Staubsauger im Energievergleich: Wer saugt am wenigsten Strom?
Ob klassischer Schlittenstaubsauger, Zyklonreiniger ohne Beutel oder kabelloser Roboter: Neben der Frage nach der besten Reinigungsleistung ist ein weiteres Merkmal zu beachten: Wie viel Strom verbraucht das Gerät?
Wer sich noch an die Staubsauger der 1990er-Jahre erinnert, kennt es: kompakte Geräte mit 1600 bis 2200 Watt Leistung, die beim Einschalten das Licht flackern liessen. Mehr Watt, mehr Saugleistung – so lautete die Gleichung. Sie war immer falsch, sie ist heute auch überholt, sogar rechtlich. Seit 2017 gilt in der EU eine Obergrenze von 900 Watt Leistung für Staubsauger. Die Begründung der Europäischen Kommission war eindeutig: Die Wattzahl eines Motors hat nur wenig mit der tatsächlichen Reinigungsleistung zu tun. Entscheidend sind das Zusammenspiel aus Motor, Filterbauweise, Düsenkonstruktion und Luftführung.
Moderne Staubsauger erreichen mit 500 bis 650 Watt so gute Ergebnisse wie ältere Geräte mit dreifacher Leistung.
Moderne Bodenstaubsauger erreichen mit 500 bis 650 Watt Ergebnisse, die ältere Geräte mit dreifacher Leistung nicht übertreffen konnten. Das ist kein Marketing, sondern durch unabhängige Tests, zum Beispiel der Stiftung Warentest, bestätigt. Solche Tests sind noch wichtiger geworden, weil die Energieetikette für Staubsauger nach einem Gerichtsurteil (mehr dazu) nicht mehr gültig ist. Die Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen in der EU für eine neue Energieetikette hat gerade erst begonnen.
Verschiedene Staubsaugertypen
Schlittenstaubsauger: Der klassische Allrounder
Der Schlittenstaubsauger – also das klassische Gerät mit Gehäuse auf Rollen, Schlauch und Saugrohr – ist nach wie vor der meistgekaufte Staubsaugertyp in Europa. Er bietet einen grossen Aktionsradius (typischerweise 10 bis 15 Meter Kabel), steht jederzeit unter Netzspannung und verliert im Betrieb nie an Leistung. Ausnahme: der Beutel ist voll oder der Filter verstopft.
Energieverbrauch: Die sparsamsten kabelgebundenen Modelle arbeiten mit rund 400 Watt. Bei einer Nutzungszeit von einer Stunde pro Woche ergibt das einen Jahresverbrauch von etwa 21 Kilowattstunden – entsprechend rund 6 Franken Stromkosten pro Jahr bei einem Strompreis von 30 Rappen/kWh. Weniger effiziente Modelle mit 900 Watt können auf knapp 47 kWh Energieverbrauch oder 14 Franken Stromkosten pro Jahr kommen.
Saugleistung versus Wattzahl: Ein Rowenta Green Force Total Clean beispielsweise arbeitet mit 400 Watt und erzielt dabei bessere Reinigungsergebnisse als viele stärkere Geräte. Die Lehre ist klar: Beim Kauf sollte man auf unabhängige Testergebnisse und nicht allein auf die Wattzahl achten.
Stabstaubsauger mit Netzanschluss sind von der Funktion und vom Energieverbrauch her vergleichbar mit Schlittenstaubsaugern. Der grosse Unterschied ist das Gewicht: beim Stabstaubsauger muss während des Saugens alles getragen werden, beim Schlittenstaubsauger sind die schweren Teile auf Rollen.
Lebenserwartung: Robuste Staubsauger halten 10 bis 20 Jahre, kleinere Defekte wie verklemmte Kabel oder kaputte Bürsten kann man im Repair-Café flicken lassen.
Kabellose Staubsauger haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Hochwertige Modelle von Dyson oder Miele erreichen bis zu 200 AirWatt Saugleistung – auf Augenhöhe mit vielen kabelgebundenen Geräten.
AirWatt ist die Masseinheit für die Saugkraft von Staubsaugern, sie kombiniert Luftstrom (Volumen) und Unterdruck (Saugstärke). Dieser Wert ist mit Vorsicht zu geniessen, denn je nach verwendeter Düse kann die Saugleistung stark variieren.
Eine geringere Saugleistung kann durch eine sehr gute Bürste kompensiert werden, so dass das Reinigungsresultat dennoch sehr gut ist. Es empfiehlt sich darum immer, Produkte im Gesamtbild mit Hilfe von unabhängigen Tests zu evaluieren. Kassensturz, Stiftung Warentest oder persönliche Erfahrungen im Bekanntenkreis können helfen.
Doch auch der AirWatt-Wert, vor allem in Kombination mit der elektrischen Leistung des Geräts, kann aufschlussreich sein, um einen leistungsstarken Staubsauger mit geringem Energieverbrauch zu finden.
Energieverbrauch: Akkustaubsauger verbrauchen pro Reinigungsvorgang weniger Strom als kabelgebundene Bodenstaubsauger, allerdings nur wegen der deutlich kürzeren Betriebszeit (30 bis 60 Minuten Laufzeit pro Akkuladung). Für eine vollständige Grundreinigung einer grossen Wohnung kann ein zweiter Akku oder mehrfaches Laden nötig sein. Insgesamt sind Akkusauger eher für kurze, häufige Reinigungseinsätze konzipiert und können den klassischen Kabelstaubsauger bei intensiver Nutzung, Teppichböden oder grösserer Wohnfläche oft nicht komplett ersetzen.
Lebensdauer: Nach einigen Jahren verlieren Lithium-Ionen-Akkus an Kapazität, was die Laufzeit und damit die Effizienz einschränkt. Ersatzakkus sind je nach Hersteller teuer oder gar nicht erst erhältlich. Dann muss das komplette Gerät ersetzt werden, obwohl es eigentlich noch funktioniert.
Vergleich: Besser mit Beutel oder ohne?
EKZ-Förderprogramm für Haushaltsgeräte – jetzt Stromfresser ersetzen: Tumbler, Waschtrockner, Kühl- und Gefriergeräte, Geschirrspüler oder Dunstabzugshaube.
Geräte mit Staubbeutel gelten als hygienischer, da der aufgesaugte Schmutz vollständig im Beutel verbleibt und beim Wechsel kein Staub austritt. Für Menschen mit Allergien sind sie besonders empfehlenswert. Viele beutelbestückte Modelle sind zudem leiser als beutellose Alternativen. Der Nachteil liegt auf der Hand: Laufende Kosten durch den regelmässigen Kauf neuer Beutel sowie zusätzlicher Verpackungsmüll fallen an. Zudem nimmt die Saugleistung mit wachsendem Füllstand des Beutels ab. Wer den Beutel zu lange im Gerät belässt, erzwingt damit indirekt einen höheren Energieeinsatz für das gleiche Reinigungsergebnis.
Staubsauger ohne Beutel (Zyklontechnik)
Beutellose Geräte – viele nutzen das von Dyson etablierte Zyklonprinzip – trennen Staub und Luft durch Fliehkraft. Der Staubbehälter muss regelmässig geleert werden, allerdings ohne laufende Beutelkosten. Sie gelten zudem als umweltfreundlicher, weil kein Verbrauchsmaterial anfällt.
Der kritische Punkt: Beim Entleeren des Behälters kann trotz aller Konstruktionsmassnahmen ein Teil des Staubs wieder in die Raumluft gelangen. Für Allergiker sind diese Geräte daher weniger geeignet. Ausserdem ist die Staubbox in vielen Modellen kleiner als ein Beutel, was häufigeres Entleeren erfordert.
In puncto Energieverbrauch unterscheiden sich Staubsauger mit Beutel und beutellose Schlittenstaubsauger kaum – der entscheidende Faktor ist der Motor und sein Wirkungsgrad, nicht die Staubsammelmethode.
Lose Haare und Staub müssen entsorgt werden, wenn kein Beutel vorhanden ist. (Foto: bigwa11/Shutterstock)
Roboterstaubsauger: Leise, autonom – und erstaunlich sparsam
Saugroboter sind die vielleicht überraschendste Erfolgsgeschichte in der Haushaltselektronik der letzten zwei Jahrzehnte. Was als Spielzeug für Technikbegeisterte begann, hat sich zur zuverlässigen Haushaltshilfe entwickelt.
Geringer Energieverbrauch im Betrieb
Roboterstaubsauger arbeiten typischerweise mit 20 bis 100 Watt – ein Bruchteil der Leistung klassischer Bodenstaubsauger. Dafür sind sie meist länger und häufiger in Betrieb. Nehmen wir eine Stunde Betrieb an fünf Tagen pro Woche an, ergibt sich ein Jahresverbrauch von etwa 5 bis 25 kWh, was jährlichen Stromkosten von 3 bis 10 Franken entspricht. Das ist mit modernen, effizienten Bodenstaubsaugern vergleichbar oder sogar günstiger.
Wer den Roboter nicht täglich nutzt, sollte die Ladestation bei Nichtgebrauch vom Netz trennen.
Hinzu kommt jedoch der Standby-Verbrauch der Ladestation: Im Dauerbetrieb an der Steckdose können einige Modelle hier nennenswert Strom verbrauchen. Wer den Roboter nicht täglich nutzt, sollte die Ladestation bei Nichtgebrauch vom Netz trennen.
Navigationseffizienz: Ältere Modelle mit Zufallsnavigation fahren chaotisch und benötigen für dasselbe Reinigungsergebnis deutlich mehr Zeit und Strom. Moderne Geräte mit Lasernavigation (LiDAR) oder Kameranavigation erstellen präzise Raumkarten und arbeiten systematisch – schneller, gründlicher und sparsamer. Der geringe Stromverbrauch macht aber klar: Allein deswegen lohnt sich ein Neukauf nicht.
Tipps für den Staubsauger-Kauf
Energieeffizienz
Eine niedrige Wattzahl ist kein Nachteil – auf Testergebnisse unabhängiger Institute achten.
Für Bodenstaubsauger gilt: 400 bis 600 Watt reichen für exzellente Ergebnisse.
Bei Akkustaubsaugern darauf achten, ob es Zweit- oder Ersatzakkus gibt. Das erhöht die Langlebigkeit des Geräts als Ganzes.
Saugroboter sind im Betrieb sehr sparsam, der Standby-Verbrauch der Ladestation sollte aber beachtet werden.
Wer selten saugt wählt den klassischen Bodenstaubsauger. Wer täglich saugen möchte: ein Saugroboter kann energetisch gleichwertig oder besser sein.
Wichtig für Allergiker
Wer auf Hausstaub allergisch reagiert, sollte ein Gerät mit HEPA- oder ULPA-Filter wählen. Diese speziellen Abluftfilter halten mehr als 99 Prozent aller Teilchen bis zu einer Grösse von 0,3 Mikrometer zurück (das menschliche Haar hat einen Durchmesser von etwa 50 Mikrometer).
Kleinste Teilchen wie Pollen, Bakterien und Ausscheidungen der Hausstaubmilbe, die für die Hausstauballergie verantwortlich sind, halten diese Filter zurück.
Tipps für besseren Datenschutz für Roboter-Staubsauger
Ein moderner Saugroboter ist kein einfaches Haushaltsgerät – er ist ein vernetzter Computer auf Rädern mit Kamera, Mikrofon und permanenter Internetverbindung. Mehr zu den Gefahren folgt, hier vorab schon die Kauftipps.
Modelle ohne Kamera und Mikrofon wählen, sofern die Navigationstechnik ausreicht.
Datenschutzerklärung des Herstellers vor dem Kauf lesen – insbesondere zu Cloud-Speicherung und Datenweitergabe an Dritte.
Einstellungen nutzen, die die Übertragung von Raumkarten an den Hersteller verhindern.
Ladestation in einem separaten WLAN-Netzwerk betreiben, um das Hauptnetzwerk mit Computer, Smartphone und Tablet zu schützen.
Firmware und App des Roboters regelmässig aktualisieren.
Für Sicherheitsbewusste: Modelle von Herstellern in den USA (iRobot) oder Europa (Vorwerk in Deutschland) schnitten in Datenschutztests besser ab als solche aus Fernost.
Vernetzte Saugroboter: Komfort mit Daten zahlen?
Roboter-Staubsauger erfassen während ihrer Reinigungsfahrten eine Vielzahl von Daten: den genauen Grundriss der Wohnung, die Einrichtung, die Anordnung von Türen und Fenstern, regelmässige Nutzungszeiten und ‑muster. Viele laden diese Daten in die Cloud-Infrastruktur des Herstellers hoch. Was dort mit den Daten geschieht, liegt im Ermessen des Unternehmens – und seiner Datenschutzerklärung.
Staubsaugerroboter sind mit Kameras und teilweise auch Mikrofonen ausgestattet. (Foto: Samuel Carvajal / Shutterstock)
Einige Hersteller halten sich an die Vorschriften der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), andere jedoch nicht. Tests des AV-Instituts zeigten, dass manche Geräte während des Betriebs einen ständigen Datenstrom zu Drittanbietern unterhielten.
Kameras: Navigation oder Überwachung?
Viele Saugroboter des Premiumsegments sind mit einer oder mehreren Kameras ausgestattet. Diese dienen primär der präziseren Navigation und der Hinderniserkennung – der Roboter soll Socken auf dem Boden, Kabel oder Spielzeug erkennen und umfahren. Allerdings zeichnen Kameras bei jeder Reinigung Bilder der Wohnung auf.
Mikrofone: Sprachsteuerung als Einfallstor
Einige Modelle – etwa der Ecovacs Deebot X1 – sind mit mehreren Mikrofonen für die Sprachsteuerung ausgestattet. Was auf den ersten Blick wie Komfort aussieht, ist aus Datenschutzsicht heikel: Geräte mit aktivem Mikrofon warten permanent auf ein Aktivierungswort. Sicherheitsforscher wiesen nach, dass es möglich ist, bei Geräten mit Sicherheitslücken auf den Mikrofon-Feed zuzugreifen. Im Jahr 2024 wurden gehackte Ecovacs-Saugroboter in den USA ferngesteuert und spielten über ihre Lautsprecher rassistische Beschimpfungen ab – ein drastisches Beispiel für reale Missbrauchsszenarien.
Hacker-Angriffe: keine Theorie
Sicherheitsforscher der Konferenz DEF CON 32 demonstrierten 2024 umfassende Schwachstellen in Ecovacs-Robotern. Sie zeigten, dass ein Angreifer Zugriff auf die Kamera, das Mikrofon und das Betriebssystem des Roboters erlangen kann. Ein weiteres Risiko: veraltete Firmware, über die Angreifende Zugang zum gesamten Heimnetzwerk erlangen können, inklusive weiteren smarten Geräten.
Viele beliebte Saugrobotermarken – Roborock, Ecovacs, Dreame, Xiaomi – stammen aus China. Cloud-Daten, die auf Server in China übertragen werden, unterliegen nicht den europäischen Datenschutzstandards. China gilt in der EU nicht als sicheres Drittland im Sinne der DSGVO. Chinesische Gesetze ermöglichen staatlichen Behörden weitreichenden Zugriff auf Unternehmensdaten. Das bedeutet nicht zwingend, dass Nutzerdaten tatsächlich abgegriffen werden – aber die Grundlage für einen solchen Zugriff besteht.
MSc Umweltnaturwissenschaften ETH, arbeitet als Projektleiterin Energieeffizienz bei Topten und betreut dort unter anderem die Kategorien rund um Licht, Küchengeräte, Fahrzeuge und Holzheizungen.
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