Re-Use-Schulhaus: Bauen mit Material, das schon einmal verbaut war

Für das Provisorium der Kantonsschule Uster hat das kantonale Hochbauamt als Bauherr zum ersten Mal fast ausschliesslich Material verwendet, das schon einmal irgendwo verbaut war. Mit dieser Re-Use-Strategie spart es vor allem CO2-Emissionen ein.

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Schulhaus mit Holzfassade

Die Deckenleuchten im neuen Schulhausprovisorium in Uster hingen früher im Bezirksgericht Winterthur. Die Trapezbleche kommen aus einer Werkhalle von Siemens in Wallisellen, die Fenster sind aus einer abgerissenen Wohnsiedlung in Zürich: Der temporäre Erweiterungsbau der Kantonsschule Uster besteht weitgehend aus Material, das schon einmal anderswo verbaut war. Sogar ein paar Betonplatten aus dem Kerenzerbergtunnel erhalten im Laubengang des Provisoriums neues Leben.

Erstellungsemissionen bei kantonalen Bauprojekten senken

Das Schulhausprovisorium in Uster ist ein Pilotprojekt des Kantons Zürich. Mit den beiden Gebäuden wollte das kantonale Hochbauamt als Auftraggeber beziehungsweise Bauherr das Potenzial des sogenannten Re-Use-Bauens ausloten, wie Gesamtprojektleiter Michael Plüss sagt.

Re-Use bedeutet: Materialien, die bei einem Abbruch anfallen, werden an einem anderen Ort wieder eingebaut und auf diese Weise weiterverwendet. Die Strategie soll den Kanton im besten Fall seinen Klimazielen einen massgeblichen Schritt näherbringen: Schliesslich gehört zu diesen, dass auch die Erstellungsemissionen bei kantonalen Bauprojekten sinken.

Vor einiger Zeit hat auch die Sendung Schweiz Aktuell auf SRF über das Re-Use-Pilotprojekt in Uster berichtet:

Re-Use reduziert CO2-Emissionen – nicht aber Kosten und Aufwand

Die zwei doppelgeschossigen Schulgebäude in Uster wurden vom baubüro in situ geplant und sollen in den nächsten zehn Jahren Platz für rund 200 Schülerinnen und Schüler bieten. Mit dem Einsatz von Re-Use-Materialien leistet der Kanton vor allem einen Beitrag zum Klimaschutz. So hätte ein konventioneller Neubau nach Schätzungen des Hochbauamtes gut 488 Tonnen CO2-Emissionen mehr verursacht, als es das jetzige Schulhausprovisorium tut.

Zeit und Geld lässt sich mit der Wiederverwendung von Baustoffen dagegen bisher nicht einsparen. «Zwar können Re-Use-Bauteile häufig sehr günstig oder kostenlos beschafft werden», sagt Plüss. Dafür fielen aber für die Demontage der Bauteile bei den Quellobjekten sowie die Lagerung und den Transport zusätzliche Kosten an. Grundsätzlich sind die Herstellungskosten damit mit jenen für ein gewöhnliches Gebäude vergleichbar.

Der Planungsprozess fällt bei Re-Use aufwendiger aus als bei konventionellem Bauen. Die Projektdauer hängt stark von der Anzahl und der Art der notwendigen Elemente ab, wie Plüss ergänzt. «Wir hatten in Uster aber Glück und konnten fast alle geplanten Bauteile tatsächlich Re-Use beschaffen.»

Ein wichtiges Instrument, um das Bauen mit Re-Use-Elementen künftig effizienter zu machen, sind Datenbanken und Bauteilbörsen. Gerade läuft ein Pilotprojekt für eine kantonsinterne Plattform: Dort kann man nachsehen, welche Bauteile wo verfügbar sind und diese weitervermitteln. Viele Elemente können nicht nur einmal, sondern sogar mehrmals wiederverwendet werden, wie dies für eine echte Kreislaufwirtschaft erforderlich ist.

Klassenzimmer und Nebenraum mit Holzverkleidung in Schulhausprovisorium
Das fast ausschliesslich aus Re-Use-Materialien gebaute Provisorium der Kantonsschule Uster bietet Raum für rund 200 Schülerinnen und Schüler. (Foto: Martin Zeller)

Zirkuläres Bauen erfordert viel Flexibilität

Gelernt hat der Kanton aus dem Pilotprojekt: Das Bauen mit Recycling-Materialien erfordert von allen Beteiligten viel Flexibilität. Das gelte für Architektinnen und Architekten ebenso wie die Bauherrschaft und die bewilligenden Behörden, sagt Plüss. Denn stünden passende Materialien zur Verfügung, gelte es oft schnell und unkompliziert zu reagieren. Auch kann der klassische Ablauf nach Bauphasen nicht immer eingehalten werden. So musste man in Uster beispielsweise eine Baueingabe machen, ohne dass Fassadenmaterialisierung und Fensterformate im Detail feststanden, wie der diplomierte Architekt Plüss erzählt. «Die Beschaffung von Bauteilen ist ein Prozess, der die Planung stetig begleitet.»

Kanton Zürich empfiehlt Re-Use vorerst für Provisorien

Das Pilotprojekt in Uster zeigt für das Hochbauamt aber ebenso: Bauen mit wiederverwendeten Teilen ist auch für öffentliche Bauherrschaften machbar. Vorerst würden sich jedoch vor allem provisorische Bauten wie die Schulgebäude in Uster eignen, so Plüss. Diese können aber natürlich ganz verschiedenen Nutzungen dienen.

Das Hochbauamt plant bereits weitere Projekte mit Re-Use-Elementen. «Zwar steht bei kantonalen Bauten grundsätzlich der Erhalt des Bestands im Vordergrund», räumt Plüss ein. «Doch auch wiederverwendete Bauteile leisten einen wichtigen Beitrag an die Senkung von Treibhausgasemissionen bei Neubauten.»