Bauen & Wohnen

Mit gutem Gewissen dämmen

My home is my castle, heisst es so schön. Und darin möchte man sich rundum wohlfühlen. Die Wahl des passenden Dämmstoffs spielt dabei eine grosse Rolle – auch in puncto Umweltverträglichkeit und Gesundheit.

Irene WrabelIrene Wrabel

Eine effiziente Gebäudedämmung muss vieles erfüllen: Im Winter soll sie die Wärme im Haus halten, im Sommer soll die Hitze draussen bleiben. Das spart Energiekosten, trägt zum Klimaschutz bei und sorgt für ein angenehmes Wohnklima. Nachhaltigkeit wünschen sich immer mehr Hausbesitzer – aber nicht nur für die Wirkung ihrer Dämmung, sondern bereits für die zum Einsatz kommenden Materialien sowie deren Produktion und Entsorgung. Umweltverträglichkeit von Anfang an ist also gefragt. Wie umweltverträglich sind die Bestandteile, wie werden sie verarbeitet, welche Methoden kommen dabei zum Einsatz? Welche Abfallprodukte entstehen und wie werden diese entsorgt?

Anorganische Dämmstoffe

Steinwolle besteht aus natürlichen Gesteinen, die mittels eines Spezialverfahrens geschmolzen und zerfasert werden. Zur Herstellung des Werkstoffes kommt als Bindemittel Phenolformaldehydharz zum Einsatz. In den Verbrennungsprozessen entsteht dadurch hoher Schadstoffausstoss, vor allem in Form von CO2-Emissonen. Bei fachgerechtem Einbau entsteht jedoch keine Raumluftbelastung durch Formaldehyd, auch die Belastung durch Feinstaub ist unterhalb der zulässigen Grenzwerte. Dasselbe gilt für Dämmmaterial aus Glaswolle, für dessen Produktion statt Gestein rezykliertes Glas sowie Glasbestandteile wie Feldspat zum Einsatz kommen. Was den Energieverbrauch für die Produktion und den Transport, also die sogenannte Graue Energie, angeht, ist die Steinwolle der Glaswolle durch geringere Werte überlegen. Beide Materialien gelten als unbedenklich in Bezug auf krebserzeugende Inhaltsstoffe.

Anders sieht das bei den Polystyrolen, besser bekannt als Styropor, aus. Diese zählen zu den organischen Dämmstoffen aus synthetischen Rohstoffen – anders als die weiter unten erwähnten Naturdämmstoffe, die aus natürlichen Rohstoffen bestehen. Der Grundstoff ist Erdöl, das aufwendig bearbeitet werden muss. Für die Herstellung von einem Kilogramm Polystyrol werden knapp drei Liter Erdöl benötigt. Diese Produktion ist sehr energieintensiv – Stichwort Graue Energie. Polystyrol ist zwar nicht biologisch abbaubar, jedoch rezyklierbar. Aber: Die verarbeiteten Flammschutzmittel sind gesundheitsschädlich. Zudem dampfen frisch produzierte Styroporplatten aus, weshalb sie vor der Auslieferung an den Handel erst einige Wochen lagern müssen.

Sind organische Materialien überlegen?

Organische Dämmstoffe aus natürlichen Bestandteilen, sogenannte Naturdämmstoffe, bieten zahlreiche Vorteile gegenüber den anorganischen Dämmstoffen und solchen aus synthetischen Rohstoffen: Bereits in der Herstellung sind sie umweltverträglicher und schonen so Ressourcen. Sie haben eine lange Lebensdauer und lassen sich bei der Entsorgung gut wiederverwerten oder kompostieren. Hinzu kommt, dass organische Dämmstoffe deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen können als die meisten konventionellen Dämmstoffe, ohne dabei ihre guten Wärmedämmeigenschaften zu verlieren. Gut fürs Wohnklima, denn so beugen sie – fachgerechter Einbau vorausgesetzt – Schimmel und Feuchtigkeit vor.

Zum Einsatz kommen für die Produktion nachwachsende bzw. rezyklierte Materialien, was in Bezug auf die Nachhaltigkeit sicher ein Vorteil ist. Dieser Vorteil wird noch gewichtiger, wenn darauf geachtet wird, dass möglichst regionale Materialien verwendet werden – das wirkt sich durch die kurzen Transportwege positiv auf die CO2-Bilanz aus. Was die Emissionen beim Einbau angeht, sind diese gesundheitlich meist unbedenklich. Erhöhtes Augenmerk sollte man jedoch darauf legen, ob bedenkliche Brandhemmer (kann etwa bei Zellulose der Fall sein) oder Schädlingsbekämpfungsmittel (wie möglicherweise bei Schafwolle) im Material verwendet wurden. Und ein Punkt sollte nicht ausser Acht gelassen werden: die Dämmdicke. Diese ist bei organischen Dämmstoffen aus natürlichen Rohstoffen grösser als bei den anorganischen Dämmstoffen. Das kann ein Argument sein, wenn der Platz für den Aufbau begrenzt ist.

Einbau durch den Fachmann

Was das Wohnklima angeht, so sind heute die meisten Dämmstoffe von guter Qualität. Hier kommt es vielmehrt auf die fachgerechte Ausführung der Dämmung an, etwa um Schimmelbildung zu verhindern. Schimmel in Innenräumen entsteht meist dort, wo Luftfeuchtigkeit an kalten Flächen kondensiert, sich also Feuchtigkeit niederschlägt. Doch eine fachgerecht ausgeführte Dämmung verhindert genau dies, da sie Wände, Decken und Böden vor Kälte schützt. Neben der richtigen Dämmung ist aber auch korrektes Lüften sehr wichtig, damit die Feuchtigkeit, die bei der Nutzung von Wohnräumen zwangsläufig entsteht, entweichen kann.

Die Entscheidung für das richtige Material hängt also von vielen Faktoren ab. Und dafür sollte man einen neutralen Fachmann zu Rate ziehen – damit die Freude am Zuhause ungetrübt bleibt.

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Kommentare

  • Stefan

    31.05.2018 20:34:18

    Organisch heisst nicht natürlich. Polystyrol ist (chemisch betrachtet) ein organisches Material, da die Grundlage Kohlenstoff ist.

    Betreffend Thema Dämmung vermisse ich Hinweise auf Innen- und Aussendämmung.

  • Irene Wrabel

    01.06.2018 14:18:52

    Lieber Stefan
    Herzlichen Dank für dein Feedback!
    Du hast recht: Polystyrol zählt zu den organischen Dämmstoffen – im Gegensatz zu den erwähnten Naturdämmstoffen aber zu denjenigen aus synthetischen Rohstoffen. Das haben wir im Text nicht explizit erwähnt gehabt, nun aber ergänzt. Bitte entschuldige die Unschärfe.
    Zu deinem zweiten Input: Die Unterscheidung nach Innen- und Aussendämmung ist natürlich ein wichtiges Thema. Im aktuellen Beitrag wollten wir uns jedoch auf die Materialien selbst konzentrieren, um den Rahmen nicht zu sprengen. Im Beitrag "Gebäudedämmung - Do it yourself", der voraussichtlich am 21.6. erscheint, kommen wir dann auf die Innen- und Aussendämmung zu sprechen.
    Also auf bald beim nächsten Beitrag zum Thema!
    Herzliche Grüsse
    Irene Wrabel