeigen gemäss den Autoren auch psychologische Studien zur Nutzung des Autos: Dort sind Freizeitausflüge oft eine erfolgsversprechendere Gelegenheit, um ein neues Mobilitätsverhalten auszuprobieren als etwa der Arbeitsweg, wo Gefühle eine geringere Rolle spielen als Gewohnheiten. Für die Untersuchung aus Schweden heisst das: Wem das Kaminfeuer nicht primär als Heizquelle dient, sondern der Entspannung und Regenerierung, dürfte auch eher dazu bereit sein, sich ein umweltfreundlicheres Vorgehen anzueignen – selbst dann, wenn einem die Reduktion von Feinstaub gar nicht unbedingt ein grosses Anliegen ist.

Wenn sich die Sonne rar macht, steigt das Bedürfnis nach natürlichem Licht

Schweden oder die Schweiz sind – im Gegensatz zu vielen Entwicklungsländern – heute kaum mehr auf das Heizen mit Holz angewiesen. Darf man da überhaupt noch guten Gewissens ein Kaminfeuer machen, wenn man die potenziellen Nachteile des Feuermachens für Umwelt und Gesundheit bedenkt und so viele andere Energiequellen für Licht und Wärme verfügbar wären? Ist das Cheminée unnötiger oder gar unverantwortlicher Luxus? Eine solche Sichtweise greift für die Forscher zu kurz. Sie geben zu bedenken, dass auch Entspannung und Wohlbefinden wichtige menschliche Bedürfnisse sind.

Möglicherweise kommt dem Feuer als Ort, an dem Menschen zusammenkommen und Gespräche in die Tiefe gehen, sogar in der heutigen Gesellschaft erst recht eine wichtige Rolle zu.

Und ist die Sehnsucht nach dem warmen Flackern eines Feuers nicht gerade in denjenigen Ländern verständlich, wo sich die Sonne im Winter monatelang rar macht und vor allem künstliches Licht von Deckenspots, Strassenlaternen oder Handybildschirmen den Alltag erhellt? Die entscheidende Frage ist für die Forscher deshalb nicht, ob man ein Feuer macht – sondern wie.

Wie man richtig Feuer macht

Wer zu Hause ein Feuer machen will, das nicht nur für Gemütlichkeit sorgt, sondern auch Umwelt und Gesundheit schont, muss einige Regeln beachten, die wir unten zusammengestellt haben. Diese gelten nicht nur für das Cheminéefeuer im Wohnzimmer, sondern auch für das Feuern in der Feuerschale im Garten sowie für jeden anderen Holzofen, sei es ein Schwedenofen, ein Holzherd oder ein Pizzaofen.

In Cheminées oder Kachelöfen dürfen ausschliesslich Holzscheiter, Zapfen oder Reisig aus dem Wald sowie Briketts und naturbelassene Abschnitte aus Sägereien verbrannt werden. Zulässig ist auch unbehandeltes Altholz, das in Garten oder Landwirtschaft eingesetzt wurde: Bohnenstangen oder Zaunpfähle etwa. Das Holz sollte ein bis zwei Jahre an einem sonnenexponierten Ort getrocknet worden sein. Vor Gebrauch sollte das Brennholz mindestens einen Tag in einem beheizten Raum zwischenlagern.

Nicht ins Cheminée darf: Papier, Karton oder Verpackungsmaterial sowie behandeltes Restholz aus Schreinereien oder druckimprägniertes Holz aus dem Garten. Auch alte Tische und Stühle oder Paletten, Kisten und Harassen können belastet sein, ohne dass eine Behandlung oder Beschichtung sichtbar ist und müssen deshalb in Anlagen verbrennt werden, die mit entsprechenden Abgasreinigungssystemen ausgerüstet sind. Die Verbrennung von Abfall dieser Art setzt Schadstoffe frei, die sich im Fettgewebe von Mensch und Tier anreichern. Sie gelangen in die Wohnräume und über den Kamin ins Freie und setzen sich auch im Boden ab. Nicht zuletzt schadet das Verbrennen solcher Materialien auch der eigenen Heizanlage.

Feuer müssen von oben angezündet werden. Die Verbrennung geht auf diese Weise langsamer und kontrollierter vonstatten, ausserdem strömen die entstehenden Gase so durch die heissen Flammen und brennen nahezu vollständig aus. Der Brennraum sollte nicht überfüllt werden. Als Anzündhilfe eignet sich beispielsweise wachsgetränkte Holzwolle. (Zeitungen und Karton sind nicht zu empfehlen). Von Anfang an raucht es so fast nicht; spätestens nach fünfzehn Minuten aber sollte das Feuer rauchfrei brennen. 

Video-Anleitung zum Anfeuern: Amt für Umweltschutz des Kantons Zug

Scheiter oder Holzbriketts sollten einzeln auf die heisse Glut gelegt werden, damit das Holz sofort Feuer fängt. Das Feuer sollte beim Nachlegen nicht gedrosselt werden. Zum Ausmachen sollten die Luftklappen erst geschlossen werden, wenn die Glut kaum mehr sichtbar ist. So kühlt der Ofen nicht zu rasch aus. Der Kaminschieber wird erst geschlossen, wenn gar keine Glut mehr erkennbar ist. Nie sollte ein Feuer durch Schliessen von Luftzufuhr oder Kaminklappe gedrosselt werden.

Die Holzasche sollte man gut auskühlen lassen und mit dem Kehricht entsorgen. Sie enthält Schadstoffe wie Schwermetalle in konzentrierter Form, die der Baum über Jahrzehnte eingelagert hat. Holzasche darf darum nicht kompostiert oder als Dünger verwendet werden.

Autorin, Links und Quellen

Ümit Yoker ist freiberufliche Journalistin. Für Energie-Experten beschäftigt sie sich mit Themen an der Schnittstelle von Sozial-, Umwelt- und Energiewissenschaften.


Titelbild: © Felix Caflisch GmbH Trin-Mulin

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