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Heizungsersatz: So gelingt der Umstieg auf Erneuerbare

Wenn der Ersatz des alten Heizkessels ansteht, lohnt es sich, eine langfristige Betrachtung vorzunehmen. Denn wer bei der Wahl der neuen Heizungsanlage neben dem reinen Anschaffungspreis auch die Lebenszykluskosten beachtet, hat eine bessere Entscheidungsgrundlage. Erneuerbare Heizsysteme wie Wärmepumpen schneiden aus ökologischer und finanzieller Sicht oft vorteilhafter ab als fossile Heizungen.

Remo BürgiRemo Bürgi5 min

Die Schweiz hinkt ihren selbst gesteckten klimapolitischen Zielen hinterher. Gemäss dem Pariser Klimaabkommen müsste der CO2-Ausstoss bis 2030 gegenüber dem Wert von 1990 halbiert werden. Doch bisher sinken die Emissionen nicht stark genug. Einen grossen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele könnte und sollte der Gebäudebereich leisten, der rund ein Viertel der Treibhausgase freisetzt. Von knapp 17 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 1990 sind die Treibhausgas-Emissionen zwar trotz Zunahme der Einwohnerzahl und der Energiebezugsfläche auf rund 11 Millionen Tonnen im Jahr 2018 gesunken. Dieser Wert ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, weil die Emissionen stark davon abhängen, wie kalt oder mild der Winter ist respektive wie viel oder wenig geheizt werden muss.
 

Bestandesbauten im Fokus

Bei Neubauten sind erneuerbare Lösungen heute bereits Standard: Bei mehr als 95 Prozent der neuen Wohngebäude wird eine nicht-fossile Heizung gewählt. Der Schwerpunkt muss daher vor allem auf den Bestandesbauten liegen, wo der Umstieg von fossiler auf erneuerbare Wärmeversorgung in Zukunft schneller vorankommen muss. Heute entscheidet sich beim Heizungsersatz gemäss einer Studie von Wüest Partner (PDF) noch immer die Hälfte der Eigentümerschaften von Einfamilienhäusern für eine fossile Heizung. Die Studie zeigt jedoch auch, dass die Chance für den Umstieg auf eine erneuerbare Lösung deutlich höher ist, wenn der Heizungsersatz mit einem Umbau kombiniert wird, also beispielsweise mit einer energetischen Sanierung der Gebäudehülle.

Bei den Bestandesbauten muss der Umstieg von fossiler auf erneuerbare Wärmeversorgung in Zukunft schneller vorankommen.

Heizungsersatz planen

Heizungen haben eine Lebenserwartung von rund 15 bis 20 Jahren. Fachleute empfehlen, sich zwei bis drei Jahre vor dem Erreichen dieser Grenze mit der Sanierung respektive dem Ersatz zu beschäftigen. Zum einen kann man unliebsamen Überraschungen vorbeugen, etwa dass die Heizung mitten im Winter aussteigt. Zum anderen bleibt ausreichend Zeit, um sich einen breiten Überblick zu verschaffen. Wie viel Energie verbraucht die bisherige Heizung? Wie hoch sind die Energie- und Unterhaltskosten? Welche Systeme kommen als Alternative infrage und gibt es Fördergelder dafür? Um solche Fragen zu klären, sollte man frühzeitig den Kontakt zu einer Fachperson herstellen, um sich umfassend beraten zu lassen.

Energetische Sanierung prüfen

Ein wesentlicher Aspekt einer Beratung ist die Beurteilung des Gebäudes als Gesamtsystem. Es lohnt sich immer, beim Ersatz der Heizung die Möglichkeit einer vorgängigen energetischen Sanierung zu prüfen. Ist die Gebäudehülle in einem schlechten Zustand, ist der Wärmebedarf deutlich höher als bei einer energieeffizienten Hülle. Wer also die Wärmeverluste durch die Fassade, das Dach oder die Fenster reduziert, kann die neue Heizung kleiner dimensionieren, weil weniger Heizenergie benötigt wird. Das senkt die Kosten für Anschaffung und Betrieb des Heizsystems unter Umständen deutlich.

Solarenergie nutzen

Bei der Sanierung der Gebäudehülle sollte zudem geprüft werden, ob sich die Energieversorgung durch den Einbau einer Photovoltaik- oder Solarthermieanlage erneuerbar gestalten lässt. Mit selbst produziertem Solarstrom kann man beispielsweise eine Wärmepumpe betreiben und so die Energiekosten senken. Allenfalls bietet sich auch die Installation eines Batteriespeichers an, um den Strom zwischenspeichern zu können. Solarthermie wiederum kann bis zu zwei Drittel des Wärmebedarfs für Heizung und Warmwasser erzeugen.

Lebenszykluskosten beachten

Wichtig ist, dass Eigentümerschaften bei der Wahl ihrer neuen Heizung nicht nur die Investitionskosten anschauen, sondern die Kosten über den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen. Wer die Energie- und Wartungskosten einbezieht, schafft mehr Klarheit über die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse. Dabei zeigt sich, dass alternative Heizsysteme schon heute in vielen Fällen mehr als nur konkurrenzfähig sind. In Bezug auf Energiekosten sowie Wartungsaufwand schneiden zum Beispiel Wärmepumpen in der Regel besser ab als fossile Heizungen. Die Investitionskosten können zwar höher sein, aber längerfristig spart man in vielen Fällen Geld, wenn man eine Öl- oder Gasheizung durch eine erneuerbare Heizung ersetzt. Unter ökologischen Gesichtspunkten sind Wärmepumpen den fossilen Heizungen ohnehin deutlich überlegen.

Überblick Heizsysteme

Heute stehen in der Schweiz zahlreiche Heizsysteme zur Verfügung, die technisch ausgereift und nicht zuletzt dank Förderbeiträgen auch finanziell attraktiv sind. Nicht dazu gehören Heizungen, die mit Wasserstoff betrieben werden. Sie werden in der Schweiz nicht gefördert und sind dementsprechend vor allem in der Anschaffung sehr teuer. Wohl auch deshalb gibt es derzeit hierzulande kaum entsprechende Produkte auf dem Markt. Zudem ist nicht absehbar, wie sich der Preis von grünem – also erneuerbar produziertem – Wasserstoff entwickeln wird. Im Gegensatz zum Mobilitätssektor dürfte Wasserstoff im Wärmebereich daher kurz- und mittelfristig in der Schweiz keine Rolle spielen.

Ölheizung ersetzen

Ölheizungen sind in der Schweiz in Bestandesbauten noch immer weit verbreitet. Wer seine Ölheizung ersetzen muss, sollte aber auf eine ökologischere Alternative umsteigen. Nebst dem hohen CO2-Ausstoss sind auch die Betriebskosten einer mit Öl betriebenen Heizung heute oft höher als erneuerbare Anlagen. Der Ersatz durch eine Wärmepumpe ist an den meisten Standorten problemlos möglich. Als «Bonus» ergibt sich dadurch ein Raumgewinn, weil kein Platz für den Tank mehr nötig ist. Zudem gilt es zu beachten, dass Ölheizungen in gewissen Kantonen (Basel-Stadt) faktisch schon verboten sind respektive bald verboten werden dürften (z. B. in Zürich).

Gasheizung ersetzen

Gasheizungen sind im Betrieb weniger klimaschädlich als Ölheizungen, zumal sich Erdgas durch biologisches oder künstliches Gas substituieren lässt. Bis 2030 will die Schweizer Gaswirtschaft den Anteil von erneuerbarem Gas im Wärmemarkt von heute 7 auf 30 Prozent erhöhen. Trotzdem ist der Betrieb einer Gasheizung auch in Zukunft mit CO2-Emissionen verbunden, und auch bei den Energiekosten sind erneuerbare Alternativen attraktiver. Ausserdem fällt die Abhängigkeit von einem importierten fossilen Energieträger weg, wenn man auf eine Wärmepumpe umsteigt.

Erneuerbar heizen

Womit kann man eine Öl- oder Gasheizung ersetzen? Die erwähnte Wärmepumpe dürfte an den meisten Standorten die geeignetste Variante sein. Wo keine Erdsonden möglich sind – beispielsweise an geologisch schwierigen Standorten oder in Städten – bietet sich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ein. Diese sind heute optisch und von den Lärmemissionen her deutlich besser als noch vor einigen Jahren, daher kommen Wärmepumpen auch in der Stadt infrage.

Erneuerbare Alternativen zu einer Wärmepumpe sind ein Anschluss an ein Fernwärmenetz oder eine mit Pellets oder Schnitzeln betriebene Holzheizung. Beide Systeme eignen sich aus Effizienzgründen tendenziell eher für Mehrfamilienhäuser und Überbauungen. Wenn eine Wärmepumpe nicht realisierbar ist, kommen sie aber durchaus auch für Einfamilienhäuser infrage. Eine detaillierte Übersicht zu den erneuerbaren Heizsystemen bietet die Website www.erneuerbarheizen.ch von EnergieSchweiz.

Erneuerbare Alternativen und finanzielle Förderung sind also vorhanden. Nun liegt es an uns allen, von fossilen auf erneuerbare Heizungen umzusteigen. Es lohnt sich – für die Umwelt ebenso wie für unser Portemonnaie.

Die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich wird mit gewissen Vorschriften vorangetrieben. Als Grundlage für Vorschriften im Energiebereich dienen in der Schweiz die Mustervorschriften der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (MuKEn). Allerdings werden die MuKEn in den einzelnen Kantonen sehr unterschiedlich umgesetzt, wie sich dem Stand der Energiepolitik in den Kantonen 2020 entnehmen lässt (Seite 15). Trotz der unterschiedlichen Handhabe in den einzelnen Kantonen ist klar: Wer über ein Gebäude mit Minergie-Standard verfügt oder beim GEAK über der Energieeffizienzklasse D liegt, ist von allfälligen weiteren Auflagen befreit.

Finanzielle Anreize für einen stärkeren Einsatz von erneuerbaren Energien in Liegenschaften bietet das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Auch an Beratungsdienstleistungen, die den Umstieg auf eine ökologische Heizung erleichtern, fehlt es nicht. Aktuell läuft zum Beispiel die Kampagne erneuerbar heizen von EnergieSchweiz. Sie stellt diverse erneuerbare Heizsysteme detailliert vor und bietet eine Impulsberatung sowie einen Heizkostenrechner. Dazu kommen verschiedene kantonale Angebote. Im Kanton Zürich zum Beispiel bieten die Baudirektion des Kantons Zürich, die EKZ und die Zürcher Kantonalbank im Rahmen des Programms «starte! energetisch modernisieren» Veranstaltungen und individuelle Beratungen für Gemeinden und für Hauseigentümer.

Um in diesem «Förder-Dschungel» den Überblick zu behalten, hilft die Plattform www.energiefranken.ch mit einer Übersicht. Anhand einer einfach bedienbaren Standortsuche lassen sich die verfügbaren Förderprogramme für den Heizungsersatz, die energetische Sanierung oder die Installation einer Photovoltaikanlage herausfiltern.

Experten empfehlen beim Heizungsersatz das folgende Vorgehen:
1. Überblick verschaffen
2. Beratung von Fachleuten einholen
3. Sanierungskonzept erstellen
4. Fördergelder beantragen
5. Sanierung durchführen
6. Einstellungen prüfen und optimieren

Autor und Titelfoto

Remo Bürgi, Kommunikator ZFH, arbeitet als Fachjournalist bei Faktor Journalisten. Sein Schwerpunkt liegt auf den Themen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität.

Quelle Titelfoto: Shutterstock/Alexxxey

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Kommentare

  • Nick Schenker

    02.10.2018 15:17:44

    Ich störe mich ein wenig daran, dass Holzfeuerungen so «grün» dargestellt werden. Wäre dieses «Waldnutzungsgesetz» nicht, sähe alles anders aus. Davon abgesehen werden Stäube, Partikelfilter u.ä. mit keinem Wort erwähnt und obwohl auch dieses Heizungsystem bei einem Stromausfall ausfallen würde, wird dieser Verbrauch ebenfalls kaum erwähnt. Ganz anders bei den Wärmepumpen, wo vorbildlich mit Kohlestrom gerechnet wird. So gesehen ein «worst case»-Szenario, was nur besser und auch wirtschaftlicher werden kann. Leider viel zu oft nicht erwähnt werden die «Wärmepumpen- und Passiv-Systeme», die es ebenfalls schon seit Jahren gibt.
    Als Beispiel: Alles, was es zum Heizen mit einer Bodenheizung braucht, ist körperwarmes Wasser im Vorlauf (max 40°). Wer das zufällig selbst fördern kann, brauch nur Mischer, Wärmetauscher, Umwälzpumpe anschliessen und kann auf die sperrige «Heizanlage» verzichten. #think #latenteWärme

  • Leonid Leiva

    02.10.2018 15:19:57

    Sehr geehrter Herr Schenker

    Besten Dank für Ihren Kommentar.

    Sie sprechen mit Ihrer Kritik an Holzheizungen vermutlich das Problem der Feinstaubemissionen an. Dies ist in der Tat eine beträchtliche Umweltbelastung, die in umfassenden Umweltbilanzen entsprechend berücksichtigt wird. Die im Artikel gezeigte Grafik stellt mit den schwarzen Balken nur die Klimabelastung der verschiedenen Heizsysteme dar, und in diesem Punkt schneiden Holzheizungen recht gut ab, weil Holz klimaneutral ist. Doch selbst in Bezug auf den Feinstaub-Ausstoss gibt es unter den Holzfeuerungen Unterschiede. Pelletheizungen zum Beispiel produzieren deutlich weniger Feinstaub als Stückholz- Holzschnitzelheizungen, vorausgesetzt die eingesetzten Pellets tragen das Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz.

    Freundliche Grüsse
    Leonid Leiva

  • Rolf Gilg

    05.04.2021 15:06:58

    Der Königsweg:
    erst dämmen dann Heizung ersetzen!